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	<title>Roger Behrens &#187; Musikindustrie</title>
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	<description>Mein digitales Wohnzimmer</description>
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		<title>&#187;Kick out the Jams&#171;</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 21:06:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fortschritt und Zerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Kritische Theorie]]></category>
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		<description><![CDATA[›Kick out the Jams, …‹ 
Vorläufige Notizen zu Pop, Protest und Politik. Ein Thesenpapier ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&rsaquo;Kick out the Jams, &hellip;&lsaquo;<br />
Vorl&auml;ufige Notizen zu Pop, Protest und Politik. Ein Thesenpapier </p>
<p>Als PDF: <a href="http://vg02.met.vgwort.de/na/f315d2184240824c9fcfcaa0b7ca60?l=http://txt.rogerbehrens.net/kickout.pdf" target="_blank">hier</a></p>
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		<title>Aus dem Paralleluniversum des Progressivrock</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 16:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Fortschritt und Zerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<description><![CDATA[<strong>Zum dreißigsten Bandjubiläum touren Yes einmal wieder in neuer Besetzung</strong>

Den meisten Hörern bedeutet die Gruppe Yes heute nicht mehr als ein Kuriosum. Einst als Superband des Progressivrock angesehen, werden sie heute hauptsächlich noch als Produzenten schrecklichen Kitsches erinnert - oder als begnadete Virtuosen. [<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/rezensionen/paralleluniversum/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum drei&szlig;igsten Bandjubil&auml;um touren Yes einmal wieder in neuer Besetzung</strong></p>
<p>Den meisten H&ouml;rern bedeutet die Gruppe Yes heute nicht mehr als ein Kuriosum. Einst als Superband des Progressivrock angesehen, werden sie heute haupts&auml;chlich noch als Produzenten schrecklichen Kitsches erinnert&#160;&#8211; oder als begnadete Virtuosen. Dies ist freilich vor allem dem exzentrischen Auftreten des Keyboarders Rick Wakeman zu danken. Tats&auml;chlich folgten die vermeintlichen Soli schon immer einem strengen Arrangement; Improvisationen irgendeiner Art waren in der Musik von Yes kaum jemals vorgesehen. Gerade die Keyboards wurden stets zur&uuml;ckhaltend, zwar tragend, aber selten melodief&uuml;hrend eingesetzt. Und der gr&ouml;&szlig;te Hit der Gruppe, »Owner of a Lonely Heart«, war ein stilistisch &auml;u&szlig;erst untypischer Popsong, der 1983 von Trevor Horn zum Erfolgsschlager zurechtproduziert wurde&#160;&#8211; zu einer Zeit, als der sonst pr&auml;gende Wakeman der Band gar nicht angeh&ouml;rte.</p>
<p>Denn ein st&auml;ndiger Personalwechsel hat das Erscheinungsbild von Yes immer gepr&auml;gt. Insgesamt kommt man auf vierzehn Musiker, die irgendwann einmal dazugeh&ouml;rt haben. Auch zum drei&szlig;igj&auml;hrigen Jubil&auml;um tourt die Band jetzt nicht nur mit neuem Tontr&auml;ger, sondern auch in einer neuen Besetzung: Chris Squire (Bass), Jon Anderson (Gesang), Steve Howe (Gitarre), Alan White (Schlagzeug) treten mit Billy Sherwood (Gitarre) und Igor Khoroshev (Keyboards) am heutigen Abend in der Columbiahalle auf. Die Versuche, ein Massenpublikum zu erreichen, hat die Band inzwischen jedoch wieder aufgegeben. Mit den beiden Doppel-CDs »Keys to Ascension« pr&auml;sentierten sie im letzten Jahr noch einmal ihr Repertoire aus den Siebzigern, von »Roundabout« &uuml;ber »Close to The Edge« bis »Awaken«. Diese Werkperiode ist bei den alten Fans zweifellos am beliebtesten. Wohl deswegen versucht auch das neue Konzeptwerk »The Ladder« &#8211;&#160;benannt nach einem Lennon/Ono-Album&#160;&#8211;, an alte Muster progressiver Rockmusik anzuschlie&szlig;en. Die St&uuml;cke sind wieder l&auml;nger geworden und f&uuml;llig instrumentiert. Zwar gibt es ein paar Weltmusik-Phrasen und es werden Bl&auml;ser eingesetzt, doch glaubt man beim H&ouml;ren, Yes h&auml;tten gerade jene musikalischen Entwicklungen vers&auml;umt, die sie selbst dereins inspirierten: Igor Khoroshev hat sich mit seinen Vorlieben f&uuml;r die Chemical Brothers und den Big Beat nicht durchsetzen k&ouml;nnen.</p>
<p>So bleibt das Innovativste ein spr&ouml;der Technoremix von »Owner of a Lonely Heart« (auf der 1999 ver&ouml;ffentlichten Doppel-CD »Friends and Relatives«). Ob dergleichen im Konzert zu h&ouml;ren sein wird, ist fraglich&#160;&#8211; wahrscheinlich wird »The Ladder« pr&auml;sentiert, sicher werden den Fans einige der klassischen Rockepen geboten: Eine gute Gelegenheit immerhin, noch einmal nachzuvollziehen, was den Reiz dieser Musik einst bestimmte&#160;&#8211; und weshalb das Unzeitige, fast Regressive sich gerade in den Art&#8209; und Progressivrock-Anspr&uuml;chen immer schon paradox eingeschlossen hat.</p>
<p>Man kann darin leicht Parallelen zur Sp&auml;tromantik wie zum Neoklassizismus erkennen. Beiden Epochen sind Yes geistig verbunden: Es ist kein Zufall, dass sie ihre Konzerte gern mit dem Finale aus Strawinskys »Feuervogel« er&ouml;ffnen. Yes kultivieren eine Melange aus Wiedert&auml;ufertum, Illusionismus und Gr&ouml;&szlig;enwahn&#160;&#8211; christliche Mystik umrahmt ein Geflecht aus musikalischen Einf&auml;llen und Klangeffekten. Selbst die Zwanzigminutenst&uuml;cke gebrauchen in ihren zentralen Passagen nicht mehr als drei oder vier Akkorde. Und trotzdem hat keine andere Band so perfekt das Paralleluniversum einer vollst&auml;ndigen popkulturellen Utopie errichtet&#160;&#8211; einschlie&szlig;lich der bizarren Fantasielandschaften, die nach wie vor die CD-H&uuml;llen zieren.</p>
<p>Yes: The Ladder (Eagle Rec.); Friends and Relatives (Eagle Rec.); Keys to Ascension 1&#160;&#38;&#160;2 (Castle Com.); Something s Coming&#160;&#8211; The BBC-Recordings 1969&#8211;1970 (New Millennium Com.) Konzert: heute Abend um 20 Uhr in der Columbiahalle</p>
<p>Bandbiografie: Chris Welch: Close to The Edge. The Story of Yes. Omnibus Press, London 1999.&#160;280 S., 62,80 Mark</p>
<p>Roger Behrens | Artikel erschienen in der Berliner Zeitung, 16. M&auml;rz 2000<br />
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		<title>Die Jazzmaschine spielt Samba</title>
		<link>http://www.rogerbehrens.net/texte/interviews/jazzmaschine/</link>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 16:15:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Art into Life]]></category>
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		<category><![CDATA[Bossa Nova]]></category>
		<category><![CDATA[Disco é Cultura]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<description><![CDATA[<strong>Der Philosoph Eduardo Silva über die doppelte Kulturindustrie Brasiliens und die Unterschiede zur deutschen Popgesellschaft</strong>
Form und Inhalt sind zu unterscheiden: Formal ist Brasilien zum Beispiel von der Kulturindustrie der USA abhängig, aber inhaltlich zeigt sich eine eigenständige, wenn auch heterogene Kultur. Zunächst hat Brasilien, durch seine besondere Kolonialgeschichte, keine klassische bürgerliche Hochkultur, sondern eine traditionelle plurale Kultur – die sich aus europäischen, indianischen und afrikanischen Einflüssen zusammensetzt. Diese im Alltagsleben verankerte Kultur hat mittlerweile auch eine Industrie, weshalb von einer doppelten Kulturindustrie in Brasilien gesprochen werden kann: Eine industrielle westliche Mainstream-Kultur und der Versuch, das Traditionelle Brasiliens ökonomisch zu kulturindustriell geschehen ist, in Brasilien mit Chorinho oder Samba, der Musik aus den Armenvierteln, passierte. Deshalb, so meine ich, ergibt sich von Brasiliens Massenkultur aus ein anderer Blick auf die Kulturindustriethese der Kritischen Theorie.
 [<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/interviews/jazzmaschine/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Philosoph Eduardo Silva &uuml;ber die doppelte Kulturindustrie Brasiliens und die Unterschiede zur deutschen Popgesellschaft</strong></p>
<p>Eduardo Soares Neves Silva, geboren 1969 in S&atilde;o Paulo, Brasilien, verbrachte mit vier Jahren einige Zeit im Gef&auml;ngnis und wurde mit den Eltern ins Exil nach Frankreich gezwungen. Er studierte Philosophie in Campinas, Belo Horizonte und zuletzt in Weimar und forscht &uuml;ber Adornos &Auml;sthetik als Theorie der Massenkultur. Unser Autor Roger Behrens traf den Philosophen in Belo Horizonte und sprach mit ihm &uuml;ber Massenkultur und Diktatur, kritische Theorie in Brasilien und die Bossa-Nova-Mode in Deutschland.</p>
<p><em>ND: Brasiliens Massenkultur scheint der These einer globalen Kulturindustrie, wie sie Scott Lash formuliert, zu widersprechen: Wir finden hier eine widerspr&uuml;chliche, aber zugleich vom Westen unabh&auml;ngige Kultur. Au&szlig;erdem treten in Brasilien soziale Widerspr&uuml;che offener zutage, auch innerhalb des kulturellen Feldes. In gewisser Weise zeigt sich hier, was in Europa an Elend und Armut noch versteckt ist.</em><br />
Form und Inhalt sind zu unterscheiden: Formal ist Brasilien zum Beispiel von der Kulturindustrie der USA abh&auml;ngig, aber inhaltlich zeigt sich eine eigenst&auml;ndige, wenn auch heterogene Kultur. Zun&auml;chst hat Brasilien, durch seine besondere Kolonialgeschichte, keine klassische b&uuml;rgerliche Hochkultur, sondern eine traditionelle plurale Kultur &ndash; die sich aus europ&auml;ischen, indianischen und afrikanischen Einfl&uuml;ssen zusammensetzt. Diese im Alltagsleben verankerte Kultur hat mittlerweile auch eine Industrie, weshalb von einer doppelten Kulturindustrie in Brasilien gesprochen werden kann: Eine industrielle westliche Mainstream-Kultur und der Versuch, das Traditionelle Brasiliens &ouml;konomisch zu kulturindustriell geschehen ist, in Brasilien mit Chorinho oder Samba, der Musik aus den Armenvierteln, passierte. Deshalb, so meine ich, ergibt sich von Brasiliens Massenkultur aus ein anderer Blick auf die Kulturindustriethese der Kritischen Theorie. </p>
<p><em>ND: Der Anspruch auf eine multikulturelle Gesellschaft scheint in Europa weitgehend Ideologie zu sein. Mein Eindruck ist, dass Vielfalt und der Wunsch nach Neuem aber in der brasilianischen Kultur fest verankert sind. </em><br />
Stefan Zweig hat Brasilien einmal zu Recht als &raquo;Land der Zukunft&laquo; beschrieben; in dieser Weise stimmt vielleicht, weshalb bei uns auf der Fahne &raquo;ordem e progresso&laquo;, Ordnung und Fortschritt &ndash; &uuml;brigens ein Satz von Auguste Comte &ndash; steht. Das ist aber zugleich auch problematisch, weil Brasilien nie ein Land der Gegenwart war. Eine paradoxe Situation: Vieles, was die traditionelle Moderne in Europa kennzeichnet, zum Beispiel Rassismus oder ein militaristischer Nationalismus, geh&ouml;ren wenigstens nicht zur brasilianischen Moderne &ndash; aber zur faschistischen Milit&auml;rdiktatur, die versuchte, Brasilien mit Gewalt in die Gegenwart zu katapultieren. Gleichzeitig ist Brasilien auch ein Land der Vergangenheit mit traditionellen sozialen Beziehungen, was etwa die Bedeutung der Familie betrifft. Unsere Geschichte ist von sehr vielen Widerspr&uuml;chen gekennzeichnet: Zum Beispiel haben dieselben Jesuiten, die die Sklaverei und den Massenmord an den Indianern duldeten, schon vor vierhundert Jahren Pluralit&auml;t und Individualit&auml;t der Menschen verteidigt. In gewisser Hinsicht war unsere Moderne schon immer postmodern. Man kann dies auch an unserer Architektur sehen, die modern ist, aber nach europ&auml;ischen Ma&szlig;st&auml;ben als postmodern gelten muss. </p>
<p><em>ND: Das st&uuml;tzt das Bild, das in Europa von Brasilien verbreitet ist: ein fr&ouml;hliches und zufriedenes Land, gepr&auml;gt vom Karneval in Rio, tanzenden Menschen, Strand und Samba. </em><br />
Das ist freilich Unsinn; die global wachsende &ouml;konomische Stellung Brasiliens geht zulasten einer gr&ouml;&szlig;er werdenden, sich versch&auml;rfenden Armut. Karneval ist einmal im Jahr, ansonsten ist die brasilianische Kultur eher von einer Ruhe und Gelassenheit gepr&auml;gt. Samba ist eine ebenso zur&uuml;ckhaltende und traurige Musik wie zum Beispiel Bossa Nova. Auch dies eine paradoxe Situation: Je mehr sich die sozialen Widersp&uuml;che versch&auml;rfen, desto gr&ouml;&szlig;er scheint die Resignation zu sein, die Verh&auml;ltnisse nicht &auml;ndern zu k&ouml;nnen. In diesem Sinne ist die brasilianische Redewendung &raquo;H&aacute; sempre um jeito&laquo; &ndash; &raquo;Es gibt immer einen Trick&laquo; &ndash; gemeint: Dieser &raquo;Trick&laquo; ist kein Angriff auf die Zust&auml;nde, sondern eher eine Strategie, dem sozialen Druck standzuhalten, notfalls mit Gewalt. </p>
<p><em>ND: Eine melancholische Massenkultur, statt der aus Europa bekannten Spa&szlig;kultur? </em><br />
Ja, vielleicht. Bossa Nova ist auch schon als typischer Ausdruck des brasilianischen Modernismus beschrieben worden. Allerdings steckt in dieser Melancholie auch eine politische Frustration. Die Politik der Milit&auml;rregierung der Siebziger f&uuml;hrte zu einer Entpolitisierung &ndash; im Bossa Nova wird fast nur &uuml;ber Liebe gesungen, daneben gibt es eine schreckliche, offizielle Mainstreammusik: Das ist unsere Spa&szlig;kultur, durchaus. </p>
<p><em>ND: Ist Samba politischer? </em><br />
Die Sambamusik hat viel mit der politischen und &ouml;konomischen Entwicklung Brasiliens zu tun. Politisch ist Samba, weil sich in dieser Musik ein Alltag artikuliert, der von Unterdr&uuml;ckung und sozialer Not bestimmt ist. Samba h&auml;ngt wie der Jazz mit Sklaverei und Industrialisierung zusammen, nur dass in Brasilien das Ende der Sklaverei und die Industrialisierung in einen sehr engen, verdichteten Zeitraum gegen Ende des 19. Jahrhunderts zusammenfallen. So entstand in den drei&szlig;iger und vierziger Jahren eine Boheme, die es in Europa bereits ein Jahrhundert fr&uuml;her gab; und: Diese Boheme war nicht wirklich b&uuml;rgerlich, sondern in gewisser Weise eine industrielle Reservearmee, kulturelles Lumpenproletariat. Das f&uuml;hrte zur typischen Melancholie des Sambas. </p>
<p><em>ND: Ist das die Musik, die wir in Europa als Samba oder Bossa Nova kennen? </em><br />
Nein, denn es gibt mittlerweile die kulturindustrielle Variante von Samba, die einfach mit einem Elektrobeat versehen und so f&uuml;r den Weltmarkt kompatibel gemacht wird; ebenso gibt es Bossa Nova als Easy Listening. Das ist die brasilianische Mode, die in Europa derzeit Erfolge hat. Die Sambamusik der vierziger Jahre, die so genannte MPB (m&uacute;sica popular brasileira) der Siebziger und der Tropicalismo werden erst jetzt wieder entdeckt. </p>
<p><em>ND: Auch von europ&auml;ischen DJs? </em><br />
W&auml;hrend der Milit&auml;rregierung waren die fortschrittlichen K&uuml;nstler und Intellektuellen im Gef&auml;ngnis oder im Exil, wenn nicht im Ausland, so auf Grund der Zensur zumindest in einer Art &raquo;innerer Emigration&laquo;. Den Austausch zwischen brasilianischer und westlicher Massenkultur hat es damals schon gegeben. Auch unsere DJs erlernen gerne ihr Handwerkszeug in London, um dann europ&auml;ische Musik mit brasilianischer hier auf die Tanzfl&auml;che zu bringen. </p>
<p><em>ND: In Zeiten der Krise zeigt sich, dass die Massenkultur eine Illusion ist, weil sie gar nicht den Massen zur Verf&uuml;gung steht. So kommt es zu einer sozialen Differenzierung innerhalb der Massenkultur, teure Clubs f&uuml;r Reiche, Radio&#8209; und Fernsehunterhaltung f&uuml;r Arme. Wie sieht das in Brasilien aus? </em><br />
Es gibt auch hier eine Zwei-Klassen-Kultur. Gl&uuml;cklicherweise, kann man sagen, versuchen aber die Reichen einen westlichen Stil zu kopieren, der &uuml;berhaupt nicht k&uuml;nstlerisch oder kulturell attraktiv ist. Die Partys hier sind mit den deutschen Gro&szlig;raumdiskotheken vergleichbar. Gleichzeitig wird die gute Musik noch in den Favelas gespielt, aber ohne sich der widerst&auml;ndigen Tradition dieser Musik bewusst zu sein; nun versucht eine neue kulturelle Avantgarde diese Tradition zu retten, auch gegen den Zugriff der brasilianischen Kulturindustrie, die den Marktwert dieser Musik l&auml;ngst erkannt hat. &raquo;Und ewig stampft die Jazzmaschine&laquo;, schreiben Adorno und Horkheimer &uuml;ber die Kulturindustrie; diese von der kritischen Theorie so gescholtene Jazzmaschine stampft nicht nur, sondern spielt auch eine leise Musik des unscheinbaren Widerstands: Samba. </p>
<p><em>ND: Kultureller Widerstand hat in Europa zumeist mit Subkulturen oder dem so genannten Popdiskurs zu tun. Wie ist das f&uuml;r Brasilien zu verstehen? </em><br />
Neben den eben erw&auml;hnten Versuchen einer am Samba orientierten Gegenkultur gibt es durchaus Subkulturen im Sinne von Fan-Gruppen. Die aus Belo Horizonte stammende Metalband Sepultura ist weltbekannt und erfolgreich. Es gibt auch hier Punk oder elektronische Musik. Das sind aber eher Nischen innerhalb der Kulturindustrie. Wirkliche Jugendbewegungen, von den 68-ern einmal abgesehen, existieren in Brasilien nicht. Einen Popdiskurs, wie ich ihn in Deutschland etwa im Zusammenhang mit Gruppen wie Blumfeld oder Goldene Zitronen erlebt habe, gibt es hier nicht; es gibt allerdings einen sehr konformistischen, kulturindustriellen Musikjournalismus &ndash; wie in Deutschland. </p>
<p><em>ND: Verteidiger der Massenkultur heben ihre demokratische Funktion hervor&hellip; </em><br />
Massenkultur wie auch das politische System der Demokratie geh&ouml;ren zu einem Kapitalismus, der auf Unterdr&uuml;ckung menschlicher Verm&ouml;gen basiert; insofern kann ich dieser These schon theoretisch nicht zustimmen. Als Ausl&auml;nder in Deutschland war ich zudem mit den praktischen Erfolgen dieser demokratischen Kultur konfrontiert, hatte des &Ouml;fteren mit Diskriminierungen und Rassismus, auch mit neonazistischen Jugendlichen zu tun. Ich w&uuml;rde mit Blick auf Brasilien sagen, die Massenkultur bietet gerade unter repressiven Bedingungen die Chance, mit k&uuml;nstlerischen Mitteln Demokratie einzufordern und diese in einer solidarischen Alltagskultur auch zu praktizieren. Das habe ich in Deutschland nur in wenigen subkulturellen Zirkeln erleben k&ouml;nnen. </p>
<p><em>ND: Daneben, oder besser als eine Art zweiter &Uuml;berbau, existiert also doch eine alles nivellierende globale Kulturindustrie? </em><br />
Im &ouml;konomischen Sinne: ja. Die Plattenfirmen, die Musikindustrie, die Medienkonzerne sind in Brasilien dieselben wie in Europa; der VW K&auml;fer, ein gro&szlig;es Symbol der Massenkultur f&uuml;r Deutschland &ndash; so viel ich wei&szlig;, von den Nazis eingef&uuml;hrt &ndash; eroberte den brasilianischen Markt w&auml;hrend der Milit&auml;rdiktatur&#8230; Wenn von den &ouml;konomischen Bedingungen der globalen Kulturindustrie gesprochen wird, muss auch von den kulturellen Produktionsverh&auml;ltnissen die Rede sein: Wie leben also die Angestellten der Kulturindustrie, und wer ist &uuml;berhaupt angestellt? Zur deutschen Popgesellschaft scheint zu geh&ouml;ren, dass viele, die in Plattenfirmen oder der Medienindustrie arbeiten, wirklich glauben, eine subversive Kultur bestimmen zu k&ouml;nnen. Das geht bis zu der Allianz zwischen der sozialdemokratischen Regierung und deutschen Musikern wie Heinz-Rudolf Kunze oder Pur. Das halte ich f&uuml;r eine ganz gef&auml;hrliche politische Illusion des Pop, die es in Brasilien seit der Milit&auml;rregierung in einigen Varianten reaktion&auml;rer und stumpfer Rockmusik gibt. Heute sind dies unterschiedliche Richtungen wie Pagode, Ax&eacute; oder Rock Brasil, die jeweils glauben, von der Kulturindustrie unabh&auml;ngig zu sein und sich gegenseitig Ausverkauf vorwerfen. Tats&auml;chlich sind dies alles Produkte der Kulturindustrie. </p>
<p><em>ND: K&ouml;nnen wir also an der heterogenen Massenkultur in Brasilien sehen, dass alle Subkulturen letztlich Teile der Kulturindustrie sind? </em><br />
Ja, und ich gehe mit Adorno sogar soweit zu sagen, dass selbst ich als vermeintlich subkultureller Kritiker der Kulturindustrie bereits in ihrer Logik operiere.<br />
(ND 20.04.02)<br />
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		<title>Autonomes Krisengebiet</title>
		<link>http://www.rogerbehrens.net/texte/artikel/autonomes-krisengebiet/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Feb 2008 08:57:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Jungle World]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ob die Musikindustrie durch ihre Verluste wirklich in die Krise geraten ist, ist eine Frage. Die andere ist, ob der Verlust der Autonomie der Musik zu einer Krise der Musik selbst geführt hat. (Jungle World 6/2008)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ob die Musikindustrie durch ihre Verluste wirklich in die Krise geraten ist, ist eine Frage. Die andere ist, ob der Verlust der Autonomie der Musik zu einer Krise der Musik selbst gef&uuml;hrt hat.</strong></p>
<p>Die Rede von einer Krise der Musikindustrie bezieht sich auf ein ganz bestimmtes Segment der Kulturwarenproduktion, &uuml;ber das sich die Branche in den vergangenen f&uuml;nf Jahrzehnten definier&shy;te: Es geht um Tontr&auml;ger. Popmusik &ndash; die ohnehin als identisch mit Popkultur gilt &ndash; wird dabei weit&shy;gehend synonym mit den verschiedenen Zweigen des Tontr&auml;germarktes gesetzt.</p>
<p>In den Ph&auml;nomenen, die gegenw&auml;rtig die Krise charakterisieren &ndash; Konkurs vieler Labels und Ver&shy;triebe, R&uuml;ckgang der Plattenverk&auml;ufe, Umsatz&shy;einbu&szlig;en durch MP3-Downloads, schlecht besuch&shy;te Konzerte etc. &ndash;, spiegelt sich ein grunds&auml;tzlicher Umw&auml;lzungsprozess der Kultur. Nicht nur das individuelle H&ouml;rverhalten hat sich ver&auml;ndert, sondern &raquo;Musik&laquo; scheint ihre kulturelle Bedeutung zu verlieren. So sind die Jugendkulturen, die einmal das Musikleben bestimmt haben, fast ganz verschwunden; selbst im Bereich der nach wie vor falsch als &raquo;Klassik&laquo; bezeichneten Musik sind dereinst stabile Geschmacks&shy;gruppen kollabiert; den &raquo;Fan&laquo; &ndash; der vor Jahrzehnten einmal als Experte des komplexen Jazz entstand &ndash; gibt es heute nur noch als Kindermob, der Castingbands hinterherkreischt.</p>
<p>In den &ouml;ffentlich gef&uuml;hrten Debatten um die Krise der Musikindustrie wird &uuml;ber die Musik selbst kaum gesprochen. Es scheint, als ver&auml;ndere sich nicht nur das H&ouml;rverhalten, sondern auch das &raquo;H&ouml;ren&laquo; als spezifischer Umgang mit &raquo;Musik&laquo; wird sukzessive au&szlig;er Kraft gesetzt. Die Rezi&shy;pien&shy;ten sind vollends zu Konsumenten geworden. Vom Geschmacksurteilsverm&ouml;gen ist ein Reiz-Reak&shy;tions-Schema &uuml;brig geblieben, wonach &raquo;Mu&shy;sik&laquo; nur noch als akustisches Signal wiedererkannt wird: Klingelt&ouml;ne geben hier das Prinzip vor.</p>
<p>Zur Disposition steht &ndash; deswegen die Anf&uuml;hrungszeichen &ndash;, ob sich hier nicht ein Ende der Musik selbst ank&uuml;ndigt, eine Entmusikalisierung der Musik. Hinzu kommt, dass die Rede von der Krise der Musikindustrie sowieso in zweierlei Hinsicht fragw&uuml;rdig ist.</p>
<p>Zum einen hat die Musikindustrie, sofern sie denn &uuml;berhaupt als Branche fassbar ist, seit ihren Anf&auml;ngen technische Entwicklungen vollzogen, die zum Resultat haben, dass mitunter dieselben Firmen, die sich jetzt vom Umsatzr&uuml;ckgang bedroht sehen, enorme Profite in genau den Bereichen zu verzeichnen haben, die f&uuml;r die Krise verantwortlich gemacht werden: Angesichts der Ver&shy;kaufszahlen von Musik reproduzierender Unterhaltungselektronik (MP3-Player, Computer, CD-Rohlinge, Mobiltelefone, etc.) kann wohl kaum ernsthaft von einer Krise der Musikindustrie gesprochen werden.</p>
<p>Zum anderen &ndash; und das ist der f&uuml;r unsere &Uuml;ber&shy;legungen wichtigere Aspekt &ndash; steht die Krise der Musikindustrie im merkw&uuml;rdigen Kontrast zum fortlaufenden Boom des Kunstmarktes: Das alte Modell ist der Musiker Lars Ulrich, der &ndash; wie in dem sch&ouml;nen Metallica-Film &raquo;Some Kind of Mons&shy;ter&laquo; zu sehen ist &ndash; f&uuml;r mehrere Millionen seine Basquiat-Bilder verkauft; das neue Modell ist der Maler Daniel Richter, der das Buback-Label gekauft hat, Jan Delay und die Goldenen Zitronen finanziert.</p>
<p>Diese Entwicklung hat ihre Ursachen im grund&shy;s&auml;tzlichen Verh&auml;ltnis von Kunst, Kunstwerk und Kunstware, das sich sp&auml;testens seit den Zeiten der Kulturindustrie in der Musik anders entfaltete als in der Bildenden Kunst. Die Schl&uuml;sselkategorie ist hier der Begriff der Autonomie.</p>
<p>Die Autonomie der Kunst ist Moment ihrer Eman&shy;zipation von den Abh&auml;ngigkeiten der vorb&uuml;rger&shy;lichen Gesellschaft, von Hof und Kirche. Die Idee der Autonomie der Kunst korrespondiert mit dem Entwurf eines autonomen Subjekts, das &ndash; dem Ideal der Aufkl&auml;rung folgend &ndash; die empha&shy;tische Selbstbestimmung meint; gleichzeitig wird die Kunst zunehmend zum einzigen Ort, an dem das autonome Subjekt sich &uuml;berhaupt verwirklichen kann &ndash; als K&uuml;nstler. Derart wird Autonomie zur Qualit&auml;t einer geschlossenen Einheit des Kunstwerkes, wobei zur Autonomie der Kunst ihr Wahrheitsgehalt geh&ouml;rt, der auf Erkenntnis zielt. Hieraus leitet sich die gesamte &raquo;Ideologie des &Auml;sthetischen&laquo; (Terry Eagleton) ab, die den Kunstbegriff und den Kunstbetrieb im b&uuml;rgerlichen Zeitalter kennzeichnet.</p>
<p>Denn die &Auml;sthetik der Autonomie ist nur m&ouml;glich, wo sich ein eigenst&auml;ndiger Kunstmarkt herausbildet. Die &raquo;Zweckm&auml;&szlig;igkeit ohne Zweck&laquo; (Kant), die als Grundsatz der Autonomie&#8209;&Auml;sthetik gelten kann, wird im Kunstwerk dadurch gerettet, dass der gesellschaftliche Zweck der Kunst vom Werk selbst abgespalten wird; erst wo die Kunst zur Ware wird, kann sie eine Form der Auto&shy;nomie realisieren, die paradoxerweise darin besteht, die Unabh&auml;ngigkeit vom &ouml;konomischen Markt zu deklarieren. Damit verdoppelt sich in der Kunst der von Marx beschriebene Fetischcharakter der Ware.</p>
<p>F&uuml;r die Musik hatte das besondere Konsequenzen, weil hier ohnehin die Frage des Originals (Was ist das Original der Musik? Die Komposi&shy;tion oder die Interpretation? Die Partitur, die Urauff&uuml;hrung, die erste Aufnahme?) im Raum stand, &auml;sthetisch, aber auch juristisch im Sinne des Urheberrechts.</p>
<p>Inwiefern hier einzelne Probleme nicht vom Gesamtkomplex musikalischer Produktion abgespalten werden k&ouml;nnen, kann folgende Anekdote verdeutlichen, die als Antizipation heutiger Urheberrechtsdebatten gelten kann: Der Erfinder Johann Nepomuk M&auml;lzel konstruierte 1805 sein Panharmonicum, eine mit einer Notenwalze funk&shy;tionierende Musikmaschine. Beethoven kom&shy;ponierte f&uuml;r diesen Apparat &raquo;Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria&laquo; (op.&#160;91). Allerdings war die Komposition mechanisch nicht realisierbar, weshalb M&auml;lzel Beethoven zur Orchesterfassung riet, die dann im Dezember 1813 in Wien bei einem Benefizkonzert f&uuml;r invalide Soldaten aufgef&uuml;hrt wurde. Gerade weil das Konzert ein au&szlig;erordentlicher Erfolg f&uuml;r beide war, kam es zu einem heftigen, gerichtlichen Streit &uuml;ber die Eigentumsrechte, der erst einige Jahre sp&auml;ter bei&shy;gelegt werden konnte.</p>
<p>Bezeichnend an diesem Beispiel ist, inwiefern die Technik als produktiver Faktor das Verh&auml;ltnis von Autonomie und Markt irritiert: Der Nichtmusiker M&auml;lzel erfindet einen Musikapparat und reklamiert das Recht an der Kunst aus &ouml;konomischen Gr&uuml;nden. Das Kunstwerk tritt jetzt ins Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit ein, wie es &uuml;ber ein Jahrhundert sp&auml;ter Walter Ben&shy;jamin diagnostiziert.</p>
<p>Auf keine der klassischen Kunstformen hat die Massenproduktion gerade im Hinblick auf die Technik einen solch enormen Effekt gehabt wie auf die Musik; selbst die Folgen f&uuml;r die Literatur sind angesichts der technischen Umw&auml;lzungen, die das Musikleben in den vergangenen 200 Jahren erfahren hat, vergleichsweise sp&auml;rlich. Doch die Massenproduktion hat nicht nur technische Folgen f&uuml;r die Musik: Schon 1851 wird in Frankreich eine Verwertungsgesellschaft als Interessenvertretung f&uuml;r Musikproduzenten gegr&uuml;ndet.&#160;1902 tritt in Deutschland das &raquo;Urheberrecht an Werken der Literatur und Tonkunst&laquo; in Kraft; 1903 wird die Anstalt f&uuml;r musikalische Auff&uuml;hrungsrechte (AFMA) gegr&uuml;ndet. In Wien formiert Arnold Sch&ouml;nberg 1904 den Verein schaffender Tonk&uuml;nst&shy;ler (zum Vergleich: Der Deutsche Werkbund wird erst 1907 gegr&uuml;ndet). Durch die Verbreitung der Radiomusik wird 1914 in New York die ASCAP (American Society of Composers, Authors and Pu&shy;blishers) ins Leben gerufen. Sie steht auch im Zusammenhang mit der Sheet Music: einzelnen Notenheften, die von den Musikverlagen der New Yorker Tin Pan Alley herausgegeben wurden. Nach 1930 verliert die Sheet Music an Bedeutung, weil sich durch die Entwicklung der Plattenindustrie eine neue Musikkultur formiert: Rock&rsquo;n&rsquo;Roll.</p>
<p>Der Rock&rsquo;n&rsquo;Roll definiert Popkultur als Popmusik: Sie muss sich nicht mehr als autonome Kunst gegen den Kommerz verteidigen, sondern macht aus dem Bekenntnis zum &ouml;konomischen Markt ihr offensives &auml;sthetisches Programm. Ist in der Kulturindustrie alle Kultur Ware, so wird mit der Popkultur alle Ware zur Kultur. Das, was heute als &raquo;Musik&laquo; gilt, hat sich verselbst&auml;ndigt. Man redet &uuml;ber &raquo;die Musik&laquo; als Ganzes und meint damit lediglich den &ouml;konomischen Sektor, bei dem die Rolling Stones, Madonna, Silbermond oder Beyonce nur noch als austauschbare Platzhalter f&uuml;r die Ware Tontr&auml;ger funktionieren.</p>
<p>Allerdings geht es um mehr als die vermeintliche Krise der Musikindustrie. Man kann es als folgende Gro&szlig;these formulieren: So wie das Automobil die fordistische &Auml;ra als spezifische Ware markiert, kann der Tontr&auml;ger als signifikante Ware des Postfordismus gelten. Nun w&auml;re zu fragen, ob sich mit dem Verschwinden der Tontr&auml;ger der Postfordismus in eine neue Stufe der Wert&shy;vergesellschaftung aufl&ouml;st. Das h&auml;tte vor allem Konsequenzen f&uuml;r den Menschen als Individuum, was schon im Postfordismus eine Idee war, die sich bereits mit dem Fordismus zersetzt hat. Hier ist die Krise.</p>
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