Wintersemester 2012⁄2013: Übung Kulturtheorie
WS 12⁄13 | HCU | Übung Kulturtheorie
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WS 12⁄13 | HCU | Übung Kulturtheorie
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WS 12⁄13 | Universität Hamburg | Medien versus Bildung, Geschichte und Perspektiven von (schulischen) Lehr‑ und Lernprozessen
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WS 12⁄13 | Universität Paderborn | Zukunftsmusik/Future Sound. Pop, Geschichte, Fortschritt, Mode.
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WS 12⁄13 | Universität Paderborn | Ästhetik und Technik. Zum Problem des Materials in der (populären) Musik.
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Neue Positionen der Kunsttheorie (Philosophie der Musik) – Leuphana Universität Lüneburg (Leuphana-Bachelor – Major Angewandte Kulturwissenschaften; Klassische Ästhetik und neuere Kunsttheorie)
Die Frage nach der Ästhetik, insbesondere der Musikästhetik erweist sich als komplex und umfasst viele Aspekte. Der Begriff der Ästhetik hat im zwanzigsten Jahrhundert grundsätzliche Veränderungen erfahren, die mit dem Verhältnis von Kunst und Gesellschaft korrespondieren und die allgemeinen Entwicklungen der modernen beziehungsweise postmodernen Kultur betreffen.
Ausgangspunkt dieser Veränderungen sind die Avantgarde-Bewegungen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit ihnen löst sich die philosophische Ästhetik aus ihrem akademischen Rahmen und wird zur Domäne künstlerischer Praxis.
Besondere Konsequenzen hat das für die Musik, die sich nun mehr auch historisch neu verorten muss: und das ist nicht nur eine Neupositionierung innerhalb der Künste und der Ästhetik, sondern auch aktualisierende Definition des gesellschaftlichen Ortes der Musik: wie keine andere Kunst ist sie von der Dynamik von high and low, E und U betroffen. Die avancierten Formen der Neuen Musik bleiben disparat zu den Entwicklungen der Massenmusik, zum Jazz und später auch zum Rock ’n’ Roll und schließlich Pop. Gleichwohl bildet sich auch hier eine Ästhetik heraus, die zunehmend Formen der klassischen bürgerlichen Ästhetik zu unterwerfen scheint. Adorno und Horkheimer haben das im Kulturindustrie-Abschnitt der ›Dialektik der Aufklärung‹ erstmals umfassend diagnostiziert. Und Adornos ›Philosophie der Neuen Musik‹ stellt gleichsam den Versuch einer kritisch‑ästhetischen Rettung dar, die Kunst zu verteidigen.
Innerhalb des Kanons der modernen Künste scheint die Musik von einer zunehmenden Marginalisierung betroffen zu sein und wird kaum wahrgenommen. Gleichzeitig hat sich die öffentlich-allgemeine Vorstellung der Kunstmusik auf ›Klassik‹ verengt; und ›Klassik‹ bildet zudem ein beliebtes wie profitables Segment innerhalb des Musikbetriebs. Mit der Ausweitung der Popkultur in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wird indes paradoxerweise die Musik zur gesellschaftlichen und ästhetischen Leitkunst: Gerade die zunehmende mediale Visualisierung, die Vorherrschaft des Optischen scheint maßgeblich an die Musik gebunden zu sein (Stichworte: Musik im Film, Werbung, Musikfernsehen …). Daraus ergeben sich nicht nur musikästhetisch interessante Fragen, sondern Probleme, die für die eine ästhetische Theorie der Gegenwart von höchster Relevanz sind.
Kreativität und Gesellschaft (Komplementärstudium Perspektive Verstehen und Verändern) – Leuphana Universität Lüneburg (Leuphana-Bachelor – Komplementärstudium)
Das Modul vermittelt Grundkenntnisse im Bereich von Definitionen und Gebrauchsweisen des Kreativitätsbegriffes sowie damit assoziierter Begriffe (z.B. Originalität, Genie, Authentizität, Neuerung), der Forschung zur Kreativität sowie der Diskurse, in welche das Kreativitätskonzept eingebunden ist. Es stützt sich dabei auf die Forschung und theoretische Auseinandersetzung mit Kreativität sowohl in den Geistes‑ bzw. Kulturwissenschaften, als auch in den Sozialwissenschaften.
Die Sprache der Propaganda – Leuphana Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften; Hauptfach Sprache und Kommunikation – Sprachtheorie und Analyse/Sprache und Gesellschaft)
Der Sache nach ist das Problem der Propaganda schon von Aristoteles (›Rhetorik‹) aufgegriffen worden; als Begriff ist von Propaganda erstmals 1622 die Rede: in der von Papst Gregor XV. gegründeten »Congregatio de propaganda fide« geht es um die Verbreitung des Glaubens, um »die elend verirrten Schafe zum Schafstall Christi zu führen und zur Anerkennung des Herrn und Hirten der Herde zu bewegen«. Das ist im Wesentlichen die Funktion, die der Propaganda schließlich im zwanzigsten Jahrhundert zukommt, ausgeweitet auf die Felder der politischen Ökonomie. Eine besondere Sprache der Propaganda wird dabei vor allem sowohl durch die kommunistische Emanzipationsbewegung (Lenin: ›Was tun?‹, 1902) als auch durch die sich etablierende Public-Relation (Bernays: ›Propaganda‹, 1928) fortschreitender Warenproduktion entwickelt. Berühmt-berüchtigt wird schließlich die Sprache der NS-Propaganda. Durch die Verbreitung der modernen Massenmedien finden sich im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts auch neue Formen der Propaganda, in denen sich eine eigentümliche Dynamik von Manipulation und Aufklärung realisiert. Die Sprache der Propaganda ist damit aufs engste mit den heutigen Strukturen von Kultur, Gesellschaft und Politik verbunden. Die Typen der Propagandasprache sind insofern mit Begriffskomplexen wie ›Diskurs‹, ›Kommunikation‹, ›Reklame‹, ›Meinung‹, aber auch ›Religion‹ oder ›Diplomatie‹ zu konfrontieren.
Bildung & Kultur als Problem der gegenwärtigen Gesellschaft – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Der klassische Bildungsbegriff ist aufs engste mit dem Konzept der modernen Kultur verbunden. Die wechselseitige Beziehung von Bildungsprozessen und Kulturgeschichte scheint bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert hinein relativ stabil zu sein; im Verlauf des zurückliegenden Jahrhunderts treten allerdings ›Bildung‹ und ›Kultur‹ auf eigentümliche Weise – etwa in ihrer öffentlichen Problematisierung oder in der alltagspraktischen Bedeutung für das Individuum – immer weiter auseinander, so dass heute die Verbindung zwischen Bildung und Kultur keineswegs mehr selbstverständlich ist. Das hat freilich auch damit zu tun, dass beide Konzepte einem fundamentalen Wandel unterliegen und scheinbar unterschiedlichste Realitäten bezeichnen können. (Zum Beispiel gibt es eine ›Popkultur‹, aber nicht wirklich eine ›Popbildung‹ …) – In diesem Seminar wollen wir uns deshalb die Begriffe Bildung und Kultur noch einmal grundlegend erarbeiten und als Problem der gegenwärtigen Gesellschaft aktualisieren.
Der Fortschritt in der Kunst – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Gibt es Fortschritt? Lässt sich angesichts der gegenwärtigen Entwicklung und der geschichtlichen Vergangenheit überhaupt von Fortschritt sprechen? – Gibt es einen Fortschritt in der Kunst, und wenn ja: Worin oder wie manifestiert er sich? Oder ist die Kunst das, was vom Fortschritt noch übrig ist? Ist Kunst der letzte Ort, an dem es noch Fortschritt geben kann, wo er aufbewahrt ist? – Sind einige Künste fortschrittlicher als andere? Ist Fortschritt Kunst? – Was ist überhaupt Fortschritt? – Mit diesen Fragen wollen wir uns beschäftigen. Dazu sollen Grundkonzepte der Kunsttheorie, Ästhetik und Philosophie hinzugezogen werden.
Vom Frühsozialismus zum Postkommunismus. Stationen einer Gesellschaftsutopie – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Die Moderne wird von der Utopie einer befreiten Gesellschaft begleitet; im Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen versuchten die so genannten Frühsozialisten, dieser Utopie theoretisch wie praktisch Gestalt zu geben. Ihre wissenschaftliche Fundierung findet diese Utopie schließlich durch die linkshegelianischen Philosophen, durch Marx und Engels, sowie Anarchisten wie Proudhon oder Bakunin. Der so genannte reale Sozialismus prägt das zwanzigste Jahrhundert, seine Hoffnungen und Katastrophen. Im Stalinismus scheitert die Utopie vorerst, wird aber politisch in den sechziger Jahren (Mai 68) wieder aufgenommen. Nach 1989 wird diskutiert, inwiefern diese Utopie als Postkommunismus fortzusetzen ist. – In diesem Seminar wollen wir uns nicht nur mit der Theorie und Praxis der sozialistischen Utopie beschäftigen, sondern vor allem auch rekonstruieren, inwiefern die moderne Kunst sich mit dieser Utopie auseinandersetzte, sie prägte oder zu korrigieren versuchte. Die Frage nach den philosophischen und ästhetischen Grundlagen dieser Utopie steht damit im Vordergrund des Seminars.
Zwischen Verstummen und Verständigung. Das Problem der Sprache in der kritischen Theorie – Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften; Hauptfach Sprache und Kommunikation – Sprachtheorie und –analyse/Sprache und Gesellschaft)
Es liegt kein Text zur Veranstaltung vor.
Kritische Kultursoziologie – Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften; Hauptfach Kulturtheorie und Interkulturelle Studien; Grundstudium)
Es liegt kein Text zur Veranstaltung vor.
Praxisbezogene Einführung in das Studium der Erziehungswissenschaft am Beispiel: Pädagogische Kritik und Lernprozesse – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Was bedeutet eigentlich Praxis für die pädagogische Situation? Inwiefern bestimmt unsere Alltagspraxis das pädagogische Handeln und unseren Lernprozess? In welcher Weise gibt es situative Rückkopplungen zwischen Lehren und Lernen? Wie kann es gelingen, erziehungstheoretische Konzepte in die Praxis zu übersetzen; und weshalb bleibt der bewusste Zugang zur Praxis auf Theorie als pädagogische Kritik verwiesen? – Mit diesen Fragen wollen wir uns in dem Seminar auseinandersetzen: und zwar praktisch. Dafür ist es notwendig, dass wir uns einen Praxisbegriff erarbeiten, der die verschiedenen Dimensionen des Lehrens und Lernens zugleich umschließt und differenziert.
Nach der Ästhetischen Theorie: Die Permanenz der Kunst – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Posthum erscheint 1970 Theodor W. Adornos ›Ästhetische Theorie‹, mit der als Band 7 die Edition seiner Gesammelten Schriften beginnt. Das umfangreiche und unabgeschlossene Buch gilt als letzte große philosophische Ästhetik. Bemerkenswert ist, dass Adorno in der ›Ästhetischen Theorie‹ kaum auf die Kunstentwicklung der damaligen Zeit eingeht; der Bereich der bildenden Kunst bleibt vollkommen ausgespart. Das ist insofern bemerkenswert, weil gerade von der bildenden Kunst die entscheidenden Impulse für die Gegenwartskultur ausgingen, während Literatur und Kunstmusik zunehmend an Einfluss verloren. Gleichwohl hätte Adorno für seine Ästhetik in der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, insbesondere der fünfziger und sechziger Jahre, zahlreiche Wahlverwandtschaften finden können, auch und gerade in Hinblick auf die gesellschaftskritische Intention, die seinem Projekt immanent ist. – Bis heute ist die Lücke zwischen künstlerischer Praxis und ästhetischer Theorie nicht geschlossen, sondern hat sich im Gegenteil eher vergrößert. In dem Seminar soll untersucht werden, inwiefern dies in der Logik der philosophischen Ästhetik und dem Status der Kunst und der Künste in der Moderne wie Postmoderne begründet ist.
Der Beginn der Moderne. Die Kunst in der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts – Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften, Kunst‑ und Bildwissenschaften; Soziologie der Kunst, kontextuelle Kunst)
Es liegt kein Text zur Veranstaltung vor.
Bildung in der Popkultur. Theoretische Zugänge zu einem gegenwärtigen Problem (Hauptseminar) – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Von der Bildungskrise beziehungsweise, dramatischer, Bildungskatastrophe wird in derselben Zeit gesprochen, in der eine neue Form von Kunst und Kultur beginnen, das Alltagsleben des Menschen nachhaltig zu bestimmen: Pop-Art, Popkultur, auch Postmoderne, Medienzeitalter und Cultural Studies sind Begriffe, die in den fünfziger Jahren auftauchen und, jeweils mit Verzögerungen, in den nachfolgenden Jahrzehnten auch die Bildungsdiskussionen beeinflussen. Während einerseits ein kritischer Bildungsbegriff verteidigt und der Bildungsverlust durch die Popkultur kritisiert wird (etwa: Adorno, Theorie der Halbbildung), wird andererseits der Bildungsbegriff und die humanistische Bildungstradition grundsätzlich infrage gestellt (in der französischen Philosophie etwa durch Foucault oder Lyotard).
Kaum wurde allerdings versucht, einen kritischen Begriff der Bildung mit der Kritik der gegenwärtigen Popkultur zu vermitteln. In diesem Seminar sollen in einem ersten Teil die verschiedenen, auch für die Bildungsdiskussion relevanten Theoriedebatten vorgestellt werden, um in einem zweiten Teil für die aktuelle Situation theoretische wie praktische Lösungen zu erarbeiten.
Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft (AEW, Kerncurriculum) – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Was ist kritische Erziehungswissenschaft? Was ist Bildung? Welche Funktion hat Bildungstheorie und Erziehungswissenschaft in der modernen Gesellschaft? In diesem Seminar sollen die Grundbegriffe verschiedener Konzepte der Erziehungswissenschaft erarbeitet und auf ihre Aktualität überprüft werden. Dabei geht es nicht nur um die gesellschaftstheoretischen Grundlagen der Erziehungswissenschaft, sondern auch um das Problem, ob diese Konzepte angemessen auf die gegenwärtigen kulturellen Wandlungsprozesse reagieren (können).
Dieses Seminar ist ein Einführungsseminar; vorausgesetzt werden das Interesse am Thema und die Bereitschaft, auch schwierige Texte zu erarbeiten. Auch dadurch wollen wir uns mit den Methoden der Erziehungswissenschaft vertraut machen.
Faust Ⅲ. Goethe im 20. Jahrhundert – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
»Alles Vergängliche/Ist nur ein Gleichnis;/Das Unzulängliche,/Hier wird’s Ereignis;/Das Unbeschreibliche,/Hier ist’s getan; …« Mit diesem ›Chorus mysticus‹ endet Goethes ›Faust II‹. Die Zeilen lassen sich durchaus als eine düstere Vorwegnahme des zwanzigsten Jahrhunderts lesen. Indessen ist Goethe heute eine touristische Attraktion; der kritische Impuls seines Werkes ist scheinbar als Unterhaltung auf höherem Niveau im Kulturbetrieb integriert: eine Ruine der bürgerlichen Gesellschaft, die Goethe einmal repräsentierte und die im zwanzigsten Jahrhundert scheiterte. – Welchen Einfluss hat aber Goethes Werk über die publikumswirksame Inszenierung hinaus? Welche Bedeutung hat Goethe im zwanzigsten Jahrhundert für die Künste und für die Philosophie? In diesem Lektüreseminar wollen wir nicht nur ausgewählte Texte von Goethe lesen, sondern uns vor allem mit der Rezeption Goethes beschäftigen: die Spurensuche beginnt mit Georg Simmel, Walter Benjamin, Herbert Marcuse und Georg Lukács, geht weiter mit Leo Löwenthal und Theodor W. Adorno und führt mit Ernst Bloch und Roland Barthes schließlich in die Gegenwartskunst …
Die Herausforderung der Philosophie – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Mit Hegel findet die Philosophie ihren vorläufigen Höhepunkt; sie verliert ihre Stellung als übergeordnete und systematische Wissenschaft und ihre Themen werden von Literaturwissenschaft, Soziologie oder Biologie übernommen. Die Fragen nach Vernunft, nach Freiheit, nach dem Dasein des Menschen und der Organisation der Gesellschaft sind keine philosophischen Fragen mehr; umgekehrt wirken die Antworten, die die Philosophie bisher auf diese Fragen gegeben hat, disparat und antiquiert. – Gleichwohl gibt es weiterhin die Philosophie als Wissenschaft und akademische Disziplin; ebenso gibt es eine Populärphilosophie als Lebenshilfe, und schließlich werden die unterschiedlichsten Produkte in der Reklame mit diversen Philosophien beworben. Was ist denn überhaupt noch Philosophie? Was ist die Herausforderung der Philosophie? Was heißt philosophisches Denken heute?
Powerage. Popkultur 1955 bis 2001 – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
1955 ist das Geburtsjahr der Popkultur: die ersten Rock‑’n’-Roll‑ und Soul-Schallplatten werden veröffentlicht, die Jugendlichen werden zu Halbstarken, im Film fliegt man zum ›Forbidden Planet‹ oder durchquert den ›Blackboard Jungle‹; die ersten Fast-Food-Restaurants werden eröffnet, die Menschen haben Angst vor Aliens und UFOs, das Fernsehen setzt sich als Leitmedium durch und die (populäre) Musik wird Leitkunst: aus der Pop-Art wird Popmusik, aus der Popmusik wird Popkultur. So entsteht über die letzten fünfzig Jahre eine Alltagskultur, die schließlich merkwürdig zu verschwinden scheint. – Allenthalben wird heute versucht, die Popkultur zu historisieren und zu kanonisieren: Die besten Pop-Hits, die einhundert besten Rocksongs, ›Verschwende Deine Jugend!‹, ›Ein Jahr und seine 20 Songs‹, die wahre Geschichte der Popmusik etc. In diesem Seminar wollen wir versuchen, uns als Archäologen einer Genealogie der Popkultur anzunähern: Was hat ihre Dynamik bestimmt, was ihre Lebensweise, was hat die Popkultur ausgemacht? – Der Titel der Veranstaltung ist übrigens einer Platte von AC/DC entliehen, veröffentlicht 1978: Das Jahr, das den Höhepunkt des Pop markiert …
Arbeit als Kategorie gesellschaftlicher Erfahrung – Zusammen mit Univ.-Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr, Kerstin Stakemeier – Freie Universität Berlin; OSI – Otto-Suhr-Institut (Blockseminar)
In der Moderne ist Arbeit eine zentrale Kategorie der individuellen Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen auf vielen Ebenen. Ihre Stellung im sozialen Zusammenhang bestimmt über den Status in der Gesellschaft genauso wie über die individuelle Lebensplanung des Einzelnen. Die arbeitsteilige Organisation der kapitalistischen Produktion verwandelte das Verständnis der Arbeit vom Stoffwechsel mit der Natur, von dem noch G.W.F Hegel ausgegangen war, in die industrielle Massenproduktion, deren Anfänge wenige Jahrzehnte nach Hegel schließlich Karl Marx beschreibt. Das Seminar will einen Bogen spannen von dem Verständnis der Arbeit im frühen 19. Jahrhundert zu dem der gesellschaftlichen Gegenwart: von Hegels »Selbstverwirklichung in der Natur« zu Maurizio Lazzaratos »immaterieller Arbeit«. Es soll gezeigt werden, wie stark die Vorstellung davon, was Arbeit sei, die gesellschaftlichen Formationen verändern und die Beurteilungsmaßstäbe beeinflussen kann, die hierbei auf den Einzelnen angelegt werden. Kontrastiert werden sollen dabei auch die neueren Ansätze von einerseits Moishe Postone (»Time, Labour, and Social Domination«), anderseits Toni Negri und Michael Hardt (»Empire«).
Der Paragone – Der Wettstreit der Künste – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Leonardo da Vinci ordnete die Musik der Malerei unter. Dem geht eine Trennung der Kunstgattungen einher, die auch für die Entwicklung der modernen philosophischen Ästhetik entscheidend werden sollte: Spätestens mit Hegel ist es üblich, die Künste in ihrer gesellschaftlichen Funktion und Bedeutung in eine Hierarchie zu bringen. Vor Hegel hatte Lessing den Paragone genannten Wettstreit der Künste für das Verhältnis von Theater und Plastik diskutiert – sein Beispiel: Laokoon. Dies wird im 20. Jahrhundert wieder aufgenommen, etwa von Clement Greenberg, der 1940 einen Beitrag programmatisch ›Towards a Newer Laocoon‹ nennt. Nun sei die Musik die vorherrschende Kunst. Ohnehin scheint im 20. Jahrhundert die Frage nach dem Wettstreit der Künste und der Leitkunst neu gewichtet werden zu müssen: Fotografie, Film, Comics – überhaupt die populären Künste sind heute an dem Paragone beteiligt. Auch Design und die Mode kommen freilich hinzu. Läuft nun der Wettstreit der Künste auf – wie Adorno es vermutete – eine ›Verfransung der Künste‹ hinaus, oder wird der Streit als bloßes Scheingefecht fortgesetzt? Ist in Zeiten der Popkultur der Paragone überhaupt noch ein Problem? – Mit diesen Fragen wollen wir uns anhand von unterschiedlichen Texten und Beispielen auseinandersetzen.
Urbanität und Moderne. Die Stadt im Kontext von Kunst und Philosophie – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Die Entwicklung der Moderne hat sich wesentlich in den Städten zugetragen. Die Kunst und Philosophie der Neuzeit findet in den Städten nicht nur ihren Niederschlag und Schauplatz, sondern in der Urbanisierung, der Verstädterung des menschlichen Lebens ihren spezifischen Ausdruck: Kunst und Philosophie sind selbst urbane Phänomene und von der modernen Großstadt und ihren Problemen gar nicht mehr zu trennen. Insgesamt lässt sich sagen: Die neuzeitliche Philosophie und die ästhetische Moderne steht im Kontext der Metropolen; die Stadt ist der prädestinierte Ort der Kunst und des Denkens. Die Entwicklung der Städte, der Künste und des Denkens können indes als unterschiedliche Facetten derselben Bewegung der modernen Gesellschaft verstanden werden. – In dem Seminar soll dieser Kontext in seinen verschiedenen Aspekten rekonstruiert werden, um so das Zusammenspiel von Kunst und Philosophie am Verhältnis von Urbanität und Moderne exemplarisch zu konkretisieren.
Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft (AEW, Kerncurriculum) – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Was ist kritische Erziehungswissenschaft? Was ist Bildung? Welche Funktion hat Bildungstheorie und Erziehungswissenschaft in der modernen Gesellschaft? In diesem Seminar sollen die Grundbegriffe verschiedener Konzepte der Erziehungswissenschaft erarbeitet und auf ihre Aktualität überprüft werden. Dabei geht es nicht nur um die gesellschaftstheoretischen Grundlagen der Erziehungswissenschaft, sondern auch um das Problem, ob diese Konzepte angemessen auf die gegenwärtigen kulturellen Wandlungsprozesse reagieren (können).
Dieses Seminar ist ein Einführungsseminar; vorausgesetzt werden das Interesse am Thema und die Bereitschaft, auch schwierige Texte zu erarbeiten. Auch dadurch wollen wir uns mit den Methoden der Erziehungswissenschaft vertraut machen.
Kunst und Massenkultur – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein Kulturbegriff, der noch weitgehend mit der Kunst identifiziert wurde, so treten im Verlauf der Moderne Kunst und Kultur immer weiter auseinander: Im Zuge der Verwandlung von Hochkultur in Massenkultur und schließlich Popkultur scheinen die Künste zunehmend ausgelagert oder innerhalb des Kulturbetriebs isoliert zu werden. Gleichzeitig haben sich innerhalb der Massenkultur auch neue Künste herausgebildet. Ebenso haben sich mit dieser Neuordnung des Verhältnisses von Kunst und Kultur auch die Kunst‑ und Kulturtheorien verändert.
In diesem Seminar soll dieser Transformationsprozess anhand des vergangenen Jahrhunderts exemplarisch Jahrzehnt für Jahrzehnt nachvollzogen werden. Dabei sollen auch grundsätzliche Fragen zur Sprache kommen: In welchem Verhältnis steht Design zur Kunst? Was bedeutet Kommerzialisierung der Kultur? Was verändert sich durch neue Kulturtechniken? Wie ist das Verhältnis von Avantgarde und Kitsch zu bestimmen? Was heißt Pop-Art? Wie ist die These vom Ende der Kunst heute zu bewerten?
Philosophische Grundbegriffe – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Die allgemeine Aufgabe der Philosophie ist es, zu erkennen was ist. Was das allerdings genau bedeutet, hat im Verlauf der abendländischen Geschichte zu unterschiedlichsten Konzeption geführt: Sein, Dasein, Logos, Wesen, Existenz, Essenz, Substanz, Wahrheit, Wirklichkeit, Möglichkeit, Bewusstsein, Verstand, Vernunft, Kraft, Widerspruch, Sinnlichkeit, das Gute, Sprache etc. In diesem Seminar wollen wir uns mit den zentralen Begriffen der Philosophie beschäftigen. Dabei soll es weniger um einen philosophiegeschichtlichen Zugriff gehen, sondern um eine philosophisch-systematische Rekonstruktion der Begriffsgeschichte und ihrer Problematik. Es wird sich zeigen, inwiefern sich schließlich der Begriff der Philosophie selbst in fundamentaler Weise verändert und entwickelt hat, und warum. Ausgangspunkt ist die Frage nach der gegenwärtigen Situation und Funktion der Philosophie – auch in Hinblick auf ihre Stellung zu Ästhetik, Kunst, Gestaltung.
Die Ästhetik der Erinnerung. Drei kleine Seminarvorlesungen mit Diskussion – The Aesthetics of Commemoration; Veranstaltung in englischer Sprache; Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Master of Fine Arts – MfA)
Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist nicht nur als Verdunklung der modernen Welt betrachtet worden, sondern als Ende der Moderne selbst, als Beginn des postmodernen Zeitalters. Das bedeutet auch, dass Geschichte nicht einfach sich wandelt, sondern dass Geschichte überhaupt einen Endpunkt erreicht haben könnte: Geschichte braucht Erfahrung; Erfahrung braucht ein seiner Geschichte bewusstes Dasein; Bewusstsein braucht eine kohärente und konsistente Struktur der Subjektivität. Aber unter Bedingungen der Postmoderne verschwinden diese Fundamente. In dieser Hinsicht wurden allerdings die Künste, ihre Funktion und Position neu bewertet: Verschiedene Versuche einer, wenn man so will, Ästhetik der Erinnerung sollten Geschichte und ein Geschichtsbewusstsein bewahren und rekonstruieren helfen, insbesondere in Hinblick auf die Vergangenheit. Eine Ästhetik der Erinnerung soll die postmoderne Gesellschaft befähigen, ihren Stillstand zu überwinden, um Geschichte neu zu starten.
Die drei Veranstaltungen werden in Schlüsselbegriffe der modernen und postmodernen Theorie der Künste einführen – mit Bezug auf die gegenwärtigen Kunststrategien im öffentlichen Raum. (Veranstaltung in englischer Sprache)
Maquette – Städtebau (zusammen mit Tom Steinert); Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Architektur (Bereich Städtebau)
Ist ein Stadtraum, der von einer durchschnittlichen Architektur geprägt ist, dabei aber eine starke eigene Figur erhält (Siena), solitären architektonischen Meisterleistungen ohne räumlichen Bezug zu ihrem städtischen Umfeld (Bauhausgebäude Dessau) vorzuziehen? Wir wollen im Seminar untersuchen, ob und wie die Elemente historischer Stadträume sowie die Elemente der Stadt in klassisch-moderner Vorstellung zu einer »dialogischen Stadt« beitragen.
Anlass des Seminars ist die um 1980 vom Kunsthistoriker und Architekturlehrer Paul Hofer aufgrund akribischer Untersuchung vorhandener Stadträume formulierte Unterscheidung eines »cartesianisch rationalen, kantenscharf geschnittenen Stadtmodells des Kontrasts von Hohl und Voll« von der »dichtverflochtenen, durchschichteten Stadt des Ineinandergreifens von Hohl und Voll, von Baumasse und Raumgestalt« – eben der »dialogischen Stadt«.
Roger Behrens Ⅿ. A., wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Ästhetik an der Fakultät Gestaltung, wird im Semesterverlauf die für die Stadtwahrnehmung grundlegenden Begriffe sowie ausgewählte Stadtvorstellungen in Form von Gastvorträgen mit anschließender Diskussion erarbeiten.
Aufgabe ist es, unter Anwendung der vorgetragenen Inhalte anhand bestimmter städtischer Räume städtebauliche Konzepte herauszuarbeiten und in einem kommentierten Modellbau sowie in Zeichnungen zu visualisieren. Ziel ist es, die eigene Stadtwahrnehmung zu üben und die Erkenntnisse in einem eigenen Entwurf, der die »dialogische Stadt« zum Ziel hat oder bewusst in Frage stellt, anzuwenden. Die Zusammenarbeit zwischen Studierenden der Fakultäten Gestaltung und Architektur ist ausdrücklich erwünscht.
Rohstoffe – Das Reale in der Gegenwartskunst (begleitende Theorievorlesung im Projekt bei Caroline Hake). – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Freie Kunst)
Kein Text.
Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Was ist kritische Erziehungswissenschaft? Was ist Bildung? Welche Funktion hat Bildungstheorie und Erziehungswissenschaft in der modernen Gesellschaft? In diesem Seminar sollen die Grundbegriffe verschiedener Konzepte der Erziehungswissenschaft erarbeitet und auf ihre Aktualität überprüft werden. Dabei geht es nicht nur um die gesellschaftstheoretischen Grundlagen der Erziehungswissenschaft, sondern auch um das Problem, ob diese Konzepte angemessen auf die gegenwärtigen kulturellen Wandlungsprozesse reagieren (können).
Dieses Seminar ist ein Einführungsseminar; vorausgesetzt wird das Interesse am Thema und die Bereitschaft, auch schwierige Texte zu erarbeiten. Auch dadurch wollen wir uns mit den Methoden der Erziehungswissenschaft vertraut machen.
Der Situationismus: Kunst gegen Kunst – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Kunsttheorie)
Kein Text.
Cultural Studies: »That’s Going On« – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Kulturtheorie, Integrationsbereich)
Der Titel der Veranstaltung ist als Antwort auf Lawrence Grossbergs Buchtitelfrage »What’s Going On?« zu verstehen. Vgl. Lawrence Grossberg, ›What’s Going on? Cultural Studies und Popularkultur‹, Cultural Studies Bd. 3, Wien: Turia + Kant 2000. Zugleich schließt unser Seminar an das Seminar: »Was ist hier eigentlich los? – Cultural Studies zur Einführung« vom Sommersemester 2002 an.
Jugend – Konzepte kultureller Vergesellschaftung. Zusammen mit Univ.-Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr, Kerstin Stakemeier – Freie Universität Berlin; OSI – Otto-Suhr-Institut (Blockseminar)
Das Konzept der »Jugend« als Beginn der sozialen Mündigkeit des Subjekts entstand mit dem Aufkeimen der bürgerlichen Gesellschaft im achtzehnten Jahrhundert. In den Schriften Novalis und Friedrich Schlegels nimmt die Jugend als individuelles, wie als gesamtgesellschaftliches Entwicklungsstadium einen zentralen Ort ein. Wo sich im Jugendstil dieses Konzept zurück zog aus der direkten politischen Einflussname, wurde es in der Weimarer Republik wieder zum Ausweis politischer Positionierung. Das gilt sowohl für Bertolt Brechts »Kuhle Wampe« und die hiermit verbundene Arbeiterjugend, wie auch die Fragmente biedermeierlicher Adoleszenz in der Weimarer Republik der zwanziger Jahre. Im letzten Jahrzehnt tauchte das Konzept der Jugend in der politischen Landschaft in unterschiedlichen Rollen auf. War es noch vor einigen Jahren vor allem die so genannte »Politikverdrossenheit« die mit ihr in Verbindung gebracht wurde, scheint heute, mit der steigenden Größe und Dynamik solcher Nicht-Regierungsorganisationen wie dem World Social Forum, die Jugend in den Raum des aktiv Politischen zurückgekehrt zu sein. Das Seminar wird Konzepte der Jugend im letzten Jahrhundert unter dem Aspekt des Selbst‑ wie auch des Fremdverständnisses der politischen Jungend behandeln.
Das Bauhaus – Geschichte, Theorie, Praxis – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das 1919 gegründete Bauhaus kann als ein Zentrum der europäischen Avantgardebewegung betrachtet werden. Gropius, Klee, Kandinsky, Moholy-Nagy und andere Wegbereiter der ästhetischen Moderne lehrten am Bauhaus und bestimmten so auch das Verhältnis von Bildung, Kunst, Kultur und Gesellschaft neu. Die programmatische Entwicklung des Bauhauses wird von Reformbewegungen ebenso wie von den sozialen Revolutionen der Jahrhundertwende begleitet. Die Bauhausidee ist auch als Auseinandersetzung mit der Entfaltung der urbanen Industriegesellschaft zu verstehen, überschattet vom Ersten Weltkrieg und der Krise der bürgerlichen Gesellschaft. Georg Simmel spricht zur selben Zeit von einer ›Tragödie der Kultur‹, als am Bauhaus versucht wird, den Standard der Massengesellschaft ästhetisch-kritisch neu zu bestimmen. Wir wollen uns in diesem Seminar mit den (ästhetischen) Theorien beschäftigen, auf die das Bauhaus sich bezogen hat, oder von denen es sich abgrenzte. Darüber hinaus soll diskutiert werden, inwiefern die Bauhausideen noch aktuell sind. Eine Spurensuche führt uns von Nietzsche über den Jazz bis nach Chicago und die populäre Gegenwartskultur.
Popgeschichte. Zur Ästhetik und Historisierung der Gegenwartskultur – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
In diesem Seminar wollen wir uns mit der spezifischen Entwicklung der Popkultur in den neunziger Jahren beschäftigen. Die Neunziger sind das Jahrzehnt nach der Postmoderne; sofern die Postmoderne auch ein mögliches Ende der Geschichte diskutierte, muss gefragt werden, ob die Neunziger als nachgeschichtliches Jahrzehnt verstanden werden können: Es ist das erste Jahrzehnt, das popkulturell wesentlich durch Wiederholungen vergangener Moden geprägt wurde, kaum durch das für die bisheriger Kulturgeschichte so wichtige ›Neue‹. Diesbezüglich spricht man von Retrophänomenen, die allerdings von einem bemerkenswerten ›New Historicism‹ unserer Gegenwartskultur begleitet werden: Die Neunziger sind auch das erste Jahrzehnt, in dem die Geschichte der Popkultur geschrieben, Popkultur historisiert wurde.
Anhand von diesen Retrophänomenen und anderen exemplarischen Entwicklungen der Popkultur der neunziger Jahre soll versucht werden, sich verschiedene Begriffe der Geschichtstheorie anzueignen. Ist das hegelsche Fortschrittsgeschichte? Haben wir es hier mit einer nietzscheanischen Wiederkehr des Gleichen zu tun? Ist das benjaminsche Dialektik im Stillstand? Ist das das blochsche Multiversum? Ist das Lyotards Ende der Meta-Erzählungen und Patchwork der Minderheiten? Sind das Deleuzes und Guattaris Rhizome? Warum war die These vom Ende der Geschichte so sehr mit einer Reformulierung der Ästhetik verbunden? Und was bedeutet das für uns, die wir weitestgehend in den Neunzigern kulturell sozialisiert wurden?
Friedrich Schillers Konzept der ästhetischen Wahrnehmung. Damals und heute. – Friedrich Schiller’s Aesthetical perception. Now and than; Veranstaltung in englischer Sprache.
Zusammen mit Kerstin Stakemeier; Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Master of Fine Arts – MfA)
In seinen ›Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen‹ von 1795, bestimmt Friedrich Schiller die ästhetische Wahrnehmung als eine Quelle der Gedankenfreiheit, als eine Grundlage des politischen Bewusstseins. Dabei kombiniert er den Begriff der Schönheit – den klassischen Begriff der Ästhetik – und den Begriff des Spiels. Und diese Kombination kennzeichnet Schillers Theorie als erste explizit moderne Theorie beziehungsweise Theorie der Moderne. Schönheit wird nicht nur inhaltlich neu bestimmt, sondern wird zum wesentlichen Aspekt der menschlichen Sinnlichkeit.
Ausgehend von Schillers Briefen, wollen wir in diesem Seminar sein Konzept der ästhetischen Erziehung auf seine Aktualität hin überprüfen. Was bestimmt heute den Status des Schönen, wodurch wird das politische Bewusstsein gegenwärtig strukturiert? Ausgehend von diesen Leitfragen wollen wir uns mit verschiedenen (künstlerischen) Konzepten der Öffentlichkeit beschäftigen. Anhand von Beispielen aus Schillers Zeit und in Bezug auf das Ideal der ästhetischen Erziehung, wie sie am alten Bauhaus in den Zwanzigern gelehrt wurde, steht für uns die Frage im Mittelpunkt: Wie kann ästhetische Erziehung in die künstlerische Produktion eingebunden werden?
Weil das Seminar als Blockseminar an zwei Wochenenden stattfinden wird, bitten wir alle teilnehmenden Studenten um Voranmeldung via Email bereits zum Anfang des Sommersemesters. Ein genauer Seminarplan wird dann ausgehändigt.
Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Was ist kritische Erziehungswissenschaft? Was ist Bildung? Welche Funktion hat Bildungstheorie und Erziehungswissenschaft in der modernen Gesellschaft? In diesem Seminar sollen die Grundbegriffe verschiedener Konzepte der Erziehungswissenschaft erarbeitet und auf ihre Aktualität überprüft werden. Dabei geht es nicht nur um die gesellschaftstheoretischen Grundlagen der Erziehungswissenschaft, sondern auch um das Problem, ob diese Konzepte angemessen auf die gegenwärtigen kulturellen Wandlungsprozesse reagieren (können).
Dieses Seminar ist ein Einführungsseminar; vorausgesetzt wird das Interesse am Thema und die Bereitschaft, auch schwierige Texte zu erarbeiten.
Triebstruktur und Gesellschaft – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Kulturtheorie, Integrationsbereich)
Kulturtheoretische Implikationen der Psychoanalyse. Vor fünfzig Jahre (1955) veröffentliche Herbert Marcuse sein Buch ›Triebstruktur und Gesellschaft‹, in dem er die Freudsche Psychoanalyse kulturphilosophisch ausführt – als kritische Theorie der Gesellschaft. Freud selbst hatte schon mit der These vom Unbehagen in der Kultur den Grundstein gelegt, der dann von Erich Fromm bis Jacques Lacan – in sehr unterschiedlicher Weise – aufgegriffen wurde. Leo Löwenthal nannte die Massenkultur »Psychoanalyse verkehrt herum« und Deleuze und Guattari widersprachen der psychoanalytischen Kulturkritik durch eine Schizoanalyse, die sich auf Subkulturen konzentrieren sollte. – Die verschiedenen Ansätze sollen beleuchtet und diskutiert werden.
Nietzsche und die Folgen – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Kulturtheorie)
Nietzsche und die Folgen. Ein Seminar, das sich mit der Kulturkritik Nietzsches und ihre Rezeption im 20. Jahrhundert auseinandersetzt. Zur Sprache kommen: Heidegger, Nietzsche im NS, Sartre, G. Anders, Adorno/Horkheimer, Deleuze, Foucault. Wie kann es sein, dass ein Denker wie Nietzsche so unterschiedlich gelesen wird? Das Seminar soll auch Einblick in die vielfältige Entwicklung der Kulturtheorie im 20. Jahrhundert geben. Ferner soll gefragt werden: Wie können wir Nietzsche heute lesen und anwenden?
Einführung in die kritische Theorie der Ästhetik – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Mit der kritischen Theorie der Gesellschaft, wie Max Horkheimer und Herbert Marcuse sie entworfen haben, ist untrennbar auch eine Ästhetik und eine Kunsttheorie sowie eine Kritik der Massenkultur verbunden.
In diesem Seminar wollen wir uns nicht nur mit den Grundlagen der kritischen Theorie beschäftigen, ihren theoriegeschichtlichen Bezügen zu Kant, Hegel, Marx und Freud, sondern vor allem anhand von ausgewählten Texten die Entwicklung einer Philosophie rekonstruieren, die Gesellschaftsanalyse und Ästhetik miteinander verbunden hat, die schließlich mit der ›Ästhetischen Theorie‹ Theodor W. Adornos die bisher letzte Ästhetik formulierte. Zur kritischen Theorie der Ästhetik gehört aber auch eine Analyse der mit dem Begriff der Kulturindustrie bezeichneten Phänomene.
Theorie der Avantgarde – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Die Avantgarde gehört zu den Schlüsselkonzepten der künstlerischen Moderne. In diesem Seminar wollen wir uns mit der kritischen Analyse der Geschichte der verschiedenen Avantgardebegriffe beschäftigen. Welchen Einfluss hatte die Avantgarde überhaupt auf die Moderne? Konstituierten sich alle Avantgarden als Bewegungen? Welchen Einfluss hatten diese Bewegungen auf die neuen Kunstformen wie Film und Fotografie? Wie steht es heute um das Verhältnis von Avantgarde und Kitsch, das bereits 1939 Clement Greenberg diskutierte? Wie entwickelten sich die Konzepte der Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg? Gab es Avantgardebewegungen auch in der DDR-Kunst? Wo sind heute die Avantgarden? Kann es in der Gegenwartskunst überhaupt noch Avantgarde geben, oder kann die Kunst erst heute wieder einen avantgardistischen Standpunkt beziehen? Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam auch ihn Hinblick auf gegenwärtige Kontroversen diskutieren.
Philosophie und Kulturtheorie von 1900 bis 1945 – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Kulturtheorie und Interkulturelle Studien; Kulturwissenschaftlicher Integrationsbereich)
Mit den gesellschaftlichen Umbrüchen des ausgehenden 19. Jahrhunderts haben sich auch die Wissenschaften vom Menschen verändert: Röntgenstrahlen und Relativitätstheorie bringen das mechanistische Modell der Naturwissenschaften ins Wanken, die Philosophie tritt hinter zahlreiche neue Disziplinen zurück, die als Soziologie, Völkerkunde, Psychologie, Psychoanalyse und schließlich Kulturtheorie und Anthropologie die Welt zu erklären ersuchen. Zugleich ist die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts vom drohenden Unheil überschattet, kulminiert die Dialektik der Aufklärung im organisierten Massenmord. Wie kann der Prozess der Zivilisation erklärt werden, der den Zivilisationsbruch mit einschließt? Anhand der kulturtheoretischen Ansätze von zum Beispiel Benjamin, Bloch, Cassirer, Gramsci, Kracauer oder Simmel soll dieser Frage nachgegangen werden.
Die Welt als Text und Kontext. Von der Hermeneutik bis zur Dekonstruktion 1945 – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Am Anfang war das Wort. Und am Ende erscheint die ganze Welt als Text, als Schrift, als Zeichenordnung. Die biblische Vorstellung von der Lesbarkeit der Welt finden wir heute in zahlreichen Theorien wieder, von den Naturwissenschaften (Periodensystem der Elemente, Genetischer Code, Theory of Everything) bis zu den Geistes‑ und Kulturwissenschaften (›Reading the Popular‹, ›Encoding/Decoding‹, Kontextualisierung in der Postmoderne). Im digitalen Zeitalter erscheint schließlich die Welt tendenziell als Matrix, auflösbar in Nullen und Einsen. Solche Vorstellungen haben in der Ideengeschichte eine lange Tradition: von ältesten Mythen über die ersten Schriftkulturen, von der Mystik bis zur virtuellen Realität. Wir wollen uns in diesem Seminar mit der Geschichte dieses Komplexes von Welt-Text-Kontext beschäftigen.
Philosophie und Ästhetik der Neuzeit. Eine theoretische Einführung in die Moderne – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Donnerstag: 13.30 bis 15:00 Uhr, Raum 104, Marienstraße 7
In diesem Seminar soll entlang einiger Grundbegriffe die Entwicklung des modernen Denkens und Lebens seit der Renaissance rekonstruiert werden. Die theoriegeschichtlichen Exkurse dienen dabei dem Versuch, die Spuren der frühen Moderne bis in die Gegenwart zu verfolgen; philosophische, kunsttheoretische und ästhetische Konzepte stehen dabei im Vordergrund: Was ist Vernunft, was ist Sinnlichkeit, was heißt Wahrnehmung, was ist Aufklärung, was ist der Mensch etc. – Es soll gezeigt werden, inwiefern unsere postmoderne, globalisierte Gesellschaft noch immer von den grundlegenden Ideen der Neuzeit beeinflusst ist; ein Einfluss, der bis in die Alltagskultur hineinreicht.
Die meisten Texte, die wir diskutieren wollen, sind in günstigen Sammelbänden erhältlich und sollten angeschafft werden. Eine Literaturliste wird im Seminar bekannt gegeben.
Der kulturelle Komplex – Der Entstehung der Gegenwart. Kultur und Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Donnerstag: 15.15 bis 16:45 Uhr, Raum 104, Marienstraße 7
Hat sich die Gesellschaft tatsächlich in der gravierenden Weise in den letzten zwei Jahrhunderten verändert wie allgemein mit Blick auf etwa den technischen Fortschritt und gestiegenem Lebensstandard angenommen wird? Oder kann es nicht vielmehr sein, dass sich die Geschichte seit dem 19. Jahrhundert in einer Art »Dialektik im Stillstand« befindet, wie Walter Benjamin angenommen hat? – Also: ist es denkbar, dass sich die Moderne in einer Art Dornröschenschlaf befindet und bisher nur von ihrem Erwachen träumt? Wäre es möglich, dass die Kultur – die gegenwärtige Popkultur – nichts anderes ist, als dieser Traum vom gesellschaftlichen Fortschritt? Im Seminar sollen diese Fragen sowohl theoretisch wie auch Anhand von Beispielen überprüft und konkretisiert werden. – Literatur wird im Seminar bekannt gegeben.
Dornröschen – (Theorien über) Märchen – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Zeit: Montag 10:30 Uhr bis 12:00 Uhr, Raum: 16.223
Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Integrationsbereich)
Zeit: Montag 14:30 Uhr bis 16:00 Uhr, Raum 12.010
Mit ›Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft‹ hat der Chicagoer Sozialwissenschaftler Moishe Postone wohl die bisher eigenwilligste und bedeutendste Interpretation der Marxschen kritischen Theorie der Politischen Ökonomie vorgelegt. Mit seiner Analyse des historisch-dynamischen Charakters moderner Lebensformen geht er über die vergleichbaren Untersuchungen von Hardt und Negri (Empire) weit hinaus. Im Mittelpunkt steht eine Rekonstruktion der Wertkritik, vor allem in Hinblick auf die Frage, was eigentlich Zeit ist. Damit greift Postone ein zentrales Problem der Kultur‑ und Gesellschaftsphilosophie des 20. Jahrhunderts auf (etwa: Heidegger, Sein und Zeit; Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte; auch: Deleuze, Zeit-Bild Kino …).
Philosophie nach Fünfundvierzig. Zur Rekonstruktion von Kultur‑ und Gesellschaftstheorie – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Kulturtheorie)
Zeit: Montag 16:30 Uhr bis 18:00 Uhr (Raum: 12.105 – nicht 12.010)
In welcher Weise hat die Philosophie nach 1945, nach dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg in Ost und West versucht an eine kritische Theorie der Gesellschaft anzuschließen?
In diesem Seminar wollen wir uns mit den einigen philosophischen Annäherungen an das Soziale beschäftigen. Dabei soll auch versucht werden, die besondere Problematik einer Philosophie des Spätkapitalismus oder dem Philosophieren im Spätkapitalismus gerecht zu werden. Interessant sind in diesem Zusammenhang: Sartre, Arendt, Anders, Marcuse, Bloch, Foucault, Deleuze, Negt/Kluge, Habermas, Hardt/Negri und andere: Es wird einen Überblick vom Existenzialismus über die eindimensionale Gesellschaft bis zum Empire geben.
Crime, Silence, Disappearance – Thoughts and Memories in Contemporary Art/Verbrechen, Verstummen, Verschwinden. Gedenken und Gedächtnis in der Gegenwartskunst – zusammen mit Naomi Tereza Salmon; Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Master of Fine Arts – MfA)
Zeit: Mittwochs 10.00 bis 12:00 Uhr, Beginn: 15. Oktober 2003, Mfa-Räume
Angesichts des geschichtlichen Terrors, der das 20. Jahrhundert überschattet, versagen auch die Darstellungsmöglichkeiten der Künste. Gleichzeitig scheint es einzig in den Künsten noch die Mittel zu geben, das Verbrechen, das im Holocaust seine vorläufige Kulmination fand, überhaupt beredt werden zu lassen und einen Ausdruck zu geben. Doch in welcher Weise muss Kunst dabei auch ihre eigne Verstrickung in die Logik des Verbrechens reflektieren? Inwiefern kann sie sich davor schützen, das Verbrechen bloß naiv und plakativ abzubilden und subjektivistisch zu interpretieren? Und droht nicht auch der Kunst ein Missbrauch als Denkmalpflege, eine Vereinnahmung, um schließlich in der Musealisierung des Terrors ihn vergessen (und schließlich vergesslich) zu machen?
Ein halbes Jahrhundert später steht die Kunst noch immer vor demselben Problem; gleichwohl sind in der bildenden Kunst, der Musik, dem Film, in Comics und der Literatur zahlreiche Versuche unternommen worden, das Dilemma zu durchbrechen. Dabei erweisen sich insbesondere solche Ansätze als interessant, die gegen ein Verstummen der Kunst und gegen ein Vergessen des Verbrechens das Kunstwerk bewusst zum Verschwinden bringen.
In diesem Seminar wollen wir die theoretische Diskussion einer Ästhetik nach Auschwitz anhand von einigen Beispielen der Gegenwartskunst und eigenen Arbeiten sowie Texten versuchen zu konkretisieren, um so eine kritische Position zur nach wie vor aktuellen Frage von Gedenken und Gedächtnis zu entwickeln.
Ästhetische Konzepte der Gegenwartskunst – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Zeit: Donnerstag 15:15 Uhr bis 17:00 Uhr, Raum 201, Marienstraße 1b
In diesem Seminar soll es weniger um einen kunstgeschichtlichen Abriss der letzten dreißig Jahre gehen, als vielmehr um die theoretischen Reflexionen zur Kunst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Dabei stehen die ästhetischen Theorien zur Avantgarde, zur Konzept‑ und Kontextkunst, zur Postmoderne und zur Massenkultur im Vordergrund. Es sollen vor allem auch jene Reflexionen auf die Künste zur Sprache kommen, die erst einmal nicht in der akademischen Theorie kanonisiert wurden; dazu zählen etwa Untersuchungen zur Alltagskunst, zum Comic, zum Hollywood-Kino, aber auch die Diskussionen, die die neuere Off-Kunst begleiten. Es interessiert vor allem die Frage, auf welche philosophischen Schlüsselkonzepte hierbei zurückgegriffen wird – und warum. Ebenso geht es aber auch um die Standortbestimmung der Kunst und der Künste in der heutigen Gesellschaft. Brauchen die Künste überhaupt noch eine Theorie?
Philosophie nach 1945 – Die Reformulierung der Gesellschaftstheorie – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Zeit: Donnerstag 13:30 Uhr bis 15:00 Uhr, Raum 201, Marienstraße 1b
In welcher Weise hat die Philosophie nach 1945, nach dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg in Ost und West versucht an eine kritische Theorie der Gesellschaft anzuschließen?
In diesem Seminar wollen wir uns mit den einigen philosophischen Annäherungen an das Soziale beschäftigen. Dabei soll auch versucht werden, die besondere Problematik einer Philosophie des Spätkapitalismus oder dem Philosophieren im Spätkapitalismus gerecht zu werden. Interessant sind in diesem Zusammenhang: Sartre, Arendt, Anders, Marcuse, Bloch, Foucault, Deleuze, Negt/Kluge, Habermas, Hardt/Negri und andere: Es wird einen Überblick vom Existenzialismus über die eindimensionale Gesellschaft bis zum Empire geben.
Popliteratur – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Zeit: Montags, 14 : 30 bis 18:00 Uhr, 14-tägig
Grundlagen der philosophischen Ästhetik – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Zeit: Donnerstag 15:15 Uhr bis 16:45 Uhr, Marienstraße 7 – Raum 104
In diesem Seminar sollen die systematischen und historischen Grundlagen der Ästhetik als philosophische Disziplin diskutiert werden. Dabei soll es vor allem um die Frage nach der Funktion der Ästhetik innerhalb bestimmter sozialer Kräfteverhältnisse gehen. Welche Rolle spielte die Ästhetik zum Beispiel im Zeitalter der Aufklärung und der Revolutionen? Was bedeutete die Romantik für die Ästhetik? Welche Rolle spielt eigentlich die Kunst und das Kunstwerk? Was ist überhaupt Kunst? Was heißt ästhetische Moderne? Was ist die ästhetische Avantgarde? In welchem Verhältnis steht die philosophische Ästhetik zur Entwicklung der Massenkultur? Was meint Ästhetisierung der Politik? In welcher Weise ist Ästhetik postmodern zu nennen? Welche Bedeutung hat Ästhetik nach der Postmoderne, etwa im Zusammenhang mit der Popkultur?
Lektüreseminar: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Zeit: Freitag, 13:30 Uhr bis 15:00 Uhr, Marienstraße 1b – Raum 201
In diesem Jahr wäre der Philosoph Theodor W. Adorno einhundert Jahre alt geworden; dass soll Anlass sein, sich mit der ›Dialektik der Aufklärung‹ zu beschäftigen, die er zusammen mit seinem Freund und Kollegen Max Horkheimer in den vierziger Jahren im amerikanischen Exil verfasste. Die Gemeinschaftsarbeit, bis in die sechziger Jahre nur in der kleinen Erstauflage und in Raubdrucken verfügbar, wurde in den letzten Jahrzehnten als eines der wichtigsten Bücher zur Theorie der Entwicklung der modernen Gesellschaften erkannt und diskutiert.
Dies ist ein Lektüreseminar, das heißt es geht auch darum, an diesem schwer zugänglichen und als kompliziert geltenden Text das wissenschaftliche Lesen zu üben. Über die Lektüre hinaus soll es freilich auch um die Frage nach der Aktualität der ›Dialektik der Aufklärung‹ gehen. Dabei werden uns insbesondere die kulturtheoretischen Implikationen des Buches interessieren. In dem Buch findet sich zum Beispiel das wichtige Kapital über »Kulturindustrie«, das vielfältige Anschlussmöglichkeiten an die heutige Situation bietet.
2001 – Odyssee im Weltraum. Zur Kultur‑ und Medientheorie des Science Fictions – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Montag 12.30 bis 14.00, G12, Raum 111 (Nr. 63524, B2, B3)
Stanley Kubricks 1968 gedrehter Film ›2001: A Space Odyssey‹ hat genreübergreifend neue Maßstäbe gesetzt, die das Verhältnis von Bild und Sprache im Kino ebenso betreffen, wie die cinegrafische Erzählstruktur überhaupt: Der über zwei Stunden lange Film lebt mehr von den Bildern, seine Narration entfaltet sich durch die Allegorien der besonderen Symbolsprache, mit der hier die Geschichte der Menschheit und des Universums, die Geschichte der künstlichen Intelligenz und die Geschichte eines Raumfluges verwoben werden: Kubrick konstruiert einen modernen Mythos, der bereits in der dem Film zu Grunde liegenden Kurzgeschichte ›Der Wächter‹ von Arthur Ⅽ. Clarke aus den fünfziger Jahren angelegt ist. Im Titel nimmt der Film den Homerischen Epos auf und zeigt durchaus eine Nähe zur Geschichtsphilosophie, die in der ›Dialektik der Aufklärung‹ von Adorno und Horkheimer entworfen wurde (dort findet sich auch ein Exkurs zur Homerischen Odyssee).
Es geht im Seminar um eine kulturtheoretische Perspektive auf die Allegorien, Visionen und Zukunftsentwürfe: Was hat sich von dem im Film imaginierten Jahr 2001 heute eingelöst, was nicht? Der Film und der nach dem Film geschriebene Roman von Clarke bieten die Möglichkeit, einen großen Bogen von der Frage nach der Möglichkeit von künstlicher Intelligenz über die Bedeutung der Zukunftsforschung für die Gegenwart bis zur Symbolfunktion der modernen Filmsprache zu schlagen. Deshalb wollen wir uns mit den Filmen ›2001‹ und ›2010‹, dem Romanzyklus und theoretischer Implikationen gleichermaßen beschäftigen. Schließlich kann der Film, gewissermaßen im Spiegel einer nicht mehr aktuellen Blockkonfrontation, mit Andreij Tarkowskis Film ›Solaris‹ verglichen werden, der auf Stanislaw Lems gleichnamigen Drehbuch-Roman basiert.
Adornos kritische Theorie der Gesellschaft und Kulturphilosophie – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Kulturtheorie)
Montag, 14.30 bis 16:00 Uhr, G16, Raum 129 (Integrationsbereich: B2 – Nr. 61003)
In diesem Jahr – 2003 – wäre Adorno einhundert Jahre alt geworden; dies soll Anlass sein, sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive mit der kritischen Gesellschaftstheorie Adornos und ihren Grundbegriffen zu beschäftigen. In der bisherigen Diskussion, insbesondere der Cultural Studies, wird Adornos Ansatz zumeist auf die so genannte Kulturindustrie-These und seine Jazzkritik reduziert und somit vereinfacht. In diesem Seminar soll es dem entgegen um eine systematische Erschließung des Gesamtwerkes gehen, bei der vor allem die gesellschaftskritische Grundintention und der dialektische Kulturbegriff im Vordergrund stehen werden. Anhand von kleineren Texten, Textauszügen und leichter zugänglichen Vorlesungsmitschriften wollen wir versuchen, uns die Schlüsselbegriffe zu erarbeiten; Leitfragen können sein: Was ist überhaupt Dialektik? Was versteht Adorno unter Kultur? Welche theoretischen Auseinandersetzungen sind für Adorno wichtig? Was ist der Unterschied zwischen Gesellschaftstheorie und Kulturtheorie? Welchen Stellenwert hat die Marxsche Kritik des Fetischismus für Adorno? Basiert die kritische Theorie der Kultur auf empirischen Untersuchungen? Welche Rolle spielt die Ästhetik für die kritische Theorie Kultur? Und dergleichen … Es soll aber auch die beliebte Frage behandelt werden, warum Adorno so kompliziert schreibt, und ob man das alles auch einfacher ausdrücken kann. Es wird schließlich darum gehen, Adornos theoretischen Ansatz in Fallbeispielen zu konkretisieren.
Bildung und Gesellschaft. Grundbegriffe und Probleme eines Wechselverhältnisses – Universität Hamburg, Fachbereich, Erziehungswissenschaften
Zeit: Montags, 17.00–19:00 Uhr, Raum 305 (61.208 | G1G5)
Ohne Zweifel hat Bildung verschiedenste gesellschaftliche Funktionen, die auch mehr oder weniger explizit von den offiziellen Stellen vertreten werden. Im Namen der Bildung legitimiert sich ein politisches System, eine Nation, der Nationalismus des bürgerlichen Staates ebenso wie unterschiedliche Institutionen der zivilgesellschaftlichen und demokratischen Öffentlichkeit. Bildung ist zugleich gesellschaftliches Deutungsmuster und individuelles Leitbild, dient ebenso der Ideologie wie auch der Selbstaufklärung und Orientierung der Menschen in modernen Gesellschaften.
Mit den sozialen Veränderungen der letzten zweihundert Jahre hat sich auch die Idee und Praxis von Bildung verändert; bisweilen ist in diesem Spannungsverhältnis sogar Bildung selbst fraglich geworden (Stichworte: Bildungskrise, Bildungsmisere, Bildungsnotstand etc.). Dies korrespondiert mit gravierenden gesellschaftlichen Problemen, für deren Lösung mitunter Bildung wiederum vorgeschlagen wird.
Wir wollen uns in diesem Seminar mit »Bildung« und »Gesellschaft« als erziehungswissenschaftliche Grundbegriffe beschäftigen und versuchen, beide Begriffe theoriegeschichtlich und systematisch zu konkretisieren.
Sprache in der Massenkultur – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Blockseminar
In der modernen Welt der Massenkultur sind wir von Schrift umgeben; die Reklame überzieht das Leben mit einem Schleier der Parolen und Slogans, überall finden sich Logos und Signets der Warenmarken, geheimnisvolle Buchstaben, typografisch hübsch gemachte Wörter, einsame Zeichen auf den Alltagsgegenständen. Treten in der Mode Bezeichnendes und Bezeichnetes immer weiter auseinander, werden sie in der Schlagzeile, der politischen und journalistischen Propaganda scheinbar verschmolzen. In den immer kürzer werdenden Formeln, mit denen wir heute per E-Mail oder SMS kommunizieren, steckt vielleicht auch etwas von Leibniz’ Idee der mathematischen Universalsprache; der Binärcode der Rechenmaschinen macht es vor. Dadurch entstand schließlich – wie in den Trivialromanen sichtbar – eine neue Form der Literalität; und mit ihr veränderte sich grundlegend die Funktion von Schrift, Sprache und Lesen in den letzten zweihundert Jahren. Wird hier nicht die poststrukturalistische Empfehlung, die Welt als Text oder in ihrer Textualität zu deuten, konkret? Schließlich gehören Sprach‑ und Kommunikationsphilosophie zu den zentralen Theorieströmungen des letzten Jahrhunderts. Das Seminar soll sich mit den verschiedensten Aspekten dieser Entwicklung von Sprache in der Massenkultur auseinandersetzen und den Bogen von der Werbesprache, der »Waren-Sprache« (Adorno), über die Textbedeutung in der populären Musik bis zur so genannten Popliteratur unserer Tage spannen. Die Muster der Bildersprache und der Sprachbilder können zum Beispiel in Werbespots und Musikvideos untersucht werden.
The Public Sphere. Concept and Reality /Öffentlichkeit. Begriff und Wirklichkeit (Graduiertenseminar) – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Master of Fine Arts – MfA)
Richtet sich an: Studierende des MFA Studiengangs
In the »modernist« discourse the public sphere was meant to be the space for an enlightened and critical consciousness, the space where autonomous
individuals create politics. Today this public sphere has apparently
diminished, if not vanished entirely, and has been replaced with a more private and individualistic »consumer society«. In contemporary times of globalization with the decline of politics and the rise of the markets the question then arises, what does the concept of the public sphere mean today?
In this seminar we will discuss classic and recent theories of the public
sphere: Hannah Arendt, Jürgen Habermas, Oskar Negt/Alexander Kluge,
Richard Sennett, and Michael Hardt/Tonio Negri.
Im Diskurs der Moderne stand »Öffentlichkeit« für die Sphäre, in der sich
ein kritisch-aufgeklärten Bewusstsein bildete, für den Raum, in dem autonome Individuen Politik und Gesellschaft gestalten. Heute scheint Öffentlichkeit diesen Stellenwert verloren zu haben. Häufig ist die Rede vom Verschwinden des öffentlichen Raums in der Privatheit der individualisierten Warengesellschaft. Im Zeichen globalisierter Ökonomie und der Verdrängung des Politischen durch den Markt stellt sich die Frage, welche Bedeutung der Begriff der Öffentlichkeit heute noch hat. Im Seminar werden klassische und neue Theorien der Öffentlichkeit diskutiert: Hannah Arendt, Jürgen Habermas, Oskar Negt u. Alexander Kluge, Richard Sennett sowie Michael Hardt u.Tonio Negri.
Die materialistische Theorie der Kultur und kritische Theorie – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Integrationsbereich)
Dienstags.
Die Kunst hebt sich in der Moderne unter den Bedingungen des Marktes auf, wo sie nämlich Ware wird. Zumindest die höhere Kultur wird überflüssig, demokratisch bedroht. Mit dieser Analyse gab etwa Tocqueville im letzten Jahrhundert einen Anstoß für die Kulturkritik, wie sie alsbald für eine lebensphilosophische, kulturpessimistische Richtung prägend werden sollte: »Das Elend der mühsam lebenden Menschen muss noch gesteigert werden, um einer geringen Anzahl olympischer Menschen die Produktion der Kunstwerke zu ermöglichen.« (Nietzsche) Von dieser Variante der Kulturkritik hebt sich die kritische Theorie fundamental ab; entscheidend ist dabei schon der Kulturbegriff, den Autoren wie Max Horkheimer, Theodor W. Adorno oder Herbert Marcuse an Karl Marx Konzept der Kultur als Reproduktionssphäre orientieren. Ferner ist die kritische Theorie bemüht, diesen gesellschaftstheoretischen Ansatz mit Erkenntnissen der Psychoanalyse, vor allem der Freudschen Trieblehre (Stichwort: Lustprinzip versus Realitätsprinzip) zu verbinden: das Ziel ist, Kultur nicht als eigenständiges Wertereich der hohen Kunst zu überhöhen, sondern soziale Widerspruchsverhältnisse aufzudecken, die sich in der Kultur manifestieren – Kulturkritik umfasst damit sowohl eine ideologiekritische und eine gesellschaftskritische Dimension; es geht um immanente und utopische Aspekte des kulturellen Prozesses. Gleichwohl birgt auch diese Kulturkritik der kritischen Theorie die Gefahr, »Kultur« mit »geistigen Produkten« und »Kunst« gleichzusetzen, obzwar Marcuse in seinen Schriften einen Ansatz ausgearbeitet hat, der – mit großem Interesse an moderner Massenkultur – die kulturelle Praxis der Menschen in ihrer Vielfalt zu entschlüsseln hilft, ohne den prinzipiellen Widerspruchscharakter von Kultur und Gesellschaft aus dem Blick zu verlieren. Dieses Seminar versucht an die Arbeitsergebnisse des Sommersemesters (Einführung in die Cultural Studies) anzuschließen und will Grundbegriffe vertiefen.
Sprache in der Massenkultur – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Dienstags.
In der modernen Welt der Massenkultur sind wir von Schrift umgeben; die Reklame überzieht das Leben mit einem Schleier der Parolen und Slogans, überall finden sich Logos und Signets der Warenmarken, geheimnisvolle Buchstaben, typografisch hübsch gemachte Wörter, einsame Zeichen auf den Alltagsgegenständen. Treten in der Mode Bezeichnendes und Bezeichnetes immer weiter auseinander, werden sie in der Schlagzeile, der politischen und journalistischen Propaganda scheinbar verschmolzen. In den immer kürzer werdenden Formeln, mit denen wir heute per E-Mail oder SMS kommunizieren, steckt vielleicht auch etwas von Leibniz’ Idee der mathematischen Universalsprache; der Binärcode der Rechenmaschinen macht es vor. Dadurch entstand schließlich – wie in den Trivialromanen sichtbar – eine neue Form der Literalität; und mit ihr veränderte sich grundlegend die Funktion von Schrift, Sprache und Lesen in den letzten zweihundert Jahren. Wird hier nicht die poststrukturalistische Empfehlung, die Welt als Text oder in ihrer Textualität zu deuten, konkret? Schließlich gehören Sprach‑ und Kommunikationsphilosophie zu den zentralen Theorieströmungen des letzten Jahrhunderts. Das Seminar soll sich mit den verschiedensten Aspekten dieser Entwicklung von Sprache in der Massenkultur auseinandersetzen und den Bogen von der Werbesprache, der »Waren-Sprache« (Adorno), über die Textbedeutung in der populären Musik bis zur so genannten Popliteratur unserer Tage spannen. Die Muster der Bildersprache und der Sprachbilder können zum Beispiel in Werbespots und Musikvideos untersucht werden.
Adornorezeption im Popdiskurs – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Musik); Virtuelles Seminar in Kooperation mit externen Partnern. (Hauptstudium)
Prof. Dr. Bernd Enders, Universität Osnabrück
Dr. Rolf Großmann, Universität Lüneburg
Michael Harenberg, Hochschule für Musik und Theater Bern (Schweiz)
Dr. Holger Schulze, Universität der Künste Berlin
PD Dr. Joachim Stange-Elbe, Musikhochschule Lübeck
Roger Behrens, Hamburg
Mi 16:30–18:00; Beginn 23.10.2002
Ausgehend von seinen Thesen zur Kulturindustrie und zum Werk‑ und Materialbegriff in der Musik soll die Aktualität Adornos in der Theorie der Popkultur erarbeitet und diskutiert werden. Verfahren: Als ›virtueller Seminarraum‹ dient ein Chatserver. Zu den Seminarzeiten finden in den Teilnehmerhochschulen Online-Sitzungen statt, die von jeweils auf das Sitzungsthema vorbereiteten Dozenten und studentischen Referenten moderiert werden. Zu Einzelthemen werden weitere Gäste online teilnehmen.
Als Kommunikationsbasis dient eine Website, die von der Universität
Lüneburg eingerichtet wird. Dort werden aktualisierte Literaturangaben,
Beispiele, Materialien, Sitzungsprotokolle etc. zur Verfügung stehen.
Von der kritischen Theorie der Massenkultur zum Popdiskurs – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Blockseminar: Vorbesprechung: Freitag – 26. April, 16:00 Uhr; Einführung: Samstag – 27. April; 1. Block: 21. Juni bis 23. Juni; 2. Block: 5. Juli bis Sonntag: 7. Juli
Die Kunst hebt sich in der Moderne unter den Bedingungen des Marktes auf, wo sie nämlich Ware wird. Zumindest die höhere Kultur wird überflüssig, demokratisch bedroht. Mit dieser Analyse gab etwa Tocqueville im vorletzten Jahrhundert einen Anstoß für die Kulturkritik, wie sie alsbald für eine lebensphilosophische, kulturpessimistische Richtung prägend werden sollte: »Das Elend der mühsam lebenden Menschen muss noch gesteigert werden, um einer geringen Anzahl olympischer Menschen die Produktion der Kunstwerke zu ermöglichen.« (Nietzsche) Von dieser Variante der Kulturkritik grenzt sich die kritische Theorie ab; entscheidend ist dabei schon der Kulturbegriff, den Autoren wie Max Horkheimer, Theodor W. Adorno oder Herbert Marcuse an Karl Marx Konzept der Kultur als Reproduktionssphäre orientieren. Ferner ist die kritische Theorie bemüht, diesen gesellschaftstheoretischen Ansatz mit Erkenntnissen der Psychoanalyse, vor allem der Freudschen Trieblehre (Stichwort: Lustprinzip versus Realitätsprinzip) zu verbinden: Das Ziel ist, Kultur nicht als eigenständiges Wertereich der hohen Kunst zu überhöhen, sondern soziale Widerspruchsverhältnisse aufzudecken, die sich in der Kultur manifestieren – Kulturkritik umfasst damit sowohl eine ideologiekritische und eine gesellschaftskritische Dimension; es geht um immanente und utopische Aspekte des kulturellen Prozesses. Gleichwohl birgt auch diese Kulturkritik der kritischen Theorie die Gefahr, »Kultur« mit »geistigen Produkten« und »Kunst« gleichzusetzen, obzwar Marcuse in seinen Schriften einen Ansatz ausgearbeitet hat, der – mit großem Interesse an moderner Massenkultur – die kulturelle Praxis der Menschen in ihrer Vielfalt zu entschlüsseln hilft, ohne den prinzipiellen Widerspruchscharakter von Kultur und Gesellschaft aus dem Blick zu verlieren. Walter Benjamin hat in ähnlicher Weise die Bedeutung des Zusammenhangs von Technik und Wahrnehmung in der modernen Massenkultur hervorgehoben. Als Weiterführung einer kritischen Theorie der Massenkultur lassen sich die Kontext‑ und Strukturanalysen der Cultural Studies verstehen. Die Cultural Studies spielen heute eine wichtige Rolle bei der Beurteilung einer Massenkultur, die mehr und mehr zur Alltagskultur geworden ist. Gerade die Entwicklung der so genannten Popkultur zeigt, dass die ursprüngliche Kritik der Kulturindustrie nicht in allen Punkten haltbar ist. Gleichwohl lässt sich anhand der Phänomene der Popkultur auch die Aktualität der kritischen Theorie diskutieren.
»Einhundert Jahre Popmusik – Hörproben zur Geschichte, Entwicklung, Gegenwart und Zukunft« – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Musik)
Montags.
Auch die so genannte leichte Kunst, etwa die populäre Musik, ist Ausdruck ihrer Zeit. Allerdings ist es ein besonderes Kennzeichen der populären Musik, dass ihre Bedeutung längst nicht so unmittelbar und eindeutig zu entschlüsseln ist, wie es die Musikästhetik gemeinhin nahelegt. Auch hat in den letzten Jahrzehnten in der populären Musik ein Prozess der Ausdifferenzierung statt gefunden, weshalb nicht mehr ohne Weiteres von der bloßen ideologischen Funktion der leichten Musik gesprochen werden kann. Zudem ist die Musik der Massenkultur mitunter gar nicht so »leicht« und gar nicht so »populär« – diese Ambivalenzen versucht der Begriff Pop, wenn auch etwas ungenau, zu bezeichnen.
In diesem Seminar sollen im Sinne einer Bestandsaufnahme nach einem Jahrhundert der Popmusik die unterschiedlichsten Genres und Stile thematisieren und ihre aktuelle soziale, kulturelle und ästhetische Bedeutung diskutiert werden. Zudem geht es um die Frage nach theoretischen Begriffen, die zur kritischen Beurteilung von Popmusik geeignet sind. Grundsätzlich soll diskutiert werden, inwiefern theoretische Zugänge zur Popkultur möglich sind – welchen Einfluss hat die technische Entwicklung, was ist Popgeschichte, wie funktionieren Kanonisierungen und Historisierungen, kann Pop veralten? Es sollte gelingen, vor allem randständige Popmusik in die Diskussion zu bringen (Chicagoer Schule; Hamburger Schule; Grindcore; Veröffentlichungen des Warp-Labels; minimal music; Progressive Rock heute; Postrock; aber auch Geschlechterverhältnisse und Rassismus in der Popkultur und popkulturelle Gegenstrategien). Das Thema legt nahe, den Seminarverlauf multimedial zu gestalten – neben Musikbeispielen könnten sich Referate auch mit Videos (Musikfilme, Clips) oder mit dem Produktdesign der Popkultur (Merchandise, Covergestaltung) beschäftigen.
Was ist Bildung am Anfang des 21. Jahrhunderts? Begriffe und Probleme« – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Dienstag.
Die Kultur des 20. Jahrhunderts ist durch einen grundlegenden und fortdauernden Transformationsprozess gekennzeichnet, der schließlich die Bedeutung von Kultur – als Praxis wie als Begriff – in Frage stellt. Davon betroffen sind auch jene Felder des Kulturellen, die bisher eher als stabilisierend für die soziale Praxis wahrgenommen wurden: zum Beispiel Bildung, ihre Idee und der ihr zu Grunde liegende Wertekanon. Bildung scheint unabhängig von ihren verschiedenen Begriffen – materiale oder formale Bildung, Allgemeinbildung, Berufsbildung etc. – problematisch geworden zu sein: Welchen Zweck und Sinn hat die klassische Bildung heute noch angesichts einer globalisierten, von den Massenmedien bestimmten Gesellschaft? Kann ein mit der romantischen Tradition des Neuhumanismus noch immer verbundener Bildungsanspruch den Erfordernissen einer so genannten Wissensgesellschaft, von der heute die Rede ist, entsprechen? Ist Bildung als »Selbstverfertigung des Individuums« (Humboldt) immer noch Orientierung in unserer modernen Welt, oder blockiert sie vielleicht sogar die nötige Erneuerung und Erweiterung einer zeitgemäßen Strategie zur Selbstbestimmung des Individuums? Diese Fragen sollen anhand verschiedener bildungs‑ und gesellschaftstheoretischer Ansätze diskutiert werden. Fruchtbar sind hierbei die Debatten der Cultural Studies, die diese Diskrepanz zwischen Bildungsidee und –realität bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts problematisierten.
Was ist hier eigentlich los? Einführung in die Cultural Studies – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Integrationsbereich)
Dienstags.
Die Cultural Studies richten ihre Aufmerksamkeit auf solche Formen kultureller Praxis, die bislang von der Kulturtheorie, zumal der kritischen (Frankfurter Schule zum Beispiel), als bloße Manifestationen des falschen Bewusstseins, als Ideologie oder als Manipulation angesehen wurden. Dass es sich bei der modernen Alltagskultur in ihrer Vielfalt jedoch nicht um einen Massenbetrug handelt, sondern um bisweilen sogar widerständige und subversive Weisen kultureller Praxis, Rezeption und Produktion, ist Kernthese der Cultural Studies, die in den frühen sechziger Jahren in Großbritannien begründet wurden. Die Cultural Studies fokussieren insbesondere jene Bezirke der Kultur, die im akademischen Blick oft ausgespart bleiben: Alltagspraxis, triviale Formen der Unterhaltung, Fernsehen, Freizeitgestaltung, Sport, Konsumverhalten, Popkultur und Jugendmoden. Zudem gelang es, aktuelle theoretische Impulse wie zum Beispiel den Strukturalismus und die Postmoderne aufzugreifen und am Kulturellen zu konkretisieren. Schließlich haben die Cultural Studies, die mittlerweile einen vielfältigen und differenzierten Forschungsstrang bezeichnen, auf Themen wie Rassismus, Sexismus und Nationalismus im kulturwissenschaftlichen Diskurs aufmerksam gemacht. Von Lawrence Grossberg erschien eine Aufsatzsammlung unter dem Titel »What’s going on?« – Diese Frage soll auch Leitfrage des Seminars sein, in dem wir uns den theoretischen Ansatz der Cultural Studies erschließen wollen.
Literatur:
Der Titel der Veranstaltung entlehnt sich: Lawrence Grossberg: What’s Going on? Cultural Studies und Popularkultur, Cultural Studies Bd. 3, Wien: Turia + Kant 2000.
Einschlägige Grundlagentexte, die derzeit in Einführungsbänden und Readern zu haben sind; insbesondere der Autoren Stuart Hall, John Fiske, Paul Willis, Simon Frith, Angela McRobbie. Zum Beispiel: Karl H. Hörnig u. Rainer Winter (Hg.): Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung, Frankfurt am Main 1999; Christina Lutter u. Markus Reisenleitner: Cultural Studies – Eine Einführung, Cultural Studies Bd. 0, Wien 1999 (2. Aufl.); Jan Engelmann (Hg.): Die kleinen Unterschiede. Der Cultural Studies-Reader, Frankfurt am Main 1999.
Weitere Literaturangaben zu den jeweiligen Sitzungen.
Techniken des erziehungswissenschaftlichen Arbeitens – Eine Einführung – Universität Hamburg, Fachbereich, Erziehungswissenschaften
Raum: 305 Zeit: Mi, 16:00 – 18 : 15 Beg.: 10.04. Ende: 10.07.
Wie bearbeite ich Themen für ein Referat oder eine Hausarbeit? Wie wird richtig zitiert? Wie gliedere ich meine Argumentation? Wie lese ich (erziehungs‑) wissenschaftliche Texte? Was macht eigentlich einen Text »schwer«? Wie eigne ich mir große Textmengen an und verschaffe mir einen Überblick über große, scheinbar unüberschaubare theoretische Denkmodelle? Was ist das spezifisch Wissenschaftliche an der Erziehungswissenschaft? Was ist eigentlich Theorie im Gegensatz zur Praxis oder im Unterschied zu Alltagsdeutungen der Welt? Wie erkenne ich Differenzen zwischen verschiedenen theoretischen und wissenschaftlichen Ansätzen und wie arbeite ich die entsprechenden Begriffe heraus? – Diese Fragen sollen der Leitfaden sein, nach dem wir uns in mehreren Schritten gemeinsam die einzelnen Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens aneignen wollen. Dabei stehen die Techniken des erziehungswissenschaftlichen Arbeitens im Vordergrund. Referate, Hausarbeit und Protokolle verstehen sich als praktische Übungen.
Erziehungswissenschaft reflektiert pädagogisches Handeln. Daraus ergeben sich theoretische Fragestellungen. Um diese zu bearbeiten, braucht man bestimmte Techniken, die wir uns gemeinsam am Beispiel pädagogischer und bildungstheoretischer Schlüsselprobleme erarbeiten wollen. Leitfragen des Seminars sind: Was bedeutet eine theoretische Auseinandersetzung mit der Erziehungswissenschaft und was hat solche Theorie mit der pädagogischen Praxis zu tun? Wie ich entwickle ich theoretische Fragen aus der pädagogischen Praxis? Wie erkenne ich Differenzen zwischen verschiedenen theoretischen und wissenschaftlichen Ansätzen und wie arbeite ich die entsprechenden Begriffe heraus? Wie bearbeite ich Themen für ein Referat oder eine Hausarbeit? Wie eigne ich mir große Textmengen an und verschaffe mir einen Überblick über große, scheinbar unüberschaubare theoretische Denkmodelle? – Referate, Hausarbeit und Protokolle verstehen sich als praktische Übungen.
Literatur:
Adorno, Theodor W.: Philosophische Terminologie Bd. 1, Frankfurt a. Ⅿ. 1973
Adorno, Theodor W.: Philosophische Terminologie Bd. 2, Frankfurt a. Ⅿ. 1974
Adorno, Theodor W., Horkheimer, Max: (Institut für Sozialforschung): Soziologische Exkurse, Hamburg 1991
Adorno, Theodor W.: Die Abhängigkeit des Ausbildungszieles von den Studienerwartungen der Studenten, zusammen mit Christoph Oehler, in: GS Bd. 20·2, S. 689 ff.
Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels, in: Gesammelte Werke Bd. I·1, Frankfurt am Main 1991 (daraus die ›Erkenntnistheoretische Vorrede‹)
Bernhard, Armin; Rothermel, Lutz (Hg.): Handbuch kritische Pädagogik. Eine Einführung in die Erziehungs‑ und Bildungswissenschaft, Weinheim 1997
Blankertz, Herwig: Die Geschichte der Pädagogik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart, Wetzlar 1982
Bloch, Ernst: Tübinger Einleitung in die Philosophie, Frankfurt a. Ⅿ. 1986
Brecht, Bertolt: Der Jasager und Der Neinsager, in: Brecht, Lehrstücke, Reinbek bei Hamburg 1968 *
Eco, Umberto: Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt, Heidelberg 2000
Gudjons, Herbert: Erziehungswissenschaft kompakt, Hamburg 1993
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Phänomenologie des Geistes, Werke Bd. 3, Frankfurt am Main 1971
Walter Benjamin: Spuren einer Kritik der modernen Alltagskultur. Eine Einführung in sein Werk – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als jeweils alle zwei Wochen als vierstündige Veranstaltung statt. Montags: 13.30 bis 16:45 Uhr, Beginn am 15. Oktober 2001 (Raum 202, Marienstraße 7)
Walter Benjamin (1892–1940) sah in der Kultur des 19. Jahrhunderts die Bedingungen und Vorläufer der Massenkultur des 20. Jahrhunderts, teilweise in heute längst vergessenen technischen Vorformen (zum Beispiel: das Stereoskop, das Orchestrion, das Daumenkino etc.). Bereits in den tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen des vorletzten Jahrhunderts – Stichwort Industrialisierung – zeichnen sich die Konturen neuer Lebensformen ab, die schließlich bis in die Gegenwart hinein unser Alltagsleben kennzeichnen. Benjamin hat in seinen Schriften eine interessante Perspektive auf diese strukturellen Veränderungen entwickelt und so gewissermaßen die unterirdische Kulturgeschichte unserer Gegenwart freigelegt: er hat philosophische Begriffe in die Alltagspraxis übersetzt und anhand der eher unbedeutenden Erscheinungen des Sozialen konkretisiert. Zum Beispiel zeigt er Parallelen zwischen der literarischen Form der Allegorie im Barock und den Emblemen der Reklame im Kapitalismus. Mit seiner kulturphilosophischen Interpretation der Ware wagt Benjamin eine der bemerkenswertesten Interpretationen der Marxschen Theorie vom Fetischcharakter der Ware. Schließlich finden wir bei Benjamin Ansätze, die gerade heute helfen können, den komplex erscheinenden Zusammenhang von Wirtschaftsweise, Kultur und Alltag zu entwirren. Benjamin ist einer der wenigen Theoretiker, die schon früh die auch heute noch bestimmenden Techniken und Phänomene der Massenkultur untersuchten (etwa: Radio, Kino, Mode, Mickey Mouse …).
Die Einführung in das Werk Walter Benjamins soll auch dazu dienen, einen allgemeinen Überblick über die Probleme der Ästhetik und der Sozialphilosophie des 20. Jahrhunderts zu bekommen. Ebenso sollten wir mit Benjamin ein Blick auf die Künste werfen, auf die Avantgarde und Moderne zu seiner Zeit: Surrealismus, Fotografie, Franz Kafka etc. Schließlich werden wir uns auch mit Benjamins Zeitgenossen beschäftigen, mit Siegfried Kracauer, Ernst Bloch oder Theodor W. Adorno. Da Benjamin auch Weimar besuchte und über Goethe schrieb, sollten wir diesen Spuren in Exkursionen folgen, etwa zu den Ruinen im Park …
Literatur:
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften in sieben Bänden, hg. ⅴ. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser, unter Mitwirkung ⅴ. Theodor W. Adorno u. Gershom Scholem, Frankfurt am Main 1991
Susann Buck-Morss, Dialektik des Sehens. Walter Benjamin und das Passagen-Werk, Frankfurt am Main 1993 (von Buck-Morss liegen noch zwei englische Texte im Seminarordner als Kopiervorlage).
Werner Fuld, Walter Benjamin. Zwischen den Stühlen, München 1979
Siegfried Kracauer, Das Ornament der Masse, Frankfurt am Main 1963
Sven Kramer, Rätselfragen und wolkige Stellen, Lüneburg 1991
Hans Mayer, Der Zeitgenosse Walter Benjamin, Frankfurt am Main 1992
Michael Opitz und Erdmut Wizisla (Hg.), Benjamins Begriffe (2 Bände), Frankfurt am Main 2000
Helmut Salzinger, Swinging Benjamin (erweiterte Neuausgabe), Hamburg 1990
Zur gesellschaftlichen Lage der populären Musik – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als jeweils alle zwei Wochen als vierstündige Veranstaltung statt. Dienstags: 9.15 bis 12.30, Beginn am 16. Oktober 2001 (Raum 202, Marienstraße 7)
Auch die so genannte leichte Kunst, etwa die populäre Musik, ist Ausdruck ihrer Zeit. Allerdings ist es ein besonderes Kennzeichen der populären Musik, dass ihre Bedeutung längst nicht so unmittelbar und eindeutig zu entschlüsseln ist, wie es die bürgerliche Kunstmusik nahelegt. Auch hat in den letzten Jahrzehnten in der populären Musik ein Ausdifferenzierungsprozess statt gefunden, weshalb nicht mehr ohne weiteres von der bloßen ideologischen Funktion der leichten Musik gesprochen werden kann. Zudem ist die Musik der Massenkultur mitunter gar nicht so »leicht« und gar nicht so »populär« – diese Ambivalenzen versucht der Begriff Pop, wenn auch etwas ungenau, zu bezeichnen.
In diesem Seminar sollen im Sinne einer Bestandsaufnahme nach einem Jahrhundert der Popmusik die unterschiedlichsten Genres und Stile thematisieren und ihre aktuelle soziale, kulturelle und ästhetische Bedeutung diskutiert werden. Zudem geht es um die Frage nach theoretischen Begriffen, die zur kritischen Beurteilung von Popmusik geeignet sind. Grundsätzlich soll diskutiert werden, inwiefern theoretische Zugänge zur Popkultur möglich sind – welchen Einfluss hat die technische Entwicklung, was ist Popgeschichte, wie funktionieren Kanonisierungen und Historisierungen, kann Pop veralten?
Literatur:
Theodor W. Adorno, Zur gesellschaftlichen Lage der Musik, u.a. in: Zeitschrift für Sozialforschung (Reprint München 1980), Jg. 1 (1932), Teil Ⅰ: S. 103–124, Teil Ⅱ: S. 356–378 (als Kopiervorlage im Seminarordner)
Roger Behrens, Pop Kultur Industrie. Zur Philosophie der populären Musik, Würzburg 1996
Roger Behrens, Ton Klang Gewalt. Texte zu Musik, Gesellschaft und Subkultur, Mainz 1998
Martin Büsser, Popmusik, Hamburg 2000
Chris Cutler, File under Popular, Neustadt 1995 (zwei Kapitel als Kopiervorlage im Seminarordner)
Diedrich Diederichsen, Der lange Weg nach Mitte. Der Sound und die Stadt, Köln 1999 (ein Kapitel als Kopiervorlage im Seminarordner)
Kodwo Eshun, Heller als tausend Sonnen, Berlin 1999
Simon Frith, Jugendkultur und Rockmusik. Soziologie der englischen Musikszene, Reinbek bei Hamburg 1981
Klaus Neumann-Braun (Hg.), Viva MTV! Popmusik im Fernsehen, Frankfurt am Main1999
Ulf Poschardt, DJ Culture, Frankfurt am Main 1996
Helmut Salzinger, Rockpower oder Wie musikalisch ist die Revolution?, Reinbek bei Hamburg 1982
Mark Terkessidis und Tom Holert (Hg.), Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft, Berlin 1996.
Testcard. Beiträge zur Popgeschichte (bisher zehn Ausgaben mit verschiedenen Schwerpunktthemen, zum Beispiel Heft 8: Gender)
(Weitere Texte als Kopiervorlage im Seminarordner)
Leben wir noch in der Postmoderne? – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als jeweils alle zwei Wochen als vierstündige Veranstaltung statt. Dienstags: 13.30 bis 16:45 Uhr, Beginn am 16. Oktober 2001 (Raum 202, Marienstraße 7)
Das Wahre, das Gute und das Schöne sind Leitmotive der Moderne, bestimmen ihren Sinn, ihre Bedeutung. Zugleich geht von diesen Motiven auch eine Gewalt aus, im Namen des Wahren, Guten und Schönen wurde in der Moderne gefoltert, gemordet, unterdrückt. Formen der Macht, die auch eine »stille Gewalt« kennen, etwa in der kulturellen Repräsentationsmacht (Architektur, Literatur und bildende Kunst insbesondere) oder in der Definitionsmacht der Philosophie und Wissenschaft. Im Namen der Postmoderne wurde versucht, dazu weniger Gegenmotive zu entwerfen (etwa eine andere Wahrheit, ein neuer Schönheitsbegriff), sondern das Wahre, Gute und Schöne selbst in Frage zu stellen. Wahrheit wurde pluralisiert, der Sinn des Guten dekonstruiert und das Schöne zum Erhabenen transformiert. Damit drohte aber auch die Gefahr, die postmoderne Kritik an der Moderne zum beliebigen »Anything goes« (Feyerabend) werden zu lassen; Nährboden gerade für die Schattenseiten der Moderne, vom Kitsch bis zur Übermacht des Erhabenen, welches ja zum Beispiel architektonisch von den Nazis besetzt war.
Journalistisch kam die Rede von der Postmoderne in den achtziger Jahren regelrecht in Mode, alles Mögliche wurde als postmodern bezeichnet und die Kritik »der Postmodernen« verschwamm allmählich. Der auf die Spitze getriebene Begriff führte zu Ratlosigkeit darüber, was denn nach der Postmoderne kommt; das provozierte allerdings auch eine hilfreiche Klärung des Begriffs: Postmoderne sei keineswegs ein Bruch mit der Moderne, sondern eine redigierte – eine neugeschriebene – Moderne oder zu verstehen als Spätmoderne. Und ungeachtet der philosophischen Debatten hat sich eine postmoderne Praxis längst in der Alltagskultur durchgesetzt, die Lebensstile haben sich vervielfältigt, mitunter sind die Forderungen der Postmoderne sogar zu ökonomischen Leitmarken geworden (heute muss man im Beruf flexibel sein; nicht mehr die »harte Wahrheit« zählt, sondern der Umgang mit Informationen etc.).
Literatur (K) = Kopiervorlage im Seminarordner:
Zygmunt Bauman, Moderne und Ambivalenz. Das Ende der Eindeutigkeit, Hamburg 1992.
Stuart Hall, Postmoderne und Artikulation, in: ders., Cultural Studies. Ein politisches Theorieprojekt (Ausgewählte Schriften Bd. 3), Hamburg 2000, S. 52 ff. (K)
Andreas Huyssen und Klaus R. Scherpe (Hg.), Postmoderne. Zeichen eines kulturellen Wandels. Reinbek bei Hamburg 1986
Andreas Huyssen, After the Great Divide: Modernism, Mass Culture, Postmodernism, Bloomington: Indiana University Press, 1986
Andreas Huyssen, Twilight Memories: Marking Time in a Culture of Amnesia, New York: Routledge, 1995
Charles Jencks, Die Sprache der postmodernen Architektur. Die Entstehung einer alternativen Tradition, Stuttgart 1980
Heinz Paetzold, Profile der Ästhetik. Der Status von Kunst und Architektur in der Postmoderne, Wien 1990
Burghart Schmidt, Postmoderne – Strategien des Vergessens, Frankfurt am Main 1994
Albrecht Wellmer, Zur Dialektik von Moderne und Postmoderne. Vernunftkritik nach Adorno, Frankfurt am Main 1985
Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, Berlin 1993 (K)
Wolfgang Welsch, Ästhetisches Denken, Stuttgart 1993
Wolfgang Welsch (Hg.), Wege aus der Moderne. Schlüsseltexte der Postmoderne-Diskussion, Weinheim 1988 (K)
Weitere Kopiervorlagen mit Texten von Judith Butler, Gilles Deleuze, Jean-François Lyotard u.a. liegen im Seminarordner
Einführung in die Theorien der Massenkultur – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als Blockseminar an zwei Wochenenden im Mai und Juni statt; Raum: Marienstraße 7.
Ist die Massenkultur bloß »Schund«, wie Adorno und Horkheimer meinten, oder befreit sie von den elitären Formen der bürgerlichen Hochkultur und setzt neue Weisen der Wahrnehmung um, bedeutet sie also eine Demokratisierung, wie etwa der Pragmatist Richard Shusterman argumentiert? Jedenfalls kann sich der moderne Mensch der Massenkultur nicht mehr entziehen; sie begleitet nicht nur unseren Alltag, sondern bestimmt auch unsere Bedürfnisse, unseren Geschmack, unseren Tagesablauf. »Massenkultur ist Psychoanalyse verkehrt herum« (Leo Löwenthal). Theoretiker wie Walter Benjamin sahen allerdings in den technischen Veränderungen eher die Chance einer grundsätzlich neuen Wahrnehmungsweise: durch die Künste, die die Massenkultur hervorbringt – Fotografie, Film, Magazine – erfahre der moderne Mensch überhaupt erst die Dimensionen seinen Lebens, erst die Massenkultur ermögliche einen adäquaten Zugang zu den Wandlungsprozessen der kapitalistischen Gesellschaft. In diesem Sinne versuchen auch die britischen Cultural Studies eine massenkulturelle Ästhetik stark zu machen. Weiterhin bleibt aber offen, ob der Begriff der Massenkultur nur in Abgrenzung zur sogenannten Hochkultur brauchbar ist, oder nicht geradezu ein paradigmatisch neues Stadium ›der‹ Kultur beschreibt – welches eventuell auch schon wieder überholt sein könnte: Kündigen eventuell die Subkulturen der letzten Jahrzehnte das Ende der Massenkultur an, oder bedeuten sie den »Mainstream der Minderheiten« (Holert/Terkessidis)?
Literatur:
Walter Benjamin: ›Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit‹ (versch. Ausgaben); das Kapitel »Kulturindustrie« aus: Theodor W. Adorno u. Max Horkheimer: ›Dialektik der Aufklärung‹ (versch. Ausgaben); Karl H. Hörnig u. Rainer Winter (Hg.): ›Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung‹, Frankfurt am Main 1999; Kaspar Maase, Grenzenloses Vergnügen. Der Aufstieg der Massenkultur 1850–1970, Frankfurt am Main 1985; Richard Shusterman, Kunst leben. Die Ästhetik des Pragmatismus, aus dem Amerikanischen übers. von Barbara Reiter, Frankfurt am Main 1994
Einführung in die kritische Erziehungswissenschaft – Aspekte der Bildungstheorie – Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften (Ⅰ.B.2a, Allg. Erzwiss.; 06.046: G1, G3, G5)
Raum: 304 · Zeit: Mi, 16 : 00 – 18 : 00 · Beg.: 01.11. · Ende: 07.02.
Was ist kritische Erziehungswissenschaft? Wie kann Bildung kritisch sein? In diesem Seminar sollen die Grundbegriffe verschiedener Konzepte kritischer Erziehungswissenschaft erarbeitet und auf ihre Aktualität überprüft werden. Dabei geht es nicht nur um die gesellschaftstheoretischen Grundlagen einer kritischen Erziehungswissenschaft, sondern auch um das Problem, ob diese Konzepte angemessen auf die gegenwärtigen kulturellen Wandlungsprozesse reagieren (können). Dieses Seminar ist ein Einführungsseminar; vorausgesetzt wird das Interesse am Thema und die Bereitschaft, auch schwierige Texte zu erarbeiten. Scheinerwerb durch schriftlich ausgearbeitetes Referat.
Literatur:
Armin Bernhard: Emanzipative Erziehungswissenschaft – ein Zukunftsprojekt. Über bleibende und über veränderte Aufgaben einer kritischen Theorie der Bildung und Erziehung, in: PÄDAGOGIK Heft 12 (1999), S. 48–52
Herwig Blankertz: Die Geschichte der Pädagogik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart, Wetzlar 1982
Helmut Peukert: Zur Neubestimmung des Bildungsbegriffs, in: Meinert A. Meyer u. Andrea Reinartz (Hg.), Bildungsdidaktik. Denkanstöße für pädagogische Forschung und schulische Praxis, Leske + Budrich: Opladen 1998, S. 17–29.
Tutorentätigkeit in der Medizin-Soziologie, Universität Hamburg, zwischen 1991 und 1996 – Themen u.a.:
• Medizinische Utopien – utopische Medizin
• Tod in der Gesellschaft
• Medikalisierung der Gesellschaft
• Michel Foucaults ›Geburt der Klink‹