Neue Positionen der Kunsttheorie (Philosophie der Musik) – Leuphana Universität Lüneburg (Leuphana-Bachelor – Major Angewandte Kulturwissenschaften; Klassische Ästhetik und neuere Kunsttheorie)
Die Frage nach der Ästhetik, insbesondere der Musikästhetik erweist sich als komplex und umfasst viele Aspekte. Der Begriff der Ästhetik hat im zwanzigsten Jahrhundert grundsätzliche Veränderungen erfahren, die mit dem Verhältnis von Kunst und Gesellschaft korrespondieren und die allgemeinen Entwicklungen der modernen beziehungsweise postmodernen Kultur betreffen.
Ausgangspunkt dieser Veränderungen sind die Avantgarde-Bewegungen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit ihnen löst sich die philosophische Ästhetik aus ihrem akademischen Rahmen und wird zur Domäne künstlerischer Praxis.
Besondere Konsequenzen hat das für die Musik, die sich nun mehr auch historisch neu verorten muss: und das ist nicht nur eine Neupositionierung innerhalb der Künste und der Ästhetik, sondern auch aktualisierende Definition des gesellschaftlichen Ortes der Musik: wie keine andere Kunst ist sie von der Dynamik von high and low, E und U betroffen. Die avancierten Formen der Neuen Musik bleiben disparat zu den Entwicklungen der Massenmusik, zum Jazz und später auch zum Rock ’n’ Roll und schließlich Pop. Gleichwohl bildet sich auch hier eine Ästhetik heraus, die zunehmend Formen der klassischen bürgerlichen Ästhetik zu unterwerfen scheint. Adorno und Horkheimer haben das im Kulturindustrie-Abschnitt der ›Dialektik der Aufklärung‹ erstmals umfassend diagnostiziert. Und Adornos ›Philosophie der Neuen Musik‹ stellt gleichsam den Versuch einer kritisch‑ästhetischen Rettung dar, die Kunst zu verteidigen.
Innerhalb des Kanons der modernen Künste scheint die Musik von einer zunehmenden Marginalisierung betroffen zu sein und wird kaum wahrgenommen. Gleichzeitig hat sich die öffentlich-allgemeine Vorstellung der Kunstmusik auf ›Klassik‹ verengt; und ›Klassik‹ bildet zudem ein beliebtes wie profitables Segment innerhalb des Musikbetriebs. Mit der Ausweitung der Popkultur in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wird indes paradoxerweise die Musik zur gesellschaftlichen und ästhetischen Leitkunst: Gerade die zunehmende mediale Visualisierung, die Vorherrschaft des Optischen scheint maßgeblich an die Musik gebunden zu sein (Stichworte: Musik im Film, Werbung, Musikfernsehen …). Daraus ergeben sich nicht nur musikästhetisch interessante Fragen, sondern Probleme, die für die eine ästhetische Theorie der Gegenwart von höchster Relevanz sind.
Kreativität und Gesellschaft (Komplementärstudium Perspektive Verstehen und Verändern) – Leuphana Universität Lüneburg (Leuphana-Bachelor – Komplementärstudium)
Das Modul vermittelt Grundkenntnisse im Bereich von Definitionen und Gebrauchsweisen des Kreativitätsbegriffes sowie damit assoziierter Begriffe (z.B. Originalität, Genie, Authentizität, Neuerung), der Forschung zur Kreativität sowie der Diskurse, in welche das Kreativitätskonzept eingebunden ist. Es stützt sich dabei auf die Forschung und theoretische Auseinandersetzung mit Kreativität sowohl in den Geistes‑ bzw. Kulturwissenschaften, als auch in den Sozialwissenschaften.
Die Sprache der Propaganda – Leuphana Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften; Hauptfach Sprache und Kommunikation – Sprachtheorie und Analyse/Sprache und Gesellschaft)
Der Sache nach ist das Problem der Propaganda schon von Aristoteles (›Rhetorik‹) aufgegriffen worden; als Begriff ist von Propaganda erstmals 1622 die Rede: in der von Papst Gregor XV. gegründeten »Congregatio de propaganda fide« geht es um die Verbreitung des Glaubens, um »die elend verirrten Schafe zum Schafstall Christi zu führen und zur Anerkennung des Herrn und Hirten der Herde zu bewegen«. Das ist im Wesentlichen die Funktion, die der Propaganda schließlich im zwanzigsten Jahrhundert zukommt, ausgeweitet auf die Felder der politischen Ökonomie. Eine besondere Sprache der Propaganda wird dabei vor allem sowohl durch die kommunistische Emanzipationsbewegung (Lenin: ›Was tun?‹, 1902) als auch durch die sich etablierende Public-Relation (Bernays: ›Propaganda‹, 1928) fortschreitender Warenproduktion entwickelt. Berühmt-berüchtigt wird schließlich die Sprache der NS-Propaganda. Durch die Verbreitung der modernen Massenmedien finden sich im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts auch neue Formen der Propaganda, in denen sich eine eigentümliche Dynamik von Manipulation und Aufklärung realisiert. Die Sprache der Propaganda ist damit aufs engste mit den heutigen Strukturen von Kultur, Gesellschaft und Politik verbunden. Die Typen der Propagandasprache sind insofern mit Begriffskomplexen wie ›Diskurs‹, ›Kommunikation‹, ›Reklame‹, ›Meinung‹, aber auch ›Religion‹ oder ›Diplomatie‹ zu konfrontieren.
Bildung & Kultur als Problem der gegenwärtigen Gesellschaft – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Der klassische Bildungsbegriff ist aufs engste mit dem Konzept der modernen Kultur verbunden. Die wechselseitige Beziehung von Bildungsprozessen und Kulturgeschichte scheint bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert hinein relativ stabil zu sein; im Verlauf des zurückliegenden Jahrhunderts treten allerdings ›Bildung‹ und ›Kultur‹ auf eigentümliche Weise – etwa in ihrer öffentlichen Problematisierung oder in der alltagspraktischen Bedeutung für das Individuum – immer weiter auseinander, so dass heute die Verbindung zwischen Bildung und Kultur keineswegs mehr selbstverständlich ist. Das hat freilich auch damit zu tun, dass beide Konzepte einem fundamentalen Wandel unterliegen und scheinbar unterschiedlichste Realitäten bezeichnen können. (Zum Beispiel gibt es eine ›Popkultur‹, aber nicht wirklich eine ›Popbildung‹ …) – In diesem Seminar wollen wir uns deshalb die Begriffe Bildung und Kultur noch einmal grundlegend erarbeiten und als Problem der gegenwärtigen Gesellschaft aktualisieren.
Der Fortschritt in der Kunst – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Gibt es Fortschritt? Lässt sich angesichts der gegenwärtigen Entwicklung und der geschichtlichen Vergangenheit überhaupt von Fortschritt sprechen? – Gibt es einen Fortschritt in der Kunst, und wenn ja: Worin oder wie manifestiert er sich? Oder ist die Kunst das, was vom Fortschritt noch übrig ist? Ist Kunst der letzte Ort, an dem es noch Fortschritt geben kann, wo er aufbewahrt ist? – Sind einige Künste fortschrittlicher als andere? Ist Fortschritt Kunst? – Was ist überhaupt Fortschritt? – Mit diesen Fragen wollen wir uns beschäftigen. Dazu sollen Grundkonzepte der Kunsttheorie, Ästhetik und Philosophie hinzugezogen werden.
Vom Frühsozialismus zum Postkommunismus. Stationen einer Gesellschaftsutopie – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Die Moderne wird von der Utopie einer befreiten Gesellschaft begleitet; im Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen versuchten die so genannten Frühsozialisten, dieser Utopie theoretisch wie praktisch Gestalt zu geben. Ihre wissenschaftliche Fundierung findet diese Utopie schließlich durch die linkshegelianischen Philosophen, durch Marx und Engels, sowie Anarchisten wie Proudhon oder Bakunin. Der so genannte reale Sozialismus prägt das zwanzigste Jahrhundert, seine Hoffnungen und Katastrophen. Im Stalinismus scheitert die Utopie vorerst, wird aber politisch in den sechziger Jahren (Mai 68) wieder aufgenommen. Nach 1989 wird diskutiert, inwiefern diese Utopie als Postkommunismus fortzusetzen ist. – In diesem Seminar wollen wir uns nicht nur mit der Theorie und Praxis der sozialistischen Utopie beschäftigen, sondern vor allem auch rekonstruieren, inwiefern die moderne Kunst sich mit dieser Utopie auseinandersetzte, sie prägte oder zu korrigieren versuchte. Die Frage nach den philosophischen und ästhetischen Grundlagen dieser Utopie steht damit im Vordergrund des Seminars.
Zwischen Verstummen und Verständigung. Das Problem der Sprache in der kritischen Theorie – Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften; Hauptfach Sprache und Kommunikation – Sprachtheorie und –analyse/Sprache und Gesellschaft)
Es liegt kein Text zur Veranstaltung vor.
Kritische Kultursoziologie – Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften; Hauptfach Kulturtheorie und Interkulturelle Studien; Grundstudium)
Es liegt kein Text zur Veranstaltung vor.
Praxisbezogene Einführung in das Studium der Erziehungswissenschaft am Beispiel: Pädagogische Kritik und Lernprozesse – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Was bedeutet eigentlich Praxis für die pädagogische Situation? Inwiefern bestimmt unsere Alltagspraxis das pädagogische Handeln und unseren Lernprozess? In welcher Weise gibt es situative Rückkopplungen zwischen Lehren und Lernen? Wie kann es gelingen, erziehungstheoretische Konzepte in die Praxis zu übersetzen; und weshalb bleibt der bewusste Zugang zur Praxis auf Theorie als pädagogische Kritik verwiesen? – Mit diesen Fragen wollen wir uns in dem Seminar auseinandersetzen: und zwar praktisch. Dafür ist es notwendig, dass wir uns einen Praxisbegriff erarbeiten, der die verschiedenen Dimensionen des Lehrens und Lernens zugleich umschließt und differenziert.
Nach der Ästhetischen Theorie: Die Permanenz der Kunst – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Posthum erscheint 1970 Theodor W. Adornos ›Ästhetische Theorie‹, mit der als Band 7 die Edition seiner Gesammelten Schriften beginnt. Das umfangreiche und unabgeschlossene Buch gilt als letzte große philosophische Ästhetik. Bemerkenswert ist, dass Adorno in der ›Ästhetischen Theorie‹ kaum auf die Kunstentwicklung der damaligen Zeit eingeht; der Bereich der bildenden Kunst bleibt vollkommen ausgespart. Das ist insofern bemerkenswert, weil gerade von der bildenden Kunst die entscheidenden Impulse für die Gegenwartskultur ausgingen, während Literatur und Kunstmusik zunehmend an Einfluss verloren. Gleichwohl hätte Adorno für seine Ästhetik in der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, insbesondere der fünfziger und sechziger Jahre, zahlreiche Wahlverwandtschaften finden können, auch und gerade in Hinblick auf die gesellschaftskritische Intention, die seinem Projekt immanent ist. – Bis heute ist die Lücke zwischen künstlerischer Praxis und ästhetischer Theorie nicht geschlossen, sondern hat sich im Gegenteil eher vergrößert. In dem Seminar soll untersucht werden, inwiefern dies in der Logik der philosophischen Ästhetik und dem Status der Kunst und der Künste in der Moderne wie Postmoderne begründet ist.