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	<title>Roger Behrens &#187; Negative Dialektik</title>
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		<title>Quais s&#227;o seus principais interesses?</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 13:11:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Quais são seus principais interesses teóricos e práticos atuais? 
Uma entrevista com <a href="http://www.sinaldemenos.org/" target="_blank">sinal de menos</a>.

Aqui: <a href="http://txt.rogerbehrens.net/entrevista.pdf" target="_blank">PDF</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Quais s&atilde;o seus principais interesses te&oacute;ricos e pr&aacute;ticos atuais?<br />
Uma entrevista com <a href="http://www.sinaldemenos.org/" target="_blank">sinal de menos</a>.</p>
<p>Aqui: <a href="http://txt.rogerbehrens.net/entrevista.pdf" target="_blank">PDF</a>.</p>
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		<title>Die Ungleichzeitigkeit des realen Humanismus</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 22:02:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Dialektik]]></category>
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		<description><![CDATA[Konsequenzen, Experimente und Montagen in kritischer Theorie
Eine kritische Theorie ist heute nur fortzusetzen, wenn sie ihren praktischen Handlungsraum erweitert und sich an den urspr&#252;nglichen Auftrag erinnert, soziale Unrechtszust&#228;nde zu hinterfragen, und wenn jenseits aller Verh&#228;rtungen unter dem Namen einer kritischen Theorie erst einmal alle sozial&#8209; und kulturphilosophischen Ans&#228;tze versammelt und diskutiert werden, die f&#252;r sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Konsequenzen, Experimente und Montagen in kritischer Theorie</strong></p>
<p>Eine kritische Theorie ist heute nur fortzusetzen, wenn sie ihren praktischen Handlungsraum erweitert und sich an den urspr&uuml;nglichen Auftrag erinnert, soziale Unrechtszust&auml;nde zu hinterfragen, und wenn jenseits aller Verh&auml;rtungen unter dem Namen einer kritischen Theorie erst einmal alle sozial&#8209; und kulturphilosophischen Ans&auml;tze versammelt und diskutiert werden, die f&uuml;r sich einen kritischen Standpunkt beanspruchen. Nicht l&auml;nger kann es darum gehen, unter kritischer Theorie lediglich eine Schule zu verstehen, die solange von nicht begr&uuml;ndbaren Fragestellungen abr&uuml;ckt, bis sie zwar ihre normativen Grundlagen ausweisen kann, selbst aber im Zustand sozialer Belanglosigkeit verharrt. Auch sollte das Feld der Gesellschaftskritik nicht jenen &uuml;berlassen werden, die unter modischen Vorzeichen lautstark &uuml;ber Symptome diskutieren, um die Ursachen zu verschweigen.</p>
<p>Diese Aufsatzsammlung versucht sich an einer Aktualisierung von kritischer Theorie aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei im Zentrum die grunds&auml;tzliche Frage steht, wie und wo kritische Theorie heute noch m&ouml;glich ist. Erinnert werden soll an das urspr&uuml;ngliche Programm eines realen Humanismus, wie es von Marx und Engels formuliert und von verschiedenen sozialphilosophischen Ans&auml;tze weitergedacht wurde. So werden M&ouml;glichkeiten diskutiert, inwieweit Michel Foucaults Philosophie mit der kritischen Theorie Adornos, Horkheimers und vor allem Walter Benjamins vereinbar und erweiterbar ist. Anhand einiger Probleme, die gegenw&auml;rtig und zuk&uuml;nftig weltweit die Existenz der Menschheit betreffen, wird die Reichweite der Technikkritik G&uuml;nther Anders im Vergleich mit postmodernen Ans&auml;tzen diskutiert; im selben Kontext wird Blochs Begriff des »Multiversums« stark gemacht, mit dem philosophisch in die Debatten um Interkulturalit&auml;t einzugreifen ist. Sozialpsychologische Fragen, die in einer mehr und mehr vom Konsumzwang, Konkurrenz und Leistungsdruck gepr&auml;gten Gesellschaft virulent sind, werden bez&uuml;glich der Freud-Rezeption von Herbert Marcuse er&ouml;rtert. Als Beitrag zur Subjektproblematik versteht sich ein Vergleich zwischen Franz Kafkas und Woody Allens Arbeiten auf Basis von &Uuml;berlegungen Adornos. Der Aufsatzband wird durch eine Untersuchung der Freudschen Raummetaphorik sowie eine Studie zum humanistisch-atheistischen Gottesbegriff von Erich Fromm abgerundet.<br />
[Junghans Verlag: Dartford und Cuxhaven 1996]</p>
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		<title>Drei Anmerkungen zur Poplinken &#8211; Maxiversion</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 16:32:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Art into Life]]></category>
		<category><![CDATA[Fortschritt und Zerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Negative Dialektik]]></category>
		<category><![CDATA[Poplinke]]></category>

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		<description><![CDATA[Was unter dem Vorzeichen, dass es keine Linke mehr gäbe, ›links‹ zu Beginn des nächsten Jahrhunderts bedeuten könnte, erzwingt die Frage nach der Zerfallsgeschichte der Linken im 20. Jahrhundert. Was die Linke im 20. Jahrhundert erreicht – oder besser nicht erreicht – hat, verlangt mehr als die geübte Selbstkritik an politischen Strategiefehlern. Dass die Revolution nicht stattfand, lag nicht an der mangelnden Mobilisierung oder an den falschen Parolen. (HH19/2000) 
[<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/artikel/poplinken/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vorbemerkung (&#8544;): In der HH19 ist nicht nur eine gek&uuml;rzte Version des eigentlich gemeinten Beitrags erschienen; der beschr&auml;nkte Platz hat auch die urspr&uuml;ngliche Absicht, den Topos der Kultur&#8209; oder Poplinken mehrfach auf seine geschichtlichen Bedingungen hin zu reflektieren, auf die gerade so problematische Selbstreferenzialit&auml;t der Poplinken reduziert. Die Poplinke ist das fortgeschrittene Stadium der Kulturlinken; sie verweist auf die Geschichte, auf die die Kulturlinke mittlerweile zur&uuml;ckblicken kann. &rsaquo;Eine eigene Geschichte/Aus reiner Gegenwart/sammelt und stapelt sich &hellip;&lsaquo; Diese Geschichte lebt allerdings von Selbstbezug und&#160;&#8211;bezeugung, ist &rsaquo;Kulturgeschichte&lsaquo; &ndash; mithin ma&szlig;geblich der Reflex auf die Strukturver&auml;nderungen der Massenkultur und des durch sie vermeintlich bedingten Wandels des Sozialen. Will sagen: die Kulturlinke thematisiert zwar die Gegenw&auml;rtigkeit einer Kulturindustrie, blendet jedoch die Dialektik der Aufkl&auml;rung, die dieses Jahrhundert bezeichnet, aus. Das Soziale und Politische erlebt sie gefiltert durch die Kultur: die abstrakten Mechanismen der Repression werden als solche der Alltagskultur wahrgenommen, aus dem Blickwinkel der Nische in der Popkultur; die konkrete Gewalt &ndash; etwa in Form des Krieges &ndash; wird Thema der Kritik, wenn sie als Ph&auml;nomen des Pop kritisiert werden kann, wo der Krieg bereits als Popereignis erscheint. Durchaus ist die Poplinke sensibel f&uuml;r die historische Gewalt, die auf diesem Jahrhundert lastet; das Verh&auml;ltnis, welches die Poplinke zu ihr gewinnt, ist aber eines von &rsaquo;Interesse&lsaquo; &ndash; nur wo solche Gewalt unmittelbar in den Erfahrungshorizont der Gegenwart hineinreicht, wird sie zur Kenntnis genommen. F&uuml;r eine Gegenwartsdiagnose m&ouml;gen die Konzepte von Normierungsmacht und Kontrollgesellschaft nutzbar sein; um Auschwitz zu denken, fehlt ihnen die Reichweite. So verblasst Vergangenheit zum Geschichtszeichen. Gegen Adornos Diktum aus der &rsaquo;Negativen Dialektik&lsaquo;, wonach alle Kultur nach Auschwitz M&uuml;ll sei, samt der Kritik an ihr, erweist sich Popkultur insgesamt als immun &ndash; sie gilt, gleich ob Mainstream oder Subkultur, als Nachkriegserscheinung, postfaschistisch. Dabei steckt in Adornos Satz der Verdacht, der nicht krude abzuschlagen ist: Pop hat seine Urgeschichte im 19. Jahrhundert (wie der Sp&auml;tkapitalismus &uuml;berhaupt); die soziale Funktion der Kultur als Kitt entfaltete der Nationalsozialismus ebenso gekonnt wie die Massendemokratie. Dass Pop die reine Kultur ist, die Adorno als M&uuml;ll bezeichnete, ber&uuml;hrt Reflexionsebenen, die in der Poplinken nicht vorgesehen sind. &Uuml;berhaupt ist in der Kulturlinken der Begriff &rsaquo;Kultur&lsaquo; so fragw&uuml;rdig wie jener der &rsaquo;Linken&lsaquo;. Er ist n&auml;mlich zun&auml;chst ein b&uuml;rgerlicher, abgezogen vom Verst&auml;ndnis der &rsaquo;affirmativen Kultur&lsaquo;, die sich als Reich des sch&ouml;nen Scheins gegen die harte soziale Wirklichkeit setzt. Nur dass im Pop dieser Schein noch heller strahlt, weit in den Alltag hinein. An der Popkultur interessiert offenbar ihre identifikatorische Kraft, nicht die negatorische Seite der Kultur. Auch deshalb kann die Kulturlinke weitgehend aussparen, dass bereits bei den Fr&uuml;hsozialisten die Kulturfrage selbstverst&auml;ndlich f&uuml;r die emanzipatorische Bewegung als konstitutiv galt (der Rekurs auf Robespierre und den &rsaquo;Wohlfahrtsausschuss&lsaquo; Anfang der Neunziger erscheint bisweilen selbst nur als popistisches Kokettieren mit dem geschichtlichen Problembezug). Es hat sp&auml;rliche Versuche gegeben, Gramscis Kulturtheorie poplinks zu wenden; einige ber&uuml;hren psychoanalytische Kulturtheorien, dann von Lacan inspiriert; heute steht Bourdieu und seine Soziologie der symbolischen Formen hoch im Kurs. Was aber eine linke Kulturpraxis einschlie&szlig;en m&uuml;sste, n&auml;mlich eine utopische Dimension der Kultur, negativ wie prospektiv, und das hei&szlig;t die praktische Entfaltung einer Kultur der Verweigerung als Aufhebung der Kultur, &ndash; das fehlt. Vielmehr besteht zwischen Kultur und Links-Sein so etwas wie eine enharmonische Verwechslung, wird das eine im anderen abgebildet, identifiziert, also gleichgemacht, trotz aller postmodernistischen Rede von der Differenz.</p>
<p>Vorbemerkung (&#8545;): &rsaquo;Ein Werk, das die richtige Tendenz aufweist, braucht keine weitere Qualit&auml;t aufzuweisen. Man kann auch diskretieren: ein Werk, das die richtige Tendenz aufweist, muss notwendig jede sonstige Qualit&auml;t aufweisen.&lsaquo; Letztere Position sagt: Der blo&szlig; politische Popsong reicht mitnichten. Der Autor dieses Zitats meinte beileibe keine Popmusik, sondern politische Dichtung; Walter Benjamin griff mit diesen S&auml;tzen eine zentrale Figur der damaligen kulturpolitischen Debatte auf, kristallisert im Begriff der Tendenz &ndash; heute k&ouml;nnte man Parteinahme sagen. Es ging um Form, Inhalt und die dialektische Vermittlung von beiden; es ging um Fortschritt in der Kunst und eine Auseinandersetzung mit der b&uuml;rgerlichen Kultur; es ging um die Formulierung einer neuen Kultur und die Reflexion auf die soziale Stellung der K&uuml;nstler, eine Kritik der kulturellen Produktionsbedingungen und&#160;&#8211;verh&auml;ltnisse. &ndash; Die urspr&uuml;ngliche &Uuml;berschrift des Beitrags sollte nach einem Satz von Benjamin lauten: &rsaquo;Poplinks hatte noch alles sich zu entr&auml;tseln &ndash; Der Hedonismus und die Avantgarde.&lsaquo; Benjamin hatte 1930 folgendes allegorische &rsaquo;Denkbild&lsaquo; entworfen: &rsaquo;Die linken V&ouml;gel behielten gegen den Grund des erstorbenen Himmels etwas von ihrer Helle, blitzten mit jeder Wendung auf und unter, vertrugen oder mieden sich und schienen nicht aufzuh&ouml;ren, eine ununterbrochene, unabsehbare Folge von Zeichen, ein ganzes, uns&auml;glich ver&auml;nderliches, fl&uuml;chtiges Schwingengeflecht &ndash; ein lesbares &ndash; vor mich hinzuweben. Nur dass ich abglitt, um mich stets von neuem bei den andern zur&uuml;ckzufinden. Hier stand mir nichts bevor, nichts sprach zu mir &hellip; Links hatte noch alles sich zu entr&auml;tseln, und mein Geschick hing an jedem Wink &hellip;&lsaquo; Das stand zun&auml;chst als Motto da, ebenso wie die Zeilen aus Blumfelds &rsaquo;So lebe ich&lsaquo;: &rsaquo;&hellip; Ein freier Markt bewegt die Welt/besetzt die Nischen/&hellip;/regiert die Nacht/verteilt das Geld/Ein Widerstand mit andern Mitteln/&hellip;/Im Showgesch&auml;ft Gef&uuml;hle zeigen/Ein Protestsong von Geisterhand &hellip;&lsaquo; Und Schlagzeuger Andre Rattay sagt: &rsaquo;Links ist da, wo die Hi-Hat steht.&lsaquo;</p>
<p>1. Die besseren Partys</p>
<p>&rsaquo;Hier also, in dem Reiche des &auml;sthetischen Scheins, wird das Ideal der Gleichheit erf&uuml;llt, welches der Schw&auml;rmer so gern auch im Wesen nach realisiert sehen m&ouml;chte.&lsaquo; Friedrich Schiller, &rsaquo;&Uuml;ber die &auml;sthetische Erziehung des Menschen &hellip;&lsaquo;</p>
<p>Was unter dem Vorzeichen, dass es keine Linke mehr g&auml;be, &rsaquo;links&lsaquo; zu Beginn des n&auml;chsten Jahrhunderts bedeuten k&ouml;nnte, erzwingt die Frage nach der Zerfallsgeschichte der Linken im 20. Jahrhundert. Was die Linke im 20. Jahrhundert erreicht &ndash; oder besser nicht erreicht &ndash; hat, verlangt mehr als die ge&uuml;bte Selbstkritik an politischen Strategiefehlern. Dass die Revolution nicht stattfand, lag nicht an der mangelnden Mobilisierung oder an den falschen Parolen. Dass die Revolution nicht stattfand, lag vor allem &ndash; freilich von der &Uuml;bermacht des Feindes, den es zu besiegen galt, abgesehen &ndash; an einer Linken, die Nationalismus, Rassismus, Antisemistismus und Sexismus in den eigenen Reihen zulie&szlig;. Kurzum, obwohl das 20. Jahrhundert, angefangen mit dem sozialistischen Gro&szlig;experiment der Oktoberrevolution, im Zeichen der Linken &ndash; und das hei&szlig;t Humanisierung &ndash; der Welt zu stehen scheint, zeigt sich im R&uuml;ckblick, wie sehr oft genug die Linke ihr Gegenteil war.</p>
<p>Damit ist &uuml;brigens besonders die deutsche Linke hervorgetreten, bis hin zu ma&szlig;geblichen Wortf&uuml;hrern der 68er, die sich mittlerweile als Neue Rechte bekennen, nebst Zusatz, nie etwas anderes gemeint zu haben. &ndash; Die sogenannte Pop&#8209; oder Kulturlinke glaubte als politischen Fehler der Linken die Politik selbst zu erkennen und meinte die Politik zugunsten der Popkultur verwerfen zu k&ouml;nnen. Schon als Konzept einer immanenten Kritik der Linken ist das fraglich; derart allerdings doch wieder politische Kritik an der Rechten zu deklarieren, verkommt dies Konzept zur Trag&ouml;die (die Punkbewegung bis zur APPD) oder zur Farce (Schlingensiefs Versuch, mit Horst Mahler das b&uuml;rgerliche Theater zu dekonstruieren). Dar&uuml;ber hinaus liegt der Kulturlinken der doppelt merkw&uuml;rdige Befund zugrunde, wonach die traditionelle Linke keine ad&auml;quate Auseinandersetzung mit dem &rsaquo;kulturellen Feld&lsaquo; kannte, und die Politik sich dort einholen lie&szlig;e, wo die Politik des Sozialen sich in Kultur aufl&ouml;st &ndash; wenn alles Pop wird, dann ist poplinks auch politisch; und wenn Pop das Gemisch aus Party, Musik und Sex ist, dann proklamiert poplinks die besseren Parties, die bessere Musik, den besseren Sex. Diejenigen &ndash; wie etwa Diedrich Diederichsen &ndash;, die das als Konsens der Linken definiert haben wollten, nivellierten die Linke damit als Konkurrenzunternehmen zur Rechten, im Sinne des Attraktivit&auml;t, des Indentifikationsangebots f&uuml;r Jugendbewegungen. So betreibt man Jugendzentren, aber keine emanzipatorische Praxis.</p>
<p>Die Ablehnung der Politik zielte vor allem gegen die Lustfeindlichkeit der K-Gruppen und der Autonomen. Statt das Private zum Politischen zu machen, sollte die Politik privat werden: mit Hilfe postmoderner Versatzst&uuml;cke schrieb sich die Kulturlinke fast unbemerkt die modernsten Ziele auf ihre Fahnen: das autonome b&uuml;rgerliche Individuum. In der Wahrnehmung der Gesellschaft als vorrangig kulturelle, popistische Gro&szlig;veranstaltung reicht der subversive Widerstand des Individuums gegen die &rsaquo;Kontrollgesellschaft&lsaquo; (Gilles Deleuze), wie Mark Terkessidis und Tom Holert es vertreten, allerdings tats&auml;chlich nicht weiter als zur Beurteilung, ob man gerade auf der besseren Party ist oder nicht. Die Partykultur wird jedoch nicht zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift; ihr fehlt die Solidarit&auml;t, die sich nicht durch eine neue Freundlichkeit ersetzen l&auml;sst, wie Diederichsen es in der &rsaquo;Beute&lsaquo; vorschlug (Neue Folge, Heft 1, S.&#160;37 ff.). Freundlichkeit macht den Konkurrenzdruck der Individuen ertr&auml;glicher, bleibt aber die moralische Schuld der eigenen Generation. Dagegen verlangt Solidarit&auml;t, nach einem Satz Benjamins, den &ndash; &uuml;brigens unmoralischen &ndash; Kampf f&uuml;r das Recht der vergangenen Generationen. Das meint, eine Position zu entwickeln, die sich dar&uuml;ber bewusst ist, dass auch die besseren Parties nach wie vor im &rsaquo;Zeitalter des Exterminismus&lsaquo; (Edward P. Thompson) statt finden.</p>
<p>2. Die bessere Musik</p>
<p>Eine Frau wird verhaftet, weil sie Slimes &rsaquo;Deutschland mu&szlig; sterben&lsaquo; &ouml;ffentlich abspielt, w&auml;hrend Atari Teenage Riot ihre Hardcoretechno-Coverversion desselben St&uuml;ckes im Musikfernsehen pr&auml;sentieren. Die Kulturindustrie verwandelt sich in Reklame f&uuml;r die Welt, so wie sie ist. Als Verwaltungsapparat der Warengesellschaft ist ihre sch&auml;rfste Waffe die Integration: wo Subversion und Protest nicht selbst bereits lancierte Produkte sind, wird Widerstand zu Werbestrategien, zu Accessoires der jeweils neuesten Moden. Die repressive Toleranz (Herbert Marcuse) macht Ideale und Mode synonym, solange die Ideale eine Frage der Form bleiben. Der poplinke Standpunkt des besseren Geschmacks verteidigt die Ideale als Formfrage, auch indem &uuml;berhaupt das Problem des Widerspruchs von Form und Inhalt ausgespart wird &ndash; die Kulturlinke ist damit nicht nur nicht gesellschaftskritisch, sondern streng genommen nicht einmal kulturkritisch. In den Neunzigern gelang es zwar, Anspr&uuml;che auf die Massenkultur durchzusetzen, und mit HipHop, House, Drum &rsquo;n&rsquo; Bass und Techno wurde den Verh&auml;ltnissen ihre eigene Melodie vorgespielt &ndash; die kulturelle Hegemonie wurde jedoch nicht durchbrochen, sondern verschoben: Der &rsaquo;Club der kulturell Verunsicherten&lsaquo; in der Roten Flora taugt als poplinke Veranstaltung so viel und so wenig wie dieselbe Veranstaltung, die jetzt unter dem Namen &rsaquo;Klub K&amp;N&lsaquo; firmiert.</p>
<p>Die Reflexion auf den Inhalt ist eine historische. Die Kulturlinke operierte blo&szlig; kulturell historisch, indem sie die musikalischen Formen der Kulturindustrie vergangener Jahrzehnte nutzbar machte: Disco und den Pop der Achtziger; sie versagte als Linke, wo sie die musikalischen Inhalte vergangener Jahrzehnte als unmodern-unmodisch (&rsaquo;unsexy&lsaquo;) ablehnte oder delegierte: Die Frauen in der Musikgeschichte sind ein Spezialgebiet f&uuml;r Feministinnen, die experimentelle Musik um R.I.O. (&rsaquo;Rock in Opposition&lsaquo;) etwas f&uuml;r Jazzfreunde, die Neue Musik etwas f&uuml;r Musikexperten. Die Erbaulichkeit der Popmusik, die die Kulturlinke entdeckte, bemi&szlig;t sich an der ganz und gar zeitgem&auml;&szlig;en Frage, was wieder geht. Der Kulturindustrie in Sachen Trendforschung unter die Arme zu greifen, bestimmt aber keine linke Position. Statt dessen ginge es um die radikale Negation, um die Frage, was nicht mehr geht. In diesem Sinne verlangen die gl&uuml;cklichen Momente ein Sich-Abarbeiten, nicht die simple Affirmation des hedonistischen Genie&szlig;ens: Cpt. Kirk &amp;, Br&uuml;llen, TGV, Knarf Rell&ouml;m Ism, Die Patinnen, Die Goldenen Zitronen, Die Braut &hellip; und dergleichen &ndash; als wenn &uuml;ber diese Musik das Verdikt verh&auml;ngt wurde, dass sie links ist, weil auch links draufsteht, wird die Diskussion ausgespart, die sie doch gerade provoziert. Nicht dass es nicht solche Diskussionen im kleinen Zirkel gibt: gerade die Genannten sind als Theoretiker ihrer eigenen Praxis am Werk (dies zumindest ab und zu in der Kneipe). Theorie durchbricht allerdings selten die Repr&auml;sentationslogik, reflektiert nach Au&szlig;en nur symbolisch den Distinktionsgewinn. Aus der Repr&auml;sentationslogik des diskursiven Spiels ist durchaus eine Waffe zu machen; Knarf Rell&ouml;m etwa insistiert auf &rsaquo;Punk als Haltung&lsaquo; und operiert musikalisch an der Front: Der operative Umgang mit dem Material erinnert an Tretjakow, die Musik ist gleichsam &rsaquo;episches Theater&lsaquo;, pr&auml;sentiert den &rsaquo;offenen B&uuml;hnenraum&lsaquo;, also Freilegung der Produktionsbedingungen, als wenn es um die &Uuml;bersetzung Brechtscher Ideen vom Gestischen ginge: und bei Knarf Rell&ouml;m Ism Unterhaltung funktioniert nur politisch (wenn sie auch streitbar bleibt, so wie Alexander Diehl einwarf, dass &rsaquo;Hey Everybody&lsaquo; auf &rsaquo;Fehler ist King&lsaquo; mit der Zeile &rsaquo;Das war kein Sozialismus/Das war Spie&szlig;erkram &hellip;&lsaquo; den politischen Song durchs Gimmick zu depotenzieren droht).</p>
<p>Gemeint ist die Diskussion &uuml;ber die alte Frage, was Kunst wie und wann politisch macht. Diese Frage ist eine des Materials wie des Gehalts; die Kulturlinke hat inmitten ihrer Postmodernisierungsstreitereien zwischen K&ouml;ln, Berlin und Hamburg entschieden, allein schon die Frage als &rsaquo;platten Materialismus&lsaquo; zu diffamieren, um statt dessen das Problem als Repr&auml;sentationskritik popdiskursiv abzuschieben. Doch zwischen der politischen und der k&uuml;nstlerischen Avantgarde ist die Vermittlung nicht ein diskursives Problem, sondern mindestens eines der politischen und &auml;sthetischen Praxis. Isabelle Graw, Christoph Gurk, Andreas Fanizadeh und andere haben die Elaborate und das Programm der Gruppe &rsaquo;Kunst und Kampf&lsaquo;, die Bernd Langer in seinem Buch &rsaquo;Kunst als Widerstand&lsaquo; vorgestellt, zu Recht als k&uuml;nstlerische wie politische Unzumutbarkeiten abgelehnt, die zwischen reaktion&auml;rem Kunstverst&auml;ndnis und M&auml;nnerphantasien schwanken. Das Gegenkonzept gegen die falsche Unmittelbarkeit, bei der der Kapitalist noch das Schwein mit Zylinder ist, reicht jedoch nicht weiter als zur Verteidigung der Abstraktion. So gleichen sich schlie&szlig;lich die diametralen Positionen in der Naivit&auml;t, mit der einmal eine offenbar unbegriffene Frage nach dem Zusammenhang von Kunst und Politik beantwortet sein will, und mit der sie auf der Gegenseite mit der &Auml;sthetik des Abstrakten als unbeantwortbar annulliert wird. Solche Naivit&auml;t ist nicht ungef&auml;hrlich, wenn die falsche Unmittelbarkeit auf die begrenzte Abstraktions&auml;sthetik trifft &ndash; man kann sich &uuml;ber den heimlichen &rsaquo;Die Kunst dem Volke&lsaquo;-Stalinismus von Bernd Langer und der G&ouml;ttinger Antifa/M. beschweren, oder die Selbstverliebtheit der linken &Auml;stheten um &rsaquo;Texte zur Kunst&lsaquo; bel&auml;cheln; dass Politik in Kunst dann doch transformierbar ist, l&auml;sst man sich derweil von Euthanasie-Bef&uuml;rworter und DJ Chris Korda begeistert vorf&uuml;hren (&rsaquo;Zu guter Letzt ist der Kampf gegen die Menschheit auch der Kampf gegen den Kapitalismus,&lsaquo; schreibt Ted Gaier in einem Artikel &uuml;ber Chris Korda, der f&uuml;r die &rsaquo;Testcard 8&lsaquo; vorgesehen ist &ndash; solche kalkulierte Dummheit ist zu diskutieren, und dann kann ja noch immer gefragt werden: &rsaquo;Was ist romantisch f&uuml;r Ted Gaier?&lsaquo;).</p>
<p>Noch ein Versuch: &rsaquo;Das dominierende &auml;sthetische Programm der radikalen Linken kennt kein Patagonien, die Bowlingbahn nur als verleugnetes oder heimliches Vergn&uuml;gen.&lsaquo; Das, so Fanizadeh weiter in seinem Beitrag (&rsaquo;Beute&lsaquo;, Neue Folge, Heft 1, S.&#160;122 f.), zeige sich etwa an der Gruppe &rsaquo;Kunst und Kampf&lsaquo; um Bernd Langer. Zu einem eventuell &rsaquo;produktiven Missverst&auml;ndnis&lsaquo; sei es gekommen, als die Gruppe zum Soli-Abend &rsaquo;die Hamburger Kamerun-Band [einlud], deren heterogener, ironischer und br&uuml;chiger Stil das genaue Gegenprogramm zur eigenen Homogenisierungstaktik ist&lsaquo; (S.&#160;125). Gleichwohl kann eben das auch bezweifelt werden: Es ist zu vermuten, dass etwa in der unsensiblen, unmusikalischen Perspektive von Kunst als Widerstand, die Erkl&auml;rung der Welt in Stereotypen dann musikalisch genau so funktioniert, wie ihnen die Goldenen Zitronen klingen. Was Fanizadeh als den heterogenen, ironischen und br&uuml;chigen Stil der Goldenen Zitronen ausmacht, ist ja eben nicht einer &Auml;stehtik des Materials geschuldet, sondern des &rsaquo;anvisierten Kontextes&lsaquo; (Isabelle Graw). Kontextualisierung vermag aber h&ouml;chstens, die eigene Haltung zur Kunst &ndash; zur Popkultur &ndash; zu objektivieren; damit l&auml;sst sich freilich leicht urteilen, die Goldenen Zitronen seien &auml;sthetisch br&uuml;chiger als &rsaquo;Kunst und Kampf&lsaquo; &ndash; aber um das festzustellen, braucht man eigentlich nur den krudesten Kunstbegriff, um zu merken, dass hier sowieso jenseits aller Kategorien und Reflexion von Kunst die Rede ist. Interessanter ist da doch Kameruns neuestes (Solo)-Projekt, seine ungef&auml;hr zehn-min&uuml;tige Trashtechnoshow unter dem Namen Sylvesterboy, mit Boxershort, R&ouml;merhelm, US-Flagge als Cape, Plastikschwert. W&auml;hrend beim 1999-S.O.S.-(Struggle of Students)-Konzert in der Fabrik mit EinsZwo und Blumfeld Sylvesterboy allgemein und im Besonderen (&rsaquo;Free Mumia!&lsaquo;) auf Zustimmung stie&szlig;, begegnete das Publikum beim (ersten) Tocotronic-Konzert im Docks Kameruns Showeinlage mit Unverst&auml;ndnis, mit Pfiffen und Bierbecherw&uuml;rfen Richtung B&uuml;hne. Freilich sind solche Reaktionen kalkuliert oder provoziert, geh&ouml;ren zum Spiel der Kontextualisierung. Als gemeinte Selbstironisierung ist das unproblematisch, gerade weil das Politische different gehalten wird &ndash; wenn es um politisch ernsthafte Strategien von Empowerment oder Dekonstruktion geht, etwa in offensiv feministischer Musik, geraten Versuche material&auml;sthetischer Bestimmungen fast zwangsl&auml;ufig zur bodenlosen &Uuml;berinterpretation. Den Zusammenhang von Kunst und sozialem Kontext immer wieder neu zu bestimmen, bleibt als rein deskriptives Unterfangen bedeutungslos; kulturlinks w&auml;re aus solchen Erfahrungen die Kultur (respektive Kunst) best&auml;ndig neu zu bestimmen &hellip;</p>
<p>3. Der bessere Sex</p>
<p>&hellip; und das will meinen: Wo der Linken die Kultur wichtig ist, fragt sie nach deren Funktion, nach der Stellung der Kulturproduzenten; sie versteht dies als operativen Eingriff gegen die bestehenden Verh&auml;ltnisse und f&uuml;r diejenigen, die sich dagegen wehren. Kontextualisierung hei&szlig;t in dieser Hinsicht, die Konstellation von Kunst (Kunstwerk wie&#160;&#8211;konzept; Material), Produzent und Rezeption (Publikum, Konsum, Genuss) als fortw&auml;hrenden Prozess der Diskussion zu begr&uuml;nden &ndash; als Selbstverortung. Der Subjektivismus der Kulturlinken kennt diese Selbstverortung scheinbar nur als monologisches Prinzip zwischen Produkt und Produzent; das Publikum ist in die Beobachtungsposition zur&uuml;ckaffirmiert worden &ndash; auch wenn diese oder jene Band dem Publikum nicht schmeckt, wird weiterhin weiterhin eine Art Publikumslinke supponiert. Doch zu den Mobilisierungskonzerten von Blumfeld, Tocotronic, Superpunk, TGV etc. f&uuml;r die Demonstrationen gegen den Bergedorfer Naziaufmarsch 1999 sind die meisten wohl gekommen, um schlicht die Musik zu h&ouml;ren. Freilich sind ein Dreitausenderpublikum zu solchem Zweck f&uuml;r ein antifaschistisches &Ouml;ffentlichkeitsbild besser als nur die sp&auml;rliche Sechshunderterdemonstration; dennoch stehen hier Probleme an, die mit dem Konzept der Kulturlinken unmittelbar zu tun haben. Die Kulturlinke kennt n&auml;mlich keine Bewegung; ihr Adressat ist ein Publikum, welches zun&auml;chst offenbar genauso konsumiert wie das verschm&auml;hte Mainstreampublikum; auch poplinks verlangt man Unterhaltung und nicht Rechenschaft &uuml;ber Produktionsbedingungen. Man m&ouml;chte Spa&szlig;, und fast scheint es, als seien es Minderheiten, die sich wenigstens dar&uuml;ber freuen, wenn ihnen der Spa&szlig; von Linken verabreicht wird. Das f&uuml;hrt, in einem kleinen Umweg, den aber die Poplinke selbst ausgeschildert hat, nun zum dritten Postulat vom besseren Sex. Die Kulturlinke versprach, dass die Warengesellschaft nur lustvoll abgeschafft werden kann; geeinigt hat man sich wohl darauf, dass diese Gesellschaft nicht abgeschafft zu werden braucht, solange sie ein bisschen &rsaquo;Sexiness&lsaquo; zul&auml;sst.</p>
<p>Es wird behauptet &ndash; nicht nur von Poplinken, sondern auch von liberal gesinnten Anw&auml;lten der popul&auml;ren K&uuml;nste &ndash;, in den (post&#8209;) modernen Formen der Massenkultur schaffe sich ein neuer, lustvoller K&ouml;rper Raum; gegen die k&ouml;rperfeindliche Gesellschaft, die das Begehren und die L&uuml;ste aussperre, habe sich jenseits des Mainstream Orte und Inseln der subversiven K&ouml;rperpraxis gebildet: das alte Programm der k&uuml;nstlerischen Avantgarde, die die Grenze zwischen Leben und Kunst aufheben wollte, realisiere sich nicht in der &auml;sthetischen Rationalit&auml;t der b&uuml;rgerlichen Kunst, sondern in einer &auml;sthetischen Befreiung &rsaquo;reiner Praxis&lsaquo;, die keine &rsaquo;Theorie&lsaquo; (also keine &rsaquo;Schau&lsaquo;, keine &rsaquo;Reflexion&lsaquo;, keinen &rsaquo;Geist&lsaquo;) brauche.</p>
<p>Die Idee der Befreiung, die die Kulturlinke an den K&ouml;rper bindet, macht den Sex, die Erotik, die Lust selbst, zum Fassadenph&auml;nomen, zum Accessoire der jeweiligen Mode. &rsaquo;Sexiness&lsaquo;, als poplinke Leitfigur nicht umsonst von heterosexuellen M&auml;nnern als Kampfbegriff in den Diskurs eingef&uuml;hrt, hat nur insofern mit Foucault (auf den man sich in dieser Hinsicht beruft) zu tun, als dass &uuml;ber Sex nicht gesprochen wird: man zeigt seinen Sex, stellt sich zur Schau, repr&auml;sentiert den sexualisierten K&ouml;rper. Die lustvolle Politik, die sich in den sexualisierten K&ouml;rpern ent&auml;u&szlig;ert, ist bemerkenswerter Weise gegen&uuml;ber der Sexualit&auml;t, ihrer Repression, ihrer Tabus, ihrer Perversionen und Gewalt, neutral, na&iuml;v. Die Realit&auml;t von Homophobie und Sexismus innerhalb der Popkultur, aber auch die &uuml;bliche Verklemmtheit, die Angst, die sexuellen Mythen werden von den B&uuml;hnen der sexualisierten Popk&ouml;rper verdr&auml;ngt; gleichwohl kann &rsaquo;das Sexuelle&lsaquo; ein Zeichen auf der Inszenierungsfl&auml;che der K&ouml;rper sein, solange die Rollenverteilung klar bleibt (nur wer als Lesbe erkennbar ist, darf sich als Lesbe zu erkennen geben; sein perverses Begehrens darf zeigen, wer als &rsaquo;pervers&lsaquo; erkennbar ist, zum Beispiel als schwul; die K&uuml;nstlerin erlaubt sich Libertinage und die Hetenbeziehung die Zwangsmoral.</p>
<p>An ihren &auml;u&szlig;erten Punkten widerf&auml;hrt den K&ouml;rpern doch noch der theoretische Zugriff: die Rede ist von der Dekonstruktion der Geschlechter. Vorerst scheint das ein theoretisches Projekt zu bleiben, jedenfalls ist schwer vorstellbar, dass sich die Aufl&ouml;sung der Geschlechter anders als blo&szlig; spielerisch gegen die Verh&auml;rtungen der K&ouml;rper durchzusetzen vermag. Vielleicht ist die Geschlechterdekonstruktion die krudeste Deckung der herrschenden Ideologie; vielleicht ist sie aber auch die einzige Praxis, an der eine radikale Poplinke sich entfalten k&ouml;nnte.</p>
<p>Es geht nicht um die Verteidigung eines &rsaquo;wahren&lsaquo; oder &rsaquo;echten&lsaquo; Sexes, eigentlich nicht einmal um die Verteidigung der Erotik (ein Wort, womit man sich im sexy Popdiskurses schnell mal l&auml;cherlich machen kann). Wer mich kennt, wei&szlig; dass ich am wenigsten geeignet bin, &uuml;ber solche Fragen mich zu &auml;u&szlig;ern; diese Anmerkung zum &rsaquo;besseren Sex&lsaquo; soll eher eine doppelte Verwunderung ausdr&uuml;cken: Weshalb im Namen des Sexes eine sexualisierte Kultur im Sinne einer entsinnlichten Politik unterst&uuml;tzt wird; weshalb &rsaquo;Sexiness&lsaquo; also ausgerechnet dort sein soll, wo am wenigstens Schwei&szlig;, Gestank, Z&auml;rtlichkeit, Ficken ist? Und: Weshalb &uuml;berhaupt im Namen des Sexes eine linke Kultur proklamiert wird, wo doch &ndash; folgt man Freud &ndash; entweder der Sex als die Sexualit&auml;t nur die verdr&auml;ngte Form der Lust ist, oder aber als Lust selbst von eben der Kultur zur Versagung gewungen wird? Es scheint, als sollte das Lustprinzip befreit werden, ohne das Realit&auml;tsprinzip &uuml;berhaupt in Frage zu stellen. So wie die Linke mit der Kultur von der Politik befreit werden sollte, ohne die Gesellschaft in Frage zu stellen.</p>
<p>Nachbemerkung (&#8544;): Links bleibt der kategorische Imperativ, den Marx in der Einleitung &rsaquo;Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie&lsaquo; formulierte: &rsaquo;&hellip; alle Verh&auml;ltnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein ver&auml;chtliches Wesen ist.&lsaquo; Dies ist die Haltung, die die Kulturlinke als moralische Position vereiteln will; sie ist aber nur wirksam wie glaubhaft als Haltung, sofern sie auf der kritischen Theorie der gesellschaftlichen Praxis sich gr&uuml;ndet. Marcuse hat in den sechziger Jahren von den zwei sich entgegenstehenden Hypothesen gesprochen: 1. die bestehende Gesellschaft verhindert ihre qualitative &Auml;nderung; 2. dennoch sind Kr&auml;fte vorhanden, die dies durchbrechen und &rsaquo;die Gesellschaft sprengen&lsaquo; k&ouml;nnten. Man mag dar&uuml;ber diskutieren, ob diese Hypothesen auch heute noch begr&uuml;ndet sind (und ich meine: ja, erst recht heute); sie markieren jedoch die gegenw&auml;rtigen Defizite der (Kultur&#8209;) Linken: stand bisher die Linke selbstverst&auml;ndlich auf der Seite der ver&auml;ndernden Kr&auml;fte, so hat sich unter dem Vorzeichen der Kulturlinken ein radikaler Wandel vollzogen; mit ihren Programmen ist die Kulturlinke in die Defensive gerutscht und hat sich zum Teil sogar zur F&uuml;rsprecherin der bestehenden Verh&auml;ltnisse gemacht. Man muss die kritische Theorie nicht neu erfinden, um den kategorischen Imperativ von Marx zu begr&uuml;nden; es braucht allerdings eine gewisse Beharrlichkeit im Grundsatz des Kommunismus, dass diese Welt nicht die beste aller m&ouml;glichen ist &ndash;.</p>
<p>Roger Behrens<br />
[Dieser Text erschien in einer gek&uuml;rzten Version 2000 in der HH19 (mittlerweile eingestellt)]<br />
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		<title>A dial&#233;tica negativa da nega&#231;&#227;o determinada</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jun 2008 00:24:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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Trad. Eduardo Soares Neves Silva – Muito obrigado!]]></description>
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Trad. Eduardo Soares Neves Silva &ndash; Muito obrigado!</p>
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