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	<title>Roger Behrens &#187; Pop</title>
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	<description>Mein digitales Wohnzimmer</description>
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		<title>Quais s&#227;o seus principais interesses?</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 13:11:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Quais são seus principais interesses teóricos e práticos atuais? 
Uma entrevista com <a href="http://www.sinaldemenos.org/" target="_blank">sinal de menos</a>.

Aqui: <a href="http://txt.rogerbehrens.net/entrevista.pdf" target="_blank">PDF</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Quais s&atilde;o seus principais interesses te&oacute;ricos e pr&aacute;ticos atuais?<br />
Uma entrevista com <a href="http://www.sinaldemenos.org/" target="_blank">sinal de menos</a>.</p>
<p>Aqui: <a href="http://txt.rogerbehrens.net/entrevista.pdf" target="_blank">PDF</a>.</p>
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		<title>Die R&#252;ckkehr der Kulturindustriethese als Dancefloorversion</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 21:52:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Roger Behrens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit dem Wort »Pop« wird kaum etwas Prägnantes bezeichnet; oft entscheiden die Perspektiven, die Annäherungsweisen und unmittelbare Präjudikationen, was Pop ist: Ist Pop eine Abgrenzung von Rock? Ist Pop populäre Kunst und Kultur; oder Populär- und Massenkulturformen verwendende Kunst wie eben die Pop-art? Ist Pop primär die Musik, oder meint Pop immer das ganze Umfeld von Verhaltensweisen, Moden, Videoclips, oder ist Pop als Begriff gar tauglich, spezifische soziale und kulturelle Merkmale einer Epoche begrifflich zusammenzufassen? 
[<a href="http://www.rogerbehrens.net/texte/artikel/kulturindustriethese/">GANZER TEXT</a>]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zur Dialektik materialistischer Pop&#8209; und Subkulturkritik</strong></p>
<p><em>Ein Text von 1999</em></p>
<p>Vorabbemerkungen, Mi&szlig;verst&auml;ndnisse ebenso vermeidend wie provozierend</p>
<p>Um abzugrenzen, wovon zwischen Kulturindustrietheorie der 40er Jahre und dem Pop und Popdiskurs der 90er Jahre die Rede sein wird, sind einige Vorabbemerkungen den &Uuml;berlegungen voranzustellen. Sie betreffen vordefinitorische Verwendungsschwierigkeiten des Kulturindustriebegriffs, sie betreffen ferner den Pop, damit auch die Musik, und vor allem die Frage nach der Absicht, sich mit R&uuml;ckgriff auf die Sozialphilosophie der 40er Jahre mit Popkultur, Massenkultur im weitesten Sinne zu besch&auml;ftigen &mdash; als wenn es nicht dringlichere Aufgaben der kritischen Theorie g&auml;be.</p>
<p>Pop. &ndash; Mit dem Wort &raquo;Pop&laquo; wird kaum etwas Pr&auml;gnantes bezeichnet; oft entscheiden die Perspektiven, die Ann&auml;herungsweisen und unmittelbare Pr&auml;judikationen, was Pop ist: Ist Pop eine Abgrenzung von Rock? Ist Pop popul&auml;re Kunst und Kultur; oder Popul&auml;r&#8209; und Massenkulturformen verwendende Kunst wie eben die Pop-art? Ist Pop prim&auml;r die Musik, oder meint Pop immer das ganze Umfeld von Verhaltensweisen, Moden, Videoclips, oder ist Pop als Begriff gar tauglich, spezifische soziale und kulturelle Merkmale einer Epoche begrifflich zusammenzufassen? Jedenfalls rechtfertigen diejenigen, die sich explizit mit dem Pop besch&auml;ftigen, dies mit der Ausdehnungstendenz des Pop, da&szlig; eben die ganze Gesellschaft l&auml;ngerfristig Pop werde &mdash; ohne da&szlig; dann definiert w&auml;re, was denn nun Pop sei. Hier soll unter Pop zun&auml;chst die Musik verstanden werden, die sich in ihren Produktions&#8209; und Rezeptionsweisen nicht mehr in die Raster b&uuml;rgerlicher Kunstmusik so ohne weiteres bringen l&auml;&szlig;t. Pop korrespondiert je mit der Kulturindustrie, meint diese unter anderem Etikett; Pop ist immer schon Ware: eine Musik, die so sehr in der Krise ist wie die Gesellschaft, die sich in ihr ausdr&uuml;ckt. Die Differenzierungen zwischen Pop und Rock und andere vermeintlich stilistische Abgrenzungen lasse ich au&szlig;envor &mdash; Pop bezeichnet ein Gemeinsames der Musik von der Kelly Family bis Mouse On Mars, von Rammstein bis Squarepusher, von Elton John bis Einst&uuml;rzende Neubauten, von Radiohead bis Merzbow, von Atari Teenage Riot und Joe Zawinul, Gemeinsames von Sex Pistols, Steve Reich und Kristof Penderecki, heute auch Gemeinsames von Beethoven und Beatles. Es f&auml;llt auf, da&szlig; unter gewissen Vorzeichen &uuml;ber die Gesamtheit dieser Musik derselbe Diskurs gef&uuml;hrt werden kann &mdash; und das ist nun weniger der Sache an sich geschuldet, also dem Rest an &auml;sthetischer Autonomie bei Alfred Schnittke versus DJ-Culture beim Shanty Sound System oder H&ouml;rerfanatismus bei den Backstreet Boys, sondern hat mit den Produktions&#8209; und Rezeptionsverh&auml;ltnissen zu tun, die sich, wenn auch sehr unterschiedlich, durchaus im musikalischen Material niederschlagen; es hat zu tun mit dem, was also Kulturindustrie ausmacht.</p>
<p>Kulturindustrie. &ndash; Der Begriff Kulturindustrie wird dem gleichnamigen Kapitel aus der Dialektik der Aufkl&auml;rung (1947, bzw.&#160;1944) von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zugeordnet. Gemeinhin ist anzunehmen, da&szlig; Adorno ma&szlig;geblich f&uuml;r das Kulturindustriekapitel verantwortlich zeichnet, weshalb es eigentlich sein Name und seine Philosophie ist, die mit dem Begriff verbunden wird. Horkheimer benutzt in sp&auml;teren Schriften den Begriff selten; Adorno sprach in einem Rundfunkvortrag 1963 sogar explizit ein &raquo;R&eacute;sum&eacute; &uuml;ber Kulturindustrie&laquo; aus (im Nachla&szlig; Adornos fand sich zudem ein Text namens &raquo;Das Schema der Massenkultur&laquo;, der als Fortsetzung des Kulturindustriekapitels der Dialektik der Aufkl&auml;rtung geplant war). Parallelisiert werden die Argumente, oder das, was von ihnen zum Bildungsgut geworden ist, in der Regel mit Walter Benjamins &raquo;Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit&laquo; von 1936.</p>
<p>Obgleich im Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufkl&auml;rung von Magazinen, Radio und dergleichen die Rede ist, konzentriert sich die Kritik haupts&auml;chlich auf die Musik. Nicht umsonst wollte Adorno seine Philosophie der neuen Musik als Exkurs zur Dialektik der Aufkl&auml;rung verstanden wissen. Vor allem spricht f&uuml;r einen engen Gegenstandsbezug der Kulturindustriethese zur Musik, da&szlig; mitnichten Adorno und Horkheimer diesen Begriff allein gebrauchten, sondern der Komponist Hanns Eisler ebenso. Adornos und Eislers Gemeinschaftsarbeit Komposition f&uuml;r den Film erscheint sogar als konkrete Auseinandersetzung mit der Kulturindustrie &mdash; neben Adornos Untersuchungen &uuml;ber das Radio (Radio Research Project).</p>
<p>Musik. &ndash; Sofern es nun um Musik zu tun ist, ergeben sich meist einige Probleme, die sich nicht in der Sch&auml;rfe ergeben, wenn man etwa &uuml;ber Waschmittel oder Astrologie spricht, auch wenn ja eine Zentralthese ist, da&szlig; eben die Kultur auf das Niveau von Waschmittel und Aberglaube reduziert wird. Wenige f&uuml;hlen sich pers&ouml;nlich angegriffen, wenn man ihnen ihre Waschmittelmarke streitig macht; anders sieht das beim Urteil &uuml;ber die Musik aus, die man bei Bekannten im Plattenregal entdeckt. Ich greife dies als Rezeptionsproblem des vermeintlich kritischen H&ouml;rers auf und m&ouml;chte vorausschicken, da&szlig; es weder um die Diffamierung eines subjektiv-emotionalen Bezugs zu irgendeiner Musik geht, noch um ein Verdikt, das &uuml;ber diese oder jene Musik verh&auml;ngt werden soll. Es geht gleichwohl gegen eine bestimmte, im Popdiskurs verbreitete Anma&szlig;ung, das theoretisch meist bodenlose und der Subjektivit&auml;t verpflichtete Geschacksurteil, oder die von der Industrie eingeforderte Produktwerbung als objektivistisches Urteil &uuml;ber eine Musik eventuell sogar als politisch hochbedeutsam beizubiegen, was in den meisten F&auml;llen musikalisch mir so problematisch scheint wie im &uuml;brigen auch politisch.</p>
<p>Konsumenten. &ndash; Es geht keineswegs darum, im Namen der Kulturindustriekritik und des Popdiskurses sich bescheidwissend &uuml;ber die Dummheit der Massenkonsumenten herzumachen, denen die neue Kuschel-Rock-CD angedreht wird, sondern um die Kritik, da&szlig; die geschm&auml;hte Masse sich zun&auml;chst in sozialen Verh&auml;ltnissen bewegt, die sich nur mit so einem Unfug wie Kuschel-Rock-CDs ertragen lassen. &raquo;Not und Druck&laquo; der Menschen, so l&auml;&szlig;t sich mit der Dialektik der Aufkl&auml;rung sagen, macht das Einklagen von &raquo;Ernst zum Hohn&laquo;; Menschen, &raquo;die froh sein m&uuml;ssen, wenn sie die Zeit, die sie nicht am Triebrad stehen, dazu benutzen k&ouml;nnen, sich treiben zu lassen.&laquo; Die Kuschel-Rock-CD ist das &raquo;gesellschaftlich schlechte Gewissen&laquo; von Musik, die dagegen als gehaltvoll gilt. Und Adorno und Eisler schreiben: &raquo;Im sp&auml;tindustriellen Zeitalter bleibt den Massen nichts als der Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie in dem entfremdeten Arbeitsproze&szlig; verausgabten.&laquo; &mdash; Falsch w&auml;re demnach auch die nostalgische Allianz mit dem Bildungsb&uuml;rgertum, mit dem dann etwa gegen den kulturindustriellen Schund die hohe Kunst verteidigt wird: &raquo;Die Reinheit der b&uuml;rgerlichen Kunst, die sich als Reich der Freiheit im Gegensatz zur materiellen Praxis hypostasierte, war von Anbeginn mit dem Ausschlu&szlig; der Unterklasse erkauft &hellip;&laquo; Die autonome Kunst von ehedem ist heute nicht minder in die Kulturindustrie integriert; &raquo;die Massenkultur [lebt] gerade vom Ausverkauf der individualistischen&laquo; Kultur des 19. Jahrhunderts. An verschiedenen Stellen hat Adorno darauf hingewiesen, wie sehr Musik und Musikrezeption, bzw.&#160;&#8211;konsum in der Kulturindustrie sich am Modell der Sp&auml;tromantik &mdash; Melodie, Einfall, Leitmotiv und dergleichen &mdash; orientiere.</p>
<p>Die Kritik der Kulturindustrie wird leicht als Massenfeindlichkeit fehlinterpretiert, in &Uuml;bersch&auml;tzung der eigenen Stellung, als w&auml;re Kultur im unmittelbaren Vollzug kritisierbar, als h&auml;tte eine bewu&szlig;t-affirmative Stellung zur Kulturindustrie einen qualitativen Vorteil den Betrogenen gegen&uuml;ber. In den Minima Moralia warnte Adorno vor diesem Mi&szlig;verst&auml;ndnis: &raquo;F&uuml;r den, der nicht mitmacht, besteht die Gefahr, da&szlig; er sich f&uuml;r besser h&auml;lt als die andern und seine Kritik der Gesellschaft mi&szlig;braucht als Ideologie f&uuml;r sein privates Interesse &hellip; Der Distanzierte bleibt so verstrickt wie der Betriebsame; vor diesem hat er nichts voraus als die Einsicht in seine Verstricktheit und das Gl&uuml;ck der winzigen Freiheit, die im Erkennen als solchem liegt.&laquo; Vor einer &Uuml;bersch&auml;tzung der Reichweite von Kulturkritik hat schlie&szlig;lich Horkheimer gewarnt: &raquo;Kulturkritik mu&szlig; sich h&uuml;ten, da&szlig; sie nicht selber durch Denunziation der Kultur als Ablenkung von Themen wegf&uuml;hrt, die dem Gedanken noch geblieben sind: von den krassen Unterschieden der Macht, die niemand wahrnimmt, weil sie offenkundig sind, vom Elend hinter den Mauern der Zucht&#8209; und Irrenh&auml;user, von radikal materiellen Bestimmungsgr&uuml;nden der Politik, gerade dort, wo sie besonders edel sich gibt.&laquo;</p>
<p>Was ist also der Zweck, sich mit der Kulturindustrie respektive Popkultur &uuml;berhaupt auseinanderzusetzen? Im Pop, so wird es von jenen verteidigt, die sich der sogenannten Poplinken zurechnen lassen, f&auml;nden sich Subversionspotentiale; Pop sei dialektisch beides, &raquo;Teil des Problems&laquo; wie &raquo;Medium der Befreiung&laquo;, wie es Christoph Gurk sagt. Derart steht die Poplinke stets gegen eine Evidenz der Kulturindustriethese in ihrer Konsequenz, wenngleich mit dem Thesengrobbau durchaus sympathisiert wird; sie steht dem entgegen, weil hier sich eine Interpretation des Kapitels &uuml;ber die Kulturindustrie in der Dialektik der Aufkl&auml;rung durchgesetzt hat, die diesen Text weitgehend isoliert liest und Konsequenzen derart deutet, als b&ouml;te die kulturindustriell verwaltete Welt keinen Ausweg. Der Gedanke der Emanzipation, und insofern ist Gurks Formulierung vom &raquo;Pop als Medium&laquo; &mdash; also Vermittelndem &mdash; &raquo;der Befreiung&laquo; aufzugreifen, ist f&uuml;r die kritische Theorie aus gutem Grund ma&szlig;geblich in der Kunst aufbewahrt, n&auml;mlich in ihrer F&auml;higkeit, die Utopie einer freien Gesellschaft vorscheinen zu lassen, ohne sich blind mit der Befreiung zu identifizieren. Zwar ist von der Poplinken viel von Subversion, Unvereinnahmbarkeit, Widerst&auml;ndigem, &Uuml;beraffirmation und dergleichen zu lesen, doch fehlen erstaunlicherweise stets die Kategorien, die f&uuml;r den Kunstbegriff der kritischen Theorie so wichtig sind: Gl&uuml;ck, Utopie, Freiheit und so weiter.</p>
<p>Kulturindustriekritik w&auml;re ebenso wie ihre Aktualit&auml;t im Spiegel der Popkultur, mit einer modifizierten Lesart der Kulturindustrietheorie zu begr&uuml;nden. Vor allem Komposition f&uuml;r den Film spricht daf&uuml;r, da&szlig; mit dem Kulturindustriebegriff keine monolithische Theorie sozialer Aporie und Hermetik gedeckt werden sollte. Vielmehr finden sich Hinweise auf die Annahme einer gewissen Dynamik der Kulturindustrie &mdash; es sollten &raquo;auch die positiven Aspekte der Massenkultur zur Sprache kommen,&laquo; hie&szlig; es 1944. Der Abschnitt &uuml;ber Kulturindustrie ist &raquo;mehr noch als die anderen &hellip; fragmentarisch.&laquo;</p>
<p>Kulturindustrie &mdash; Anmerkungen zum Begriff und zur Rezeptionsgeschichte</p>
<p>Die theoretisch-philosophischen Grundlagen der kritischen Theorie, wie sie von Max Horkheimer im Forschungszusammenhang des (Frankfurter) Instituts f&uuml;r Sozialforschung projektiert wurden, decken sich mit dem Konstruktionsaufbau der Kulturindustrietheorie. Ausgangspunkt war &mdash; als Basisger&uuml;st &mdash; die Kritik der politischen &Ouml;konomie von Marx; sie sollte erweitert werden um Elemente der Kantischen Erkenntnistheorie, um eine materialistisch gedeutete Hegelsche Geschichtsphilosophie und um die Psychoanalyse Freunds. Die Erweiterung der Marxschen kritischen Theorie schien notwendig aufgrund der Diagnose, da&szlig; im Basis&#8209;&Uuml;berbau-Zusammenhang der &Uuml;berbau, also das Reich der Kultur, sofern es nicht sowieso schon &ouml;konomisch durchsetzt war, zunehmend eine gewisse Eigendynamik und Gewalt gegen&uuml;ber der Basis zeigte, gleichwohl &mdash; und das ist ja auch die Eingangsthese von Benjamin in seinem Kunstwerkaufsatz &mdash; &raquo;die Umw&auml;lzung des &Uuml;berbaus &hellip; langsamer als die des Unterbaus vor sich geht&laquo;.</p>
<p>Die Theorie der Kulturindustrie umfa&szlig;t technologisch-technische, sozialpsychologische, &auml;sthetische und &ouml;konomisch-ideologische Aspekte. Sie sind keineswegs zu vereinseitigen und meinen f&uuml;r sich noch nicht die Erkl&auml;rung des Gesamtzusammenhangs; viel mehr bildet eine auf herausgenommene Momente beschr&auml;nkte Erkl&auml;rung des Ph&auml;nomens die Kulturindustrie blo&szlig; affirmativ ab.</p>
<p>Technologisches-Technisches. &ndash; Gegen Vereinseitigung der technischen Aspekte hei&szlig;t es etwa, da&szlig; von den &raquo;Interessenten&laquo; die Kulturindustrie deshalb technologisch gerechtfertigt wird, weil in den technischen Notwendigkeiten der Massenbelieferung der Menschen mit Kultur scheinbar ein demokratische Potential neuerer technologischer Verfahren steckt. Was damals bejahend und verteidigend &uuml;ber Radio und Film gesagt wurde, vergleiche man einmal mit dem, wie heute bis weit in die selbst fortschritts-sensibilisierte Linke herein neueste Computertechniken &mdash; das Internet &mdash; mit einer quasi selbstm&auml;chtigen Ideologie der Informationszug&auml;nglichkeit gepriesen werden. Auch in der Beurteilung der Popmusik &mdash; sei es einzelner Exponate, sei es Tendenzen, die ganze Richtungen markieren sollen &mdash; wird auf Hervorhebung technologischer Eigenarten zur&uuml;ckgegriffen: Sampling, DJ-Culture, Verfahren, die auch einem musikalischen Laienpublikum Zugang zur kulturellen Produktion erm&ouml;glichen sollen.</p>
<p>Allein vom technischen Stand der Gesellschaft ist noch nichts &uuml;ber ihren Strukturzusammenhang ableitbar. Nicht darf verheimlicht werden, wer &uuml;ber die Technologie verf&uuml;gt und in wessen Dienst sie genommen ist. Relevant ist der Doppelaspekt des Technischen: Technik bezeichnet &mdash; so Adorno &mdash; in der Kunst innere Formgesetze, und sofern nicht etwa &auml;sthetische Verfahren gemeint sind (Zw&ouml;lftontechnik), sondern tats&auml;chlich technologische Neuerungen (Reproduktionsverfahren), begr&uuml;ndet sich deren Einsatz k&uuml;nstlerisch gleichsam aus der Sache heraus &mdash; und das hei&szlig;t immer, wie es Eisler und Adorno f&uuml;r die Filmmusik hervorheben: da&szlig; von einem Problem ausgegangen werden mu&szlig;, das &auml;sthetisch gel&ouml;st werden soll.</p>
<p>Sozialpsychologisches. &ndash; Die Musik der Kulturindustrie ist heute technisch &uuml;ber Videos, CDs, Computersampling vermittelt; solche Technik wird kaum noch in Frage gestellt; defensiv beurteilt man die Resultate und schiebt die Beurteilung solange hin und her, bis sie sich mit dem getroffenen Emotionen decken, mit dem Gef&uuml;hl, auf das sich in letzter Instanz gerne berufen wird, da&szlig; und weshalb &rsaquo;&uuml;ber Musik sowieso nicht geredet werden k&ouml;nne&lsaquo;. Massenkultur sei, so sagte einmal Leo L&ouml;wenthal, Psychoanalyse verkehrt herum. Die Frage, wie in der Massenkultur Bed&uuml;rfnis, Gef&uuml;hl und Befriedigung gel&ouml;st werden, hat den Begriff der Kulturindustrie gegen andere Varianten zur Bezeichnung derselben Sache begr&uuml;ndet: gegen L&ouml;wenthal &mdash; der eben von Massenkultur sprach (sich auf die b&uuml;rgerliche Literaturgeschichte beziehend) &mdash; wollte Adorno Deutungen ausschlie&szlig;en, &raquo;da&szlig; es sich um etwas wie spontan aus den Massen selbst aufsteigende Kultur handele, um die gegenw&auml;rtige Gestalt von Volkskunst.&laquo; Auch &raquo;Traumfabrik&laquo;, wovon etwa Ernst Bloch sprach, fa&szlig;t das Ph&auml;nomen nicht pr&auml;zise: &raquo;Die Vorstellung popul&auml;rer Sozialpsychologen, der Film sei eine Traumfabrik und das happy end eine Wunscherf&uuml;llung, greift zu kurz. Das Ladenm&auml;dchen identifiziert sich nicht unmittelbar mit dem als Privatsekret&auml;rin kost&uuml;mierten glamour girl, das den Chef heiratet. Aber im Angesicht jenes Gl&uuml;cks, von seiner M&ouml;glichkeit &uuml;berw&auml;ltigt, wagt es sich einzugestehen, was einzugestehen sonst die gesamte Einrichtung des Lebens verwehrt: da&szlig; es am Gl&uuml;ck keinen Teil hat,&laquo; schreibt Adorno in seinen &raquo;Musikalischen Warenanalysen&laquo;. Die Kulturindustrie reduziert die Reaktionsweisen der Menschen auf Reizschemen, auf Stereotypen und Klischees: &raquo;Auf den Trick, einmal ziehe ein jeder das gro&szlig;e Los, fallen l&auml;ngst die D&uuml;mmsten nicht mehr herein. In der tempor&auml;ren Freigabe der Ahnung, da&szlig; man sein Leben vers&auml;umte, besteht das Recht des Kitsches. Es erweist sich vorab an der Musik. Die meisten h&ouml;ren emotional: alles in Kategorien der Sp&auml;tromantik und der von dieser derivierten Waren, die schon aufs emotionale H&ouml;ren zugeschnitten sind.&laquo; Gleichwohl haben Eisler und Adorno einige Analysen darauf verwandt, die psychologischen Muster von Filmmusik im positiven oder sachlichen Sinne herauszuarbeiten: wie etwa das Sehen vom H&ouml;ren psychologisch und ph&auml;nomenologisch zu unterscheiden w&auml;re und sich Filmmusik &uuml;berhaupt begr&uuml;ndet, war eine Frage. Der Schock, da&szlig; das Leben vers&auml;umt wurde, bricht sich emotional stets mit der Beruhigung, da&szlig; trotz Vers&auml;umnis alles seinen rechten Gang nimmt. &raquo;Die Ersatzbefriedigung, die die Kulturindustrie den Massen bereitet, indem sie das Wohlgef&uuml;hl erweckt, die Welt sei in eben der Ordnung, die sie ihnen suggerieren will, betr&uuml;gt sie um das Gl&uuml;ck, das sie ihnen vorschwindelt.&laquo;</p>
<p>&Auml;sthetisches. &ndash; Wenn im Popdiskurs hedonistische Absichten verteidigt werden, so geschieht dies mit einem merkw&uuml;rdigen Spagat, das emotional-subjektivistische Urteil als &auml;sthetisch-objektivistisches Urteil zu verkl&auml;ren, gleichzeitig jedoch den Gegenstand der Beurteilung von einer &auml;sthetischen Kritik freizumachen, als ob jede Deutung des Pop als Kunst schon verfehlt w&auml;re. Wenn selbst in der Poplinken sich um die Frage der Kunst in der Popkultur merkw&uuml;rdig herumgedr&uuml;ckt wird, hei&szlig;t das freilich nicht, da&szlig; sich deren Interessen schon vollends mit denen der Kulturindustrie decken. Es fehlt, wenn man so will, eine linke Kulturpolitik, die nicht blo&szlig; auf die vorgefertigten kulturellen Produkte reagiert, sondern selbst Forderungen &uuml;ber den Charakter der Kunst formuliert.</p>
<p>Die Frage ist nicht, wie &auml;sthetische Kategorien auf die Produkte der Kulturindustrie abgebildet werden k&ouml;nnen, sondern wie sie selbst sich im kulturindustriellen Einflu&szlig; wandeln, ver&auml;ndert oder vernichtet werden. Das betrifft prim&auml;r allerdings solche Kategorien, die eben schon die Funktion der Kultur und Zugangsweisen zu ihr grunds&auml;tzlich erm&ouml;glichen: Bei der Frage nach Genu&szlig; und Unterhaltung stehen die Begriffe selbst zur Diskussion: &raquo;Das Recht auf Unterhaltung zu bestreiten und eine widerwillige Bev&ouml;lkerung mit Kultur vollzustopfen, w&auml;re schulmeisterliche Anma&szlig;ung. Dennoch tut Unterhaltung objektiv denen Unrecht, denen sie widerf&auml;hrt und die subjektiv danach begehren &hellip; Den in Waren verwandelten Kulturg&uuml;tern wird das Leben ausgetrieben.&laquo;</p>
<p>&Ouml;konomie und Ideologie. &ndash; Wenn die Kulturindustriethese &uuml;berhaupt an irgend etwas verbindlich festgemacht werden kann, dann an dem Satz, da&szlig; alle Kultur zur Ware wird. Das klingt nach einem Gemeinplatz und wird auch bisweilen so verhandelt, gleichwohl ist dieses nicht kulturpessimistisch als Verdammung von Kommerz und Ausverkauf der Kultur mi&szlig;zuverstehen. Insofern ist fraglich, ob eine Aktualisierung der Kulturindustriethese greift, wie sie Christoph Gurk im Mainstream der Minderheiten vorgenommen hat, die ma&szlig;geblich auf den gro&szlig;&ouml;konomischen Rahmen von Majorlabel-Zusammenschl&uuml;ssen und Verkaufsstatistiken zugeschnitten ist.</p>
<p>Die &Ouml;konomiekritik in der Dialektik der Aufkl&auml;rung ist heikel. Adorno und Horkheimer &mdash; im &uuml;brigen auch Eisler &mdash; gehen vom Monopolkapitalismus aus, begreifen also die Kulturindustrie als zentral von wenigen &ouml;konomisch M&auml;chtigen gesteuert. Rolf Johannes hat darauf hingewiesen, inwiefern damit das ganze Gesellschaftsbild Adornos und Horkheimers in die Schr&auml;glage ger&auml;t. Die Deutung der Gesellschaft als monopolkapitalistisch ist allerdings problematischerweise dem Begriff von der Kulturindustrie immanent. In der Tat verh&auml;lt es sich hier widerspr&uuml;chlich: sowohl sind Kapitalkonzentrationen zu verzeichnen; gleichzeitig setzt sich eine Kulturindustrialisierung strukturell sich &uuml;ber die K&ouml;pfe der Menschen hinweg durch. Die Konsumenten arbeiten an ihrem eigenen Betrug mit, wollen ihn und verdammen ihn zugleich. Die Kulturindustrie l&auml;&szlig;t diese Doppellogik zu.</p>
<p>Der &ouml;konomiekritische Kern in der Kulturindustriethese betrifft allerdings auch nicht das Aufz&auml;hlen und Markieren von Firmen&#8209; und Konzernverflechtung, betrifft nicht die Rolle einzelner. &Ouml;konomiekritik ist hier nur mit Ideologiekritik zusammenzudenken. Da&szlig; alle Kultur zur Ware wird, meint nicht prim&auml;r ihre &ouml;konomische Distribution, als wenn ein geschenkter Beethoven besser w&auml;re als ein gekaufter, sondern das, was als Fetischcharakter der Ware sich manifestiert. &raquo;Kultur ist eine paradoxe Ware. Sie steht so v&ouml;llig unterm Tauschgesetz, da&szlig; sie nicht mehr getauscht wird; sie geht so blind im Gebrauch auf, da&szlig; man sie nicht mehr gebrauchen kann. Daher verschmilzt sie mit der Reklame. Je sinnloser diese unterm Monopol scheint, um so allm&auml;chtiger wird sie. Die Motive sind &ouml;konomisch genug. Zu gewi&szlig; k&ouml;nnte man ohne die ganze Kulturindustrie leben, zu viel &Uuml;bers&auml;ttigung und Apathie mu&szlig; sie unter den Konsumenten erzeugen. aus sich selbst vermag sie wenig dagegen. Reklame ist ihr Lebenselexier.&laquo; &mdash; &Uuml;berhaupt m&uuml;ndet die ganze Kulturindustrie in Reklame: Popkultur ist der Zwischenschritt von der Kulturindustrie zur Reklame. In der Popkultur wird es schlie&szlig;lich m&ouml;glich, radikal zu kritisieren und genau damit noch Werbung f&uuml;r die Welt zu machen, gegen die vorgegangen werden soll.</p>
<p>&raquo;Die fr&uuml;hen Sachen, wo sie noch nicht beim Majorlabel waren, sind eh viel besser.&laquo;</p>
<p>Mit der Etablierung einer Rock&#8209; und Popkultur, die zunehmend auch f&uuml;r Akademiker den Sozialisationshintergrund bildete, versuchte man sich an &auml;sthetischen Rezeptionen der Kulturindustrietheorie, um sie zu widerlegen. Adorno ahnte selbst: &raquo;Wer so durchaus unter Bedingungen der Kulturindustrie aufgewachsen ist, da&szlig; sie ihm zur zweiten Natur wurde, ist zun&auml;chst f&auml;hig und gewillt, Einsichten mit zu vollziehen, die ihrer Sozialstruktur und Funktion gelten. Reflexartig wird er derlei Einsichten abwehren, mit Vorliebe unter Berufung eben auf die szientifische Spielregel allgemeiner Nachvollziehbarkeit. Drei&szlig;ig Jahre hat es gedauert, bis die kritische Theorie der Kulturindustrie durchdrang; zahlreiche Instanzen und Agenturen versuchen heute, sie zu ersticken, weil sie dem Gesch&auml;ft schadet.&laquo;</p>
<p>Vor allem &uuml;ber den Kunstdiskurs, der sich in den achtziger Jahren entwickelte, wurden mit der Popkultur gegen die Kulturindustrietheorie &auml;sthetische Strategien aktualisiert: der Pop erschien zum Teil unter dem Namen der k&uuml;nstlerischen Avantgarde. Punk wurde als historisch anschlu&szlig;f&auml;hig an Dada, Surrealismus und die Situationisten interpretiert. Und Punk wurde als Teil der Popkultur erkannt, nicht als ihre Gegenbewegung.</p>
<p>W&auml;hrend im Zuge der postmodernen &Auml;sthetikrezeption, die auch eine Verflachung kritischer Sozialphilosophie darstellt, im universit&auml;ren Bereich die Kulturindustrietheorie weitgehend ins Hintertreffen geriet, wird sie im halbakademischen Popdiskursbereich erneut diskutiert, und zwar nicht selten als Vorl&auml;ufer von poststrukturalistischen Ans&auml;tzen.</p>
<p>Das, was f&uuml;r die kritische Theorie damals noch ein gro&szlig;es Problem war, die Distanzlosigkeit zur Kulturindustrie, ist heute Programm: wer nicht in der Popkultur mitmacht, darf nicht mitreden. Zum Hauptproblem wird allerdings, l&auml;ngerfristig subkulturell innerhalb der Popkultur einen politischen Anspruch zu verankern, der einerseits unmittelbar mit den kulturindustriellen Produkten selbst zu tun hat, andererseits sich aber auf den &auml;u&szlig;eren &ouml;konomischen Rahmen schon l&auml;ngst verpflichtet hat. Wenn in einschl&auml;gigen Magazinen Monat f&uuml;r Monat bestimmte Tontr&auml;ger als Meilensteine der Popgeschichte deklariert werden, um im n&auml;chsten Monat schon vergessen zu sein, ist es jedenfalls sehr merkw&uuml;rdig. Obwohl werk&auml;sthetische Deutungen abgelehnt werden, wird weiterhin &mdash; vor allem im Bereich der Tanzmusik &mdash; selbst der Musik Ewigkeitswert bescheinigt, die bisweilen nicht einmal Musik zu sein beansprucht; diese Aufwertungsstrategie funktioniert blo&szlig; informativ, solange der eigentliche Inhalt solcher Urteil nicht sachlich ist.</p>
<p>Interessant ist die Tendenz, da&szlig; &mdash; nachdem erkannt wurde, da&szlig; es zum Mainstream in der Popkultur kein Au&szlig;en gibt &mdash; nun musikalisch eine Art Hypermainstream verteidigt wird, eine &raquo;&Uuml;beraffirmation&laquo; (Diedrich Diederichsen), basierend auf stereotype Minimalismen und Effekte (Portishead, Mouse On Mars, Rockers HiFi etc.) oder auf Koketterie mit &rsaquo;popistischen&lsaquo; Glamour (Madonna, Pet Shop Boys bis Stereo Total oder Wirlpool Productions, auch die neue Blumfeld).</p>
<p>Schwierig ist es, in einem solchen Rezeptionsklima den Gehalt der Kulturindustriethese wiederzuerkennen: wo einmal die Theorie zur &Auml;sthetik gemodelt wurde, von der man gleichzeitig theoretisch nicht soviel wissen m&ouml;chte, ger&auml;t die Kritik der Warenlogik, nach der Kultur heute funktioniert, in den Hintergrund &mdash; und reproduziert damit selbst ein Moment des Fetischismus, die Verh&auml;ltnisse als naturgegeben anzuerkennen. Kulturindustriekritik verk&uuml;rzt sich auf das unmittelbare Erlebnis, sie kehrt als Dancefloorversion wieder, als Remix einer neuen Innnerlichkeit, die sich ohnm&auml;chtig der Gesellschaft gegen&uuml;bersieht.</p>
<p>N&ouml;tig w&auml;re es, gegen&uuml;ber der Kultur insgesamt eine offensive Position zur&uuml;ckzugewinnen. Andererseits macht es kaum Sinn, der Krise der Gesellschaft kulturell auszuweichen &mdash; so emotional man sich auch immer einzelner Popmusik verbunden f&uuml;hlen mag: sie bleibt selbst Ausdruck von der Krise b&uuml;rgerlicher Musik, von der Krise der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft &uuml;berhaupt. Deswegen ist die Frage verfehlt, am Technischen etwa festgemacht, wo Fortschritt in der Popmusik ist; vielmehr h&auml;tte eine kritische Theorie der Popmusik die regressiven Tendenzen freizulegen, samt ihren Spannungen. Das w&auml;re dann auch eine neue Sachlichkeit der Kulturkritik, wie auch Subkulturkritik.</p>
<p><em>Der Text basiert auf einem Vortrag, gehalten am 10. Oktober 1997 im Kulturhaus in Berlin, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der »jour fixe initiative (b)«.</em><br />
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