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	<title>Roger Behrens &#187; Musik</title>
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	<description>Mein digitales Wohnzimmer</description>
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		<title>&#187;Kick out the Jams&#171;</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 21:06:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[›Kick out the Jams, …‹ 
Vorläufige Notizen zu Pop, Protest und Politik. Ein Thesenpapier ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&rsaquo;Kick out the Jams, &hellip;&lsaquo;<br />
Vorl&auml;ufige Notizen zu Pop, Protest und Politik. Ein Thesenpapier </p>
<p>Als PDF: <a href="http://vg02.met.vgwort.de/na/f315d2184240824c9fcfcaa0b7ca60?l=http://txt.rogerbehrens.net/kickout.pdf" target="_blank">hier</a></p>
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		<title>Adornos Rap</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Mar 2009 16:44:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Kulturindustriethese in Neuerscheinungen und ein Exkurs über HipHop 
[Ein Rezensionstext von 2004]

Als PDF: <a href="http://txt.rogerbehrens.net/Rap.pdf" target="_blank">hier</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kulturindustriethese in Neuerscheinungen und ein Exkurs &uuml;ber HipHop<br />
[Ein Rezensionstext von 2004]</p>
<p>Als PDF: <a href="http://vg02.met.vgwort.de/na/d3fba2adb0277786b580846cbc8bd3?l=http://txt.rogerbehrens.net/Rap.pdf" target="_blank">hier</a>.</p>
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		<title>Die R&#252;ckkehr der Kulturindustriethese als Dancefloorversion</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 21:52:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kulturindustrie]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Wort »Pop« wird kaum etwas Prägnantes bezeichnet; oft entscheiden die Perspektiven, die Annäherungsweisen und unmittelbare Präjudikationen, was Pop ist: Ist Pop eine Abgrenzung von Rock? Ist Pop populäre Kunst und Kultur; oder Populär- und Massenkulturformen verwendende Kunst wie eben die Pop-art? Ist Pop primär die Musik, oder meint Pop immer das ganze Umfeld von Verhaltensweisen, Moden, Videoclips, oder ist Pop als Begriff gar tauglich, spezifische soziale und kulturelle Merkmale einer Epoche begrifflich zusammenzufassen? 
[<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/artikel/kulturindustriethese/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zur Dialektik materialistischer Pop&#8209; und Subkulturkritik</strong></p>
<p><em>Ein Text von 1999</em></p>
<p>Vorabbemerkungen, Mi&szlig;verst&auml;ndnisse ebenso vermeidend wie provozierend</p>
<p>Um abzugrenzen, wovon zwischen Kulturindustrietheorie der 40er Jahre und dem Pop und Popdiskurs der 90er Jahre die Rede sein wird, sind einige Vorabbemerkungen den &Uuml;berlegungen voranzustellen. Sie betreffen vordefinitorische Verwendungsschwierigkeiten des Kulturindustriebegriffs, sie betreffen ferner den Pop, damit auch die Musik, und vor allem die Frage nach der Absicht, sich mit R&uuml;ckgriff auf die Sozialphilosophie der 40er Jahre mit Popkultur, Massenkultur im weitesten Sinne zu besch&auml;ftigen &mdash; als wenn es nicht dringlichere Aufgaben der kritischen Theorie g&auml;be.</p>
<p>Pop. &ndash; Mit dem Wort &raquo;Pop&laquo; wird kaum etwas Pr&auml;gnantes bezeichnet; oft entscheiden die Perspektiven, die Ann&auml;herungsweisen und unmittelbare Pr&auml;judikationen, was Pop ist: Ist Pop eine Abgrenzung von Rock? Ist Pop popul&auml;re Kunst und Kultur; oder Popul&auml;r&#8209; und Massenkulturformen verwendende Kunst wie eben die Pop-art? Ist Pop prim&auml;r die Musik, oder meint Pop immer das ganze Umfeld von Verhaltensweisen, Moden, Videoclips, oder ist Pop als Begriff gar tauglich, spezifische soziale und kulturelle Merkmale einer Epoche begrifflich zusammenzufassen? Jedenfalls rechtfertigen diejenigen, die sich explizit mit dem Pop besch&auml;ftigen, dies mit der Ausdehnungstendenz des Pop, da&szlig; eben die ganze Gesellschaft l&auml;ngerfristig Pop werde &mdash; ohne da&szlig; dann definiert w&auml;re, was denn nun Pop sei. Hier soll unter Pop zun&auml;chst die Musik verstanden werden, die sich in ihren Produktions&#8209; und Rezeptionsweisen nicht mehr in die Raster b&uuml;rgerlicher Kunstmusik so ohne weiteres bringen l&auml;&szlig;t. Pop korrespondiert je mit der Kulturindustrie, meint diese unter anderem Etikett; Pop ist immer schon Ware: eine Musik, die so sehr in der Krise ist wie die Gesellschaft, die sich in ihr ausdr&uuml;ckt. Die Differenzierungen zwischen Pop und Rock und andere vermeintlich stilistische Abgrenzungen lasse ich au&szlig;envor &mdash; Pop bezeichnet ein Gemeinsames der Musik von der Kelly Family bis Mouse On Mars, von Rammstein bis Squarepusher, von Elton John bis Einst&uuml;rzende Neubauten, von Radiohead bis Merzbow, von Atari Teenage Riot und Joe Zawinul, Gemeinsames von Sex Pistols, Steve Reich und Kristof Penderecki, heute auch Gemeinsames von Beethoven und Beatles. Es f&auml;llt auf, da&szlig; unter gewissen Vorzeichen &uuml;ber die Gesamtheit dieser Musik derselbe Diskurs gef&uuml;hrt werden kann &mdash; und das ist nun weniger der Sache an sich geschuldet, also dem Rest an &auml;sthetischer Autonomie bei Alfred Schnittke versus DJ-Culture beim Shanty Sound System oder H&ouml;rerfanatismus bei den Backstreet Boys, sondern hat mit den Produktions&#8209; und Rezeptionsverh&auml;ltnissen zu tun, die sich, wenn auch sehr unterschiedlich, durchaus im musikalischen Material niederschlagen; es hat zu tun mit dem, was also Kulturindustrie ausmacht.</p>
<p>Kulturindustrie. &ndash; Der Begriff Kulturindustrie wird dem gleichnamigen Kapitel aus der Dialektik der Aufkl&auml;rung (1947, bzw.&#160;1944) von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zugeordnet. Gemeinhin ist anzunehmen, da&szlig; Adorno ma&szlig;geblich f&uuml;r das Kulturindustriekapitel verantwortlich zeichnet, weshalb es eigentlich sein Name und seine Philosophie ist, die mit dem Begriff verbunden wird. Horkheimer benutzt in sp&auml;teren Schriften den Begriff selten; Adorno sprach in einem Rundfunkvortrag 1963 sogar explizit ein &raquo;R&eacute;sum&eacute; &uuml;ber Kulturindustrie&laquo; aus (im Nachla&szlig; Adornos fand sich zudem ein Text namens &raquo;Das Schema der Massenkultur&laquo;, der als Fortsetzung des Kulturindustriekapitels der Dialektik der Aufkl&auml;rtung geplant war). Parallelisiert werden die Argumente, oder das, was von ihnen zum Bildungsgut geworden ist, in der Regel mit Walter Benjamins &raquo;Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit&laquo; von 1936.</p>
<p>Obgleich im Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufkl&auml;rung von Magazinen, Radio und dergleichen die Rede ist, konzentriert sich die Kritik haupts&auml;chlich auf die Musik. Nicht umsonst wollte Adorno seine Philosophie der neuen Musik als Exkurs zur Dialektik der Aufkl&auml;rung verstanden wissen. Vor allem spricht f&uuml;r einen engen Gegenstandsbezug der Kulturindustriethese zur Musik, da&szlig; mitnichten Adorno und Horkheimer diesen Begriff allein gebrauchten, sondern der Komponist Hanns Eisler ebenso. Adornos und Eislers Gemeinschaftsarbeit Komposition f&uuml;r den Film erscheint sogar als konkrete Auseinandersetzung mit der Kulturindustrie &mdash; neben Adornos Untersuchungen &uuml;ber das Radio (Radio Research Project).</p>
<p>Musik. &ndash; Sofern es nun um Musik zu tun ist, ergeben sich meist einige Probleme, die sich nicht in der Sch&auml;rfe ergeben, wenn man etwa &uuml;ber Waschmittel oder Astrologie spricht, auch wenn ja eine Zentralthese ist, da&szlig; eben die Kultur auf das Niveau von Waschmittel und Aberglaube reduziert wird. Wenige f&uuml;hlen sich pers&ouml;nlich angegriffen, wenn man ihnen ihre Waschmittelmarke streitig macht; anders sieht das beim Urteil &uuml;ber die Musik aus, die man bei Bekannten im Plattenregal entdeckt. Ich greife dies als Rezeptionsproblem des vermeintlich kritischen H&ouml;rers auf und m&ouml;chte vorausschicken, da&szlig; es weder um die Diffamierung eines subjektiv-emotionalen Bezugs zu irgendeiner Musik geht, noch um ein Verdikt, das &uuml;ber diese oder jene Musik verh&auml;ngt werden soll. Es geht gleichwohl gegen eine bestimmte, im Popdiskurs verbreitete Anma&szlig;ung, das theoretisch meist bodenlose und der Subjektivit&auml;t verpflichtete Geschacksurteil, oder die von der Industrie eingeforderte Produktwerbung als objektivistisches Urteil &uuml;ber eine Musik eventuell sogar als politisch hochbedeutsam beizubiegen, was in den meisten F&auml;llen musikalisch mir so problematisch scheint wie im &uuml;brigen auch politisch.</p>
<p>Konsumenten. &ndash; Es geht keineswegs darum, im Namen der Kulturindustriekritik und des Popdiskurses sich bescheidwissend &uuml;ber die Dummheit der Massenkonsumenten herzumachen, denen die neue Kuschel-Rock-CD angedreht wird, sondern um die Kritik, da&szlig; die geschm&auml;hte Masse sich zun&auml;chst in sozialen Verh&auml;ltnissen bewegt, die sich nur mit so einem Unfug wie Kuschel-Rock-CDs ertragen lassen. &raquo;Not und Druck&laquo; der Menschen, so l&auml;&szlig;t sich mit der Dialektik der Aufkl&auml;rung sagen, macht das Einklagen von &raquo;Ernst zum Hohn&laquo;; Menschen, &raquo;die froh sein m&uuml;ssen, wenn sie die Zeit, die sie nicht am Triebrad stehen, dazu benutzen k&ouml;nnen, sich treiben zu lassen.&laquo; Die Kuschel-Rock-CD ist das &raquo;gesellschaftlich schlechte Gewissen&laquo; von Musik, die dagegen als gehaltvoll gilt. Und Adorno und Eisler schreiben: &raquo;Im sp&auml;tindustriellen Zeitalter bleibt den Massen nichts als der Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie in dem entfremdeten Arbeitsproze&szlig; verausgabten.&laquo; &mdash; Falsch w&auml;re demnach auch die nostalgische Allianz mit dem Bildungsb&uuml;rgertum, mit dem dann etwa gegen den kulturindustriellen Schund die hohe Kunst verteidigt wird: &raquo;Die Reinheit der b&uuml;rgerlichen Kunst, die sich als Reich der Freiheit im Gegensatz zur materiellen Praxis hypostasierte, war von Anbeginn mit dem Ausschlu&szlig; der Unterklasse erkauft &hellip;&laquo; Die autonome Kunst von ehedem ist heute nicht minder in die Kulturindustrie integriert; &raquo;die Massenkultur [lebt] gerade vom Ausverkauf der individualistischen&laquo; Kultur des 19. Jahrhunderts. An verschiedenen Stellen hat Adorno darauf hingewiesen, wie sehr Musik und Musikrezeption, bzw.&#160;&#8211;konsum in der Kulturindustrie sich am Modell der Sp&auml;tromantik &mdash; Melodie, Einfall, Leitmotiv und dergleichen &mdash; orientiere.</p>
<p>Die Kritik der Kulturindustrie wird leicht als Massenfeindlichkeit fehlinterpretiert, in &Uuml;bersch&auml;tzung der eigenen Stellung, als w&auml;re Kultur im unmittelbaren Vollzug kritisierbar, als h&auml;tte eine bewu&szlig;t-affirmative Stellung zur Kulturindustrie einen qualitativen Vorteil den Betrogenen gegen&uuml;ber. In den Minima Moralia warnte Adorno vor diesem Mi&szlig;verst&auml;ndnis: &raquo;F&uuml;r den, der nicht mitmacht, besteht die Gefahr, da&szlig; er sich f&uuml;r besser h&auml;lt als die andern und seine Kritik der Gesellschaft mi&szlig;braucht als Ideologie f&uuml;r sein privates Interesse &hellip; Der Distanzierte bleibt so verstrickt wie der Betriebsame; vor diesem hat er nichts voraus als die Einsicht in seine Verstricktheit und das Gl&uuml;ck der winzigen Freiheit, die im Erkennen als solchem liegt.&laquo; Vor einer &Uuml;bersch&auml;tzung der Reichweite von Kulturkritik hat schlie&szlig;lich Horkheimer gewarnt: &raquo;Kulturkritik mu&szlig; sich h&uuml;ten, da&szlig; sie nicht selber durch Denunziation der Kultur als Ablenkung von Themen wegf&uuml;hrt, die dem Gedanken noch geblieben sind: von den krassen Unterschieden der Macht, die niemand wahrnimmt, weil sie offenkundig sind, vom Elend hinter den Mauern der Zucht&#8209; und Irrenh&auml;user, von radikal materiellen Bestimmungsgr&uuml;nden der Politik, gerade dort, wo sie besonders edel sich gibt.&laquo;</p>
<p>Was ist also der Zweck, sich mit der Kulturindustrie respektive Popkultur &uuml;berhaupt auseinanderzusetzen? Im Pop, so wird es von jenen verteidigt, die sich der sogenannten Poplinken zurechnen lassen, f&auml;nden sich Subversionspotentiale; Pop sei dialektisch beides, &raquo;Teil des Problems&laquo; wie &raquo;Medium der Befreiung&laquo;, wie es Christoph Gurk sagt. Derart steht die Poplinke stets gegen eine Evidenz der Kulturindustriethese in ihrer Konsequenz, wenngleich mit dem Thesengrobbau durchaus sympathisiert wird; sie steht dem entgegen, weil hier sich eine Interpretation des Kapitels &uuml;ber die Kulturindustrie in der Dialektik der Aufkl&auml;rung durchgesetzt hat, die diesen Text weitgehend isoliert liest und Konsequenzen derart deutet, als b&ouml;te die kulturindustriell verwaltete Welt keinen Ausweg. Der Gedanke der Emanzipation, und insofern ist Gurks Formulierung vom &raquo;Pop als Medium&laquo; &mdash; also Vermittelndem &mdash; &raquo;der Befreiung&laquo; aufzugreifen, ist f&uuml;r die kritische Theorie aus gutem Grund ma&szlig;geblich in der Kunst aufbewahrt, n&auml;mlich in ihrer F&auml;higkeit, die Utopie einer freien Gesellschaft vorscheinen zu lassen, ohne sich blind mit der Befreiung zu identifizieren. Zwar ist von der Poplinken viel von Subversion, Unvereinnahmbarkeit, Widerst&auml;ndigem, &Uuml;beraffirmation und dergleichen zu lesen, doch fehlen erstaunlicherweise stets die Kategorien, die f&uuml;r den Kunstbegriff der kritischen Theorie so wichtig sind: Gl&uuml;ck, Utopie, Freiheit und so weiter.</p>
<p>Kulturindustriekritik w&auml;re ebenso wie ihre Aktualit&auml;t im Spiegel der Popkultur, mit einer modifizierten Lesart der Kulturindustrietheorie zu begr&uuml;nden. Vor allem Komposition f&uuml;r den Film spricht daf&uuml;r, da&szlig; mit dem Kulturindustriebegriff keine monolithische Theorie sozialer Aporie und Hermetik gedeckt werden sollte. Vielmehr finden sich Hinweise auf die Annahme einer gewissen Dynamik der Kulturindustrie &mdash; es sollten &raquo;auch die positiven Aspekte der Massenkultur zur Sprache kommen,&laquo; hie&szlig; es 1944. Der Abschnitt &uuml;ber Kulturindustrie ist &raquo;mehr noch als die anderen &hellip; fragmentarisch.&laquo;</p>
<p>Kulturindustrie &mdash; Anmerkungen zum Begriff und zur Rezeptionsgeschichte</p>
<p>Die theoretisch-philosophischen Grundlagen der kritischen Theorie, wie sie von Max Horkheimer im Forschungszusammenhang des (Frankfurter) Instituts f&uuml;r Sozialforschung projektiert wurden, decken sich mit dem Konstruktionsaufbau der Kulturindustrietheorie. Ausgangspunkt war &mdash; als Basisger&uuml;st &mdash; die Kritik der politischen &Ouml;konomie von Marx; sie sollte erweitert werden um Elemente der Kantischen Erkenntnistheorie, um eine materialistisch gedeutete Hegelsche Geschichtsphilosophie und um die Psychoanalyse Freunds. Die Erweiterung der Marxschen kritischen Theorie schien notwendig aufgrund der Diagnose, da&szlig; im Basis&#8209;&Uuml;berbau-Zusammenhang der &Uuml;berbau, also das Reich der Kultur, sofern es nicht sowieso schon &ouml;konomisch durchsetzt war, zunehmend eine gewisse Eigendynamik und Gewalt gegen&uuml;ber der Basis zeigte, gleichwohl &mdash; und das ist ja auch die Eingangsthese von Benjamin in seinem Kunstwerkaufsatz &mdash; &raquo;die Umw&auml;lzung des &Uuml;berbaus &hellip; langsamer als die des Unterbaus vor sich geht&laquo;.</p>
<p>Die Theorie der Kulturindustrie umfa&szlig;t technologisch-technische, sozialpsychologische, &auml;sthetische und &ouml;konomisch-ideologische Aspekte. Sie sind keineswegs zu vereinseitigen und meinen f&uuml;r sich noch nicht die Erkl&auml;rung des Gesamtzusammenhangs; viel mehr bildet eine auf herausgenommene Momente beschr&auml;nkte Erkl&auml;rung des Ph&auml;nomens die Kulturindustrie blo&szlig; affirmativ ab.</p>
<p>Technologisches-Technisches. &ndash; Gegen Vereinseitigung der technischen Aspekte hei&szlig;t es etwa, da&szlig; von den &raquo;Interessenten&laquo; die Kulturindustrie deshalb technologisch gerechtfertigt wird, weil in den technischen Notwendigkeiten der Massenbelieferung der Menschen mit Kultur scheinbar ein demokratische Potential neuerer technologischer Verfahren steckt. Was damals bejahend und verteidigend &uuml;ber Radio und Film gesagt wurde, vergleiche man einmal mit dem, wie heute bis weit in die selbst fortschritts-sensibilisierte Linke herein neueste Computertechniken &mdash; das Internet &mdash; mit einer quasi selbstm&auml;chtigen Ideologie der Informationszug&auml;nglichkeit gepriesen werden. Auch in der Beurteilung der Popmusik &mdash; sei es einzelner Exponate, sei es Tendenzen, die ganze Richtungen markieren sollen &mdash; wird auf Hervorhebung technologischer Eigenarten zur&uuml;ckgegriffen: Sampling, DJ-Culture, Verfahren, die auch einem musikalischen Laienpublikum Zugang zur kulturellen Produktion erm&ouml;glichen sollen.</p>
<p>Allein vom technischen Stand der Gesellschaft ist noch nichts &uuml;ber ihren Strukturzusammenhang ableitbar. Nicht darf verheimlicht werden, wer &uuml;ber die Technologie verf&uuml;gt und in wessen Dienst sie genommen ist. Relevant ist der Doppelaspekt des Technischen: Technik bezeichnet &mdash; so Adorno &mdash; in der Kunst innere Formgesetze, und sofern nicht etwa &auml;sthetische Verfahren gemeint sind (Zw&ouml;lftontechnik), sondern tats&auml;chlich technologische Neuerungen (Reproduktionsverfahren), begr&uuml;ndet sich deren Einsatz k&uuml;nstlerisch gleichsam aus der Sache heraus &mdash; und das hei&szlig;t immer, wie es Eisler und Adorno f&uuml;r die Filmmusik hervorheben: da&szlig; von einem Problem ausgegangen werden mu&szlig;, das &auml;sthetisch gel&ouml;st werden soll.</p>
<p>Sozialpsychologisches. &ndash; Die Musik der Kulturindustrie ist heute technisch &uuml;ber Videos, CDs, Computersampling vermittelt; solche Technik wird kaum noch in Frage gestellt; defensiv beurteilt man die Resultate und schiebt die Beurteilung solange hin und her, bis sie sich mit dem getroffenen Emotionen decken, mit dem Gef&uuml;hl, auf das sich in letzter Instanz gerne berufen wird, da&szlig; und weshalb &rsaquo;&uuml;ber Musik sowieso nicht geredet werden k&ouml;nne&lsaquo;. Massenkultur sei, so sagte einmal Leo L&ouml;wenthal, Psychoanalyse verkehrt herum. Die Frage, wie in der Massenkultur Bed&uuml;rfnis, Gef&uuml;hl und Befriedigung gel&ouml;st werden, hat den Begriff der Kulturindustrie gegen andere Varianten zur Bezeichnung derselben Sache begr&uuml;ndet: gegen L&ouml;wenthal &mdash; der eben von Massenkultur sprach (sich auf die b&uuml;rgerliche Literaturgeschichte beziehend) &mdash; wollte Adorno Deutungen ausschlie&szlig;en, &raquo;da&szlig; es sich um etwas wie spontan aus den Massen selbst aufsteigende Kultur handele, um die gegenw&auml;rtige Gestalt von Volkskunst.&laquo; Auch &raquo;Traumfabrik&laquo;, wovon etwa Ernst Bloch sprach, fa&szlig;t das Ph&auml;nomen nicht pr&auml;zise: &raquo;Die Vorstellung popul&auml;rer Sozialpsychologen, der Film sei eine Traumfabrik und das happy end eine Wunscherf&uuml;llung, greift zu kurz. Das Ladenm&auml;dchen identifiziert sich nicht unmittelbar mit dem als Privatsekret&auml;rin kost&uuml;mierten glamour girl, das den Chef heiratet. Aber im Angesicht jenes Gl&uuml;cks, von seiner M&ouml;glichkeit &uuml;berw&auml;ltigt, wagt es sich einzugestehen, was einzugestehen sonst die gesamte Einrichtung des Lebens verwehrt: da&szlig; es am Gl&uuml;ck keinen Teil hat,&laquo; schreibt Adorno in seinen &raquo;Musikalischen Warenanalysen&laquo;. Die Kulturindustrie reduziert die Reaktionsweisen der Menschen auf Reizschemen, auf Stereotypen und Klischees: &raquo;Auf den Trick, einmal ziehe ein jeder das gro&szlig;e Los, fallen l&auml;ngst die D&uuml;mmsten nicht mehr herein. In der tempor&auml;ren Freigabe der Ahnung, da&szlig; man sein Leben vers&auml;umte, besteht das Recht des Kitsches. Es erweist sich vorab an der Musik. Die meisten h&ouml;ren emotional: alles in Kategorien der Sp&auml;tromantik und der von dieser derivierten Waren, die schon aufs emotionale H&ouml;ren zugeschnitten sind.&laquo; Gleichwohl haben Eisler und Adorno einige Analysen darauf verwandt, die psychologischen Muster von Filmmusik im positiven oder sachlichen Sinne herauszuarbeiten: wie etwa das Sehen vom H&ouml;ren psychologisch und ph&auml;nomenologisch zu unterscheiden w&auml;re und sich Filmmusik &uuml;berhaupt begr&uuml;ndet, war eine Frage. Der Schock, da&szlig; das Leben vers&auml;umt wurde, bricht sich emotional stets mit der Beruhigung, da&szlig; trotz Vers&auml;umnis alles seinen rechten Gang nimmt. &raquo;Die Ersatzbefriedigung, die die Kulturindustrie den Massen bereitet, indem sie das Wohlgef&uuml;hl erweckt, die Welt sei in eben der Ordnung, die sie ihnen suggerieren will, betr&uuml;gt sie um das Gl&uuml;ck, das sie ihnen vorschwindelt.&laquo;</p>
<p>&Auml;sthetisches. &ndash; Wenn im Popdiskurs hedonistische Absichten verteidigt werden, so geschieht dies mit einem merkw&uuml;rdigen Spagat, das emotional-subjektivistische Urteil als &auml;sthetisch-objektivistisches Urteil zu verkl&auml;ren, gleichzeitig jedoch den Gegenstand der Beurteilung von einer &auml;sthetischen Kritik freizumachen, als ob jede Deutung des Pop als Kunst schon verfehlt w&auml;re. Wenn selbst in der Poplinken sich um die Frage der Kunst in der Popkultur merkw&uuml;rdig herumgedr&uuml;ckt wird, hei&szlig;t das freilich nicht, da&szlig; sich deren Interessen schon vollends mit denen der Kulturindustrie decken. Es fehlt, wenn man so will, eine linke Kulturpolitik, die nicht blo&szlig; auf die vorgefertigten kulturellen Produkte reagiert, sondern selbst Forderungen &uuml;ber den Charakter der Kunst formuliert.</p>
<p>Die Frage ist nicht, wie &auml;sthetische Kategorien auf die Produkte der Kulturindustrie abgebildet werden k&ouml;nnen, sondern wie sie selbst sich im kulturindustriellen Einflu&szlig; wandeln, ver&auml;ndert oder vernichtet werden. Das betrifft prim&auml;r allerdings solche Kategorien, die eben schon die Funktion der Kultur und Zugangsweisen zu ihr grunds&auml;tzlich erm&ouml;glichen: Bei der Frage nach Genu&szlig; und Unterhaltung stehen die Begriffe selbst zur Diskussion: &raquo;Das Recht auf Unterhaltung zu bestreiten und eine widerwillige Bev&ouml;lkerung mit Kultur vollzustopfen, w&auml;re schulmeisterliche Anma&szlig;ung. Dennoch tut Unterhaltung objektiv denen Unrecht, denen sie widerf&auml;hrt und die subjektiv danach begehren &hellip; Den in Waren verwandelten Kulturg&uuml;tern wird das Leben ausgetrieben.&laquo;</p>
<p>&Ouml;konomie und Ideologie. &ndash; Wenn die Kulturindustriethese &uuml;berhaupt an irgend etwas verbindlich festgemacht werden kann, dann an dem Satz, da&szlig; alle Kultur zur Ware wird. Das klingt nach einem Gemeinplatz und wird auch bisweilen so verhandelt, gleichwohl ist dieses nicht kulturpessimistisch als Verdammung von Kommerz und Ausverkauf der Kultur mi&szlig;zuverstehen. Insofern ist fraglich, ob eine Aktualisierung der Kulturindustriethese greift, wie sie Christoph Gurk im Mainstream der Minderheiten vorgenommen hat, die ma&szlig;geblich auf den gro&szlig;&ouml;konomischen Rahmen von Majorlabel-Zusammenschl&uuml;ssen und Verkaufsstatistiken zugeschnitten ist.</p>
<p>Die &Ouml;konomiekritik in der Dialektik der Aufkl&auml;rung ist heikel. Adorno und Horkheimer &mdash; im &uuml;brigen auch Eisler &mdash; gehen vom Monopolkapitalismus aus, begreifen also die Kulturindustrie als zentral von wenigen &ouml;konomisch M&auml;chtigen gesteuert. Rolf Johannes hat darauf hingewiesen, inwiefern damit das ganze Gesellschaftsbild Adornos und Horkheimers in die Schr&auml;glage ger&auml;t. Die Deutung der Gesellschaft als monopolkapitalistisch ist allerdings problematischerweise dem Begriff von der Kulturindustrie immanent. In der Tat verh&auml;lt es sich hier widerspr&uuml;chlich: sowohl sind Kapitalkonzentrationen zu verzeichnen; gleichzeitig setzt sich eine Kulturindustrialisierung strukturell sich &uuml;ber die K&ouml;pfe der Menschen hinweg durch. Die Konsumenten arbeiten an ihrem eigenen Betrug mit, wollen ihn und verdammen ihn zugleich. Die Kulturindustrie l&auml;&szlig;t diese Doppellogik zu.</p>
<p>Der &ouml;konomiekritische Kern in der Kulturindustriethese betrifft allerdings auch nicht das Aufz&auml;hlen und Markieren von Firmen&#8209; und Konzernverflechtung, betrifft nicht die Rolle einzelner. &Ouml;konomiekritik ist hier nur mit Ideologiekritik zusammenzudenken. Da&szlig; alle Kultur zur Ware wird, meint nicht prim&auml;r ihre &ouml;konomische Distribution, als wenn ein geschenkter Beethoven besser w&auml;re als ein gekaufter, sondern das, was als Fetischcharakter der Ware sich manifestiert. &raquo;Kultur ist eine paradoxe Ware. Sie steht so v&ouml;llig unterm Tauschgesetz, da&szlig; sie nicht mehr getauscht wird; sie geht so blind im Gebrauch auf, da&szlig; man sie nicht mehr gebrauchen kann. Daher verschmilzt sie mit der Reklame. Je sinnloser diese unterm Monopol scheint, um so allm&auml;chtiger wird sie. Die Motive sind &ouml;konomisch genug. Zu gewi&szlig; k&ouml;nnte man ohne die ganze Kulturindustrie leben, zu viel &Uuml;bers&auml;ttigung und Apathie mu&szlig; sie unter den Konsumenten erzeugen. aus sich selbst vermag sie wenig dagegen. Reklame ist ihr Lebenselexier.&laquo; &mdash; &Uuml;berhaupt m&uuml;ndet die ganze Kulturindustrie in Reklame: Popkultur ist der Zwischenschritt von der Kulturindustrie zur Reklame. In der Popkultur wird es schlie&szlig;lich m&ouml;glich, radikal zu kritisieren und genau damit noch Werbung f&uuml;r die Welt zu machen, gegen die vorgegangen werden soll.</p>
<p>&raquo;Die fr&uuml;hen Sachen, wo sie noch nicht beim Majorlabel waren, sind eh viel besser.&laquo;</p>
<p>Mit der Etablierung einer Rock&#8209; und Popkultur, die zunehmend auch f&uuml;r Akademiker den Sozialisationshintergrund bildete, versuchte man sich an &auml;sthetischen Rezeptionen der Kulturindustrietheorie, um sie zu widerlegen. Adorno ahnte selbst: &raquo;Wer so durchaus unter Bedingungen der Kulturindustrie aufgewachsen ist, da&szlig; sie ihm zur zweiten Natur wurde, ist zun&auml;chst f&auml;hig und gewillt, Einsichten mit zu vollziehen, die ihrer Sozialstruktur und Funktion gelten. Reflexartig wird er derlei Einsichten abwehren, mit Vorliebe unter Berufung eben auf die szientifische Spielregel allgemeiner Nachvollziehbarkeit. Drei&szlig;ig Jahre hat es gedauert, bis die kritische Theorie der Kulturindustrie durchdrang; zahlreiche Instanzen und Agenturen versuchen heute, sie zu ersticken, weil sie dem Gesch&auml;ft schadet.&laquo;</p>
<p>Vor allem &uuml;ber den Kunstdiskurs, der sich in den achtziger Jahren entwickelte, wurden mit der Popkultur gegen die Kulturindustrietheorie &auml;sthetische Strategien aktualisiert: der Pop erschien zum Teil unter dem Namen der k&uuml;nstlerischen Avantgarde. Punk wurde als historisch anschlu&szlig;f&auml;hig an Dada, Surrealismus und die Situationisten interpretiert. Und Punk wurde als Teil der Popkultur erkannt, nicht als ihre Gegenbewegung.</p>
<p>W&auml;hrend im Zuge der postmodernen &Auml;sthetikrezeption, die auch eine Verflachung kritischer Sozialphilosophie darstellt, im universit&auml;ren Bereich die Kulturindustrietheorie weitgehend ins Hintertreffen geriet, wird sie im halbakademischen Popdiskursbereich erneut diskutiert, und zwar nicht selten als Vorl&auml;ufer von poststrukturalistischen Ans&auml;tzen.</p>
<p>Das, was f&uuml;r die kritische Theorie damals noch ein gro&szlig;es Problem war, die Distanzlosigkeit zur Kulturindustrie, ist heute Programm: wer nicht in der Popkultur mitmacht, darf nicht mitreden. Zum Hauptproblem wird allerdings, l&auml;ngerfristig subkulturell innerhalb der Popkultur einen politischen Anspruch zu verankern, der einerseits unmittelbar mit den kulturindustriellen Produkten selbst zu tun hat, andererseits sich aber auf den &auml;u&szlig;eren &ouml;konomischen Rahmen schon l&auml;ngst verpflichtet hat. Wenn in einschl&auml;gigen Magazinen Monat f&uuml;r Monat bestimmte Tontr&auml;ger als Meilensteine der Popgeschichte deklariert werden, um im n&auml;chsten Monat schon vergessen zu sein, ist es jedenfalls sehr merkw&uuml;rdig. Obwohl werk&auml;sthetische Deutungen abgelehnt werden, wird weiterhin &mdash; vor allem im Bereich der Tanzmusik &mdash; selbst der Musik Ewigkeitswert bescheinigt, die bisweilen nicht einmal Musik zu sein beansprucht; diese Aufwertungsstrategie funktioniert blo&szlig; informativ, solange der eigentliche Inhalt solcher Urteil nicht sachlich ist.</p>
<p>Interessant ist die Tendenz, da&szlig; &mdash; nachdem erkannt wurde, da&szlig; es zum Mainstream in der Popkultur kein Au&szlig;en gibt &mdash; nun musikalisch eine Art Hypermainstream verteidigt wird, eine &raquo;&Uuml;beraffirmation&laquo; (Diedrich Diederichsen), basierend auf stereotype Minimalismen und Effekte (Portishead, Mouse On Mars, Rockers HiFi etc.) oder auf Koketterie mit &rsaquo;popistischen&lsaquo; Glamour (Madonna, Pet Shop Boys bis Stereo Total oder Wirlpool Productions, auch die neue Blumfeld).</p>
<p>Schwierig ist es, in einem solchen Rezeptionsklima den Gehalt der Kulturindustriethese wiederzuerkennen: wo einmal die Theorie zur &Auml;sthetik gemodelt wurde, von der man gleichzeitig theoretisch nicht soviel wissen m&ouml;chte, ger&auml;t die Kritik der Warenlogik, nach der Kultur heute funktioniert, in den Hintergrund &mdash; und reproduziert damit selbst ein Moment des Fetischismus, die Verh&auml;ltnisse als naturgegeben anzuerkennen. Kulturindustriekritik verk&uuml;rzt sich auf das unmittelbare Erlebnis, sie kehrt als Dancefloorversion wieder, als Remix einer neuen Innnerlichkeit, die sich ohnm&auml;chtig der Gesellschaft gegen&uuml;bersieht.</p>
<p>N&ouml;tig w&auml;re es, gegen&uuml;ber der Kultur insgesamt eine offensive Position zur&uuml;ckzugewinnen. Andererseits macht es kaum Sinn, der Krise der Gesellschaft kulturell auszuweichen &mdash; so emotional man sich auch immer einzelner Popmusik verbunden f&uuml;hlen mag: sie bleibt selbst Ausdruck von der Krise b&uuml;rgerlicher Musik, von der Krise der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft &uuml;berhaupt. Deswegen ist die Frage verfehlt, am Technischen etwa festgemacht, wo Fortschritt in der Popmusik ist; vielmehr h&auml;tte eine kritische Theorie der Popmusik die regressiven Tendenzen freizulegen, samt ihren Spannungen. Das w&auml;re dann auch eine neue Sachlichkeit der Kulturkritik, wie auch Subkulturkritik.</p>
<p><em>Der Text basiert auf einem Vortrag, gehalten am 10. Oktober 1997 im Kulturhaus in Berlin, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der »jour fixe initiative (b)«.</em><br />
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		<title>Pop-Art D&#233;co &#8212; Die dekorierte Jugend. Oder: Dornr&#246;schen und das Ornament der Verweigerung</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 21:39:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Art into Life]]></category>
		<category><![CDATA[Disco é Cultura]]></category>
		<category><![CDATA[Fortschritt und Zerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Poplinke]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Märchen von der Jugend, oder die Jugend als Märchen; zwei Frauen in Verniedlichungsform: Dornröschen, Schneewittchen. Frage nach dem Alter nach einhundert Jahren Schlaf. - Text von 1998.
[<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/artikel/pop-art-deco">GANZER TEXT</a>]
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wo bist du, Jugendliches! das immer mich<br />
Zur Stunde weckt des Morgens, wo bist du, Licht?</em><br />
Friedrich H&ouml;lderlin</p>
<p><em>H&ouml;rt mal alle her,<br />
Die Zukunft ist das neue Ding.<br />
Die Kinder bringen den M&uuml;ll raus.</em><br />
Knarf Rell&ouml;m</p>
<p><em>Ich m&ouml;chte Teil einer Jugendbewegung sein,<br />
Ich m&ouml;chte mich auf euch verlassen k&ouml;nnen.</em><br />
Dirk von Lowtzow</p>
<p>Das M&auml;rchen von der Jugend, oder die Jugend als M&auml;rchen; zwei Frauen in Verniedlichungsform: Dornr&ouml;schen, Schneewittchen. Frage nach dem Alter nach einhundert Jahren Schlaf.</p>
<p>M&auml;rchen werden von Unten nach Oben erz&auml;hlt, sie nehmen Partei f&uuml;r die Unterdr&uuml;ckten und stellen in phantasmagorischer Form Strategien der Befreiung vor. M&auml;rchen erz&auml;hlen die Geschichte einer Emanzipation aus der Perspektive des Kollektivs, aber sie erz&auml;hlen keine Universalgeschichte, sondern stellen exemplarisch ein phantastisches Individuum vor, ja: M&auml;rchen, so wie sie in der Neuzeit &uuml;berliefert wurden durch die Gebr&uuml;der Grimm, durch Bechstein, Andersen und andere, begr&uuml;nden fast immer den Konflikt der Individuation in einer sich entwickelnden Gesellschaft der schonungslosen Konkurrenz. Die Psychologie der M&auml;rchen kennt kaum die moderne Seele des Menschen, die gepr&auml;gt ist von Zerrissenheit, Entfremdung, von Kampf um Anerkennung, Leistungsdruck und Ohnmacht &mdash; gleichwohl haben M&auml;rchen, selbst wo sie die Reise ins Fabelland beginnen und in Traumwelten entr&uuml;ckt sind, die unwiderruflich vergangener Zeit angeh&ouml;ren, ihren heimlichen Ort in der Gegenwart, die sie zu &uuml;berwinden suchen mit den Verm&ouml;gen von Liebe und Solidarit&auml;t. Ein solches M&auml;rchen ist auch die Jugend.</p>
<p>M&auml;rchen sind Ungleichzeitigkeiten; sie kennen &mdash; wie der Traum &mdash; keine wirkliche Geschichte, keinen Fortschritt, und die Logik ihres Verlaufs liegt in der &Uuml;berzeugungskraft von Strategien, auf das Unerwartete vorbereitet zu sein; das Unerwartete selbst bricht notwendig unerwartet ein, wie der sprechende Wolf, der sich im Wald versteckt, wie das Dach des Hexenhauses aus Geb&auml;ck. Die Kunst der List erfordert nicht der Wolf, die Hexe, sondern ihre surrealen Verwandlungen. &mdash; Ungleichzeitigkeiten: auf dem Raumschiff Enterprise finden sich einige technische Raffinessen, mit denen sich Freunde dieser Science Fiction gerne besch&auml;ftigen: Wie ist das sogenannte Beamen m&ouml;glich?, wieso konnte das alte Raumschiff Enterprise in der Geschwindigkeit Warp 10 fliegen, die n&auml;chste Generation aber nur in Warp 9 H&ouml;chstgeschwindigkeit?, wie funktioniert das Holodeck? und so weiter. Interessanterweise wird die M&ouml;glichkeit dieser Technik von den Fans eher in Frage gestellt als zum Beispiel die soziale Funktion einer Prinzessin in der Filmtrilogie &rsaquo;Star Wars&lsaquo;. Die Technik wird &uuml;berwunden, eingesetzt, vernichtet, verbessert, ver&auml;ndert &mdash; niemand k&auml;me auf die Idee, selbst in den Zukunftswelten kommender Jahrtausende eine Prinzessin auszuschalten, oder sie schlichtweg zu ignorieren. Die Jugend ist als ein solches M&auml;rchen von einer Prinzessin beschreibbar. Der Philosoph Walter Benjamin hat die Jugend als Dornr&ouml;schen vorgestellt. Die Jugend: eine Frau, m&auml;rchenhaft und verniedlicht (und damit vers&auml;chlicht: das Dornr&ouml;schen).</p>
<p>Das M&auml;rchen vom Dornr&ouml;schen geht so: Eine Prinzessin verletzt sich an einer Spindel (ein Werkzeug, das nicht nur vorindustrielle Produktionsformen repr&auml;sentiert, sondern zugleich einen weiblichen Produktionsinhalt: das Auf-und-Nieder der Spindel, die urspr&uuml;nglich im Scho&szlig; gehalten wird, das Geschichten-Spinnen w&auml;hrend der Arbeit, die damit &mdash; im Gegensatz zur kapitalistischen, disziplinierten Lohnarbeit &mdash; unproduktiv wird. Dornr&ouml;schen hat versucht, sich diese Produktionsweise zur&uuml;ckzuerobern: die Spindel war schon auf dem Dachboden der Weltgeschichte verstaut worden, dem Turm des Schlosses; Industrialisierung hat sie verdr&auml;ngt). In dem Moment, wo sich die Prinzessin verletzt und blutet, f&auml;llt, nach der Voraussage, das ganze Schlo&szlig; in einen langen Schlaf und alle Menschen im Schlo&szlig; verharren in ihren Positionen, erstarren. Eine Dornenhecke umwuchert das Schlo&szlig; und macht es undurchdringbar f&uuml;r m&ouml;gliche Befreier, bis es nach einhundert Jahren ein junger Prinz schafft, die Schlo&szlig;hecke zu durchdringen und Dornr&ouml;schen zu erwecken: mit dem Ku&szlig; des Prinzen, kraft der Liebe, erwacht nicht nur Dornr&ouml;schen, sondern die gesamte Schlo&szlig;gesellschaft &mdash; &uuml;brigens ohne die alten sozialen Hierarchien zu &uuml;berwinden: der Koch, der vor dem Schlaf dem K&uuml;chenjungen gerade eine Ohrfeige geben wollte und mit ausgeholter Hand einschlief, f&uuml;hrt im Moment des Erwachens seinen Schlag gegen den Untergebenen zu Ende.</p>
<p>Von Walter Benjamin sind einige fr&uuml;he Arbeiten zur Bildungstheorie erhalten, so ein Aufsatz von 1911, der Zeit, wo der junge Benjamin noch mit den Ideen des Schulreformers Gustav Wynecken sympathisierte; dieser Aufsatz ist betitelt mit &rsaquo;Das Dornr&ouml;schen&lsaquo; und beginnt mit den S&auml;tzen: &raquo;Wir leben im Zeitalter des Sozialismus, der Frauenbewegung, des Verkehrs, des Individualismus. Gehen wir nicht dem Zeitalter der Jugend entgegen? &hellip; Die Jugend aber ist das Dornr&ouml;schen, das schl&auml;ft und den Prinzen nicht ahnt, der naht, es zu befreien.&laquo; Benjamin hatte damit einen programmatischen Artikel in der Jugendzeitschrift &rsaquo;Der Anfang&lsaquo; eingeleitet; Aufbruchsstimmung kennzeichnet das Grundgef&uuml;hl damaliger Jugend &mdash; die Zeitschrift sollte zun&auml;chst im Untertitel &raquo;Zeitschrift f&uuml;r kommende Kunst und Literatur&laquo; genannt werden. Die Idee einer Jugendzeitschrift als Publikation, die ihre Aufmerksamkeit zugleich auf Fragen der Kultur, der Jugendkultur oder jugendlichen, jungen Kultur lenkt, stand damals ganz im Zeichen der Zeit: es war Jugend und Anfangszeit, aber im Spiegel der untergehenden, in die Katastrophe f&uuml;hrenden Zivilisationsentwicklung des 19. Jahrhunderts; merkw&uuml;rdig wird die jugendliche Konzentration auf Kunst und Literatur kontrastiert von den Grausamkeiten des Imperialismus, der Kolonien und Fabriken, des Urbanismus mit all seinen Widerspr&uuml;chen, die die kapitalistische Produktionsweise kennzeichnet. Die Zeitschriften, zumal als solche der jungen Menschen, waren seinerzeit nicht blo&szlig; Information, sondern selbst schon Teil der sich etablierenden Jugendkultur, waren kleine Kunstwerke. Sie zeigten nicht nur die neue Kunst, sondern machten sie; die Jugend gab sich ihr eigenes Schriftbild in Stil und Typografie; und die &Uuml;bertreibung des Pluralis &mdash; &rsaquo;Wir&lsaquo;, &rsaquo;die&lsaquo; Jugend, w&auml;hrend die meisten der jungen Menschen gr&ouml;&szlig;tenteils in den Manufakturen ihre Zeit vers&auml;umten &mdash;, also das Ausblenden des Sozialen, geh&ouml;rte damals schon dazu. Je mehr die Jugend &uuml;ber sich und ihre Kultur reflektierte, je mehr die Jugend beanspruchte, die Gesellschaft zu bilden, gar die Gesellschaft zu sein, um so weniger hatte sie mit der Gesellschaft zu tun, um so mehr verfehlte sie das Ideal, &uuml;ber alle Klassengrenzen hinweg eine Jugend zu vereinen und &rsaquo;die&lsaquo; Jugend zu sein. Wird gegenw&auml;rtig nach der Jugend gefragt, nach dem Verh&auml;ltnis von Jugend und dem, was sehr leichtfertig, aber damit auch schon sehr jugendlich, &rsaquo;Politik&lsaquo; genannt wird, wird versucht zu erfassen, was heute die Jugend als ihre Kultur proklamiert &mdash; und der Zeitgeist nennt dies Popkultur &mdash;, dann zeitigt die Inszenierung von Jugendkultur samt ihren Publikationen um die Jahrhundertwende eine unterirdische geschichtliche Spur, das unbewu&szlig;te Ged&auml;chtnis zeitgen&ouml;ssischer Repr&auml;sentanz und Pr&auml;senz von Jugend. Was damals zum Beispiel &rsaquo;Der Anfang&lsaquo; hie&szlig;, ist heute &rsaquo;Spex. Das Magazin f&uuml;r Popkultur&lsaquo;; Kunstzeitschriften der Jugend von einst wie &rsaquo;Jugend&lsaquo;, &rsaquo;Pan&lsaquo; oder &rsaquo;Die Insel&lsaquo; nennen sich nun &rsaquo;Texte zur Kunst&lsaquo; oder &rsaquo;Springerin&lsaquo;.</p>
<p>Exkurs &#8544;:<br />
Eine Philosophie, die nicht die M&ouml;glichkeit<br />
der Weissagung aus dem Kaffeesatz einbezieht<br />
und explizieren kann, kann keine wahre<br />
sein. Walter Benjamin</p>
<p>Mode/Methode/Ausdruckszusammenhang. &mdash; Kindheit hat Geschichte, das Alter hat Geschichte, die Jugend aber hat die Mode. Die Tradition, die sie kennt, ist oft nur der Abhub der gerade vergangenen Generation, der Konflikt mit dem Erwachsenwerden; sofern Jugendliche sich bewu&szlig;t mit ihrem Stil, ihrer Kultur auseinandersetzen, bedienen sie sich in einem kulturhistorischen Raum, der keine f&uuml;nfzig Jahre alt ist, gerade so alt wie die Eltern, gerade so alt, wie man selbst nie werden will (&raquo;I hope &#8544; die before &#8544; get old&laquo; sangen The Who zu Beginn der siebziger Jahre in &rsaquo;My Generation&lsaquo;). Die Mode der Jugend kennt Schlaghosen, sie tragen Hornbrillen wie die 68er, sie h&ouml;ren die Musik der vergangenen drei Jahrzehnte; wer sophisticated ist, h&ouml;rt den Jazz der f&uuml;nfziger Jahre, tr&auml;gt dazu Rollkragen und einen Second-hand-Anzug; und l&auml;ngst sterben die &auml;ltesten Jugendkulturen aus, gelten als obsolet oder verzerren sich regressiv: Skinheads, Rude Boys oder Teds &mdash; sie gibt es fast nur noch als besch&auml;mende Karikatur von jugendlicher Verweigerung. Die Mode als Code des geschichtlichen Als-ob der Jugend funktioniert, um die kulturelle Herkunft, das L&auml;ngstgewesene, die lebensstilistische Wiederholung &mdash; letztlich: die Eltern &mdash; zu verleugnen. Dabei ersetzt die Mode die Geschichte nicht und ist mit ihr auch nicht synonym; vielmehr &uuml;berlagert die Mode die Geschichte und in jedem Augenblick der Wiederkehr von Moden, sei&rsquo;s ein R&uuml;ckgriff auf die sechziger, siebziger oder achtziger Jahre, ist weit mehr an kulturellem Erbe eingelagert als nur der komprimierte Stoff einiger Dekaden: die Mode, die sich als ewige Wiederkehr des Neuen gibt &mdash; des seit f&uuml;nfzig Jahren bekannten, aber neu kombinierten Neuen &mdash;, ist in ihrem verborgenen Grund eine Geschichte von Lebenskultur, die ihren Gehalt sp&auml;testens im 19. Jahrhundert ausgeformt hat. Das hat Konsequenzen insbesondere f&uuml;r die Methodik einer Reflexion auf den jugendkulturellen Zusammenhang, den wir &rsaquo;Pop&lsaquo; nennen: Wer in der Besch&auml;ftigung mit Jugendkultur die Wiederkehr eines modischen Stilmerkmals vergangener Jahrzehnte entdeckt, entdeckt nicht mehr als die Selbstreferenzialit&auml;t von Pop, die der Pop gar nicht verheimlicht: dieser modische Selbstbezug ist seine Erscheinungsweise &mdash; aber die Popkultur ist nur diese Erscheinungsweise; wird sie als vermeintliches Wesen dargestellt oder wird gar der Pop zum wesentlichen Signum der Epoche erhoben, so obliegt man schon dem Schein der Popkultur. Das einzig Wesensm&auml;&szlig;ige am Pop ist, da&szlig; er kein Wesen hat. Schein ohne Sein. Pop ist nicht der sp&auml;tkapitalistische Aufbruch der Kultur, sondern sch&ouml;pft aus kulturellen Rudimenten der Hochphase des Konstitutionszusammenhangs kapitalistischer Gesellschaft. Dort versteckt sich das Wesen dieser Kultur; das Wesen des Pop ist aus einem geschichtlichen Au&szlig;enraum, aus der Vergangenheit, geborgt. Methodisch ist dies problematisch als Frage nach der Deutung von Sinn der Pop&#8209; beziehungsweise Jugendkulturen. Die jungen Leute, die heute um die zwanzig sind, die dem Kleidungsstil von Moden ihrer fr&uuml;hesten Kindheit und davor ein Revival geben, verm&ouml;gen ihrem R&uuml;ckgriff kulturell noch so sehr spezifischen Ausdruck verleihen und noch die Turnschuhe, Hosen und Hemden mit Sinn anreichern &mdash; tendenziell bleibt die Popkultur in sich sinnlos; alle Reste von Bedeutung verweisen auf die Urgeschichte der Jugendkultur, einmal mehr: das 19. Jahrhundert. Je energischer versucht wird, den popkulturellen Jugendmoden Sinn als Reflexionsbewu&szlig;tsein auf die vergangenen Popmoden zu verleihen, desto selbstbez&uuml;glicher, auch selbstgef&auml;lliger geriert sich der Pop, desto aggressiver auch das Verschweigen jener geschichtlichen Bedeutungsketten, die an die Fundamente der modernen Kultur heranreichen. Musikalisch: Sicherlich lassen sich einige nicht uninteressante &Uuml;berlegungen anstellen, ob der Grind-Core von Bands wie The Flying Luttenbachers oder US Maple schon die Post-Rock-Reflexion auf den Grunge ist, auf Bands wie Faith No More und Nirvana, die den Noise-Rock von Sonic Youth oder Mudhoney &uuml;berbieten wollten und doch nicht mehr brachten, als die Aufhebung des Hardcore von Nomeansno, Rollins Band und Dead Kennedys, die den Konflikt weitertrieben, der aus dem bombastischen Rock von Led Zeppelin einmal den Punk von The Clash, Sex Pistols oder gar Crass provozierte, aber doch nur R&uuml;ckgriff war auf den Sixties-Beat von The Stooges und Vanilla Fudge; &mdash; und sicher sind solche sinngebenden Verweisungsnetze zu kontaminieren mit dem Augenzwinkern, da&szlig; alles doch nur Referenz ist auf den alten Rock &rsquo;n&rsquo; Roll, der immer noch in seiner Gewalt einzigartig klingt und klingend bleibt; &mdash; und ebenso sicher k&ouml;nnten diese oder jene Linien noch entwickelt werden, sei&rsquo;s zum Industrial, sei&rsquo;s &uuml;ber den Freejazz; &mdash; &mdash; &mdash; fraglich bleibt allerdings, ob diese Versuche der Historisierung und Kanonisierung von Jugendkultur und ihrem musikalischen Ausdruck nicht doch erst dann den erhofften Sinn pr&auml;gnant preisgeben, wenn der Bedeutungsgehalt solcher musikalischer Konstellationen aus dem Gef&uuml;ge des 19. Jahrhunderts dechiffriert wird: zum Beispiel mit Bezug auf Hector Berlioz, der mit &raquo;Riesengitarre&laquo;, mit der &rsaquo;id&eacute;e fixe&lsaquo;, dem musikalischen Einfall, der Vertonung der K&uuml;nstlerexistenz in der &rsaquo;Fantastischen Sinfonie&lsaquo; einen m&ouml;glichen Grundstoff abgeben k&ouml;nnte zur Deutung dessen, was sich strukturell durch alle Weisen der eben gemeinten Linienz&uuml;ge von Popmusik durchsetzt. Es geht nicht darum, da&szlig; der Pop freilich anders klingt als Berlioz, da&szlig; es von Chuck Berry bis zu so unterschiedlichen Bandformationen wie Karate, Propellerheadz, Squarepusher oder Stereolab kein &rsaquo;Dies Irae&lsaquo;-Thema gibt (bis auf die Ausnahme von Argents &rsaquo;The Coming of The {Comet} Kokoutek&lsaquo; Anfang der siebziger Jahre) &mdash; es geht vielmehr um das, was Walter Benjamin den &raquo;Ausdruckszusammenhang&laquo; nannte, und das besch&auml;ftigt methodisch als Problemfrage: &raquo;Marx stellt den Kausalzusammenhang zwischen Wirtschaft und Kultur dar. Hier kommt es auf den Ausdruckszusammenhang an. Nicht die wirtschaftliche Entstehung der Kultur sondern der Ausdruck der Wirtschaft in ihrer Kultur ist darzustellen. Es handelt sich, mit andern Worten, um den Versuch, einen wirtschaftlichen Proze&szlig; als anschauliches Urph&auml;nomen zu erfassen, aus welchem alle Lebenserscheinungen &hellip; des 19ten Jahrhunderts &hellip; hervorgehen.&laquo; Anschauliches Urph&auml;nomen: &raquo;Vergleich der Ph&auml;nomenologie von Hegel und der Grandvilleschen Werke.&laquo; Es war Grandville, der sich mit seinen Karikaturen auch das Musikschaffen Berlioz&rsquo; zum Gegenstand w&auml;hlte &mdash; er fertigte Zeichnungen, die erkennen lassen, wie sehr zur damaligen Zeit sich an der Musik Berlioz schon die krudesten Affronts wie gegen den Pop geltend machten, die n&auml;mlich das unmenschlich Maschinenhafte witterten, das Gestampfe &hellip; [Exkurs &#8544; Ende]</p>
<p>Die Jugend als Dornr&ouml;schen; Benjamin fragte, ob wir (und gemeint war mit &rsaquo;wir&lsaquo; ja er selbst als Teil der Jugend von 1911) nicht dem Zeitalter der Jugend entgegen gehen. Das Dornr&ouml;schen wei&szlig; noch nichts von der sich ank&uuml;ndigenden Befreiung durch den Prinzen; die einhundert Jahre Schlaf schienen Benjamin 1911 fast vorbei &mdash; einhundert Jahre Schlaf: die Zeit der Fr&uuml;hromantik also als letzte Wachzeit der Jugend? Wie alt wird ein Mensch, wenn er einhundert Jahre schl&auml;ft? Darin, da&szlig; die junge und sch&ouml;ne Prinzessin in ihrem Dornr&ouml;schenschlaf jung und sch&ouml;n bleibt, versinnbildlicht sie das Motiv der Jugend schlechthin. Das M&auml;rchen von Dornr&ouml;schen bietet eine Strategie der Befreiung &mdash; die Liebe, der erl&ouml;sende Ku&szlig; des Prinzen &mdash;, mit der stillschweigend zugleich alle wirklichen Probleme des M&auml;rchens gel&ouml;st scheinen; so will es auch die Jugend: die Elterngeneration ist l&auml;ngst verstorben, erledigt, das Geschichtskontinuum ist unterbrochen, stillgestellt, mit der Einl&ouml;sung und Erl&ouml;sung des Fluchs und Zaubers sind auch die b&ouml;sen M&auml;chte verschwunden.</p>
<p>Was geschieht, wenn Menschen einhundert Jahre lang in Schlaf versinken, ist eine spekulative Frage, ist mithin Filmstoff des Science Fiction: &rsaquo;Zur&uuml;ck in die Zukunft&lsaquo; und dergleichen. Ein Gedankenspiel zu Benjamins Dornr&ouml;schen-Allegorie sieht so aus: Wenn die letzte Wachzeit der Jugend um 1811 l&auml;ge und sie dann zu Beginn unseres Jahrhunderts erweckt worden w&auml;re: Welche ihr g&auml;nzlich ungeahnte und unbekannte Welt f&auml;nde sie vor? Joseph von Eichendorff verfa&szlig;te zu Beginn des 18. Jahrhunderts folgende Zeilen: &raquo;Was ist denn eigentlich die Jugend? Doch im Grunde nichts anderes, als das noch gesunde und unzerknitterte, vom kleinlichen Treiben der Welt noch unber&uuml;hrte Gef&uuml;hl der urspr&uuml;nglichen Freiheit.&laquo; &mdash; Einhundert Jahre sp&auml;ter erwacht die Jugend in einer Welt der Gro&szlig;st&auml;dte, der elektrischen Stra&szlig;enbeleuchtung, der Reklame, des Imperialismus, der Kolonien, der modernen Kriegf&uuml;hrung, des Films und der Fotografie, der Massenproduktion, der Fabriken, des Automobilverkehrs und dergleichen. Die Jugend bewahrt sich das &raquo;unber&uuml;hrte Gef&uuml;hl der urspr&uuml;nglichen Freiheit&laquo; und baut es ein in die vorgefundenen neuen sozialen und technischen Bedingungen. Die Jugend verbindet dieses Gef&uuml;hl mit der neuen Welt. Ihr Bezug zur Technik ist ahistorisch und feiert doch die geschichtlichen Errungenschaften der technisierten Welt, aber als Schein. Wir k&ouml;nnen das f&uuml;r den jugendlichen Zugriff auf die gegenw&auml;rtige Technik exemplarisch sagen: Es war die Jugend, die sich in der Computerwelt einrichtete, die das Internet eroberte; in der Musik haben die Experimente mit elektronischer-synthetischer Klangerzeugung rund siebzig Jahre gebraucht, um in der neuen Kunstmusik doch klanglos zu verhallen &mdash; aber die Jugend, jede der letzten Generationen f&uuml;r sich, brachte spielerisch die Elektronik in die Musik, entdeckte mit Sampling&#8209; und Syntheseverfahren die Einfachheit der Computermusik, proklamierte selbst noch den Schallplattenspieler als vollwertiges Instrument der DJ-Kultur und damit als ma&szlig;geblichen Schritt vermeintlicher Demokratisierung der Popkultur. Safe the Vinyl gegen den Vormarsch der CD-Spieler; mit Looping und Scratching machte sich die Jugend vermittels der Technik die alten Jazzplatten nutzbar und behauptete so Geschichtsbewu&szlig;tsein, das doch als Masche der Selbstreferenzialit&auml;t in der Popkultur l&auml;ngst vorgesehen ist. Doch die Technik ist im Prinzip so alt wie der Wunsch, &uuml;ber sie die Kultur zu demokratisieren: sie wurde begr&uuml;ndet im letzten Jahrhundert von Orchestrion und Walzengrammofon. Mit dem Wunsch einer Demokratisierung durch Technik wird zudem zugleich die verbindliche Gemeinschaft &rsaquo;der&lsaquo; Jugend konstituiert &mdash; tats&auml;chlich bleiben es auch hier einzelne, die den technischen Zusammenhang &auml;sthetisch verf&uuml;gbar machen; diese Form der &Auml;sthetisierung der Technik ersetzt das Kollektiv &rsaquo;Jugend&lsaquo;.</p>
<p>In Zeiten der Romantik eingeschlafen, wacht das Dornr&ouml;schen ein Jahrhundert sp&auml;ter wieder auf. Mit den vorgefundenen Bedingungen kann sich die Jugend deshalb schnell arrangieren, weil es sie eben vorfindet, nicht wirklich erfindet; das Romantische lebt nach. Zur selben Zeit als Walter Benjamin seinen ber&uuml;hmten Aufsatz &rsaquo;Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit&lsaquo; verfa&szlig;t, wird unter gr&ouml;&szlig;tem technischen Aufwand und der Regie von Walt Disney der erste abendf&uuml;llende Zeichentrickfilm fertiggestellt: &rsaquo;Snow White and The Seven Dwarfs&lsaquo;. In den Jahren 1937 und 1938 spielte der Film weltweit mehr als acht Millionen Dollar ein. Walt Disney sagte: &raquo;Hunderte von jungen Leuten wurden unterrichtet und in eine Maschinerie eingepa&szlig;t, die Unterhaltung produzierte, die wiederum verbl&uuml;ffend komplex geworden war. Und diese Maschinerie mu&szlig;te nun fast &uuml;ber Nacht in Gang gesetzt werden, um an Stelle von Kurzfilmen haupts&auml;chlich abendf&uuml;llende Zeichentrickfilme auf den Markt bringen zu k&ouml;nnen.&laquo; Der Zweite Weltkrieg stand bevor; was der Film als Trickillusion vermochte, hatte seine Realinszenierung in den Massenveranstaltungen der Faschisten: in M&uuml;nchen fand 1939 am Wochenende vom 14. bis zum 16. Juli 1939 der &raquo;Tag der Deutschen Kunst&laquo; statt, Leni Riefenstahl wurde 1937 auf der Weltausstellung in Paris mit der Goldmedaille f&uuml;r ihren Film &rsaquo;Triumph des Willens&lsaquo; ausgezeichnet und erhielt auf der Biennale in Venedig f&uuml;r &rsaquo;Olympia&lsaquo; den &raquo;Goldenen L&ouml;wen&laquo; &mdash; vor Walt Disneys &rsaquo;Snow White&lsaquo;. &mdash; Max Fleischer drehte schon 1933, das Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung, ebenfalls einen Film &rsaquo;Snow White&lsaquo;; 1959 folgt &rsaquo;Sleeping Beauty&lsaquo; von Disney, der mit sechs Millionen Dollar teuerste Zeichentrickfilm und, wie Disney selbst sagte, sein Meisterwerk &mdash; F&uuml;nfziger Jahre: Rock &rsquo;n&rsquo; Roll, Koreakrieg, 1961: Vietnamkrieg und so weiter (&hellip; fortsetzbar).</p>
<p>Exkurs &#8545;: Traumschlafende Jugend; Jugend selbst als Ausdruck des Traumschlafs einer Epoche, die von sich selber tr&auml;umt. &mdash; Wie Dornr&ouml;schen wird Schneewittchen ebenso von einem jungen Prinzen wachgek&uuml;&szlig;t, was gewisserma&szlig;en ihre &rsaquo;Adoptiveltern&lsaquo;, die sieben alten Zwerge nicht vermochten. Ihr Antlitz hat das Bild der Jugend gepr&auml;gt, als Modellfall von jugendlicher, bleibender Sch&ouml;nheit. &mdash; Sch&ouml;nheit erh&auml;lt sich derart aber nur im Schlaf, und so wie Walter Benjamin das M&auml;rchen vom Dornr&ouml;schen in seiner Theorie verwendet, wird fraglich, ob der erl&ouml;sende, erweckende Ku&szlig; wirklich in einen bewu&szlig;ten Wachzustand f&uuml;hrt oder ob er nicht vielmehr fungiert wie der Traum, man sei erwacht. Einhundert Jahre sind eine Ewigkeit &mdash; diese Zeitspanne ist aber im M&auml;rchen merkw&uuml;rdig paradox gesetzt, denn bekanntlich ist die Erl&ouml;sung, sofern dem M&auml;rchen eigent&uuml;mlich, je nur wieder eine Ewigkeit, der stillgestellte Augenblick der Rettung, das &raquo;Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute &hellip;&laquo;.</p>
<p>Auch wenn der von Benjamin herbeizitierte Text eine Jugendschrift von ihm ist und daraus ablesbare Spekulationen zum Dornr&ouml;schenmotiv &uuml;bertrieben klingen m&ouml;gen, so ist in diesem fr&uuml;hen Bild von der Jugend als Dornr&ouml;schen doch ein berechtigter Interpretationsspielraum enthalten, der nahelegt, den Gedanken derart fortzuf&uuml;hren. &Uuml;berhaupt in dieser Weise mit Bildern und Verbildlichungen zu arbeiten, ist dem Denken Benjamins nichts &Auml;u&szlig;erliches; nicht nur verf&uuml;gt Benjamin &uuml;ber eine ausgearbeitete Theorie der Allegorie und Emblematik &mdash; sowohl bez&uuml;glich der Barock-Allegoresen wie auch hinsichtlich der Reklame-Emblematik der Warengesellschaft &mdash;, sondern das M&auml;rchen als Allegorie folgt selbst schon der Anwendung seines spezifischen, mit eben solchen Allegorien arbeitenden Denkens, das er ein &raquo;Denken in Konstellationen&laquo; nennt, dem es um das Erfassen dialektischer Bilder geht.</p>
<p>&raquo;Bild ist dasjenige, worin das Gewesene mit dem Jetzt blitzhaft zu einer Konstellation zusammentritt. Mit anderen Worten: Bild ist die Dialektik im Stillstand.&laquo;</p>
<p>&raquo;Zum Denken geh&ouml;rt ebenso die Bewegung wie das Stillstellen der Gedanken. Wo das Denken in einer von Spannungen ges&auml;ttigten Konstellation zum Stillstand kommt, da erscheint das dialektische Bild. Es ist die Z&auml;sur in der Denkbewegung. Ihre Stelle ist nat&uuml;rlich keine beliebige. Sie ist &hellip; da zu suchen, wo die Spannung zwischen den dialektischen Gegens&auml;tzen am gr&ouml;&szlig;ten ist. Demnach ist der in der materialistischen Geschichtsdarstellung konstruierte Gegenstand selber das dialektische Bild. Er ist identisch mit dem historischen Gegenstand; er rechtfertigt seine Absprengung aus dem Kontinuum des Geschichtsverlauf.&laquo;</p>
<p>Benjamins unabgeschlossenes Projekt &rsaquo;Das Passagen-Werk&lsaquo;, eine gro&szlig;e Sammlung von Fragmenten, Zitaten &mdash; eben Textpassagen &mdash;, die es unternimmt, die Urgeschichte der Moderne anhand von &raquo;Paris als Hauptstadt des 19. Jahrhunderts&laquo; zu rekonstruieren, exemplarisch ausgef&uuml;hrt an Paris&rsquo; Einkaufspassagen, war gedacht als &raquo;dialektische Feerie&laquo;; das &rsaquo;Passagen-Werk&lsaquo; sollte, wie es die Benjamin-Expertin Susan Buck-Morss auf den Punkt bringt, insgesamt eine Nacherz&auml;hlung vom Dornr&ouml;schen werden &mdash; in marxistischer Form. Die metaphorische Bedeutung des M&auml;rchens, speziell des Dornr&ouml;schenm&auml;rchens, steckt im Schlafmotiv; die Thematik von Traumschlaf und Erwachen durchzieht das gesamte &rsaquo;Passagen-Werk&lsaquo;. Was in diesem Zusammenhang Traum und Schlaf meint, durchbricht die &uuml;blichen psychoanalytischen und ideologischen Deutungen; vielmehr handelt es sich um Allegorien, beziehungsweise geht es Benjamin, wie oben schon dargestellt, um den Ausdruckszusammenhang solcher Verh&auml;ltnisse, derer man nur durch Konstellationen, durch dialektische Bilder und Allegoresen habhaft werden kann. In die Thematik von Traum und Erwachen ist alles hineingenommen: die neuen Techniken der Massenkultur, die Individual&#8209; wie Sozialbeziehungen der Menschen, die Kunst, die Geschichte etc., &mdash; denn hier ist ein Grundmotiv der kapitalistischen Gesellschaft bezeichnet: was allegorisch das M&auml;rchen an Sprengkraft hat, bildet sich real in der Phantasmagorie der Warengesellschaft ab.</p>
<p>Schon einer vorangegangenen Arbeit, dem &rsaquo;Ursprung des deutschen Trauerspiels&lsaquo;, h&auml;tte Benjamin gerne eine nacherz&auml;hlte Version des Dornr&ouml;schenm&auml;rchens vorangestellt, wie es in einem Brief an Gershom Scholem hei&szlig;t: &raquo;Ich m&ouml;chte das M&auml;rchen vom Dornr&ouml;schen zum zweiten Male erz&auml;hlen. Es schl&auml;ft in seiner Dornenhecke. Und dann, nach so und so viel Jahren wird es wach. Aber nicht vom Ku&szlig; eines gl&uuml;cklichen Prinzen. Der Koch hat es aufgeweckt, als er dem K&uuml;chenjungen die Ohrfeige gab, die, schallend von der aufgesparten Kraft so vieler Jahre, durch das Schlo&szlig; hallte.&laquo; &mdash; Bei Benjamins Analyse des Kapitalismus und seines Ausdruckszusammenhangs geht es um den &raquo;Traumschlaf einer Epoche auf ihr Erwachen hin&laquo;. In den Komplex von M&auml;rchen, Traum, Schlaf geh&ouml;rt die Jugend unabdingbar mit hinein; es hei&szlig;t: &raquo;Das Erwachen als ein stufenweiser Proze&szlig;, der im Leben des einzelnen wie der Generationen sich durchsetzt. Schlaf deren Prim&auml;rstadium. Die Jugenderfahrung einer Generation hat viel gemein mit der Traumerfahrung. Ihre geschichtliche Gestalt ist Traumgestalt. Jede Epoche hat diese Tr&auml;umen zugewandte Seite, die Kinderseite.&laquo; &mdash; Trotz weckendem Ku&szlig; bleibt es also beim Schlaf der Jugend respektive beim Dornr&ouml;schenschlaf; beziehungsweise versinnbildlicht die Jugend den Traumschlaf der Epoche von sich selbst. In einer weiteren fr&uuml;hen Schrift Benjamins, die mit &rsaquo;Metaphysik der Jugend&lsaquo; betitelt (und circa 1913 geschrieben) ist, finden sich die S&auml;tze: &raquo;T&auml;glich nutzen wir ungemessene Kr&auml;fte wie die Schlafenden. Was wir tun und denken ist erf&uuml;llt vom Sein der V&auml;ter und Ahnen. Eine unbegriffene Symbolik verknechtet uns ohne Feierlichkeit. &mdash; Manchmal erinnern wir uns erwachend eines Traumes. So erleuchten selten Hellsichten die Tr&uuml;mmerhaufen unserer Kraft, an denen die Zeit vor&uuml;berflog &hellip; Jedes Gespr&auml;ches Inhalt ist Erkenntnis der Vergangenheit als unserer Jugend und Grauen von den geistigen Massen der Tr&uuml;mmerfelder.&laquo; [Exkurs &#8545; Ende]</p>
<p>Noch einmal Mode. Subkultur: Politik als Stil, Jugend als Kunst. Jugendstil als Diktat mit Zeichensetzungsfehlern.</p>
<p>Hier hat die Mode den dialektischen Umschlageplatz zwischen Weib und Ware &mdash; zwischen Lust und Leiche &mdash; er&ouml;ffnet.<br />
Walter Benjamin</p>
<p>Die Jugend ist das Dornr&ouml;schen &mdash; eine Frau, aber nicht weiblich, sondern s&auml;chlich durch die Verniedlichung (wie die Ware, wie die Frau als Objekt, die Prostituierte als Warending). Die Rollen sind verteilt: Der Mann &mdash; der Prinz &mdash; ist &raquo;Geist&laquo;, er haucht mit dem Ku&szlig; das Leben ein; die Frau &mdash; die Prinzessin &mdash; ist K&ouml;rper, reglos ohne die List des Mannes (aber wenigstens sch&ouml;n anzusehen: der gl&auml;serne Sarg, in dem Schneewittchen liegt, ist &mdash; &uuml;brigens trefflich von Walt Disney umgesetzt &mdash; das Schaufenster, in dem die Modepuppe steht, das Pr&auml;sentierfenster der Hure, die Vitrine der Warenauslage; die List im M&auml;rchen ist freilich im Kapitalismus ersetzt durch das Geld). Sofern auch die Jugend und ihre Kultur nicht frei ist von der patriarchalen Herrschaft, sofern also die Jugendkultur eine m&auml;nnliche ist, von M&auml;nnern definiert wird, stellt sich bei der Allegorie vom Dornr&ouml;schenm&auml;rchen die Frage nach m&ouml;glicher Umkehrung: Was w&auml;re, wenn das Dornr&ouml;schen einen schlafenden Prinzen wachk&uuml;&szlig;te? Dieses Verh&auml;ltnis ist im M&auml;rchen nicht ohne weiteres umkehrbar, in der Realit&auml;t unter gegebenen Bedingungen erst recht nicht. Der Prinz k&uuml;&szlig;t die Prinzessin nur, weil er &uuml;berw&auml;ltigt ist von ihrer Sch&ouml;nheit &mdash; er kennt seinen Lohn schon, den K&ouml;rper der Frau, den er begehrt; eine b&ouml;se &Uuml;berraschung, etwa im Moment des Erwachens der nachholende Alterungsproze&szlig; der Prinzessin, scheint ausschlie&szlig;bar. Anders funktioniert der Ku&szlig; zum Beispiel im M&auml;rchen vom Froschk&ouml;nig: die k&uuml;ssende Prinzessin mu&szlig; sich zun&auml;chst ganz auf die &rsaquo;inneren Werte&lsaquo;, den &rsaquo;Charakter&lsaquo; des Frosches verlassen; auch das Versprechen, da&szlig; der Frosch ein verwandelter K&ouml;nig sei, sagt noch nichts &uuml;ber sein Aussehen &mdash; und selbst wenn er absehbar sch&ouml;n w&auml;re: woher wei&szlig; die Prinzessin, da&szlig; er ihr Typ ist? Die Ideologie der Sch&ouml;nheit, die die Jugend verk&ouml;rpert, funktioniert genauso, nur real: Das Begehren der zur Koketterie verdammten Weiblichkeit. Unter Beibehaltung der Ku&szlig;option sind die Rollen also nur vertauschbar, wenn die Geschlechterrollen als solche belassen, ja noch &uuml;bertrieben werden. In dem Aufsatz &rsaquo;Metaphysik der Jugend&lsaquo; hat Benjamin eine kleine prosaische Passage eingeflochten, die lesbar ist als die m&ouml;gliche Umkehrung des Verh&auml;ltnisses; die Charaktere sind offensiv: nicht umsonst d&uuml;rfte der listige Prinz ersetzt sein durch &raquo;Das Genie&laquo;, die M&auml;rchenprinzessin durch &raquo;Die Dirne&laquo;. Schlaf und Ku&szlig; sind zusammengezogen zum Sexualakt:</p>
<p>&raquo;Das Genie	Ich komme zu dir, um bei dir auszuruhen.</p>
<p>Die Dirne	So setze dich.</p>
<p>Das Genie	Ich will mich zu dir setzen &mdash; eben habe ich dich ber&uuml;hrt, und mir ist, als h&auml;tte ich schon Jahre geruht.</p>
<p>Die Dirne	Du machst mich unruhig. Wenn ich neben dir l&auml;ge, k&ouml;nnte ich nicht schlafen.</p>
<p>&hellip;</p>
<p>Das Genie	Alle Frauen, zu denen ich komme, sind wie du. Sie haben mich tot geboren und wollen von mir Totes empfangen.</p>
<p>Die Dirne	Aber ich bin die Todesmutigste. (Sie gehen schlafen.)&laquo;</p>
<p>Dies f&uuml;hrt uns in der &Uuml;berlegung zu einem verschwiegenen Band der Jugend, zum Ausdruckszusammenhang von Sexualit&auml;t. Was die Jugend als Ideologie an Sexualit&auml;t verk&ouml;rpert, ist eingeklammert als ewigw&auml;hrende T&uuml;chtigkeit des sich doch der Arbeitsdisziplin verweigern wollenden K&ouml;rpers; Tanz und der Sexualakt sind seine Realmetaphern &mdash; eine m&ouml;gliche &Uuml;bersetzung des Wortes Rock &rsquo;n&rsquo; Roll w&auml;re Tanzen und Ficken. Was hei&szlig;t in Benjamins kleinem Dialog &rsaquo;die Todesmutigste&lsaquo;? Mit Bezug auf Benjamin f&uuml;hrt Susan Buck-Morss diesen Ausdruckszusammenhang aus &mdash; die Mode kommt erneut ins Spiel: An der Mode h&auml;ngt die Jugend, in der Mode ist die Jugend; es gibt Moden im Tanz wie in der Bekleidung, in der Musik wie auch in der Sexualit&auml;t (zum Beispiel die Mode der geduldeten Perversion, Sado-Masochismus, ohne die Sexualtabus zu verletzen): Das &raquo;ununterbrochene Streben&laquo; der Mode &raquo;nach &rsaquo;Neuheit&lsaquo;, nach Trennung vom Gegebenen, gestattet die Identifikation von Generationsgruppen, deren Kleidung ein Ende der Abh&auml;ngigkeit und der nat&uuml;rlichen Determiniertheit der Kindheit sowie den Eintritt in ihre eigene kollektive Rolle als historische Akteure symbolisiert. Positiv gedeutet, verh&auml;lt sich die moderne Mode der Tradition gegen&uuml;ber respektlos, zelebriert nicht die Gesellschaftsklasse, sondern die Jugend und ist somit emblematisch f&uuml;r den sozialen Wandel&laquo;. Und Benjamin: &raquo;Moden sind ein Medikament, das die verh&auml;ngnisvollen Wirkungen des Vergessens, im kollektiven Ma&szlig;stab, kompensieren soll.&laquo; Und noch einmal Buck-Morss: &raquo;Die lebendige menschliche F&auml;higkeit zur Ver&auml;nderung und unendlicher Variation wird entfremdet und nur als Eigenschaft des anorganischen Gegenstands best&auml;tigt. Dagegen wird die biologische Totenstarre der ewigen Jugend zum Ideal f&uuml;r die menschlichen Subjekte, die nach den Vorschriften der Mode zu strengem Konformismus angehalten werden &hellip; Nicht mehr der Mensch &mdash; sondern Sex-Appeal geht von den Kleidern aus, die man tr&auml;gt &hellip; Mit ihrem Verm&ouml;gen, den Lusttrieb auf die anorganische Natur zu lenken, verbindet die Mode den Warenfetischismus mit dem f&uuml;r die Moderne charakteristischen Sexualfetischismus.&laquo;</p>
<p>Die jugendliche Frau imitiert die Schaufensterpuppe, imitiert das Schneewittchen im Glassarg; Benjamin sagt, die Mode &raquo;war nie etwas anderes als die Parodie der bunten Leiche.&laquo; Im Sarg tr&auml;gt Schneewittchen kein Leichentuch, im Schlaf tr&auml;gt Dornr&ouml;schen kein Schlafgewand &mdash; sie tragen sch&ouml;nste und feinste Kleider, mit denen man ausgehen kann, mit denen M&auml;nner bet&ouml;rt werden.</p>
<p>Jugend und Mode sind der ideologische Verbund des Ewig-wiederkehrenden-Neuen; selbst die durch sie vermeintlich provozierten oder repr&auml;sentierten Probleme &mdash; Jugendkriminalit&auml;t, Verwahrlosung, Drogen, Konsumorientierung etc. &mdash; pr&auml;sentieren sich von Generation zu Generation best&auml;ndig als Schock der &raquo;neuen Qualit&auml;t&laquo;, des Noch-nie-Dagewesenen; die Mode begleitet diesen Schock in Kleidung, Ausdruck und Habitus, und potenziert ihn zugleich, indem sie das Schockmoment zu bewahren versucht, wo die Jugendlichkeit selbst schnell sich verfl&uuml;chtigt. Nicht nur der Jugend erscheint ihr eigener Ausdruck als &Uuml;berbietung der bisherigen Jugendkulturen, sondern auch die Forschungszweige, die die Jugendkultur aufmerksam verfolgen und es eigentlich besser wissen sollten, kreieren aus jeder neuen Mode ein problematisches Jugendbild, das best&auml;ndig in Richtung Katastrophe tendiert: noch nie sei die Jugend so kriminell, individualisiert, vernachl&auml;ssigt et cetera gewesen. Dabei sieht die b&uuml;rgerliche Jugendforschung nicht einfach qualitative Entwicklungsspr&uuml;nge von Generation zu Generation, sondern best&auml;ndig einen neuen Begriff der Jugend arbeiten &mdash; und einen neuen Begriff der Mode, die sich darin dann selbst &uuml;berbietet: nicht nur f&uuml;r sich ist die Mode &raquo;die ewige Wiederkehr des Neuen&laquo; (Benjamin), sondern auch an sich kehrt sie als st&auml;ndiges Novum wieder. Die b&uuml;rgerliche Jugendsoziologie setzt mit jedem wechselnden Jugend&#8209; und Modebegriff erneut die Apparatur der empiristischen Forschung in Gang; nur selten dringt sie zum Resultat der ideologischen Konstruktion der Jugend vor &mdash; sie verharrt in der Regel in der Faszination des Uneinsch&auml;tzbaren, Unverst&auml;ndlichen, Anderen, dem sie kulturell entr&uuml;ckt ist; nicht wird die Jugendkultur polarisiert, sondern die Jugendforschung polarisiert sich selbst und damit ihren Gegenstand: der verwahrloste Jugendkriminelle, die minderj&auml;hrigen Drogenabh&auml;ngigen, das mi&szlig;brauchte Schulm&auml;dchen &mdash; sie stehen beziehungslos dem Bild einer reibungslosen Jugend gegen&uuml;ber, den netten jungen Leuten, die etwas ausgeflippt sind, aber ihren Spa&szlig; ma&szlig;voll auf das Wochenende beschr&auml;nken, auf die Love-Parade. Jugend darf Spa&szlig; haben, soll Spa&szlig; haben. Alles, was unter das Jugendstrafrecht f&auml;llt, ist selbstverst&auml;ndlich kein Spa&szlig;. In dem Ma&szlig;e, wie die Erwachsenenwelt zu ihren Kriterien der Beurteilung der Jugend ihr eigenes Gesetz erkl&auml;rt, fehlt von Jugendgeneration zu Jugendgeneration das Unterscheidungsverm&ouml;gen zwischen einem vierzehnj&auml;hrigen Autoknacker, einem auf Demonstrationen militant agierenden Punkrocker und einem mordenden und brandschatzenden Neonazi. Sie alle vereinigen sich zum Bild einer Jugend au&szlig;er Kontrolle. Stets z&auml;hlt den Erwachsenen dabei als h&ouml;chstes Argument das der Belehrung, womit sie Verst&auml;ndnis bezeugen wollen &mdash; und doch zugleich die Jugend auf unerreichbare Distanz bringen, indem sie sich ihr &auml;hnlich machen: Als sie jung gewesen seien, da w&auml;ren sie schlie&szlig;lich auch &rsaquo;wild&lsaquo; gewesen, aber nicht so. Dieses belehrende Argument wird flankiert von einer zweiten Strategie, Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Jugend zu zeigen, n&auml;mlich sie zu imitieren, mit vierzig noch so herumzulaufen wie die Zwanzigj&auml;hrigen, jung zu bleiben. Mode und Moral &uuml;berlappen sich. Doch nichts ist der Jugend verha&szlig;ter als Imitation und Belehrung durch die Erwachsenenwelt &mdash; dabei geht es weder um den verst&auml;ndnisvollen Verweis auf ehedem eigene Wildheit der Erwachsen, noch um deren Imitation der Jugendmode (schlie&szlig;lich ist es ja einigen Gesellschaftskreisen vorbehalten, auch von der Jugend akzeptiert, sich ihr Leben lang &rsaquo;jugendlich&lsaquo; zu geben: K&uuml;nstlern etwa). Was die Jugend ha&szlig;t und hassen mu&szlig;, ist &uuml;berhaupt der erwachsene Anspruch vom Verst&auml;ndnis; Jugend will und darf nicht verstehbar sein. Jede Mode der Jugend, sei es Verhalten, sei es Kleidung, sei es Ausdruck, sei es Musik, kalkuliert mit der Esoterik der Nicht-Verstehbarkeit. Benjamin hat das schon 1929 erkannt: &raquo;Die b&uuml;rgerliche Gesellschaft hypostasiert ein absolutes Kindsein oder Jungsein, dem sie das Nirwana der Wanderv&ouml;gel, der Boyscouts anweist, sie hypostasiert ein ebenso absolutes Menschsein und B&uuml;rgersein, das sie mit den Attributen der idealistischen Philosophie schm&uuml;ckt. In Wirklichkeit sind beides aufeinander eingespielte Masken des tauglichen, sozial verl&auml;&szlig;lichen, standesbewu&szlig;ten Mitb&uuml;rgers.&laquo;</p>
<p>Benjamin fragte, ob wir nicht dem Zeitalter der Jugend entgegengehen. Die Zeit, in der der jugendliche Benjamin dies fragte, war kulturell ums&auml;umt von einem k&uuml;nstlerischen Stil, der etwas von der Dornenhecke hat, die das Schlo&szlig;, in dem Dornr&ouml;schen schl&auml;ft, umwuchert: das Ornamentale, das Dekorative, die pflanzlichen Arabesken: Jugendstil. Das Verh&auml;ltnis der Jugend zum Ornament ist so gespalten wie die einstige Kritik des Funktionalismus, wie das Adolf Loossche Verdikt vom Ornament als Verbrechen, die in ihrer Konsequenz &mdash; und sei es in Reihungen der ornamentfreien Fassade &mdash; doch wieder zum Ornamentalen zur&uuml;ckkehrte: Im selben Moment, in dem das Dornr&ouml;schen wachgek&uuml;&szlig;t wird, verschwindet die Dornenhecke; zur Pr&uuml;fung, geeignet zu sein, das Dornr&ouml;schen &uuml;berhaupt zu befreien, geh&ouml;rt die ornamentale Dornenhecke aber unbedingt dazu. Vielleicht auch so: Jugendmoden der neunziger Jahre, von den B-Boys im Hip-Hop &uuml;ber die Postrock-Anh&auml;nger bis zu den Skinheads, sind in ihrem Kleidungsstil durch eine gewisse Ornamentlosigkeit gekennzeichnet: Kaum bedruckte Kleidung, die Schuhe sind funktional, die aufdringliche Buntheit der achtziger Jahre zwischen Glamourpop und den Anh&auml;ngern der Alternativszene (&raquo;&Ouml;kos&laquo;) ist verschwunden; schlichte und klare Farben und Formen bestimmen das Bild der Mode. Doch auf der Haut kehrt das Ornament zur&uuml;ck, im K&ouml;rperschmuck und den T&auml;towierungen.</p>
<p>Der Jugendstil (benannt nach der M&uuml;nchner Zeitschrift &rsaquo;Jugend&lsaquo;) ist die Kunst, die gewisserma&szlig;en das 20. Jahrhundert kulturell erfunden hat. Es war eine Auflehnung gegen den Historismus, eine Auflehnung gegen die Dekadenz, die alle Formen von Gotik, Renaissance, Klassik, was auch immer, kombinierte und nicht l&auml;nger an die M&ouml;glichkeit des Neuen glaubte. Der Jugendstil setze dem das Neue entgegen; er war zugleich die Modernisierung der Mode. Die gro&szlig;e Industrie, die Urbanisierung des Lebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde &mdash; wie die Dornenhecke &mdash; &uuml;berzogen mit floralem Ornament. Die tragenden Elemente der noch jungen Stahlbauweise ragten wie Pflanzen hervor. So wie die Geb&auml;ude ornamentiert und mit einem dekorativen Begriff des Lebens &uuml;berzogen wurden, so findet sich in diesem gro&szlig;en Dornenheckenschlo&szlig; des 20. Jahrhunderts auch das schlafende Dornr&ouml;schen: Das figurale Hauptmotiv des Jugendstils war die bleiche Frau, ihr wallendes Haar stets verwachsen mit den M&auml;anderb&auml;ndern der sie rahmenden Pflanzengew&auml;chse. &raquo;Das Sch&ouml;nheitsideal des Jugendstils bildet die frigide Frau.&laquo; Auch M&auml;rchenprinzessinnen wie Dornr&ouml;schen oder Schneewittchen haben etwas von dieser Frigidit&auml;t; zumindest bewahren sie sich die Unschuld: der erl&ouml;sende Ku&szlig; ist zugleich der erste. Es ist der Mann, der die Frau zu wahrer jugendlicher Sch&ouml;nheit weckt; zugleich bleibt der sexuelle Wunsch unerf&uuml;llt. Der Philosoph Adorno kommentierte dies mit den Worten: &raquo;Jugendstil ist, wie der Name verr&auml;t, die in Permanenz erkl&auml;rte Pubert&auml;t: Utopie, welche die eigene Unrealisierbarkeit diskontiert.&laquo; Jugend ist Dekoration; Popkultur ist Pop-Art D&eacute;co. Benjamin notierte im &rsaquo;Passagen-Werk&lsaquo; das Vorhaben &raquo;den Jugendstil bis in seine Auswirkung in die Jugendbewegung [zu] verfolgen.&laquo; Der Jugendstil realisierte eine Politik der Jugend wie heute die Popkultur: politisches Engagement als &auml;sthetisches Stilornament, als Dekoration der Jugendmode. Der Pop f&uuml;hrt ein Versprechen mit sich: da&szlig; die Jugend beauftragt sei, die Welt politisch allein mit Hilfe &auml;sthetischer Mittel zu ver&auml;ndern. Der Jugendstil und die Popkultur sind aber zugleich schon der Glaube, diese Ver&auml;nderung je schon verwirklicht zu haben. Die politischen Ver&auml;nderungen, die angestrebt sind, verkleiden sich als welche, die mit der ganzen Gesellschaft solidarisch sich erkl&auml;ren; zugleich ist jede &uuml;ber die Jugendkultur vermittelte Politik ein Ausschlu&szlig;: an den vermeintlichen Ver&auml;nderungen der Welt hat nur Anteil, wer bereit ist, die Welt zu verlassen &mdash; und wer jung und sch&ouml;n genug ist, sich den Stil der Politik brauchbar anzueignen.</p>
<p>Dem liegt von vornherein schon eine &Uuml;berh&ouml;hung des Politischen zugrunde (&mdash; n&auml;mlich: eine &auml;sthetische &Uuml;berh&ouml;hung des Politischen, die zugleich politische &Uuml;berh&ouml;hung des &Auml;sthetischen ist). Das eigentlich bahnbrechende am Jugendstil war jedoch weniger der k&uuml;nstlerische Gehalt &mdash; so wie im Rock &rsquo;n&rsquo; Roll auch nicht die musikalische Struktur das Bahnbrechende ist &mdash;, sondern die Fundierung der Kritik der bisherigen Kultur im Eingest&auml;ndnis, da&szlig; Kunst, auch Lebenskunst, endlich ohne Scheu &uuml;berf&uuml;hrt werden mu&szlig; in die Bezirke der &ouml;konomischen Produktion und die Warenzirkulation. Der &auml;sthetische Ausdruckszusammenhang des Jugendstils besteht weniger in den floralen Ornamenten an sich, sondern in ihrer Nutzbarmachung f&uuml;r die Zwecke der Reklame. Die Punkmusik, die 1977 die &Ouml;ffentlichkeit erreichte, war kaum innovativ in den drei Akkorden, die ihr angeblich origin&auml;r und eigent&uuml;mlich sein sollen; bedeutungsvoll waren hingegen die Proklamationen, die sich politisch gaben, umgesetzt mit den Mitteln der Reklame. &rsaquo;Anarchy in the U.K.&lsaquo; von den Sex Pistols: &raquo;I don&rsquo;t know what &#8544; want, but &#8544; know I&rsquo;m against it.&laquo; Gemeinhin wird der Punkrock als Gegenpol zur zeitgleich entstandenen Discomusik gesehen; gerade in Hinblick auf die Okkupation der Strategien der Reklame ist das aber grundfalsch: die erste, mit vollst&auml;ndiger auf Vermarktung angelegter Werbestrategie produzierte Band, inklusive der geplanten Mode von Vivian Westwood, waren die Sex Pistols und keine Discoband. Gruppen wie Boney &#8559; haben das Prinzip kopiert; zur Vermarktung der Sex Pistols geh&ouml;rten Aufkleber, Puppen, Konfekt, T-Shirts, Utensilien der Stars &mdash; mit welcher Konsequenz so etwas fortgesetzt werden kann, kommt erst in den neunziger Jahren durch die PR-Kampagnen von Boygroups voll zur Geltung.</p>
<p>Die &Uuml;berh&ouml;hung der Jugend durch die Jugend, die &Uuml;berh&ouml;hung der Kultur durch die &Auml;sthetik und schlie&szlig;lich die &Uuml;berh&ouml;hung der Politik durch Carl Schmitt geh&ouml;ren zusammen. So wie gefragt werden kann, was denn eigentlich die Jugend ist und als Antwort ein Konglomerat von Gef&uuml;hlslagen herauskommt, dem aber die Substanz fehlt, so bleibt auch die Frage nach der Kultur der Jugend offen. Das ist ebenso als Konsequenz f&uuml;r die Bedeutungsfrage nach etwaigen Subkulturen zu ber&uuml;cksichtigen: Sind diejenigen, die in den Medien als Hamburger Schule verhandelt werden &mdash; eine Szene um Bands wie Blumfeld, Kolossale Jugend, Tocotronic, Ostzonensuppenw&uuml;rfelmachenkrebs &hellip; &mdash;, eine Jugendbewegung, haben sie einen Stil? Sind sie subkultureller als die Reste der Punkbewegung? Grenzen sie sich von der Fangemeinde jugendlicher Heavy-Metal-H&ouml;rer eindeutig ab, sind sie homogen im Gegensatz zu den jungen Menschen, die mit zwanzig schon im Berufsleben stehen, einen Neuwagen abbezahlen und mit drei&szlig;ig Jahren das Reihenhaus mit ihrer Familie beziehen? Was kennzeichnet das Politische einer Subkultur, die sich zun&auml;chst durch bestimmte Lebenslagen bemerkbar macht, gebildet wird von Menschen, die nach gel&auml;ufiger Meinung am sozialen Abgrund stehen, die sich den Luxus leisten k&ouml;nnen, nachts ihre geringen finanziellen Mittel in Kneipen und Tanzlokalen umzusetzen? Auf einmal werden teure Daunenjacken mit Emblemen Mode und die in den Trabantenst&auml;dten isolierten jungen Leute fangen an, nicht mehr von ihren Altersgenossen teure Turnschuhe zu stehlen, sondern stehlen diese Jacken. Ist das eine subversive Strategie im Umgang mit Mode? Oder ist es Subversion, wenn die schon erw&auml;hnten jugendlichen Nachtmenschen sich mit Second-hand-Kleidung ausstatten, weil sie das Geld lieber f&uuml;r Kneipenbesuche ver&auml;u&szlig;ern, die die sozialen Kontakte sichern, die also ganz unmodisch Kleidung zu tragen beabsichtigen, die einige Zeit sp&auml;ter gleichwohl als Neuware in den Kaufh&auml;usern zu erwerben ist?</p>
<p>Benjamin wurde in seiner Hoffnung auf die Jugendbewegung, das erwachende Dornr&ouml;schen, schon kurze Zeit sp&auml;ter entt&auml;uscht, als eben diese Jugendbewegung sich umstandslos gewinnen lie&szlig; f&uuml;r den Ersten Weltkrieg. &rsaquo;Die Jugend schwieg&lsaquo;, schrieb Benjamin damals einen Aufsatz; man k&ouml;nnte auch sagen: &raquo;Die Jugend schlief.&laquo; Ausgerechnet die Jugend, die auf sich selbst die meiste Hoffnung setzte, machte sich bereitwillig zum Handlanger, der, wenn man so sagen will, niedersten Interessen der Erwachsenen, bejahte den Krieg. Ein eklatanter Widerspruch der Jugendbewegung: jene Generation, die die Gesellschaft der Erwachsenen ablehnt, affirmiert zugleich das aggressivste Konstrukt dieser Gesellschaft, die Nation. Es scheint, als ob alle Jugendbewegungen seither mit dem merkw&uuml;rdigen und bisweilen fatalen Mangel behaftet sind, nicht &uuml;ber die Erscheinungsebene hinausdenken zu k&ouml;nnen, der sie selbst nur angeh&ouml;ren: ihre Ablehnung der Erwachsenenwelt ist eine Verneinung der &auml;lteren Generation wie sie sich zeigt; der gro&szlig;en Weigerung dieser Welt gegen&uuml;ber geht ein gro&szlig;es Mitmachen einher, das zugleich alle wesensm&auml;&szlig;igen Z&uuml;ge dieser Erwachsenenwelt unhinterfragt hinnimmt und gar proklamiert. Schlie&szlig;lich besteht die ph&auml;nomenologische Verwechslung schon darin, da&szlig; &rsaquo;die Jugend&lsaquo; &mdash; wie auch &rsaquo;die Erwachsenen&lsaquo;, die sich mit &rsaquo;der Jugend&lsaquo; besch&auml;ftigen &mdash; als wahren Konflikt der Gesellschaft nur den zwischen den Generationen erkennen; doch die Gesellschaft ist nicht von Erwachsenen gemacht, sondern resultiert naturw&uuml;chsig aus den Mechanismen kapitalistischer &Ouml;konomie. Grob gesprochen, findet die Jugend in den Werten des Nationalismus oder dem Warenreichtums der Gesellschaft den Schl&uuml;ssel, mit dem die Grund&uuml;bel der Gesellschaft beseitigt werden sollen; sie ist allerdings blind daf&uuml;r, da&szlig; diese Grund&uuml;bel einzig aus dem fortgeschrittenen Warenverkehr resultieren, dem der Nationalismus ideologischer &Uuml;berbau ist. Die Kriegsbegeisterung der Jugend zum ersten Weltkrieg, schlie&szlig;lich die Bereitwilligkeit, mit der gro&szlig;e Teile der Jugend als Jugend den Nationalsozialismus unterst&uuml;tzten, setzt unheilvolle Vorzeichen vor jeder gegenw&auml;rtigen Reflexion auf jugendliche Subkulturen. Walter Grasskamp schreibt: &raquo;Jugendkultur entwickelte sich daher zu einem Investitionsschwerpunkt der Kulturindustrie, wobei die Marktsegmente lernten, sich synchron als Subkulturen und diachron als Generationen zu verstehen, denn ihre wichtigsten Identifikationserlebnisse erwarben sie nicht durch Arbeit oder Krieg, Religion oder Politik, sondern im Konsum.&laquo; Der Konsum ist aber nur die Kehrseite des Mitmachens, der Bereitschaft zu Nationalismus und Krieg. Die Doppelfigur hei&szlig;t also in erster Linie nicht Mitmachen versus Weigerung, sondern meint zwei Weisen des Mitmachens, die sich struktur&auml;hnlich sind, auch wenn sie sich einerseits &mdash; bei den jugendlichen Neonazis &mdash; t&ouml;dlich, andererseits bei der konsumorientierten Jugend demokratisch, aber profitabel erweist. &mdash; &mdash; &mdash; Noch einmal zur&uuml;ck zu Benjamin: Wieso hat Benjamin, von der politischen Kraft der Jugendbewegung mehr als entt&auml;uscht und resigniert, bis zuletzt (und &rsaquo;bis zuletzt&lsaquo; meint bis zu seinem Selbstmord w&auml;hrend der Flucht vor den vorr&uuml;ckenden Nazitruppen an der spanisch-franz&ouml;sischen Grenze 1940) an der Hoffnung festgehalten, da&szlig; wenigstens im Ausdruckszusammenhang der Jugend ein Moment der Rettung aufbewahrt ist &mdash; eine nicht&#8209;&uuml;berh&ouml;hte &Auml;sthetik der Mode, eine nicht&#8209;&uuml;berh&ouml;hte Politik. &raquo;Die Mode steht im Dunkel des gelebten Augenblicks, aber im kollektiven. &mdash; Mode und Architektur (im 19ten Jahrhundert) z&auml;hlen zum Traumbewu&szlig;tsein des Kollektivs. Man mu&szlig; dem nachgehen, wie es erwacht. Z.&#160;B. in der Reklame.&laquo; Auch: &raquo;Es gibt Noch-nicht-bewu&szlig;tes-Wissen vom Gewesenen, dessen F&ouml;rderung die Struktur des Erwachens ist.&laquo;</p>
<p>Ist die Mode im Verborgenen doch eine Weigerung? &rsaquo;Jugend&lsaquo; geschichtsphilosophisch betrachtet, meint keineswegs eine kulturelle oder soziale Avantgarde, so wie Teile der Jugendsubkultur sich heute gerne selbst deuten, sondern vielmehr einer Kraft, die genau dadurch vorw&auml;rts strebt, indem sie als einzige Kultur Zugang zum Gewesenen h&auml;tte, was sie aber nicht zu realisieren vermag. Dies schl&auml;gt sich in der Mode einer jeweiligen Jugendkultur nieder. Von Interesse ist deshalb nicht epiph&auml;nomenal das emanzipatorische oder subversive Potential der jeweiligen Mode, sondern das Potential der Mode &uuml;berhaupt. &raquo;Gibt es trotzdem gerade in der Mode Motive der Rettung?&laquo;</p>
<p>Verweigerung des Politischen. Rettung der Jugend, die stillos bleibt. Subkultur.</p>
<p>Die Philosophie ist eigentlich Sache der Jugend, &hellip; der Elan der Jugend, nicht zu resignieren, nicht aufgeben zu wollen, der konstitutiv zum Begriff der Philosophie geh&ouml;rt.<br />
Theodor W. Adorno</p>
<p>Die Zeit der braven jungen Leute ist um.<br />
Ernst Bloch</p>
<p>Subkultur und Politik (1). &mdash; Jugendsubkulturen sind die Ornamente der Hochkultur; sie sind das gute Gewissen der Massenkunst, die &mdash; nach Theodor W. Adornos und Max Horkheimers Wort &raquo;das schlechte Gewissen&laquo; der ernsten Kunst ist.</p>
<p>Subkultur und Politik (2). &mdash; Vorausgesetzt, die Subkulturen b&ouml;ten so etwas wie Strategien der Weigerung: von Interessierten werden Subkulturen gerne so wahrgenommen, da&szlig; jede m&ouml;gliche Weigerung immer schon in die Richtung des politisch wahrhaftigen Ziels verweist. Das mag damit zu tun haben, da&szlig; vor aller Definition von Subkulturen jeweils nur bestimmte Teilbereiche von Jugendkulturen in Betracht kommen. Die Hip-Hop-Subkultur, die Punkbewegung, die Grunge-Kultur, die Raver der Technokultur &hellip; &mdash; ihnen ist ein Subversionsmoment als self-fulfilling prophecy nur deshalb abzuringen, weil andere Jugendgruppen, die unter Umst&auml;nden mit denselben Strategien arbeiten, aber g&auml;nzlich anderer, regressiver Orientierung &mdash; Naziskinheads beispielsweise &mdash; gar nicht als Subkultur darstellbar scheinen.</p>
<p>Subkultur und Politik (3). &mdash; Das Problem aller Begriffsbestimmung von Subkulturen ist, da&szlig; ihnen &mdash; mit einem fragw&uuml;rdigen, konservativen Politikverst&auml;ndnis &mdash; immer schon ein politisches Motiv unterstellt wird. Die Problem ist also nicht, ob Subkulturen politisch sind, sondern da&szlig; sie politisch sind. Das ist darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, da&szlig; der zugrunde gelegte Politikbegriff immer schon ein kulturalisierter ist. Dieses Problem gilt ebenso f&uuml;r den mittlerweile stets pr&auml;judizierten Zusammenhang von Jugend und Subkultur, gar Jugendkultur = Subkultur. Davon sind im Nachhinein auch sehr brauchbare Definitionsbestimmungen des Subkulturbegriffs betroffen, wie etwa die grundlegende, die Rolf Schwendter Anfang der siebziger Jahre vorlegte. Schwendter kennzeichnete seinerzeit als Subkulturen (zusammengefa&szlig;t): 1. Kulturen, die vom herrschenden Wertesystem abweichen, zum Teil mit eigenen Institutionen; 2. progressive Subkulturen, die als Gegen&ouml;ffentlichkeit zu begreifen und durch Formen der Selbstorganisation gekennzeichnet sind; 3. Subkulturen, die die herrschende Kultur bedingen und gleichzeitig vor der Anpassung an diese sch&uuml;tzen. Sie stehen somit in einem dialektischen Verh&auml;ltnis zum gesellschaftlichen Ganzen. Dies scheint hervorragend f&uuml;r eine Wahrnehmungsperspektive zu passen, die unter Subkulturen je schon Jugendkulturen mit Subversionspotential versteht. Schwendter rechnete zu den Subkulturen aber wesentlich auch solche, die zun&auml;chst fern vom &uuml;blichen Kultur&#8209; und Jugendzusammenhang operieren: Patienteninitiativen, Altengruppen, Hausbesetzer, die stadtfl&uuml;chtige Alternativbewegung und so weiter.</p>
<p>Subkultur und Politik (4). &mdash; Die Selbst&uuml;berh&ouml;hung: &Auml;sthetisch ist &rsaquo;Jugend&lsaquo; eine kategoriale Qualit&auml;t; die Erscheinung der Jugend soll ewig w&auml;hren, das Wesen jedoch sich st&auml;ndig &auml;ndern (gleichwohl: allein, dieses &rsaquo;Wesen&lsaquo; ist Schein, ist nicht vorhanden). Deshalb werden Subkulturen im &auml;sthetischen Taumel als letzte Bastion ausgemacht, in der sich &uuml;berhaupt noch Wandel zutr&auml;gt. &raquo;Keine Ahnung, was passieren wird, aber wir haben die Vorahnung, da&szlig; die Visionen, die heute zur &rsaquo;Raving Society&lsaquo; entwickelt werden, einen gro&szlig;en gesellschaftlichen Impact haben, vielleicht einen bedeutenderen, als die Theorien und Ideologien der 68er Bewegung auf die heutige Gesellschaft.&laquo; Diese S&auml;tze waren im Juni 1994 im Editorial der Technozeitschrift &rsaquo;Frontpage&lsaquo; zu lesen. Die &rsaquo;Frontpage&lsaquo;, zun&auml;chst ein selbstverwaltetes Undergroundprojekt, wurde von einem gro&szlig;en Verlag aufgekauft und ging schlie&szlig;lich in Konkurs. Ihr Erscheinen wurde eingestellt, der &raquo;gesellschaftliche Impact&laquo; der &raquo;Raving Society&laquo; blieb aus. &raquo;Die ehemals subkulturellen Impulse sind kulturell verallgemeinert, normalisiert, nivelliert und entdramatisiert worden &hellip; Jugendsubkulturelle Absetzbewegungen und Impulse sind &uuml;berfl&uuml;ssig, da die heutige Gesellschaft auf verschiedenen Wegen alles Subkulturelle sofort &rsaquo;entm&auml;chtigt&lsaquo;, normalisiert und von daher das Subkulturelle zum Verschwinden bringt.&laquo; Einiges spricht f&uuml;r die Diagnose, die Tobia Bezzola ausgestellt hat unter dem Stichwort der &raquo;Massenbohemisierung und Bohemisierung der Massenkultur&laquo;.</p>
<p>* * *</p>
<p>Gibt es doch noch ein Moment der Rettung? Die Frage ist auch, ob die Bedeutung von Subkulturen sich &auml;ndert, wenn die Deutung von Subkulturen selbst ge&auml;ndert wird. Was geschieht, wenn der Begriff von Subkultur abr&uuml;ckt vom k&uuml;nstlerisch&#8209;&auml;sthetischen Feld und sich &mdash; &auml;hnlich wie Benjamin es mit der Mode unternommen hat &mdash; auf die soziale Produktion von Zeichen, auf die symbolischen Formen des Stils konzentriert? Also: Lebensstil nicht als Gestaltung des kulturellen Raums verstanden, sondern als &Uuml;berlebensstrategie, als soziales Verm&ouml;gen. Wegbereitend sind hierf&uuml;r die Arbeiten des Birminghamer &rsaquo;Centre for Contemporary Cultural Studies&lsaquo;; in Anlehnung an die strukturale Ethnologie von Claude L&eacute;vi-Strauss und seine Theorie der &rsaquo;bricolage&lsaquo; deuteten Theoretiker wie Stuart Hall und John Clarke &raquo;Stil&laquo; als Strategie von Jugendlichen, die durch eine &raquo;differenzierende Selektion aus der Matrix des Bestehenden&laquo; es sch&ouml;pferisch zu &raquo;Transformationen und Umgruppierungen des Gegebenen in ein Muster [bringt], das eine neue Bedeutung vermittelt, einer &Uuml;bersetzung des Gegebenen in einen neuen Kontext und seiner Adaptation.&laquo; Nach diesem Forschungsansatz ist der Begriff der Subkultur als Spannungszustand einer Achsenkreuzung von Klassenverh&auml;ltnissen, Arbeitsbedingungen, Freizeitverhalten, Kulturen und markt&ouml;konomischen Parametern begriffen, wenn auch nach wie vor auf den spezifischen Kontext von jugendlicher Erfahrungswelt bezogen. Ein derart gesellschaftskritisch verstandener Jugend-Stil w&auml;re an einen kritischen Stilbegriff der &Auml;sthetik zur&uuml;ckzubinden: nach dem Satz Adornos, da&szlig; in der gegenw&auml;rtigen Kunst nur noch Stil ist, wo keiner mehr ist, w&auml;ren auch Subkulturen zu analysieren. In dieser Weise mit dem Stilbegriff zu arbeiten, hie&szlig;e, nirgends die Homogenit&auml;t der Subkultur und ihrer Ausdrucksformen zu erwarten, sondern gerade in den Fugen ihrer Fragmentierung, in ihrer Kurzlebigkeit und ihrem Augenblickhaften die Restspur von Subversion herauszukristallisieren. Benjamins &raquo;Denken in Konstellationen&laquo;, die Theorie vom dialektischen Bild, w&auml;re hierbei das geeignete Verfahren.</p>
<p>&raquo;Jugend, Jugend! Ein besseres Bannwort h&auml;tten wir f&uuml;r unser Wagnis nicht finden k&ouml;nnen! Darum sehen wir dem Werden mit froher Hoffnung entgegen. Ganz schlecht kann es nicht ausfallen, unser Zeichen ist viel zu gut!&laquo; Diese S&auml;tze waren im programmatischen Vorwort der ersten Nummer der Zeitschrift &rsaquo;Jugend&lsaquo; 1896 zu lesen. Sie passen merkw&uuml;rdig geschichtslos zu etwa folgender &Auml;u&szlig;erung, die sich einhundert Jahre sp&auml;ter publiziert findet: &raquo;Nachdem die Aufkl&auml;rung im Dienste der Gegenwart von Horkheimer und Adorno sich zum &rsaquo;totalen Betrug der Massen&lsaquo; gewandelt hatte, findet die Aufkl&auml;rung der Aufkl&auml;rung als Pop in der Musik der Gettos statt. Der Horizont der Freiheit ist unendlich, und das kleine Licht der DJ-Culture leuchtet immer st&auml;rker und gibt Hoffnung: Kraftsch&uuml;be f&uuml;r den Aufstand.&laquo; Das kann nur schreiben, wer sich taub macht gegen die Euphorie der Jugendbewegungen, die in den Krieg zogen, der nicht sehen will, da&szlig; heute die Jugendlichen den Aufstand nicht am Plattenteller proben, sondern &mdash; die Diagnose der elit&auml;ren Verfasser der &rsaquo;Dialektik der Aufkl&auml;rung&lsaquo; noch in den kalten Schatten stellend &mdash; im Fremdenha&szlig;. Doch ist damit eine andere Diagnose unabwendbar? &raquo;Ende der F&uuml;nfziger wurde sie erfunden. In den Neunzigern wird es Zeit, sich von ihr zu verabschieden: Die Jugendkultur &hellip; Pl&ouml;tzlich funktioniert das Spiel mit den Selbstverst&auml;ndlichkeiten nicht mehr. Warum? Betrachten wir folgende Szene: Baseballkappen h&uuml;pfen auf-und-ab, bedruckte T-Shirts tanzen Slamdance, Flanellhemden rudern zackig mit den Armen, Doc Martens aller Formate finden sich in munter umherkreiselnden Pits. Energie, Power, B&uuml;rgerschreck &mdash; kurz: Jugendkultur at its best! Doch stop! Wir sind nicht bei Faith No More oder Biohazard, sondern im ZDF. &rsaquo;Bonn direkt&lsaquo; zeigt uns Underground unterm Hakenkreuz. St&ouml;rkraft und Klotzkopf gr&ouml;hlen von der B&uuml;hne, und ein jahrzehntelang g&uuml;ltiger Entwurf scheint pass&eacute;.&laquo;</p>
<p>Diejenigen, die wie Dietrich Diederichsen &uuml;ber viele Jahre das Subversionspotential in der Popkultur behauptet haben, haben sich nun in ihrer Resignation mit einem Konglomerat von Easy Listening und politischer Korrektheit eingerichtet. &mdash; Ich habe versucht zu argumentieren, da&szlig; es nicht spitzfindige Kritik w&auml;re, etwa Diederichsen vorzurechnen, da&szlig; die Jugendkultur keineswegs erst &raquo;Ende der f&uuml;nfziger Jahre&laquo; erfunden wurde: der Verweis darauf, da&szlig; sie &uuml;ber einhundert Jahre alt ist und ihre Mechanismen zu den Urmotiven der b&uuml;rgerlichen Epoche zur&uuml;ckweisen, ist mehr als nur Seitennotiz. Das M&auml;rchen vom Dornr&ouml;schen ist noch einmal zu erz&auml;hlen; entweder so, wie Benjamin es vorhatte, da&szlig; die Ohrfeige der Weckruf ist, der durch die Gem&auml;uer des Schlosses hallt &hellip;, oder so: Wir leben in einem Zeitalter, in dem der Realsozialismus gescheitert ist, die Frauenbewegung mit Gleichberechtigung und Quotenregelung abgespeist wurde, der Verkehr mit zur &ouml;kologischen Katastrophe beitr&auml;gt wie zum wachsenden Profit des Kapitals, der Individualismus nur als Tarnbegriff r&uuml;ckhaltloser Konkurrenz der ohnm&auml;chtigen Masse gilt. Was ist aus dem Zeitalter der Jugend geworden? &hellip; Die Jugend ist das Dornr&ouml;schen, das eine Schwester hat, die keinen Namen tr&auml;gt; sie lauert seit Jahren in der Dornenhecke auf den Moment der Begegnung mit dem nahenden Prinzen. Erst in dem Augenblick, wo der Prinz ihr gegen&uuml;bersteht, m&ouml;chte sie entscheiden, ob sie ihn k&uuml;&szlig;t &mdash; oder ihm die Ohrfeige gibt, von deren aufgesparter Kraft so vieler Jahre sie wei&szlig;, um den K&uuml;chenjungen zu r&auml;chen: daf&uuml;r, da&szlig; der Prinz sich einhundert Jahre f&uuml;r die Rettung Zeit l&auml;&szlig;t und versp&auml;tet, will sie keine Entschuldigung gelten lassen.</p>
<p>Ein Text von 1998&#160;&#8211; unver&ouml;ffentlicht<br />
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		<title>Die Schallplattenh&#252;lle: Formen von Abbild und Warenfetisch im imagin&#228;ren Konzertsaal</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 21:28:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den jüngeren Erfindungen ist erst im Zuge ihrer ökonomischen Verwertbarkeit ein ästhetischer Mehrwert hinzugetreten. Der Einsatz moderner Werkstoffe — vor allem Kunststoff — nahm von den technischen Geräten die Spur der Gebrauchsschönheit: an Kameras oder dem Automobil ist es leicht nachzuvollziehen, welcher Unterschied zwischen den alten Materialien und dem neuen Spritzgußplastik steckt. (Jazzthetik 1997)
[<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/artikel/schallplattenhulle/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Den j&uuml;ngeren Erfindungen ist erst im Zuge ihrer &ouml;konomischen Verwertbarkeit ein &auml;sthetischer Mehrwert hinzugetreten. Der Einsatz moderner Werkstoffe &mdash; vor allem Kunststoff &mdash; nahm von den technischen Ger&auml;ten die Spur der Gebrauchssch&ouml;nheit: an Kameras oder dem Automobil ist es leicht nachzuvollziehen, welcher Unterschied zwischen den alten Materialien und dem neuen Spritzgu&szlig;plastik steckt. Die Verh&uuml;bschungen der eigentlich h&auml;&szlig;lichen Technik stehen in einem proportionalen Verh&auml;ltnis zu ihrem Kultwert. Das Beiwerk, das Ornamentale tritt als Wesen hervor und l&auml;&szlig;t das technische Innenleben verschwinden. Ein merkw&uuml;rdiges Geheimnis, was diesen Gegenst&auml;nden anlastet: An einem Grammophon ist leichter nachzuvollziehen, welche physikalischen Gesetze hier f&uuml;r die Tonerzeugung verantwortlich sind, wie &uuml;berhaupt der Ton von dem Lauf der Nadel in der Rille &uuml;ber den Schalltrichter sich verst&auml;rkt, als zu verstehen, wie der Laserstrahl digitale Informationen abtastet, die durch Schaltkreise irgendwie in Membranschwingungen der Lautsprecher umgewandelt werden &mdash; und doch scheint uns die im Chassis verschlossene Elektronik der Hi-Fi-Bausteine viel vertraulicher zu sein als die freiliegende und offene Technik des Grammophons. Dieses Geheimnis und seine vermeintliche Umkehrung ist nicht blo&szlig; aus dem Technischen abzuleiten; vielmehr steht es im Bezug zur Warenform der Gegenst&auml;nde, benennt ihren Fetischcharakter, die Phantasmagorie. So kann es sein, da&szlig; aus einfachen Verpackungen oder Schutzumh&uuml;llungen &auml;sthetische Objekte werden, ja da&szlig; diesen Objekten die Symbolisierung des Gebrauchswerts ganz &uuml;berantwortet wird. Wolfgang Fritz Haug sprach vom &lsaquo;Gebrauchswertversprechen&lsaquo; der Verpackung und deren &lsaquo;Ausdrucksabstraktion&lsaquo;. Das gilt zumal f&uuml;r Verpackungen, ohne die der verpackte Gegenstand scheinbar etwas verliert. Ein Buch ohne Umschlag ist keines mehr; selbst das Fehlen des Schutzumschlags um den Leineneinband verringert den Wert, wenn es auch am Lesestoff nichts &auml;ndert. Mit dem Buch hat die Schallplatte hier einiges gemeinsam. Ja, was den Aufwand des Coverdesigns und der grafischen Pr&auml;sentation angeht, &uuml;berragt die Schallplatte sowohl das Buch wie auch Luxusg&uuml;ter &mdash; man denke an Parf&uuml;mflakons &mdash; bei weitem. Helmut Salzinger wies in betreff der Schallplatte darauf hin, &lsaquo;da&szlig; die Verpackung [hier] bereits selber Inhalt geworden ist. Das Album ist nicht blo&szlig; die Platte, sondern die Platte in einem &auml;sthetischen-funktionalen Kontext, der das ganze Ding, das Album, zur eigentlichen Ware macht.&lsaquo;</p>
<p>Die Schallplatte ist Sammlergegenstand mit Kultwert; um die Geheimschrift des Tontr&auml;gers zu entschl&uuml;sseln, braucht es Abspielger&auml;te. Die H&uuml;lle (und der Labelaufkleber) verraten den Inhalt, machen ihn aber nicht h&ouml;rbar, auch wenn grafisch alles daran gesetzt wird, dem musikalischen Inhalt durch die Verpackung, die H&uuml;lle, ein entsprechendes Bild zu geben. Wie sehr br&uuml;sten sich DJs damit, nur anhand der Rillenzeichnung die Platten zu identifizieren, weshalb dann Label entfernt werden; die H&uuml;lle ist bei Technoplatten gerne informationslos, blank &mdash; niemand soll erfahren, was hier gesampelt wird. Verkl&auml;rt wird dies als R&uuml;ckkehr zu funktionalistischem Design. Die Spaltung, die durch die Technoszene geht, spiegelt sich auch in der Covergestaltung: w&auml;hrend Vertreter des &lsaquo;intelligent techno&lsaquo; auf funktionale Klarheit schw&ouml;ren, bem&uuml;ht die Kirmestechnofraktion s&auml;mtliche Filtereffekte der Grafiksoftware, fraktale Geometrie und nach Weltraum oder Drogen anmutende Typografie. Obwohl beide Lager einig in dem Aufwand sind, der der Ver&#8209; und Umh&uuml;llung des Tontr&auml;gers gewidmet wird; denn gleich, welches Argument bem&uuml;ht wird, sei es auch noch so funktionsorientiert: dem je schon vorhandenem Geheimnis des musikalischen Codes auf dem Tontr&auml;ger tritt ein weiteres Geheimnis in Form der H&uuml;llengestaltung hinzu. Die Informationen, die auf der Schallplattenh&uuml;lle gegeben werden, reichen nie an den musikalischen Gehalt heran. Und doch hat sich im Verlauf der einhundertj&auml;hrigen Geschichte der Schallplatte eine Bilderschrift kristallisiert, nach der bisweilen auf den Inhalt der Musik genauer geschlossen werden kann als dies etwa durch eine Partitur m&ouml;glich w&auml;re. Diese Bilderschrift &uuml;bersteigt die Verpackungs&#8209; und Schutzfunktion der Tontr&auml;gerh&uuml;lle &mdash; sie ist mit den Begriffen der Reklame, der Werbung der Musik f&uuml;r sich selbst, der Waren&auml;sthetik zu deklinieren. Ihr kommt eine Eigenst&auml;ndigkeit zu, die allen technischen Angeboten an den Plattensammler zuwiderl&auml;uft, sich von den Covers zu trennen: von den in den 20er Jahren aufgekommenen &lsaquo;Alben&lsaquo; &uuml;ber die Stapelautomatik der Plattenspieler bis zum 500-CDs-aufnehmenden CD-Spieler hat sich nichts dergleichen durchsetzen k&ouml;nnen. Statt dessen finden sich spezielle &rsaquo;Phonom&ouml;bel&lsaquo;, die immer wieder zum Pr&auml;sentieren der beschaulichen Sammlung an Tontr&auml;gern animieren. Dabei geh&ouml;rt auch die Schallplatte zu jenen Dingen, die erst sp&auml;ter durch eine &auml;sthetische H&uuml;lle attraktiv gemacht wurden. Die Ware wird, wie Walter Benjamin sagt, &lsaquo;auf sentimentale Art vermenschlicht&lsaquo;, ihr wird ein &lsaquo;Haus&lsaquo; gegeben. Plattencover sind ungleichzeitige Rudimente der Etuis, &Uuml;berz&uuml;ge und Futterale, mit denen der b&uuml;rgerliche Hausrat im 19. Jahrhundert &uuml;berzogen wurde.</p>
<p>Die ersten H&uuml;llen f&uuml;r Schallplatten wurden 1910 eingef&uuml;hrt: ein einfacher Papierumschlag, zum Teil mit einem Loch in der Mitte &mdash; die Informationen zur Schallplatte finden sich auf dem Labelaufkleber. Ein Jahr sp&auml;ter, 1911, folgen bedruckte Papiere: typisch sind um diese Zeit Rahmenornamente, die ein wenig an die Gestaltung von Notenb&uuml;chern erinnern; verst&auml;rkt findet sich nun Werbung auf der H&uuml;lle, etwa f&uuml;r Schallplattennadeln. Seit den 20er Jahren wird &uuml;ber die Namen der Bands, der Interpreten, der Komponisten und der Songs informiert, oft im bildlichen Verbund mit charakteristischen Szenen, beispielsweise tanzende Jugendliche. Die Jazzmusik wird &mdash; um die Schallplatten auch in den rassistischen S&uuml;dstaaten verkaufen zu k&ouml;nnen &mdash; weitgehendst nur grafisch verpackt, ohne Abbildungen der Musiker; bis in die 60er Jahre ist es bei Rock&#8209;&rsquo;n&rsquo;-Roll-Platten nicht selten, statt der schwarzen Musiker Wei&szlig;e abzubilden. Michael Ochs gibt in seinem Kompendium von tausend ausgesuchten Schallplattencovers einige Beispiele: 1958 wird eine H&uuml;lle der Chantels (&lsaquo;We Are The Chantels&lsaquo;, End 1958), die die f&uuml;nf schwarzen S&auml;ngerinnen zeigt, ersetzt durch ein Cover ersetzt, das ein wei&szlig;es P&auml;rchen vor einer Musikbox zeigt; eine Platte der Crests (&lsaquo;The Best Of The Crests&lsaquo;, Co-Ed 1961) zeigt als einzigen Musiker Johnny Mastro, der auch der einzige Wei&szlig;e in der Band war.</p>
<p>Seit 1939 gibt es Bildh&uuml;llen mit meist grellfarbigen Zeichnungen; sie sind der Ausgangspunkt f&uuml;r die sich entwickelnden Stereotypen der Covergestaltung, die mit den 50er Jahren sich bilden und vorrangig auf die neue K&auml;uferschicht der Jugend abzielen. Neben der rassistischen Umgestaltung von H&uuml;llen werden die ersten Schallplatten verboten: nicht aufgrund der Musik, sondern aufgrund der Covergestaltung. Die meisten Verbote gab es wegen sexueller Anst&ouml;&szlig;igkeit, bis hin zur Groteske. Auf einem Cover der Five Keys (&lsaquo;The Five Keys On Stage&lsaquo;, Capitol 1957) posieren die f&uuml;nf Musiker in einer Reihe von rechts nach links; ein Daumen des links die Reihe abschlie&szlig;enden S&auml;ngers ist derart an der Hose gehalten, da&szlig; er als Penis mi&szlig;deutet werden kann &mdash; der Daumen wurde retuschiert. &Uuml;blich waren auch Verbote von vermeintlich aggressiven Coverabbildungen, so zum Beispiel ein Presley-Album (&lsaquo;Elvis Presley&lsaquo;, RCA Victor 1956), das ihn mit schreiendem Gesichtsausdruck wild die Gitarre spielend zeigt &mdash; links steht in Rosa &lsaquo;Elvis&lsaquo;, unten in Gr&uuml;n &lsaquo;Presley&lsaquo;, das Foto ist schwarzwei&szlig;; The Clash griff mit &lsaquo;London Calling&lsaquo; (Epic 1979) auf dieselben Gestaltungselemente zur&uuml;ck &mdash; solche Adaptationen und Zitationen in der Covergestaltung sprechen f&uuml;r einen vermehrten &auml;sthetischen Anspruch, der zum Teil auf den gr&ouml;&szlig;eren Einflu&szlig; der Bands auf die Gestaltung zur&uuml;ckgeht. Zunehmend besorgen auch K&uuml;nstler die Gestaltung, wobei zu den bekanntesten nach wie vor Andy Warhol (Velvet Underground: same, Verve 1967; Rolling Stones, &lsaquo;Sticky Fingers&lsaquo;, Rolling Stones 1971), Peter Blake (Beatles, &lsaquo;Sgt. Pepper&rsquo;s&lsaquo;, Capitol 1967), H.&#160;R. Giger (Emerson, Lake&#160;&#38;&#160;Palmer, &lsaquo;Brain Salad Surgery&lsaquo;, Manticore 1973) oder Mike Kelley (Sonic Youth: &lsaquo;Dirty&lsaquo;, David Geffen Comp.&#160;1992) z&auml;hlen. K&uuml;nstler wie Roger Dean (Yes, Gentle Giant, Babe Rush etc.) oder Hipgnosis (etwa: Pink Floyd: &lsaquo;Wish You Were Here&lsaquo;, Columbia 1975; Led Zeppelin, &lsaquo;Houses Of The Holy&lsaquo;, Atlantic 1973) machten sich durch Covergestaltung einen Namen. Das Cover soll w&auml;hrend des Musikh&ouml;rens betrachtet, ja wie eine Partitur gelesen werden. Daf&uuml;r steht nicht nur die eigens entwickelte, oft auch mit dem Stand der Produktivkr&auml;fte brechende Bilderwelt &mdash; man denke an die verwunschenen, archaischen Landschaften eines Roger Dean &mdash;, sondern auch die zunehmende textliche Information auf den H&uuml;llen. Vor allem Plattenh&uuml;llen aus dem Bereich der Kunstmusik geben ausf&uuml;hrliche Informationen &uuml;ber das Orchester, das Werk oder den Komponisten; so wird dem K&auml;ufer beigebogen, etwas Bildungsgut gekauft zu haben, ein Produkt ernster Musik, zu der auch Halbwissen zum Verst&auml;ndnis geh&ouml;rt. W&auml;hrend in der Popmusik gemeinhin zur Werbung der Abdruck der Hittitel auf dem Cover reichte (&lsaquo;Including the Smashhit &hellip;&lsaquo;), versuchten einige Rockbands nicht nur musikalisch ins Lager der klassischen Kunstmusik zu wechseln. Das Paradebeispiel d&uuml;rfte Jon Lords &lsaquo;Concerto for Group and Orchestra&lsaquo; (Deep Purple und The Royal Philharmonic Orchestra, EMI 1969) sein, ein Cover ganz im Stil einer Klassikplattenh&uuml;lle: die Schrift ist sachlich-schlicht, informiert &uuml;ber den Komponisten, den Ort der Auff&uuml;hrung und zeigt den Ort auch, den Konzertraum der Royal Albert Hall, wo inmitten der gediegenen Atmosph&auml;re die Musiker von Deep Purple sitzen. Auf der R&uuml;ckseite belehrt ein Text &uuml;ber den &auml;sthetischen Gehalt der einzelnen Instrumente und der Komposition; die Rockmusiker sind in der Manier von Orchestervirtuosen fotografiert.</p>
<p>Ebenso wird durch visuelle Effekte und grafische Besonderheiten versucht, dem Cover einen speziellen &auml;sthetisch-konsumistischen Reiz zu verleihen: Das kann der eingeklebte Rei&szlig;verschlu&szlig; auf dem &lsaquo;Sticky Fingers&lsaquo;-Cover ebenso sein wie besondere Materialien, Metall, Textilien oder Holz. Die Verbesserung von Drucktechnik tut das ihre dazu, ebenso die psychodelische Musik. Es entstehen aufwendige, hohe Produktionskosten verschlingende Plattenh&uuml;llen. Zum imagin&auml;ren Konzertsaal der Konservenmusik kam das imagin&auml;re Museum des Covers hinzu. L&auml;ngst hat das Cover seine reine Schutzfunktion aufgegeben; auch &uuml;ber den blo&szlig;en Reklamezweck will es hinausweisen. Es erscheinen regelrechte Bilderb&uuml;cher, passend zu einer erz&auml;hlend angelegten Musik (The Who: &lsaquo;Tommy&lsaquo;, Decca 1969, und: &lsaquo;Quadrophenia&lsaquo;, Polydor 1973; Rick Wakemans &lsaquo;Journey To The Centre Of The Earth&lsaquo;, Ariola 1974). Erst die Punkmusik gibt dem politischen Protest auf dem Cover einen breiten Raum; sie kn&uuml;pft gleichzeitig an Coververeinfachungen des Politrocks an, benutzt gefaltete, unifarben bedruckte Papierh&uuml;llen, die zum Poster ausgebreitet werden k&ouml;nnen (Cover von Crass). Gerade diese Musik, die sich gegen den Bombastrock wehrte, greift auf die H&uuml;lle mit zus&auml;tzlich eingehefteten Informationen zur&uuml;ck (Cover von Dead Kennedys). In den 80er und schlie&szlig;lich 90er Jahren werden die Stereotypen ausged&uuml;nnt: Zunehmend gibt der leicht verh&uuml;llte oder nackte, sich sexuell anbietende K&ouml;rper der Frau das Hauptmotiv ab. Die Musik gibt zudem vor, in einen Legitimations&#8209; und Selbstverortungsproze&szlig; zwischen Kulturindustrie und k&uuml;nstlerischer Autonomie getreten zu sein und m&ouml;chte von hier aus ebenso die Rolle der Musiker neu bestimmen; die Differenz zwischen Produzent und Rezipient wird nivelliert: eine aufwendige Covergestaltung, die den Anschein des &auml;sthetischen Werts versprach, verschwindet zugunsten einer grafischen Inszenierung des Alltags: Autos, Stra&szlig;enleben, Familie oder Bilder aus der Plattenproduktion finden zunehmend Verwendung (The Cranberries, &lsaquo;No Need To Argue&lsaquo;, Island 1994; Oasis, &lsaquo;Definitely Maybe&lsaquo;, Creation 1994). Andererseits wird der &auml;sthetische Aufwand technischen M&ouml;glichkeiten &uuml;berlassen: Mit entsprechender Hard&#8209; und Software leicht zu reproduzierende Computeranimation ersetzt das grafische Handwerk (Bj&ouml;rk, &lsaquo;Post&lsaquo;, One Little Indian 1995).</p>
<p>Ein Gemeinplatz scheint der Hinweis auf die Warenform der Musik zu sein; oft ist damit aber nicht mehr gemeint als blo&szlig;, da&szlig; die Musik zun&auml;chst &uuml;ber den Tauschvorgang angeeignet werden mu&szlig;. Und das gelingt freilich nur in ihrer Greifbarkeit &mdash; als Tontr&auml;ger &mdash;, weshalb sich die musikalische Warenanalyse dann auch meist auf die &ouml;konomistische Formel &lsaquo;Die Warenform der Musik ist die Schallplatte&lsaquo; (Simon Frith) beschr&auml;nkt. &Auml;hnlich betonte j&uuml;ngst Christoph Gurk: &lsaquo;Im Hinblick auf die Musikindustrie nimmt Kultur die Warenform an erster Stelle durch den Tontr&auml;ger an.&lsaquo; Ausgespart bleiben &Uuml;berlegungen, die einzig Sinn machen, kritisch von der Warenform zu sprechen, will man nicht blo&szlig; den Tauschvorgang namhaft machen: es ginge um den Widerspruch von Gebrauchswert und Tauschwert. Warenf&ouml;rmigkeit der Musik steckt im Tonmaterial; von dort aus greift die Warenform auf &Auml;u&szlig;eres &uuml;ber, etwa die Verpackung. So wirkt nach Haug &lsaquo;Waren&auml;sthetik als Scheinl&ouml;sung des Widerspruchs von Gebrauchswert und Tauschwert.&lsaquo; &mdash; W&auml;re der Tontr&auml;ger an sich die Warenform, br&auml;uchte es nicht die designte H&uuml;lle. &lsaquo;Die gegenst&auml;ndliche Umwelt des Menschen nimmt immer r&uuml;cksichtsloser den Ausdruck der Ware an. Gleichzeitig geht die Reklame daran, den Warencharakter der Dinge zu &uuml;berblenden &hellip; Die Ware sucht sich selbst ins Gesicht zu sehen.&lsaquo; Kaum ein Massenprodukt erf&auml;hrt soviel Design wie das Cover; die Reklamefunktion, selbst schon &auml;sthetische Zutat zur Schutzfunktion der H&uuml;lle, kehrt in der mannigfaltigen Bilderwelt des Covers als Emblem wieder (hinsichtlich der Bandnamens-Emblematik buchst&auml;blich). Man hat dem Schallplattencoverformat gegen&uuml;ber dem CD-Format ein besonderes Ma&szlig; zugesprochen; auch das Vinyl hat Nostalgisches. Wer heute sagt &lsaquo;Das ist unser Lied&lsaquo;, der mu&szlig; die Scheibe dazu haben, ganz gleich, wieviel Kratzer drauf sind. Die Schallplatte bewahrt eine Spur der Vergangenheit; ihre Verpackung, die auch nur Reklame ist, versteckt den &auml;sthetischen Mehrwert der Emblematik. &lsaquo;Die Embleme kommen als Waren wieder.&lsaquo;</p>
<p>Literaturhinweise</p>
<p>S. Thorgerson und R. Dean, Das Buch der Schallplattenh&uuml;lle, Z&uuml;rich 1980f. (mehrere B&auml;nde); H.-J. Feurich, Warengeschichte und Rockmusik, in: W. Sandner (Hg.), Rockmusik. Aspekte zur Geschichte, &Auml;sthetik, Produktion, Mainz 1977; Technostyle, The Album Cover Art, Collins&#160;&#38;&#160;Brown: London 1996, und das im Aufsatz erw&auml;hnte Buch von &#8559;. Ochs, 1000 Record Covers, Taschen-Verlag: K&ouml;ln, London et al.&#160;1996, 850 S., 1000 Abb., 39,95 DM.</p>
<p>Roger Behrens<br />
[Erschienen in: Jazzthetik, 1997]<br />
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		<title>Aus dem Paralleluniversum des Progressivrock</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 16:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fortschritt und Zerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<description><![CDATA[<strong>Zum dreißigsten Bandjubiläum touren Yes einmal wieder in neuer Besetzung</strong>

Den meisten Hörern bedeutet die Gruppe Yes heute nicht mehr als ein Kuriosum. Einst als Superband des Progressivrock angesehen, werden sie heute hauptsächlich noch als Produzenten schrecklichen Kitsches erinnert - oder als begnadete Virtuosen. [<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/rezensionen/paralleluniversum/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum drei&szlig;igsten Bandjubil&auml;um touren Yes einmal wieder in neuer Besetzung</strong></p>
<p>Den meisten H&ouml;rern bedeutet die Gruppe Yes heute nicht mehr als ein Kuriosum. Einst als Superband des Progressivrock angesehen, werden sie heute haupts&auml;chlich noch als Produzenten schrecklichen Kitsches erinnert&#160;&#8211; oder als begnadete Virtuosen. Dies ist freilich vor allem dem exzentrischen Auftreten des Keyboarders Rick Wakeman zu danken. Tats&auml;chlich folgten die vermeintlichen Soli schon immer einem strengen Arrangement; Improvisationen irgendeiner Art waren in der Musik von Yes kaum jemals vorgesehen. Gerade die Keyboards wurden stets zur&uuml;ckhaltend, zwar tragend, aber selten melodief&uuml;hrend eingesetzt. Und der gr&ouml;&szlig;te Hit der Gruppe, »Owner of a Lonely Heart«, war ein stilistisch &auml;u&szlig;erst untypischer Popsong, der 1983 von Trevor Horn zum Erfolgsschlager zurechtproduziert wurde&#160;&#8211; zu einer Zeit, als der sonst pr&auml;gende Wakeman der Band gar nicht angeh&ouml;rte.</p>
<p>Denn ein st&auml;ndiger Personalwechsel hat das Erscheinungsbild von Yes immer gepr&auml;gt. Insgesamt kommt man auf vierzehn Musiker, die irgendwann einmal dazugeh&ouml;rt haben. Auch zum drei&szlig;igj&auml;hrigen Jubil&auml;um tourt die Band jetzt nicht nur mit neuem Tontr&auml;ger, sondern auch in einer neuen Besetzung: Chris Squire (Bass), Jon Anderson (Gesang), Steve Howe (Gitarre), Alan White (Schlagzeug) treten mit Billy Sherwood (Gitarre) und Igor Khoroshev (Keyboards) am heutigen Abend in der Columbiahalle auf. Die Versuche, ein Massenpublikum zu erreichen, hat die Band inzwischen jedoch wieder aufgegeben. Mit den beiden Doppel-CDs »Keys to Ascension« pr&auml;sentierten sie im letzten Jahr noch einmal ihr Repertoire aus den Siebzigern, von »Roundabout« &uuml;ber »Close to The Edge« bis »Awaken«. Diese Werkperiode ist bei den alten Fans zweifellos am beliebtesten. Wohl deswegen versucht auch das neue Konzeptwerk »The Ladder« &#8211;&#160;benannt nach einem Lennon/Ono-Album&#160;&#8211;, an alte Muster progressiver Rockmusik anzuschlie&szlig;en. Die St&uuml;cke sind wieder l&auml;nger geworden und f&uuml;llig instrumentiert. Zwar gibt es ein paar Weltmusik-Phrasen und es werden Bl&auml;ser eingesetzt, doch glaubt man beim H&ouml;ren, Yes h&auml;tten gerade jene musikalischen Entwicklungen vers&auml;umt, die sie selbst dereins inspirierten: Igor Khoroshev hat sich mit seinen Vorlieben f&uuml;r die Chemical Brothers und den Big Beat nicht durchsetzen k&ouml;nnen.</p>
<p>So bleibt das Innovativste ein spr&ouml;der Technoremix von »Owner of a Lonely Heart« (auf der 1999 ver&ouml;ffentlichten Doppel-CD »Friends and Relatives«). Ob dergleichen im Konzert zu h&ouml;ren sein wird, ist fraglich&#160;&#8211; wahrscheinlich wird »The Ladder« pr&auml;sentiert, sicher werden den Fans einige der klassischen Rockepen geboten: Eine gute Gelegenheit immerhin, noch einmal nachzuvollziehen, was den Reiz dieser Musik einst bestimmte&#160;&#8211; und weshalb das Unzeitige, fast Regressive sich gerade in den Art&#8209; und Progressivrock-Anspr&uuml;chen immer schon paradox eingeschlossen hat.</p>
<p>Man kann darin leicht Parallelen zur Sp&auml;tromantik wie zum Neoklassizismus erkennen. Beiden Epochen sind Yes geistig verbunden: Es ist kein Zufall, dass sie ihre Konzerte gern mit dem Finale aus Strawinskys »Feuervogel« er&ouml;ffnen. Yes kultivieren eine Melange aus Wiedert&auml;ufertum, Illusionismus und Gr&ouml;&szlig;enwahn&#160;&#8211; christliche Mystik umrahmt ein Geflecht aus musikalischen Einf&auml;llen und Klangeffekten. Selbst die Zwanzigminutenst&uuml;cke gebrauchen in ihren zentralen Passagen nicht mehr als drei oder vier Akkorde. Und trotzdem hat keine andere Band so perfekt das Paralleluniversum einer vollst&auml;ndigen popkulturellen Utopie errichtet&#160;&#8211; einschlie&szlig;lich der bizarren Fantasielandschaften, die nach wie vor die CD-H&uuml;llen zieren.</p>
<p>Yes: The Ladder (Eagle Rec.); Friends and Relatives (Eagle Rec.); Keys to Ascension 1&#160;&#38;&#160;2 (Castle Com.); Something s Coming&#160;&#8211; The BBC-Recordings 1969&#8211;1970 (New Millennium Com.) Konzert: heute Abend um 20 Uhr in der Columbiahalle</p>
<p>Bandbiografie: Chris Welch: Close to The Edge. The Story of Yes. Omnibus Press, London 1999.&#160;280 S., 62,80 Mark</p>
<p>Roger Behrens | Artikel erschienen in der Berliner Zeitung, 16. M&auml;rz 2000<br />
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		<title>Die Jazzmaschine spielt Samba</title>
		<link>http://www.rogerbehrens.net/texte/interviews/jazzmaschine/</link>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 16:15:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
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		<category><![CDATA[Bossa Nova]]></category>
		<category><![CDATA[Disco é Cultura]]></category>
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		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<category><![CDATA[Samba]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>Der Philosoph Eduardo Silva über die doppelte Kulturindustrie Brasiliens und die Unterschiede zur deutschen Popgesellschaft</strong>
Form und Inhalt sind zu unterscheiden: Formal ist Brasilien zum Beispiel von der Kulturindustrie der USA abhängig, aber inhaltlich zeigt sich eine eigenständige, wenn auch heterogene Kultur. Zunächst hat Brasilien, durch seine besondere Kolonialgeschichte, keine klassische bürgerliche Hochkultur, sondern eine traditionelle plurale Kultur – die sich aus europäischen, indianischen und afrikanischen Einflüssen zusammensetzt. Diese im Alltagsleben verankerte Kultur hat mittlerweile auch eine Industrie, weshalb von einer doppelten Kulturindustrie in Brasilien gesprochen werden kann: Eine industrielle westliche Mainstream-Kultur und der Versuch, das Traditionelle Brasiliens ökonomisch zu kulturindustriell geschehen ist, in Brasilien mit Chorinho oder Samba, der Musik aus den Armenvierteln, passierte. Deshalb, so meine ich, ergibt sich von Brasiliens Massenkultur aus ein anderer Blick auf die Kulturindustriethese der Kritischen Theorie.
 [<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/interviews/jazzmaschine/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Philosoph Eduardo Silva &uuml;ber die doppelte Kulturindustrie Brasiliens und die Unterschiede zur deutschen Popgesellschaft</strong></p>
<p>Eduardo Soares Neves Silva, geboren 1969 in S&atilde;o Paulo, Brasilien, verbrachte mit vier Jahren einige Zeit im Gef&auml;ngnis und wurde mit den Eltern ins Exil nach Frankreich gezwungen. Er studierte Philosophie in Campinas, Belo Horizonte und zuletzt in Weimar und forscht &uuml;ber Adornos &Auml;sthetik als Theorie der Massenkultur. Unser Autor Roger Behrens traf den Philosophen in Belo Horizonte und sprach mit ihm &uuml;ber Massenkultur und Diktatur, kritische Theorie in Brasilien und die Bossa-Nova-Mode in Deutschland.</p>
<p><em>ND: Brasiliens Massenkultur scheint der These einer globalen Kulturindustrie, wie sie Scott Lash formuliert, zu widersprechen: Wir finden hier eine widerspr&uuml;chliche, aber zugleich vom Westen unabh&auml;ngige Kultur. Au&szlig;erdem treten in Brasilien soziale Widerspr&uuml;che offener zutage, auch innerhalb des kulturellen Feldes. In gewisser Weise zeigt sich hier, was in Europa an Elend und Armut noch versteckt ist.</em><br />
Form und Inhalt sind zu unterscheiden: Formal ist Brasilien zum Beispiel von der Kulturindustrie der USA abh&auml;ngig, aber inhaltlich zeigt sich eine eigenst&auml;ndige, wenn auch heterogene Kultur. Zun&auml;chst hat Brasilien, durch seine besondere Kolonialgeschichte, keine klassische b&uuml;rgerliche Hochkultur, sondern eine traditionelle plurale Kultur &ndash; die sich aus europ&auml;ischen, indianischen und afrikanischen Einfl&uuml;ssen zusammensetzt. Diese im Alltagsleben verankerte Kultur hat mittlerweile auch eine Industrie, weshalb von einer doppelten Kulturindustrie in Brasilien gesprochen werden kann: Eine industrielle westliche Mainstream-Kultur und der Versuch, das Traditionelle Brasiliens &ouml;konomisch zu kulturindustriell geschehen ist, in Brasilien mit Chorinho oder Samba, der Musik aus den Armenvierteln, passierte. Deshalb, so meine ich, ergibt sich von Brasiliens Massenkultur aus ein anderer Blick auf die Kulturindustriethese der Kritischen Theorie. </p>
<p><em>ND: Der Anspruch auf eine multikulturelle Gesellschaft scheint in Europa weitgehend Ideologie zu sein. Mein Eindruck ist, dass Vielfalt und der Wunsch nach Neuem aber in der brasilianischen Kultur fest verankert sind. </em><br />
Stefan Zweig hat Brasilien einmal zu Recht als &raquo;Land der Zukunft&laquo; beschrieben; in dieser Weise stimmt vielleicht, weshalb bei uns auf der Fahne &raquo;ordem e progresso&laquo;, Ordnung und Fortschritt &ndash; &uuml;brigens ein Satz von Auguste Comte &ndash; steht. Das ist aber zugleich auch problematisch, weil Brasilien nie ein Land der Gegenwart war. Eine paradoxe Situation: Vieles, was die traditionelle Moderne in Europa kennzeichnet, zum Beispiel Rassismus oder ein militaristischer Nationalismus, geh&ouml;ren wenigstens nicht zur brasilianischen Moderne &ndash; aber zur faschistischen Milit&auml;rdiktatur, die versuchte, Brasilien mit Gewalt in die Gegenwart zu katapultieren. Gleichzeitig ist Brasilien auch ein Land der Vergangenheit mit traditionellen sozialen Beziehungen, was etwa die Bedeutung der Familie betrifft. Unsere Geschichte ist von sehr vielen Widerspr&uuml;chen gekennzeichnet: Zum Beispiel haben dieselben Jesuiten, die die Sklaverei und den Massenmord an den Indianern duldeten, schon vor vierhundert Jahren Pluralit&auml;t und Individualit&auml;t der Menschen verteidigt. In gewisser Hinsicht war unsere Moderne schon immer postmodern. Man kann dies auch an unserer Architektur sehen, die modern ist, aber nach europ&auml;ischen Ma&szlig;st&auml;ben als postmodern gelten muss. </p>
<p><em>ND: Das st&uuml;tzt das Bild, das in Europa von Brasilien verbreitet ist: ein fr&ouml;hliches und zufriedenes Land, gepr&auml;gt vom Karneval in Rio, tanzenden Menschen, Strand und Samba. </em><br />
Das ist freilich Unsinn; die global wachsende &ouml;konomische Stellung Brasiliens geht zulasten einer gr&ouml;&szlig;er werdenden, sich versch&auml;rfenden Armut. Karneval ist einmal im Jahr, ansonsten ist die brasilianische Kultur eher von einer Ruhe und Gelassenheit gepr&auml;gt. Samba ist eine ebenso zur&uuml;ckhaltende und traurige Musik wie zum Beispiel Bossa Nova. Auch dies eine paradoxe Situation: Je mehr sich die sozialen Widersp&uuml;che versch&auml;rfen, desto gr&ouml;&szlig;er scheint die Resignation zu sein, die Verh&auml;ltnisse nicht &auml;ndern zu k&ouml;nnen. In diesem Sinne ist die brasilianische Redewendung &raquo;H&aacute; sempre um jeito&laquo; &ndash; &raquo;Es gibt immer einen Trick&laquo; &ndash; gemeint: Dieser &raquo;Trick&laquo; ist kein Angriff auf die Zust&auml;nde, sondern eher eine Strategie, dem sozialen Druck standzuhalten, notfalls mit Gewalt. </p>
<p><em>ND: Eine melancholische Massenkultur, statt der aus Europa bekannten Spa&szlig;kultur? </em><br />
Ja, vielleicht. Bossa Nova ist auch schon als typischer Ausdruck des brasilianischen Modernismus beschrieben worden. Allerdings steckt in dieser Melancholie auch eine politische Frustration. Die Politik der Milit&auml;rregierung der Siebziger f&uuml;hrte zu einer Entpolitisierung &ndash; im Bossa Nova wird fast nur &uuml;ber Liebe gesungen, daneben gibt es eine schreckliche, offizielle Mainstreammusik: Das ist unsere Spa&szlig;kultur, durchaus. </p>
<p><em>ND: Ist Samba politischer? </em><br />
Die Sambamusik hat viel mit der politischen und &ouml;konomischen Entwicklung Brasiliens zu tun. Politisch ist Samba, weil sich in dieser Musik ein Alltag artikuliert, der von Unterdr&uuml;ckung und sozialer Not bestimmt ist. Samba h&auml;ngt wie der Jazz mit Sklaverei und Industrialisierung zusammen, nur dass in Brasilien das Ende der Sklaverei und die Industrialisierung in einen sehr engen, verdichteten Zeitraum gegen Ende des 19. Jahrhunderts zusammenfallen. So entstand in den drei&szlig;iger und vierziger Jahren eine Boheme, die es in Europa bereits ein Jahrhundert fr&uuml;her gab; und: Diese Boheme war nicht wirklich b&uuml;rgerlich, sondern in gewisser Weise eine industrielle Reservearmee, kulturelles Lumpenproletariat. Das f&uuml;hrte zur typischen Melancholie des Sambas. </p>
<p><em>ND: Ist das die Musik, die wir in Europa als Samba oder Bossa Nova kennen? </em><br />
Nein, denn es gibt mittlerweile die kulturindustrielle Variante von Samba, die einfach mit einem Elektrobeat versehen und so f&uuml;r den Weltmarkt kompatibel gemacht wird; ebenso gibt es Bossa Nova als Easy Listening. Das ist die brasilianische Mode, die in Europa derzeit Erfolge hat. Die Sambamusik der vierziger Jahre, die so genannte MPB (m&uacute;sica popular brasileira) der Siebziger und der Tropicalismo werden erst jetzt wieder entdeckt. </p>
<p><em>ND: Auch von europ&auml;ischen DJs? </em><br />
W&auml;hrend der Milit&auml;rregierung waren die fortschrittlichen K&uuml;nstler und Intellektuellen im Gef&auml;ngnis oder im Exil, wenn nicht im Ausland, so auf Grund der Zensur zumindest in einer Art &raquo;innerer Emigration&laquo;. Den Austausch zwischen brasilianischer und westlicher Massenkultur hat es damals schon gegeben. Auch unsere DJs erlernen gerne ihr Handwerkszeug in London, um dann europ&auml;ische Musik mit brasilianischer hier auf die Tanzfl&auml;che zu bringen. </p>
<p><em>ND: In Zeiten der Krise zeigt sich, dass die Massenkultur eine Illusion ist, weil sie gar nicht den Massen zur Verf&uuml;gung steht. So kommt es zu einer sozialen Differenzierung innerhalb der Massenkultur, teure Clubs f&uuml;r Reiche, Radio&#8209; und Fernsehunterhaltung f&uuml;r Arme. Wie sieht das in Brasilien aus? </em><br />
Es gibt auch hier eine Zwei-Klassen-Kultur. Gl&uuml;cklicherweise, kann man sagen, versuchen aber die Reichen einen westlichen Stil zu kopieren, der &uuml;berhaupt nicht k&uuml;nstlerisch oder kulturell attraktiv ist. Die Partys hier sind mit den deutschen Gro&szlig;raumdiskotheken vergleichbar. Gleichzeitig wird die gute Musik noch in den Favelas gespielt, aber ohne sich der widerst&auml;ndigen Tradition dieser Musik bewusst zu sein; nun versucht eine neue kulturelle Avantgarde diese Tradition zu retten, auch gegen den Zugriff der brasilianischen Kulturindustrie, die den Marktwert dieser Musik l&auml;ngst erkannt hat. &raquo;Und ewig stampft die Jazzmaschine&laquo;, schreiben Adorno und Horkheimer &uuml;ber die Kulturindustrie; diese von der kritischen Theorie so gescholtene Jazzmaschine stampft nicht nur, sondern spielt auch eine leise Musik des unscheinbaren Widerstands: Samba. </p>
<p><em>ND: Kultureller Widerstand hat in Europa zumeist mit Subkulturen oder dem so genannten Popdiskurs zu tun. Wie ist das f&uuml;r Brasilien zu verstehen? </em><br />
Neben den eben erw&auml;hnten Versuchen einer am Samba orientierten Gegenkultur gibt es durchaus Subkulturen im Sinne von Fan-Gruppen. Die aus Belo Horizonte stammende Metalband Sepultura ist weltbekannt und erfolgreich. Es gibt auch hier Punk oder elektronische Musik. Das sind aber eher Nischen innerhalb der Kulturindustrie. Wirkliche Jugendbewegungen, von den 68-ern einmal abgesehen, existieren in Brasilien nicht. Einen Popdiskurs, wie ich ihn in Deutschland etwa im Zusammenhang mit Gruppen wie Blumfeld oder Goldene Zitronen erlebt habe, gibt es hier nicht; es gibt allerdings einen sehr konformistischen, kulturindustriellen Musikjournalismus &ndash; wie in Deutschland. </p>
<p><em>ND: Verteidiger der Massenkultur heben ihre demokratische Funktion hervor&hellip; </em><br />
Massenkultur wie auch das politische System der Demokratie geh&ouml;ren zu einem Kapitalismus, der auf Unterdr&uuml;ckung menschlicher Verm&ouml;gen basiert; insofern kann ich dieser These schon theoretisch nicht zustimmen. Als Ausl&auml;nder in Deutschland war ich zudem mit den praktischen Erfolgen dieser demokratischen Kultur konfrontiert, hatte des &Ouml;fteren mit Diskriminierungen und Rassismus, auch mit neonazistischen Jugendlichen zu tun. Ich w&uuml;rde mit Blick auf Brasilien sagen, die Massenkultur bietet gerade unter repressiven Bedingungen die Chance, mit k&uuml;nstlerischen Mitteln Demokratie einzufordern und diese in einer solidarischen Alltagskultur auch zu praktizieren. Das habe ich in Deutschland nur in wenigen subkulturellen Zirkeln erleben k&ouml;nnen. </p>
<p><em>ND: Daneben, oder besser als eine Art zweiter &Uuml;berbau, existiert also doch eine alles nivellierende globale Kulturindustrie? </em><br />
Im &ouml;konomischen Sinne: ja. Die Plattenfirmen, die Musikindustrie, die Medienkonzerne sind in Brasilien dieselben wie in Europa; der VW K&auml;fer, ein gro&szlig;es Symbol der Massenkultur f&uuml;r Deutschland &ndash; so viel ich wei&szlig;, von den Nazis eingef&uuml;hrt &ndash; eroberte den brasilianischen Markt w&auml;hrend der Milit&auml;rdiktatur&#8230; Wenn von den &ouml;konomischen Bedingungen der globalen Kulturindustrie gesprochen wird, muss auch von den kulturellen Produktionsverh&auml;ltnissen die Rede sein: Wie leben also die Angestellten der Kulturindustrie, und wer ist &uuml;berhaupt angestellt? Zur deutschen Popgesellschaft scheint zu geh&ouml;ren, dass viele, die in Plattenfirmen oder der Medienindustrie arbeiten, wirklich glauben, eine subversive Kultur bestimmen zu k&ouml;nnen. Das geht bis zu der Allianz zwischen der sozialdemokratischen Regierung und deutschen Musikern wie Heinz-Rudolf Kunze oder Pur. Das halte ich f&uuml;r eine ganz gef&auml;hrliche politische Illusion des Pop, die es in Brasilien seit der Milit&auml;rregierung in einigen Varianten reaktion&auml;rer und stumpfer Rockmusik gibt. Heute sind dies unterschiedliche Richtungen wie Pagode, Ax&eacute; oder Rock Brasil, die jeweils glauben, von der Kulturindustrie unabh&auml;ngig zu sein und sich gegenseitig Ausverkauf vorwerfen. Tats&auml;chlich sind dies alles Produkte der Kulturindustrie. </p>
<p><em>ND: K&ouml;nnen wir also an der heterogenen Massenkultur in Brasilien sehen, dass alle Subkulturen letztlich Teile der Kulturindustrie sind? </em><br />
Ja, und ich gehe mit Adorno sogar soweit zu sagen, dass selbst ich als vermeintlich subkultureller Kritiker der Kulturindustrie bereits in ihrer Logik operiere.<br />
(ND 20.04.02)<br />
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		<pubDate>Fri, 27 Jun 2008 19:07:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<title>Das weisse Lauschen</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jun 2008 11:57:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Mittwoch, 23. Juli 2008, l&#228;uft auf DRS 2 von 20.00 bis 21:00&#160;Uhr: »Das weisse Lauschen«&#160;&#8230; ein H&#246;rspiel-Gespr&#228;ch zwischen Sven Opitz und Roger Behrens. Hier gibt es Informationen zur Sendung&#160;&#8230;]]></description>
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