Adornorezeption im Popdiskurs – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Musik); Virtuelles Seminar in Kooperation mit externen Partnern. (Hauptstudium)
Prof. Dr. Bernd Enders, Universität Osnabrück
Dr. Rolf Großmann, Universität Lüneburg
Michael Harenberg, Hochschule für Musik und Theater Bern (Schweiz)
Dr. Holger Schulze, Universität der Künste Berlin
PD Dr. Joachim Stange-Elbe, Musikhochschule Lübeck
Roger Behrens, Hamburg
Mi 16:30–18:00; Beginn 23.10.2002
Ausgehend von seinen Thesen zur Kulturindustrie und zum Werk‑ und Materialbegriff in der Musik soll die Aktualität Adornos in der Theorie der Popkultur erarbeitet und diskutiert werden. Verfahren: Als ›virtueller Seminarraum› dient ein Chatserver. Zu den Seminarzeiten finden in den Teilnehmerhochschulen Online-Sitzungen statt, die von jeweils auf das Sitzungsthema vorbereiteten Dozenten und studentischen Referenten moderiert werden. Zu Einzelthemen werden weitere Gäste online teilnehmen.
Als Kommunikationsbasis dient eine Website, die von der Universität
Lüneburg eingerichtet wird. Dort werden aktualisierte Literaturangaben,
Beispiele, Materialien, Sitzungsprotokolle etc. zur Verfügung stehen.
Von der kritischen Theorie der Massenkultur zum Popdiskurs – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Blockseminar: Vorbesprechung: Freitag – 26. April, 16:00 Uhr; Einführung: Samstag – 27. April; 1. Block: 21. Juni bis 23. Juni; 2. Block: 5. Juli bis Sonntag: 7. Juli
Die Kunst hebt sich in der Moderne unter den Bedingungen des Marktes auf, wo sie nämlich Ware wird. Zumindest die höhere Kultur wird überflüssig, demokratisch bedroht. Mit dieser Analyse gab etwa Tocqueville im vorletzten Jahrhundert einen Anstoß für die Kulturkritik, wie sie alsbald für eine lebensphilosophische, kulturpessimistische Richtung prägend werden sollte: »Das Elend der mühsam lebenden Menschen muss noch gesteigert werden, um einer geringen Anzahl olympischer Menschen die Produktion der Kunstwerke zu ermöglichen.« (Nietzsche) Von dieser Variante der Kulturkritik grenzt sich die kritische Theorie ab; entscheidend ist dabei schon der Kulturbegriff, den Autoren wie Max Horkheimer, Theodor W. Adorno oder Herbert Marcuse an Karl Marx Konzept der Kultur als Reproduktionssphäre orientieren. Ferner ist die kritische Theorie bemüht, diesen gesellschaftstheoretischen Ansatz mit Erkenntnissen der Psychoanalyse, vor allem der Freudschen Trieblehre (Stichwort: Lustprinzip versus Realitätsprinzip) zu verbinden: Das Ziel ist, Kultur nicht als eigenständiges Wertereich der hohen Kunst zu überhöhen, sondern soziale Widerspruchsverhältnisse aufzudecken, die sich in der Kultur manifestieren – Kulturkritik umfasst damit sowohl eine ideologiekritische und eine gesellschaftskritische Dimension; es geht um immanente und utopische Aspekte des kulturellen Prozesses. Gleichwohl birgt auch diese Kulturkritik der kritischen Theorie die Gefahr, »Kultur« mit »geistigen Produkten« und »Kunst« gleichzusetzen, obzwar Marcuse in seinen Schriften einen Ansatz ausgearbeitet hat, der – mit großem Interesse an moderner Massenkultur – die kulturelle Praxis der Menschen in ihrer Vielfalt zu entschlüsseln hilft, ohne den prinzipiellen Widerspruchscharakter von Kultur und Gesellschaft aus dem Blick zu verlieren. Walter Benjamin hat in ähnlicher Weise die Bedeutung des Zusammenhangs von Technik und Wahrnehmung in der modernen Massenkultur hervorgehoben. Als Weiterführung einer kritischen Theorie der Massenkultur lassen sich die Kontext‑ und Strukturanalysen der Cultural Studies verstehen. Die Cultural Studies spielen heute eine wichtige Rolle bei der Beurteilung einer Massenkultur, die mehr und mehr zur Alltagskultur geworden ist. Gerade die Entwicklung der so genannten Popkultur zeigt, dass die ursprüngliche Kritik der Kulturindustrie nicht in allen Punkten haltbar ist. Gleichwohl lässt sich anhand der Phänomene der Popkultur auch die Aktualität der kritischen Theorie diskutieren.
»Einhundert Jahre Popmusik – Hörproben zur Geschichte, Entwicklung, Gegenwart und Zukunft« – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Musik)
Montags.
Auch die so genannte leichte Kunst, etwa die populäre Musik, ist Ausdruck ihrer Zeit. Allerdings ist es ein besonderes Kennzeichen der populären Musik, dass ihre Bedeutung längst nicht so unmittelbar und eindeutig zu entschlüsseln ist, wie es die Musikästhetik gemeinhin nahelegt. Auch hat in den letzten Jahrzehnten in der populären Musik ein Prozess der Ausdifferenzierung statt gefunden, weshalb nicht mehr ohne Weiteres von der bloßen ideologischen Funktion der leichten Musik gesprochen werden kann. Zudem ist die Musik der Massenkultur mitunter gar nicht so »leicht« und gar nicht so »populär« – diese Ambivalenzen versucht der Begriff Pop, wenn auch etwas ungenau, zu bezeichnen.
In diesem Seminar sollen im Sinne einer Bestandsaufnahme nach einem Jahrhundert der Popmusik die unterschiedlichsten Genres und Stile thematisieren und ihre aktuelle soziale, kulturelle und ästhetische Bedeutung diskutiert werden. Zudem geht es um die Frage nach theoretischen Begriffen, die zur kritischen Beurteilung von Popmusik geeignet sind. Grundsätzlich soll diskutiert werden, inwiefern theoretische Zugänge zur Popkultur möglich sind – welchen Einfluss hat die technische Entwicklung, was ist Popgeschichte, wie funktionieren Kanonisierungen und Historisierungen, kann Pop veralten? Es sollte gelingen, vor allem randständige Popmusik in die Diskussion zu bringen (Chicagoer Schule; Hamburger Schule; Grindcore; Veröffentlichungen des Warp-Labels; minimal music; Progressive Rock heute; Postrock; aber auch Geschlechterverhältnisse und Rassismus in der Popkultur und popkulturelle Gegenstrategien). Das Thema legt nahe, den Seminarverlauf multimedial zu gestalten – neben Musikbeispielen könnten sich Referate auch mit Videos (Musikfilme, Clips) oder mit dem Produktdesign der Popkultur (Merchandise, Covergestaltung) beschäftigen.
Was ist Bildung am Anfang des 21. Jahrhunderts? Begriffe und Probleme« – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Dienstag.
Die Kultur des 20. Jahrhunderts ist durch einen grundlegenden und fortdauernden Transformationsprozess gekennzeichnet, der schließlich die Bedeutung von Kultur – als Praxis wie als Begriff – in Frage stellt. Davon betroffen sind auch jene Felder des Kulturellen, die bisher eher als stabilisierend für die soziale Praxis wahrgenommen wurden: zum Beispiel Bildung, ihre Idee und der ihr zu Grunde liegende Wertekanon. Bildung scheint unabhängig von ihren verschiedenen Begriffen – materiale oder formale Bildung, Allgemeinbildung, Berufsbildung etc. – problematisch geworden zu sein: Welchen Zweck und Sinn hat die klassische Bildung heute noch angesichts einer globalisierten, von den Massenmedien bestimmten Gesellschaft? Kann ein mit der romantischen Tradition des Neuhumanismus noch immer verbundener Bildungsanspruch den Erfordernissen einer so genannten Wissensgesellschaft, von der heute die Rede ist, entsprechen? Ist Bildung als »Selbstverfertigung des Individuums« (Humboldt) immer noch Orientierung in unserer modernen Welt, oder blockiert sie vielleicht sogar die nötige Erneuerung und Erweiterung einer zeitgemäßen Strategie zur Selbstbestimmung des Individuums? Diese Fragen sollen anhand verschiedener bildungs‑ und gesellschaftstheoretischer Ansätze diskutiert werden. Fruchtbar sind hierbei die Debatten der Cultural Studies, die diese Diskrepanz zwischen Bildungsidee und –realität bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts problematisierten.
Was ist hier eigentlich los? Einführung in die Cultural Studies – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Integrationsbereich)
Dienstags.
Die Cultural Studies richten ihre Aufmerksamkeit auf solche Formen kultureller Praxis, die bislang von der Kulturtheorie, zumal der kritischen (Frankfurter Schule zum Beispiel), als bloße Manifestationen des falschen Bewusstseins, als Ideologie oder als Manipulation angesehen wurden. Dass es sich bei der modernen Alltagskultur in ihrer Vielfalt jedoch nicht um einen Massenbetrug handelt, sondern um bisweilen sogar widerständige und subversive Weisen kultureller Praxis, Rezeption und Produktion, ist Kernthese der Cultural Studies, die in den frühen sechziger Jahren in Großbritannien begründet wurden. Die Cultural Studies fokussieren insbesondere jene Bezirke der Kultur, die im akademischen Blick oft ausgespart bleiben: Alltagspraxis, triviale Formen der Unterhaltung, Fernsehen, Freizeitgestaltung, Sport, Konsumverhalten, Popkultur und Jugendmoden. Zudem gelang es, aktuelle theoretische Impulse wie zum Beispiel den Strukturalismus und die Postmoderne aufzugreifen und am Kulturellen zu konkretisieren. Schließlich haben die Cultural Studies, die mittlerweile einen vielfältigen und differenzierten Forschungsstrang bezeichnen, auf Themen wie Rassismus, Sexismus und Nationalismus im kulturwissenschaftlichen Diskurs aufmerksam gemacht. Von Lawrence Grossberg erschien eine Aufsatzsammlung unter dem Titel »What’s going on?« – Diese Frage soll auch Leitfrage des Seminars sein, in dem wir uns den theoretischen Ansatz der Cultural Studies erschließen wollen.
Literatur:
Der Titel der Veranstaltung entlehnt sich: Lawrence Grossberg: What’s Going on? Cultural Studies und Popularkultur, Cultural Studies Bd. 3, Wien: Turia + Kant 2000.
Einschlägige Grundlagentexte, die derzeit in Einführungsbänden und Readern zu haben sind; insbesondere der Autoren Stuart Hall, John Fiske, Paul Willis, Simon Frith, Angela McRobbie. Zum Beispiel: Karl H. Hörnig u. Rainer Winter (Hg.): Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung, Frankfurt am Main 1999; Christina Lutter u. Markus Reisenleitner: Cultural Studies – Eine Einführung, Cultural Studies Bd. 0, Wien 1999 (2. Aufl.); Jan Engelmann (Hg.): Die kleinen Unterschiede. Der Cultural Studies-Reader, Frankfurt am Main 1999.
Weitere Literaturangaben zu den jeweiligen Sitzungen.
Techniken des erziehungswissenschaftlichen Arbeitens – Eine Einführung – Universität Hamburg, Fachbereich, Erziehungswissenschaften
Raum: 305 Zeit: Mi, 16:00 – 18 : 15 Beg.: 10.04. Ende: 10.07.
Wie bearbeite ich Themen für ein Referat oder eine Hausarbeit? Wie wird richtig zitiert? Wie gliedere ich meine Argumentation? Wie lese ich (erziehungs‑) wissenschaftliche Texte? Was macht eigentlich einen Text »schwer«? Wie eigne ich mir große Textmengen an und verschaffe mir einen Überblick über große, scheinbar unüberschaubare theoretische Denkmodelle? Was ist das spezifisch Wissenschaftliche an der Erziehungswissenschaft? Was ist eigentlich Theorie im Gegensatz zur Praxis oder im Unterschied zu Alltagsdeutungen der Welt? Wie erkenne ich Differenzen zwischen verschiedenen theoretischen und wissenschaftlichen Ansätzen und wie arbeite ich die entsprechenden Begriffe heraus? – Diese Fragen sollen der Leitfaden sein, nach dem wir uns in mehreren Schritten gemeinsam die einzelnen Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens aneignen wollen. Dabei stehen die Techniken des erziehungswissenschaftlichen Arbeitens im Vordergrund. Referate, Hausarbeit und Protokolle verstehen sich als praktische Übungen.
Erziehungswissenschaft reflektiert pädagogisches Handeln. Daraus ergeben sich theoretische Fragestellungen. Um diese zu bearbeiten, braucht man bestimmte Techniken, die wir uns gemeinsam am Beispiel pädagogischer und bildungstheoretischer Schlüsselprobleme erarbeiten wollen. Leitfragen des Seminars sind: Was bedeutet eine theoretische Auseinandersetzung mit der Erziehungswissenschaft und was hat solche Theorie mit der pädagogischen Praxis zu tun? Wie ich entwickle ich theoretische Fragen aus der pädagogischen Praxis? Wie erkenne ich Differenzen zwischen verschiedenen theoretischen und wissenschaftlichen Ansätzen und wie arbeite ich die entsprechenden Begriffe heraus? Wie bearbeite ich Themen für ein Referat oder eine Hausarbeit? Wie eigne ich mir große Textmengen an und verschaffe mir einen Überblick über große, scheinbar unüberschaubare theoretische Denkmodelle? – Referate, Hausarbeit und Protokolle verstehen sich als praktische Übungen.
Literatur:
Adorno, Theodor W.: Philosophische Terminologie Bd. 1, Frankfurt a. Ⅿ. 1973
Adorno, Theodor W.: Philosophische Terminologie Bd. 2, Frankfurt a. Ⅿ. 1974
Adorno, Theodor W., Horkheimer, Max: (Institut für Sozialforschung): Soziologische Exkurse, Hamburg 1991
Adorno, Theodor W.: Die Abhängigkeit des Ausbildungszieles von den Studienerwartungen der Studenten, zusammen mit Christoph Oehler, in: GS Bd. 20·2, S. 689 ff.
Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels, in: Gesammelte Werke Bd. I·1, Frankfurt am Main 1991 (daraus die ›Erkenntnistheoretische Vorrede›)
Bernhard, Armin; Rothermel, Lutz (Hg.): Handbuch kritische Pädagogik. Eine Einführung in die Erziehungs‑ und Bildungswissenschaft, Weinheim 1997
Blankertz, Herwig: Die Geschichte der Pädagogik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart, Wetzlar 1982
Bloch, Ernst: Tübinger Einleitung in die Philosophie, Frankfurt a. Ⅿ. 1986
Brecht, Bertolt: Der Jasager und Der Neinsager, in: Brecht, Lehrstücke, Reinbek bei Hamburg 1968 *
Eco, Umberto: Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt, Heidelberg 2000
Gudjons, Herbert: Erziehungswissenschaft kompakt, Hamburg 1993
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Phänomenologie des Geistes, Werke Bd. 3, Frankfurt am Main 1971
Walter Benjamin: Spuren einer Kritik der modernen Alltagskultur. Eine Einführung in sein Werk – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als jeweils alle zwei Wochen als vierstündige Veranstaltung statt. Montags: 13.30 bis 16:45 Uhr, Beginn am 15. Oktober 2001 (Raum 202, Marienstraße 7)
Walter Benjamin (1892–1940) sah in der Kultur des 19. Jahrhunderts die Bedingungen und Vorläufer der Massenkultur des 20. Jahrhunderts, teilweise in heute längst vergessenen technischen Vorformen (zum Beispiel: das Stereoskop, das Orchestrion, das Daumenkino etc.). Bereits in den tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen des vorletzten Jahrhunderts – Stichwort Industrialisierung – zeichnen sich die Konturen neuer Lebensformen ab, die schließlich bis in die Gegenwart hinein unser Alltagsleben kennzeichnen. Benjamin hat in seinen Schriften eine interessante Perspektive auf diese strukturellen Veränderungen entwickelt und so gewissermaßen die unterirdische Kulturgeschichte unserer Gegenwart freigelegt: er hat philosophische Begriffe in die Alltagspraxis übersetzt und anhand der eher unbedeutenden Erscheinungen des Sozialen konkretisiert. Zum Beispiel zeigt er Parallelen zwischen der literarischen Form der Allegorie im Barock und den Emblemen der Reklame im Kapitalismus. Mit seiner kulturphilosophischen Interpretation der Ware wagt Benjamin eine der bemerkenswertesten Interpretationen der Marxschen Theorie vom Fetischcharakter der Ware. Schließlich finden wir bei Benjamin Ansätze, die gerade heute helfen können, den komplex erscheinenden Zusammenhang von Wirtschaftsweise, Kultur und Alltag zu entwirren. Benjamin ist einer der wenigen Theoretiker, die schon früh die auch heute noch bestimmenden Techniken und Phänomene der Massenkultur untersuchten (etwa: Radio, Kino, Mode, Mickey Mouse …).
Die Einführung in das Werk Walter Benjamins soll auch dazu dienen, einen allgemeinen Überblick über die Probleme der Ästhetik und der Sozialphilosophie des 20. Jahrhunderts zu bekommen. Ebenso sollten wir mit Benjamin ein Blick auf die Künste werfen, auf die Avantgarde und Moderne zu seiner Zeit: Surrealismus, Fotografie, Franz Kafka etc. Schließlich werden wir uns auch mit Benjamins Zeitgenossen beschäftigen, mit Siegfried Kracauer, Ernst Bloch oder Theodor W. Adorno. Da Benjamin auch Weimar besuchte und über Goethe schrieb, sollten wir diesen Spuren in Exkursionen folgen, etwa zu den Ruinen im Park …
Literatur:
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften in sieben Bänden, hg. ⅴ. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser, unter Mitwirkung ⅴ. Theodor W. Adorno u. Gershom Scholem, Frankfurt am Main 1991
Susann Buck-Morss, Dialektik des Sehens. Walter Benjamin und das Passagen-Werk, Frankfurt am Main 1993 (von Buck-Morss liegen noch zwei englische Texte im Seminarordner als Kopiervorlage).
Werner Fuld, Walter Benjamin. Zwischen den Stühlen, München 1979
Siegfried Kracauer, Das Ornament der Masse, Frankfurt am Main 1963
Sven Kramer, Rätselfragen und wolkige Stellen, Lüneburg 1991
Hans Mayer, Der Zeitgenosse Walter Benjamin, Frankfurt am Main 1992
Michael Opitz und Erdmut Wizisla (Hg.), Benjamins Begriffe (2 Bände), Frankfurt am Main 2000
Helmut Salzinger, Swinging Benjamin (erweiterte Neuausgabe), Hamburg 1990
Zur gesellschaftlichen Lage der populären Musik – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als jeweils alle zwei Wochen als vierstündige Veranstaltung statt. Dienstags: 9.15 bis 12.30, Beginn am 16. Oktober 2001 (Raum 202, Marienstraße 7)
Auch die so genannte leichte Kunst, etwa die populäre Musik, ist Ausdruck ihrer Zeit. Allerdings ist es ein besonderes Kennzeichen der populären Musik, dass ihre Bedeutung längst nicht so unmittelbar und eindeutig zu entschlüsseln ist, wie es die bürgerliche Kunstmusik nahelegt. Auch hat in den letzten Jahrzehnten in der populären Musik ein Ausdifferenzierungsprozess statt gefunden, weshalb nicht mehr ohne weiteres von der bloßen ideologischen Funktion der leichten Musik gesprochen werden kann. Zudem ist die Musik der Massenkultur mitunter gar nicht so »leicht« und gar nicht so »populär« – diese Ambivalenzen versucht der Begriff Pop, wenn auch etwas ungenau, zu bezeichnen.
In diesem Seminar sollen im Sinne einer Bestandsaufnahme nach einem Jahrhundert der Popmusik die unterschiedlichsten Genres und Stile thematisieren und ihre aktuelle soziale, kulturelle und ästhetische Bedeutung diskutiert werden. Zudem geht es um die Frage nach theoretischen Begriffen, die zur kritischen Beurteilung von Popmusik geeignet sind. Grundsätzlich soll diskutiert werden, inwiefern theoretische Zugänge zur Popkultur möglich sind – welchen Einfluss hat die technische Entwicklung, was ist Popgeschichte, wie funktionieren Kanonisierungen und Historisierungen, kann Pop veralten?
Literatur:
Theodor W. Adorno, Zur gesellschaftlichen Lage der Musik, u.a. in: Zeitschrift für Sozialforschung (Reprint München 1980), Jg. 1 (1932), Teil Ⅰ: S. 103–124, Teil Ⅱ: S. 356–378 (als Kopiervorlage im Seminarordner)
Roger Behrens, Pop Kultur Industrie. Zur Philosophie der populären Musik, Würzburg 1996
Roger Behrens, Ton Klang Gewalt. Texte zu Musik, Gesellschaft und Subkultur, Mainz 1998
Martin Büsser, Popmusik, Hamburg 2000
Chris Cutler, File under Popular, Neustadt 1995 (zwei Kapitel als Kopiervorlage im Seminarordner)
Diedrich Diederichsen, Der lange Weg nach Mitte. Der Sound und die Stadt, Köln 1999 (ein Kapitel als Kopiervorlage im Seminarordner)
Kodwo Eshun, Heller als tausend Sonnen, Berlin 1999
Simon Frith, Jugendkultur und Rockmusik. Soziologie der englischen Musikszene, Reinbek bei Hamburg 1981
Klaus Neumann-Braun (Hg.), Viva MTV! Popmusik im Fernsehen, Frankfurt am Main1999
Ulf Poschardt, DJ Culture, Frankfurt am Main 1996
Helmut Salzinger, Rockpower oder Wie musikalisch ist die Revolution?, Reinbek bei Hamburg 1982
Mark Terkessidis und Tom Holert (Hg.), Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft, Berlin 1996.
Testcard. Beiträge zur Popgeschichte (bisher zehn Ausgaben mit verschiedenen Schwerpunktthemen, zum Beispiel Heft 8: Gender)
(Weitere Texte als Kopiervorlage im Seminarordner)
Leben wir noch in der Postmoderne? – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als jeweils alle zwei Wochen als vierstündige Veranstaltung statt. Dienstags: 13.30 bis 16:45 Uhr, Beginn am 16. Oktober 2001 (Raum 202, Marienstraße 7)
Das Wahre, das Gute und das Schöne sind Leitmotive der Moderne, bestimmen ihren Sinn, ihre Bedeutung. Zugleich geht von diesen Motiven auch eine Gewalt aus, im Namen des Wahren, Guten und Schönen wurde in der Moderne gefoltert, gemordet, unterdrückt. Formen der Macht, die auch eine »stille Gewalt« kennen, etwa in der kulturellen Repräsentationsmacht (Architektur, Literatur und bildende Kunst insbesondere) oder in der Definitionsmacht der Philosophie und Wissenschaft. Im Namen der Postmoderne wurde versucht, dazu weniger Gegenmotive zu entwerfen (etwa eine andere Wahrheit, ein neuer Schönheitsbegriff), sondern das Wahre, Gute und Schöne selbst in Frage zu stellen. Wahrheit wurde pluralisiert, der Sinn des Guten dekonstruiert und das Schöne zum Erhabenen transformiert. Damit drohte aber auch die Gefahr, die postmoderne Kritik an der Moderne zum beliebigen »Anything goes« (Feyerabend) werden zu lassen; Nährboden gerade für die Schattenseiten der Moderne, vom Kitsch bis zur Übermacht des Erhabenen, welches ja zum Beispiel architektonisch von den Nazis besetzt war.
Journalistisch kam die Rede von der Postmoderne in den achtziger Jahren regelrecht in Mode, alles Mögliche wurde als postmodern bezeichnet und die Kritik »der Postmodernen« verschwamm allmählich. Der auf die Spitze getriebene Begriff führte zu Ratlosigkeit darüber, was denn nach der Postmoderne kommt; das provozierte allerdings auch eine hilfreiche Klärung des Begriffs: Postmoderne sei keineswegs ein Bruch mit der Moderne, sondern eine redigierte – eine neugeschriebene – Moderne oder zu verstehen als Spätmoderne. Und ungeachtet der philosophischen Debatten hat sich eine postmoderne Praxis längst in der Alltagskultur durchgesetzt, die Lebensstile haben sich vervielfältigt, mitunter sind die Forderungen der Postmoderne sogar zu ökonomischen Leitmarken geworden (heute muss man im Beruf flexibel sein; nicht mehr die »harte Wahrheit« zählt, sondern der Umgang mit Informationen etc.).
Literatur (K) = Kopiervorlage im Seminarordner:
Zygmunt Bauman, Moderne und Ambivalenz. Das Ende der Eindeutigkeit, Hamburg 1992.
Stuart Hall, Postmoderne und Artikulation, in: ders., Cultural Studies. Ein politisches Theorieprojekt (Ausgewählte Schriften Bd. 3), Hamburg 2000, S. 52 ff. (K)
Andreas Huyssen und Klaus R. Scherpe (Hg.), Postmoderne. Zeichen eines kulturellen Wandels. Reinbek bei Hamburg 1986
Andreas Huyssen, After the Great Divide: Modernism, Mass Culture, Postmodernism, Bloomington: Indiana University Press, 1986
Andreas Huyssen, Twilight Memories: Marking Time in a Culture of Amnesia, New York: Routledge, 1995
Charles Jencks, Die Sprache der postmodernen Architektur. Die Entstehung einer alternativen Tradition, Stuttgart 1980
Heinz Paetzold, Profile der Ästhetik. Der Status von Kunst und Architektur in der Postmoderne, Wien 1990
Burghart Schmidt, Postmoderne – Strategien des Vergessens, Frankfurt am Main 1994
Albrecht Wellmer, Zur Dialektik von Moderne und Postmoderne. Vernunftkritik nach Adorno, Frankfurt am Main 1985
Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, Berlin 1993 (K)
Wolfgang Welsch, Ästhetisches Denken, Stuttgart 1993
Wolfgang Welsch (Hg.), Wege aus der Moderne. Schlüsseltexte der Postmoderne-Diskussion, Weinheim 1988 (K)
Weitere Kopiervorlagen mit Texten von Judith Butler, Gilles Deleuze, Jean-François Lyotard u.a. liegen im Seminarordner
Einführung in die Theorien der Massenkultur – Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung (Bereich Ästhetik)
Das Seminar fand als Blockseminar an zwei Wochenenden im Mai und Juni statt; Raum: Marienstraße 7.
Ist die Massenkultur bloß »Schund«, wie Adorno und Horkheimer meinten, oder befreit sie von den elitären Formen der bürgerlichen Hochkultur und setzt neue Weisen der Wahrnehmung um, bedeutet sie also eine Demokratisierung, wie etwa der Pragmatist Richard Shusterman argumentiert? Jedenfalls kann sich der moderne Mensch der Massenkultur nicht mehr entziehen; sie begleitet nicht nur unseren Alltag, sondern bestimmt auch unsere Bedürfnisse, unseren Geschmack, unseren Tagesablauf. »Massenkultur ist Psychoanalyse verkehrt herum« (Leo Löwenthal). Theoretiker wie Walter Benjamin sahen allerdings in den technischen Veränderungen eher die Chance einer grundsätzlich neuen Wahrnehmungsweise: durch die Künste, die die Massenkultur hervorbringt – Fotografie, Film, Magazine – erfahre der moderne Mensch überhaupt erst die Dimensionen seinen Lebens, erst die Massenkultur ermögliche einen adäquaten Zugang zu den Wandlungsprozessen der kapitalistischen Gesellschaft. In diesem Sinne versuchen auch die britischen Cultural Studies eine massenkulturelle Ästhetik stark zu machen. Weiterhin bleibt aber offen, ob der Begriff der Massenkultur nur in Abgrenzung zur sogenannten Hochkultur brauchbar ist, oder nicht geradezu ein paradigmatisch neues Stadium ›der› Kultur beschreibt – welches eventuell auch schon wieder überholt sein könnte: Kündigen eventuell die Subkulturen der letzten Jahrzehnte das Ende der Massenkultur an, oder bedeuten sie den »Mainstream der Minderheiten« (Holert/Terkessidis)?
Literatur:
Walter Benjamin: ›Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit› (versch. Ausgaben); das Kapitel »Kulturindustrie« aus: Theodor W. Adorno u. Max Horkheimer: ›Dialektik der Aufklärung› (versch. Ausgaben); Karl H. Hörnig u. Rainer Winter (Hg.): ›Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung›, Frankfurt am Main 1999; Kaspar Maase, Grenzenloses Vergnügen. Der Aufstieg der Massenkultur 1850–1970, Frankfurt am Main 1985; Richard Shusterman, Kunst leben. Die Ästhetik des Pragmatismus, aus dem Amerikanischen übers. von Barbara Reiter, Frankfurt am Main 1994